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Nr. 279 Donnerstag den 1. Dezember

1881.

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Amtliches.

Der Schreiner Georg Bauer, geboren den 30. November 1842 zu Bayreuth im Königreich Bayern, seither in Hanau wohnhaft, hat sich seit dem 4. ds. Mts. heimlich entfernt und seine Familie, bestehend in Frau und 3 unmündigen Kindern, in hülflosem Zustande zurückge­lassen.

Es wird ersucht, nach dem Aufenthalt des rc. Bauer zu recher- chiren und im Ermittelungsfalle Nachricht hierher zu geben.

Hanau am 26. November 1881.

Der Landrath.

Gefunden: Eine schwarze Orleanschürze. Auf der Post liegen geblieben baares Geld nebst an eine Maschine gehörender Messingring.

Verloren: Eine goldene Vorsiccknadel, ein Hufeisen darstellend; dem Wiederbringer eine Belohnung. Ein leeres Oelfaß.

Entlaufen: Ein grau und gelber Doggenhund, m. Geschlechts.

Hanau am 1. Dezember 1881.

Aus Königl. Landrathsamt.

Tagesschau. Der Kanzler im Reichstag.

In der Reichstagssitzung am 28. Nov., worüber bereits be­richtet, ist es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Standpunkt der Reichsregierung und dem dergroßen liberalen Partei", die es an der Zeit hält, daß von den Liberalen in Deutschland wieder einmal Oppo­sition gemacht werde, gekommen. Fürst Bismarck selbst, der ja schon für die Sitzung am vorigen Donnerstag hatteanspannen" lassen, hat für seine Politik das Wort ergriffen und schon dadurch, daß er über­haupt an den Verhandlungen des Reichstags theilnimmt, gezeigt, daß er durch das Ergebniß der Neuwahlen sich keineswegs in die Ecke scheuchen läßt. Die Auseinandersetzung fand hauptsächlich Lasker gegenüber statt, dem ja in der That der Hauptantheil an der neuen parlamentarischen Lage als Erstem, dersezedirte" und dem die Anderen nur folgten, zu- kommt. Es ist von Werth, daß bei dieser Gelegenheit die Thatsache, die zu leicht vergessen wird, auf's Neue konstatirt wurde, die Thatsache, daß nicht Bismarck die Nationalliberalen, sondern diese ihn sr. Zt. ver­lassen haben. Man denke über die Gründe dieser Trennung und die Folgen derselben wie man will, der Umstand selbst sollte nie vergessen werden: als Bismarck die neue Wirthschaftspolitik unternahm, ließ ihn seine Partei denn das war die nationalliberale Partei bis auf wenige Mitglieder, zumeist aus Bayern und Württemberg, im Stich. Die hartnäckig festgehaltene freihändlerische Schulmeinung hat sie von ihm getrennt und ihn genöthigt, wenn er auf seine Reform nicht verzichten wollte, die Hilfe der konservativ-ultramontanen Allianz zu suchen. Man ist liberalerseits jetzt zumeist der Ansicht, daß an dem neuen Zolltarif zunächst nichts Grundsätzliches geändert werden solle. So wäre ja in dieser BeziehungBurgfrieden" vorhanden, und es könnte ein neues Verhältniß wenigstens des Restbestandes der nat.-lib. Fraktion zum Reichskanzler sich bilden. Bisher hat sich freilich davon noch wenig gezeigt, aber die neue Session ist ja auch erst im Beginn, und noch manche Entwicklungen können sich ergeben, an die heute noch Niemand denkt. (Schw. Merk.)

Coblenz, 29. Nov. Die Abreise Ihrer Majestät der Kai­serin nach Berlin ist jetzt auf Donnerstag den 1. Dezember Vormittags festgesetzt. (K. Z.)

Berlin, 30. Nov. In der heutigen (6.) Sitzung des Reichs­tags wurde die Etatsberathung fortgesetzt. Bei dem Kapitel: Ausgaben des Auswärtigen Amtes regte Abg. Virchow die Frage nach dem Stande der Verhandlungen mit Rom an, speziell was die Gerüchte über eine Wiederherstellung einer Gesandtschaft daselbst betrifft. Damit war die Debatte mitten in den Kulturkampf verpflanzt. Der Herr Reichskanzler erklärte die Angelegenheit für eine spezifisch preußische, und wolle die preußische Regierung die Gesandtschaft in Rom allerdings wieder her­stellen; eine bezügliche Vorlage werde dem Landtage zugehen. Das Reich habe keinen Kulturkampf. Abg. Windthorst konstatirte die Lust

des Abg. Virchow zur Fortsetzung des Kulturkampfes, worauf letzterer auseinandersetze, er bekämpfe nicht die Religion, sondern die Hierarchie, und unter letztere werde seine Partei sich niemals beugen;das über­lassen wir den Herren da drüben!" Fürst Bismarck führte dem gegen­über aus, er sei kein politischer Raufbold, der den Kampf um des Kampfes willen führe, die Zeit zum Friedensschluß sei gekommen, und eine Anlehnung an das Centrum weniger gefährlich für die Regierung als an die Fortschrittspartei. Dem Abgeordneten Hänel erwiderte der Herr Reichskanzler später nochmals, die Fortschrittspartei sei die einzige, deren Unterstützung ihm nie zu Theil geworden. Die Aenderung in den Beziehungen zum Centrum datire seit der Zollfrage. Sehr lebhaft äußerte sich der Abg. v. Kleist-Retzow, die Abgg. Richter, Virchow und Gen. müßten bei ihren jüngsten Behauptungen festgenagelt werden wie gewisse Thiere am Scheunenthor, was dem Redner den Ordnungsruf des Präsidenten zuzog. Nach einer Reihe weiterer mehr persönlicher Auslassungen der Abg. Virchow, Richter, v. Minnigerode wurde dieser Gegenstand endlich verlassen und eine ganze Reihe von Etats-Titeln de- battelos genehmigt. Bei der Position Berufskonsuln verlangte Abg. Kapp eine Reform des Examenwesens für die bezeichneten Beamten und verhieß der Kommissar alles Entgegenkommen der Regierung in dieser Richtung. Abg. Sonnemann verlangte noch eine Vermehrung der Zahl der Berufskonsulate. Der Herr Reichskanzler griff auch in diese De­batte ein, indem er die Interpellanten des besten Willens der Regierung versicherte, worauf der Abg. Kochann nochmals die Nothwendigkeit einer größeren und praktischen Ausbildung der bezeichneten Beamten betonte und ein Fortschreiten auf dem eingeschlagenen Wege, Ehrenkonsulate in Berufskonsultate umzuwandeln, dringend empfahl.

Ferner betheiligten sich noch an der Debatte Dr. v. Bunsen, Meier (Bremen), Bamberger und andere Herren Abgeordneten. Schließlich wird der Etat des auswärtigen Amtes ohne Anstand bewilligt.

Schluß 4 Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 12 Uhr; Etatsbe­rathung. (Post.)

Die Commission zur Vorberathung des Gesetzentwurfs, betref­fend die Kosten des Zollanschlusses von Hamburg, ist gewählt und kon- stituirt. Sie besteht aus folgenden 21 Mitgliedern: v. Kleist-Retzow, Staudy, Frhr. v. Minnigerode, Graf v. Behr-Negendank, Leuschner, Windthorst, Reichensperger (Stellvertreter des Vorsitzenden), Frhr. v. Schorlemer-Alst, Frhr. v. Wangenheim, Graf v. Waldburg-Zeik, Graf v. Adelmann (Schriftführer), Meier (Bremen), Büsing, Dr. Meyer (Jena), Bamberger (Vorsitzender), Barth (Schriftführer), Lasker, Hänel, Sandtmann, Schwarzenberg und Karster.

S. M. KanonenbootWolf", 4 Geschütze, Kommandant Kor­vetten - Kapitän Strauch, ist am 3. Oktober er. in Newchwang einge­troffen.

Der langjährige Schriftführer des Reichstages, Graf Kleist- Schmenzin, hat wegen eines Augenleidens einen Urlaub genommen und sein Amt als Schriftführer niedergelegt.

Unsere Mittheilung, daß der Nachfolger des Grafen St. Vallier, Baron Chaudron de Courcel, einen deutschen Doktortitel errungen hat und die deutsche Sprache durchaus beherrscht, können wir durch einige nähere Angaben ergänzen. Die deutsche Universität, welche Herr v. Courcel besuchte, war Bonn. Er studirte dort um die Mitte der 50er Jahre, war in der juristischen Fucultät eingeschrieben und wohnte bei dem jetzt verstorbenen Geheimrath Walter, in dessen Familie er wie der Sohn des Hauses verkehrte. Neben eisernem Fleiße und außergewöhn­licher Strebsamkeit zeichnete er sich durch große Liebenswürdigkeit und durch die angenehmsten Umgangsformen aus. Er zeigte sich des Deut­schen in Sprache und Schrift durchaus mächtig, sprach damals grund­sätzlich nur deutsch, verkehrte fast nur mit Deutschen und kennt unsere deutschen Verhältnisse ganz genau. Nach mehrjährigem Aufenthalte zu Bonn und nachdem er zum Doktor der Rechte promovirt worden, kehrte er nach Frankreich zurück, um sich der diplomatischen Laufbahn zu widmen. (K. Z.)

Essen, 30. Nov. DieEssener Ztg." schreibt: Am 29. d. Mts. sandte die in Düsseldorf abgehaltene Generalversammlung des Ver­eins zur Wahrung der gemeinsamen wirthschaftlichen Interessen für