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Hanauer Ameiger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Nr. 277

Dienstag den 29. November ^^Sy^räS8^PCTEE^^^e^^'E^ lnr»M»^^!^

1881.

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S^f* Ein Unfall beim Einheben des Hauptblattes in die Schnell­presse machte das gestrige Erscheinen desselben unmöglich. Wir lassen das fragliche Blatt heute mitfolgen und bitten die unliebsame Verzö­gerung zu entschuldigen.

________Redaktion und Expedition desHanauer Anzeixer."

Amtliches.

Zugelaufen: Ein dunkelgrauer Schäferhund mit gelben Beinen, langer Ruthe und länglichem Kopf, m. Geschlechts; Empsangnahme bei Adam Schreiber zu Mittelbuchen.

Hanau am 29. November 1881.

____________________Aus Königl Landrathsamt.

Steckbrief.

Gegen die Dienstmagd Christine Daus von Gassen, 17 Jahre alt, welche flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Diebstahls und Betrugs verhängt.

Es wird ersucht, dieselbe zu verhaften und in das Landgerichts- Gefängniß hier abzuliefern.

Hanau, den 24. November 1881.

Königliche Staatsanwaltschaft. _______________________S porled er.

Rundschau.

R. F. (Deutsches Reich.) Die Nachrichten über das Befinden unseres Kaisers lauten erfreulicherweise wieder günstiger. Die Ver­dauungsbeschwerden sind gehoben und auch die Schmerzzusälle der letzten Tage, welche mit einem an und für sich bedeutungslosen Uebel zusam­menhängen, an welchem der Kaiser schon seit 17 Jahren gelitten hat, sind verschwunden. Der Kräftezustand des greisen Monarchen wird als ein verhältnißmäßiger befriedigender geschildert, indessen rathen die Aerzte dringend zu großer Schonung, wenn der Wiederkehr ähnlicher Zustände vorgebeugt werden soll, deren häufigeres Erscheinen immerhin bedenklich erscheint.

Das wichtigste Ereigniß der abgelaufenen Woche innerhalb des Rahmens unserer inneren Politik bildete die erste ordentliche Sitzung, zu welcher der Reichstag am Donnerstag nach der definitiven Constitui- rung seines Gesammtvorstandes zusammengetreten war. Da als haupt­sächlichste Vorlage für diesen Tag die Generalberathung des ReichSbud- gets auf der Tagesordnung stand, so blickte man mit großer Spannung der ersten großen Debatte im neuen Reichstage entgegen, da man nach dem Beispiele früherer Jahre erwarten mußte, daß sich hierbei eine re­gelrechte und lebhafte Debatte über die gesammte innere Lage entwickeln würde. Indessen hat die Berathung am Donnerstag einen ganz uner­warteten Verlauf genommen. Nachdem der Vertreter der Reichsregierung, Staatssekretär Scholz, einen klaren und sachlichen Ueberblick über die verhältnißmäßig günstige financielle Entwickelung des Reiches gegeben hatte, nahm der fortschrittliche Abgeordnete Richter (Hagen) zu einer abfälligen Kritik der gestimmten Wirthschaftspolitik des Fürsten Bismarck das Wort. Zur allgemeinen Ueberraschung verzichteten aber nach Schluß der langen und zuletzt ermüdend wirkenden Rede Richtcr's die noch ein­geschriebenen Redner auf das Wort, so daß, da auch ein Vertagungs- antrag mit geringer Majorität abgelehnt wurde, die General-Debatte gemäß der Geschäftsordnung geschlossen werden mußte. Das Haus über- wies schließlich die Hauptposittonen des Etats der Budget Commission zur Vorberathung und vertagte sich dann bis zum 28. "November, an welchem Tage der Reichstag in die erste Lesung der Vorlage, betreffend den Zollanschluß Hamburgs, trat.

Der Reichskanzler liebt es bekanntlich, auf seinen Parlamentarischen Soireen sich :n zwangloser Weise über die schwebenden Tagesfragen der inneren und äußeren Politik auszulassen. Auch auf dem am Donnerstag beim Fürsten Bismarck stattgefundenen parlamentarischen Diner, zu wel­chem u. A. auch das Reichstags-Präsidium, die Schriftführer, Ouästoren und Abtheilungs-Borstände des Reichstages Einladungen erhalten hatte:?, verbreitete sich der Reichskanzler über die gegenwärtige innere Lage. Aus den Mittheilungen des Reichskanzlers ist hervorzuheben, daß er nicht im Entferntesten an eine Auflösung des Reichstages denke; derselbe werde keineswegs alle in der kaiserlichen Botschaft angekündigten Vor­lagen aus einmal zu erledigen haben. Der Kaiser wisse wohl, daß eine' lange Zeit für die angekündigten Entwürfe erforderlich sei und auch ein-

späterer Nachfolger des Kaisers werde sich diesen Ausgaben nicht ent­ziehen können, weil sie dem Wohle der Gesellschaft dienten. Der Kaiser halte fest an dem von ihm in der Botschaft eingenommenen Standpunkt und halte die Durchführung dieser Reformen für nothwendig. Fürst Bismarck betonte im Weiteren, daß er seit seinem Eintritte in die poli­tische Karriere stets an dem Grundsätze festgehalten habe, seiner politischen Ueberzeugung Geltung zu verschaffen und daß er dies auch in Zukunft thun werde. Schließlich bemerkte der Fürst nochmals, daß es ihm gar nicht einfiele, den Reichstag aufzulösen, auch wenn derselbe seine Pro­jekte ablehnen würde; man werde sich aber doch nach und nach mit den Grundzügen der neuen Vorlagen befreunden.

Die clerical-conservativ gesinnte Majorität der bayerischen Abge­ordnetenkammer fährt fort, dem Ministerium Lutz allerhand Unannehm­lichkeiten zu bereiten. Bei der Berathung des Finanzetats wurde der Dispositionsfonds mit 78 Stimmen der Rechten gegen 59 Stimmen der Linken abgelehnt. Der clericale Abgeordnete Mittler erklärte bei der Be­rathung, daß die Rechte den wohlthätigen Zweck des beregten Fonds wohl würdige, daß sie sich aber nicht veranlaßt fühle, das mißliebige Ministerium zum öffentlichen Almosenier zu machen.

(Oesterreich-Ungarn.) Ueber die Unruhen in Süd-Dalma- tien hat sich auch die österreichische Regierung nicht längerausschweigen" können und hat im Budgct-Ausschusse des Abgeordnetenhauses halb und halb zugegeben, daß die Autorität der Regierung in der Crivsscie ernst­lich erschüttert sei. Die österreichische Regierung ist entschlossen, allen Widerstand in Süd-Dalmatien mit entsprechenden Mitteln zu brechen.

(Frankreich.) Für Frankreich hat die vergangene Woche kein Ereigniß von hervorragender politischer Bedeutung gebracht. Gambetta versucht, sich auf dem Sessel des Ministerpräsidenten erst gehörig festzu­setzen, ehe er daran denkt, der französischen Politik zunächst im Innern die lediglich im Interesse der Gambettisten liegende Richtung zu geben. Gambetta versichert darum jetzt eifrigst, er denke gar nicht daran, eine gewaltsameRevision" des Senates im radikalen Sinne herbeizuführen, indessen wissen die Herren Senatoren recht gut, daß der neue Minister­präsident nur die günstigste Gelegenheit abwartet, um dem Senate in seiner jetzigen Zusammensetzung einen tödtlichen Streich zu versetzen. Die Ernennung des Barons de Courcel, Direktors der politischen An­gelegenheiten im Ministerium des Auswärtigen, zum französischen Bot­schafter in Berlin, gilt als unmittelbar bevorstehend. Die französi­schen Waffen in den aufständischen Distrikten von Algier und Tunis haben jetzt unverkennbare Erfolge aufzuweisen. Im Süden von Tune- sien haben sich die meisten ausständischen Stämme unterworfen und im Süden Algeriens hat der General Delebcque die Insurgenten unter Bu Amena wiederholt geschlagen und dessen Haus zerstört.

(England.) Der englischen Regierung ist es trotz aller Ver­haftungen, trotz Erlaß der Landbill und Errichtung des Landgerichts­hofes noch nicht gelungen, den gesetzlosen Zuständen in Irland ein Ende zu machen. Nach wie vor sind dort die Mordversuche gegen die Polizei- und Gerichtsbeamten, gegen Gutsverwalter und mißliebige Pächter an der Tagesordnung. Fast kein Tag vergeht, an welchem die irischen und englischen Zeitungen nicht Berichte von einem durch die Trabanten der irischen Landliga begangenen Mord oder Mordanfall berichten, so daß selbst die sonst so hoffnungsvolleTimer" eingesteht, daß die Zustände in Irland noch immer enttäuschend und beunruhigend sind. Die eng­lischen und namentlich die Londoner Journale fordern daher die Regie­rung auf, zu außerordentlichen Mitteln zu greifen, um dem Treiben der Landliga endlich energisch entgegentreten zu können. Bei den am 25. November in Cork stattgesundenen Gemeinderathswahlen unterlagen die Candidaten der Landliga.

(Rußland.) Am vergangenen Freitag erschien während der Sitzung im Departement der Reichspolizei zu Petersburg ein Mann und feuerte auf den General Tscherewin einen Rcvolverschuß ab, durch welchen die Uniform des Generals durchlöchert wurde. Der Thäter, welcher sofort verhaftet wurde, nennt sich Nikolas Sankowsky und ist von pol­nischem Adel aus dem Gouvernement Grodno. Der Verhaftete gab an, daß er die That auf Anstiften eines gewissen Paul Melnikoff begangen habe, welcher in Folge dessen ebenfalls verhaftet wurde.

(Italien.) Der Papst hat am 25. November ein großes, öffent­liches Konsistorium abgehalten. Das Oberhaupt der römisch-katholischen