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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Nr. 271
Dienstag den 22. November
1881.
Rundschau.
R. F. (Deutsches Reich.) Die am vergangenen Donnerstag erfolgte Eröffnung des neugewählten Reichstages wurde, entgegen dem allgemeinen Erwarten, nicht durch den Kaiser, sondern durch den Reichskanzler Fürst Bismarck vollzogen. Der Grund, warum der Kaiser nicht, wie ursprünglich bestimmt, den Reichstag persönlich eröffnete, lag darin, daß die Räume, welche der Monarch hierbei im Schlosse zu betreten gehabt hätte, nicht auf einen Wärmegrad gebracht werden konnten, der unter den Gesundheitsverhältnissen des Kaisers nothwendig war. Was nun die Thronrede, welche diesmal in der überraschenden Form einer kaiserlichen Botschaft erschien, im Allgemeinen anbelangt, so klingt aus derselben die volle Uebereinstimmung des Kaisers mit der Wirthschaftspolitik seines Kanzlers heraus und es darf darum nicht überraschen, wenn unter den dem Reichstage angekündigten Vorlagen sich die Unfallversicherung, die Getränkesteuer und das Tabaksmonopol wieder befinden. Auch eine Revision des Hülsskassenwesens für Krankheitsfälle kündigt die kaiserliche Botschaft an und es ist anzunehmen, daß sowohl hierüber wie über die Unfallversicherung sich eine fruchtbringende Verständigung zwischen Reichsregierung und Reichstag werde erzielen lassen, während sich der Reichstag für das Tabaksmonopol und die Getränkesteuer wohl kaum schon in dieser Session entscheiden dürfte. Hinsichtlich des Etats konstatirl die Botschaft die günstige finanzielle Entwickelung des Reiches, welche die Botschaft mit Recht als einen Erfolg der Wirthschaftspolitik des Reichskanzlers hinstellt; außerdem ist noch die Vorlage, betreffend den Vertrag zwischen dem Reiche und der Stadt Hamburg, angekündigt. Am Schlüsse gedenkt die Botschaft noch der auswärtigen Angelegenheiten und die ganze Nation vernimmt es mit hoher Befriedigung, daß Deutschland mit voller Friedenszuversicht in die Zukunft blicken kann, wofür die Begegnungen in Gastein und Danzig ein Unterpfand waren und es bedarf wohl nicht der Versicherung, daß die Betonung des fernerweiten friedlichen Charakters der deutschen Politik den vollen Beifall der Nation findet.
Am Sonnabend hat die mit so großer Spannung erwartete Wahl des Reichstags-Präsidium stattgefunden. Gewählt wurde zum Präsidenten v. Levetzow (deutschconservativ) mit 193 Stimmen gegen 148 Stimmen, welche auf Frhru. v. Stauffenberg (Secessionist) fielen; v. Levetzow nahm die Wahl dankend an. Bei der Wahl der Vicepräfidenten des Reichstages wurde v. Franckenstein (Centrum) mit 197 gegen 138 Stimmen, welche auf Benda (nationallib.) fielen, zum 1. Vicepräfidenten gewählt; v. Franckenstein nahm die Wahl dankend an. Bei der Wahl des 2. Vicepräfidenten erhielt im ersten Wahlgange Benda 157, Hänel (Fortschritt) 148 Stimmen. Benda lehnte ab, worauf im zweiten Wahlgange Ackermann (deutschcons.) mit 158 gegen 138 auf Hänel fallende Stimmen zum 2. Vicepräfidenten gewählt wurde. Zu Schriftführern werden Per Acclamation gewählt: Holtzmann (nat.-lib.), Wölffel (secess), Beinards (?), Porsch (Centrum), Kleist (deutsch, cons.), Richter. Meißen (freicons.), Hermes (fortschr.) und Eysoldt (fortschr.). Mit der Ernennung der Quästoren Hofmann und Kochhann war die Constituirung 24$ d^M^s/ttDie nächste Sitzung findet Donnerstag, den
Nach einem Telegramm der „Germania" aus Rom ist die Ernennung des Generalvikars Kopp zum Bischof von Fulda nunmehr er« w Die durch ein päpstliches Breve erfolgte Ernennung ist in dem November abgehaltenen Konsistorium, zugleich mit der Ernennung Bischofs Dr. Korum, vom Heiligen Vater proklamirt worden.
Cardinal Fürst Hohenlohe weilt augenblicklich in Berlin und ,'nan ou, daß der Cardinal der Ueberbringer einer vertraulichen in Preuß^ st^ über die schwebenden kirchenpolitischen Fragen
,, . ®’e Besserung in dem Befinden des GroßherzogS von Baden geben ^ ^ w^ daher täglich nur noch ein Bulletin ausge-
^bsterreich-Ungarn.) Die österreichische und die ungarische sCss^atwn haben in voriger Woche ihre Sitzungen beendigt. In der • ^""9 der österreichischen Delegation sprach der Kriegsminister im trage des Kaisers der Delegation dessen Dank für ihre Opfer- I
Willigkeit aus, worauf der Präsident Ritter von Schmerling der Regierung dankte und der Hoffnung' Ausdruck gab, daß der Friede auch fernerhin erhalten bleiben werde. — Die Wiener Blätter besprechen die deutsche Thronrede in anerkennender Weise und die „Deutsche Zeitung" bezeichnet die Thronrede als eine Staatsschrift von sittlichem Ernste und historischer Bedeutung. — Die Ernennung Kalnocky's, des österreischi- schen Botschafters in Petersburg, zum Minister des Auswärtigen soll unmittelbar bevorstehen. — Unter den Bocchesen in Süd-Damatien an der montenegrinischen Grenze ist wegen Einführung der Landwehrpflicht ein Aufstand ausgebrochen.
(Frankreich.) Der Ministerwechsel in Frankreich hat in dem diplomatischen Personale und in den übrigen Beamtenkategorien Frankreichs eine Reihe von Veränderungen hervorgerufen, unter denen der Rücktritt der französischen Botschafter in Berlin und Petersburg am wichtigsten erscheint. Die Gründe, welche den Graf St. Vallier und General Chancy veranlaßten, zu demissioniren, werden verschieden angegeben, man kann indessen annehmen, daß der Hauptgrund für ihren Rücktritt in dem radikalen Anstrich des neuen französischen Cabinets liegt, welcher mit den gemäßigt republikanischen Anschauungen der genannten Diplomaten nicht harmonirt. Dieser Umstand wird auch für zahlreiche andere höhere französische Beamte die Ursache zum Rücktritt werden und Herr Gambetta wird darum bald in der Lage sein, mit den vakant gewordenen Posten seine Getreuen zu belohnen.
(England.) Auf dem englischen Dampfer „Severn" fand am 17. November während der Fahrt von Bristol nach Glasgow eine Dynamit-Explosion statt, wodurch 9 Personen getödtet und 43 schwer verwundet wurden; das Verdeck des Dampfers wurde ganz zertrümmert. Die Untersuchung ist sofort eingeleitet worden und glaubt man, daß die Ferner die Hand mit im Spiele haben.
(Italien.) Das italienische Parlament ist am Donnerstag wieder zusammengetreten. Dasselbe wird sich zunächst mit dem Budget der Justiz, dem des Ackerbaues und mit demjenigen des Handels zu beschäftigen haben. — Auf dem am 18. d. M. zu Rom abgehaltenen Consi- storium wurden unter anderen auch die neuen Bischöfe von Trier, Fulda und Mostar (Bosnien) vom Papste präconisirt.
(Rußland.) Die russischen Nihilisten setzen ihre geheime aufreizende Thätigkeit mit ungeschwächten Kräften fort, wie die Vcrtheilung zahlreicher Flugblätter, Programme u. s. w. revolutionären Inhalts beweist. Die Meldung, daß die russische Polizei fortwährend in vollster Thätigkeit bezüglich der nihilistischen Umtriebe sei, erscheint daher glaubwürdig und es ist deshalb nicht auffällig, daß der Czar noch immer in Gatschina weilt, wo er weniger ein nihilistisches Attentat zu fürchten scheint als in Petersburg.
(Niederlande.) Die Uebernahme des holländischen Minille- riums der auswärtigen Angelegenheiten durch den freihändlerischen Herrn van Rochussen wird für die niederländische Handelspolitik unzweifelhaft von großem Einflüsse sein. Herr van Rochussen hat sich bereits dahin ausgesprochen, daß die Handelspolitik Hollands aus die Entwickelung des internationalen Freihandels gerichtet sein werde, was allerdings auch im Interesse der ausgedehnten holländischen Kolonien liegt.
(Orient.) Ein kleiner Konflikt steht zwischen der Pforte und Griechenland in Aussicht. Die türkische Regierung hat dem griechischen Gesandten eine Note zugehen lassen, in welcher sie die Schließung der griechischen Postbureaux in der Türkei innerhalb drei Tagen verlangt, um der Pforte die peinliche Nothwendigkeit zu ersparen, zu Zwangsmaßregeln zu greifen, wie solche von den griechischen Behörden bei der Schließung des türkischen Postamtes in Larissa angewendet worden seien. Die Pforte gedenkt offenbar Repressalien für den erwähnten Fall von Larissa zu ergreifen; indessen werden voraussichtlich die Großmächte in dieser Angelegenheit zu Gunsten Griechenlands interveniren. — In der arabischen Provinz Hedjaz sollen ernstliche Unruhen ausgebrochen sein und es steht deshalb die Absendung starker türkischer Truppenmassen nach Arabien zu erwarten.
TKgesscha«.
— Berlin, 21. Novbr. Se. Majestät der Kaiser und König