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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Nr. 270.
Amtliches.
Zugelaufen: Eine graue Gans. Ein junges Huhn.
Entlaufen: Zwei Gänse.
Verloren: Ein goldener Uhrschlüssel.
Hanau am 21. November 1881.
Aus Königl. Landrathsamt.
LastßD schau.
— Berlin, 19. Nov. Ihre Majestät die Kaiserin und Königin wird, wenn die günstige Wendung im Befinden Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs von Baden anhält, am 21. d. M. nach Coblenz übersiedeln.
— Berlin, 19. Novbr. In der heutigen zweiten Sitzung (des Reichstages theilte Alterspräsident Graf von Moltke die Konstituirung der Abtheilungen mit, worauf die Präsidentenwahl folgt. Im ersten Wahlgange werden 342 Stimmen abgegeben; davon erhält von Levetzow 193, v. Stauffenberg 148, v. Seydewitz 1. von Levetzow ist also zum ersten Präsidenten gewählt.
Präsident von Levetzow: Die auf mich gefallene Wahl nehme ich an und danke der Majorität für die mir erwiesene Ehre, die ich nicht verdiene. Ich meine jedoch, daß es meine Pflicht sein werde, den von mir geforderten Dienst dem Vaterlande niemals zu versagen. (Bravo!) Lediglich deswegen werde ich jene Höhe ersteigen. Ich verkenne die außerordentlichen Schwierigkeiten der Situation nicht und befürchte, daß meine Fähigkeiten, wie meine parlamentarische Uebung kaum ausreichen werden, diese Schwierigkeiten zu überwinden. Mein erstes Streben wird es aber sein, die Würde die Reichstags überall zu wahren, seine Geschäfte möglichst zu fördern und mich hierbei nur von sachlichen Rücksichten leiten zu lassen (Beifall). Ich verspreche ausdrücklich vollste Unparteilichkeit (Beifall) und bitte namentlich die Herren, welche mir ihre Stimme gaben, mich zu unterstützen und Nachsicht mit mir zu haben, nicht meinetwegen, sondern des Reichstags wegen, der uns allen doch am Herzen liegt. (Beifall.)
Frhr. von Franckenstein wird hierauf mit 197 Stimmen zum ersten Vizepräsidenten gewählt; v. Benda erhielt 136 Stimmen.
Bei der Wahl eines zweiten Vizepräsidenten erhält v. Benda 157, Hänel 142 Stimmen, v. Benda lehnt die Wahl ab, eS folgt daher ein neuer Wahlgang, in welchem Ackermann 158 und Dr. Hänel 138 Stirn- wen erhält. Ersterer ist somit gewählt und nimmt die Wahl an.
Zu Schriftführern werden auf Antrag Dr. Windthorst's durch Acelamation gewählt die Abgeordneten Hslzmann, Wölffel, Bernards, Dr. Porsch, Graf Kleist-Schmentzin, Richter-Meissen, Hermes-Parchim und Eysoldt. Zu Quästoren ernennt der Präsident die Abgeordneten Kochann und Hoffmann.
Nächste Sitzung Donnerstag, 24. November.
— Der „ R. u. St.-A." Nr. 272 veröffentlicht: Verordnung, betr. die Tagegelder der LandgenSd'armerie. Vom 14. Oktober 1881. Der einzige Paragraph der Verordnung lautet: Der Chef und die Mitglieder der LandgenSd'armerie erhalten bei Dienstreisen Tagegelder nach folgenden Sätzen: 1) der Chef 24 Mark, 2) der Brigadier 15 Mk., 3) der Distriktsosfizier 12 Mk, 4) der Zahlmeister 9 Mk., 5) der Ober- Wachtmeister 4 Mk. 50 Pf., 6) der Gens'darm 3 Mk. Mitglieder der LandgenSd'armerie im Sinne dieser Verordnung sind auch die auf Probe, interimistisch oder zur Aushülfe bei der LandgenSd'armerie Angestellten.
T7 S. M. S. „Vineta", 19 Geschütze, Kommandant Kapitän zur See Zirzow, ist am 19. November er. in Plymouth eingetroffcn.
(Aus der Reichshauptstadt.) Der zehnte deutsche Handelstag wird in Berlin im Rathhaus am 9. und 10. Dez. d. J. sich versammeln. Derselbe umfaßt zur Zeit 141 Handels- und Gewerbe- kammern, kaufmännische Korporationen und wirtschaftliche Vereine. Aus der T.-O. führen wir an: Das Tabaksmonopol und die Straß- vurger Tabaksmanufaktur. Referent: August Nebelthau (Bremen), Kor- reserent: Diffene (Mannheim). Die Handelskammer von Straßburg war aufgefordert worden, das Korreferat zu übernehmen, weil voraus- gesetzt wurde, sie werde sich für das Tabaksmonopol erklären. Sie hat Dies aber abgelehnt, da sie Gegnerin des Monopols sei. Der Einfluß
Montag den 21. November
1881.
der im Eisenbahnwesen eingetretenen Aenderungen auf die Leistungen und Tarife im Güterverkehr. Referenten: Dr. Marcus (Bremen), Dr. Natorp (Essen). Die Mittel und Wege zur Hebung des deutschen Exports. Referenten: Anneke (Berlin) und die Handelskammern zu Stuttgart und Mainz. — Großes Aufsehen erregt die Selbstdenunziation eines ber ältesten und angesehensten Rechtsanwälte Berlins, des Justizraths Heilborn. Derselbe meldete sich am Dienstag Nachmittag bei dem Untersuchungsrichter, Landgerichtsrath Johl, und bat denselben um Verhaftung, da er sich der Unterschlagung beschuldigen müsse. Auf die eingehenden Fragen des im höchsten Maße erstaunten Richters erklärte Heilborn weiter, daß er seit Jahren ein Mündelvermögen verwalte, mit welchem er unglückliche Häuserspekulationen betrieben habe, und dabei in ein so großes Defizit gekommen sei, daß er bisher nur mühsam ein Loch nach dem anderen aufgemacht habe, um frühere Löcher zuzustopfen. Da ihm nun jetzt aber sein Gewissen keine Ruhe mehr lasse und sein Inneres ihm gebiete, durch eine klare Darlegung der Sache vor dem Richter zu versuchen, seine verloren gegangene Ruhe wieder zu gewinnen, so stelle er sich dem Untersuchungsrichter zur Verfügung. Der bedauerns- Werthe alte Herr, das Oberhaupt einer sehr zahlreichen Familie, ist denn auch. in Haft genommen worden. Seine Kollegen beabsichtigen, die Kaution aufzubringen, um die Haftentlassung des beklagenswerthen Mannes, dessen Schicksal überall tiefes Mitgefühl hervorruft, zu erwirken. (Schw. Merk.)
— Elberfeld, 19. Novbr. Der „Elberfelder Zeitung" zufolge wurden hier gestern Abend 11 Uhr 18 Min. zwei heftige Erdstöße beobachtet, ebenso auch in Barmen und Düsseldorf.
— Köln, 19. Novbr. Gestern Abend 11 Uhr 20 Min. hiesiger Zeit wurde ein heftiger, in senkrechter Richtung erfolgter Erdstoß bei einem konstanten Barometerstände von 770 und sternenhellem Himmel wahrgenommen. Die Erschütterung dauerte 2 Sekunden; dann folgten noch stundenlang gelinde Zuckungen.
— Bonn, 19. Nov., früh. Gestern Abend 11 Uhr 22 Minuten wurden hier zwei starke Erdstöße verspürt.
Weitere Nachrichten über stattgehabte Erdbeben liegen aus verschiedenen Orten noch vor.
— Essen, 19. Novbr. (K. Z.) Nach einer Berathung von zwanzig Minuten haben die Geschworenen den Angeklagten Schiff schuldig befunden. Darauf wurde derselbe wegen dreifachen Mordes zum Tode, wegen Nothzucht zu 15 Jahren Zuchthaus und Ehrverlust auf gleich lange Zeit verurtheilt.
— Gera, 17. Nov. Dem heute zusammengetretenen Landtage ist eine Vorlage zugegangen über den Verkauf der Thüringischen Eisenbahn, soweit das Fürstenthum finanziell hierbei betheiligt ist, an den preußischen Staat.
— In Süddeutschland findet die Thronrede doch auch noch eine andere Auffassung, als nur die von dem engherzigen, sich betroffen fühlenden Parteistandpunkt aus. So sagt die „Südd. Pr.": „Bis auf die vom berechtigten Stolze getragenen Schlußworte über die von ganz Europa anerkannte erfolgreiche Friedenspolitik des deutschen Reiches zeigt die Thronrede ein sehr ernstes Gesicht Sie soll in tiefem Schweigen angehört worden sein. Der Linksliberalismus sieht sie als eine Fehdeerklärung an. Das ist nicht richtig, aber eine Desensiverklärung ist sie allerdings. Wie es scheint, haben Kaiser, Kronprinz und Kanzler sich verbunden, das gescheiterte Werk noch einmal zu versuchen.
— Der dänische Verein zum Schutze der Thiere (unter dem Protektorate des Königs von Dänemark) hat ein Preisausschreiben erlassen, um die Lösung der Visisektionsfrage sördern zu helfen. Das Thema lautet: Bei welchen physiologischen Versuchen können lebende Thiere durch frisch getödtete ersetzt werden? Ferner wäre die Frage zu beleuchten, ob nicht die Möglichkeit gegeben ist, andere UntersuchungSme- thoden an die Stelle peinlicher Experimente treten zu lassen. Speziell wird noch auf die Erklärung des Prof. M. Schiff aufmerksam gemacht, daß „unter gewissen Bedingungen die Lebensfunktionen an eben getödte- ten Thieren studirt werden können". Für die beiden besten Bearbeitungen dieser Fragen sind Preise von je 2000 und 1000 Frs. ausgesetzt worden. Die Preisschristen können in deutscher, französischer, englischer,