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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial- Correspondenz.

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Nr. 268. Freitag den

Amtliches.

Der Ortsbürger Georg Wild aus Kesselstadt ist nach Mittheilung seiner Angehörigen seit dem 12. ds. Mts. spurlos verschwunden.

rc. Wild ist 57 Jahre alt, klein, untersetzt, hat grauen Vollbart, Kinn ausrasirt und war bekleidet mit dunklem Rock und Hose, grauer Weste, Mütze und Gummizuzstiefeln. Da Wild im Sommer ö. I. im Landkrankenhause hier wegen Geistesstörung behandelt wurde, so steht zu erwarten, daß dieser Krankheitsfall bei ihm wieder eingetreten ist.

Es wird ersucht nach demselben zu recherchiren und im Ermitte­lungsfalle Nachricht hierher zu geben.

Hanau am 16. November 1881.

Die 2te Schulstelle in Dörnigheim, mit welcher ein Einkommen von 840 M. neben freier Wohnung und 90 M. Brandentschädigung verbunden ist, ist vakant. Bewerber haben ihre deshalbigen Gesuche mit Zeugnissen binnen 4 Wochen hier oder an den Herrn Lokal- Schulinspektor Pfarrer Biskamp in Dörnigheim einzureichen.

Hanau am 17. November 1881.

___________________________Der Landrath.__________________________

Bekanntmachung.

Am 1. November er. wurde zu Wachenbuchen ein weißes Jährling­mutterschaf als gestohlen mit Beschlag belegt.

Des Diebstahls dringend verdächtig ist ein Mann von mittlerer Statur, dem das linke Auge fehlt und der einen blonden Vollbart trägt.

Bekleidet war derselbe mit einem grau gestreiften Rock.

Es wird ersucht etwaige Spuren zur Ermittlung des Thäters da- hier anzuzeigen.

Hanau, den 3. November 1881.

Der Erste Staatsanwalt.

___________________Schumann.___________________

Rundschau.

R. F. (Deutsches Reich.) Mitten noch unter den Nachklän. gen der letzten am 14. November vollzogenen Stichwahlen ist der deutsche Reichstag am Donnerstag zu einer neuen Legislaturperiode zusammenge­treten. Was nun die Stärke der einzelnen Fraktionen anbelangt, so sind nach derNat.-Ztg.", wenn man die wenigen, noch unbekannten Resultate der Stichwahlen berücksichtigt, deren Ausfall sich aber mit großer Wahrscheinlichkeit vorhersagen läßt, gewählt: 57 Conservative, 25 Freicsnscrvative, 98 Clericale, 9 welsische Hospitanten des Centrums, 47 National-Liberale, 45 Seccssionisten, 56 Mitglieder der Fortschritts­partei, 8 der Bolkspartei, 6 andere Liberale, 16 Polen, 15 Protestler, 13 Socialdemokraten und 2 Dänen. Aus diesem Stärkeverhältnisse der Parteien erhellt vor Allem das Eine, daß weder eine conservativ-natio- nalliberale, noch eine conservativ-clericale Mehrheit im neuen Reichstage vorhanden ist, da zu einer solchen 199 Stimmen erforderlich sind. Es liegt darum die Frage nahe, wie sich Fürst Bismarck, da er für seine Pläne keine feste Stütze im Reichstage mehr hat, zu Letzterem stellen werde; hierüber gibt uns das, was über die Unterredungen zwischen dem Kaiser und dem Fürsten Bismarck am Sonntag und am Montag ver­lautet, genügenden Aufschluß. Fürst Bismarck soll vom Kaiser die Er­mächtigung erbeten und erhalten haben, mit den Mitgliedern derjenigen Parteien, welche voraussichtlich eine Mehrheit zu bilden im Stande sein werden, darüber zu verhandeln, ob und unter welchen Bedingungen sie geneigt sein würden, mit ihm in die Führung der Geschäfte einzutreten. Fürst Bismarck, dessen Bleiben demnach nicht länger bezweifelt werden kann, will dem Lande, so weit es in seinen Kräften steht, einen Konflikt ersparen und sich daher bemühen, solche politische Persönlichkeiten zur Regierung zu berufen, welche eine regierungsfähige Mehrheit zu bilden sich zutrauen und geeignet erscheinen. Es ist also die erfreuliche Aus­sicht vorhanden, daß die durch den Ausfall der Reichstagswahlen her­vorgerufenen Schwierigkeiten in unserer inneren Lage der natürlichsten Lösung entgegengehen.

Der deutsche Kronprinz ist am Dienstag von dem Besuche am Krankenlager des Großherzogs von Baden wieder nach Potsdam zurück­gekehrt, da die bedenklichen Symptome im Befinden des Großherzogs glücklicherweise wieder entschwunden sind. Nachdem die in der Nacht vom 11. auf den 12. November eingetretene Krisis einen glücklichen

18. NovemberM 1881.

Verlauf genommen hat, ist gegründete Hoffnung auf die vollständige Wiederherstellung des erkrankten Fürsten vorhanden.

Am Dienstag fand die feierliche Eröffnung des badischen Landtages im Ständehaus zu Karlsruhe durch den Staatsminister Turban statt. Turban verlas die Thronrede, in welcher erklärt wird, daß, da der Großherzog durch seine schwere Krankheit verhindert und der Erbgroß- Herzog in der Familie zurückgehalten sei, Staatsminister Turban den Auftrag erhalten habe, den Ständen den freundlichen Gruß des Groß­herzogs zu entbieten. Bezüglich der Vorlagen hob Turban hervor, daß der Staatshaushalt eine erfreuliche Uebereinstimmung der Einnahmen und Ausgaben aufweise. Nach Vereidigung der neu eingetretenen Ab­geordneten schloß die Sitzung mit einem dreifachen Hoch auf den Groß­herzog.

Die bayerische Abgeordnetenkammer hat am Dienstag den Antrag Mayer auf Aufhebung der obligatorischen Civilehe trotz der vorher ab­gegebenen Erklärung des Justizministers von Fäustle, daß er nicht in der Lage sei, die Krone im Sinne des Antrages Mayer zu berathen, gegen die Stimmen der Linken angenommen.

(Oesterreich.) Der österreichische Reichsrath ist am 14. No­vember wieder zusammengetreten und legte hierbei Finanzminister v. Du- najewski dem Abgeordnetenhause das Budget für 1882 vor. Das De­ficit beträgt 22 Millionen Gulden; zu dessen Bedeckung sind noch keine Bestimmungen getroffen, doch konstatirt das dem Budget beigegebene Expofä, daß die Steuerergebniffe in Oesterreich eine, wenn auch nicht bedeutende, so doch immerhin stetige Zunahme aufzuweisen hätten, was für die financiellen Verhältnisse Oesterreichs allerdings von großer Be­deutung ist.

(Frankreich.) Nach Ueberwindung mannigfacher Schwierigkei­ten ist endlich Gambetta die Bildung des neuen französischen Cabinets gelungen. Dasselbe ist folgendermaßen zusammengesetzt: Präsidium und auswärtige Angelegenheiten: Gambetta; Kriegsminrsterium: Campenon; Inneres: Waldeck Rousseau; Finanzen: Allain Targö; Post und Tele- graphie: Cochery; Handel und Colonien: Rouvier; öffentliche Arbeiten: Reynal; Marine: Gouchard; Ackerbau: Devös; außerdem ist ein neues Ressort für Kunst und Industrie geschaffen worden, welches Proust über­nommen hat. Cazot behält das Justizministerium, dagegen ist an Ferry's Stelle der radikale Bert Unterrichtsminister geworden. Was den Cha­rakter des neuen Cabinets anfutanßt, so kann man dasselbe, da fast sämmtliche Mitglieder derrepublikanischen Vereinigung" angehören, als ein gambettistisch fortschrittliches bezeichnen, in welchem die Person Gam- betta's einfach alles bedeutet. Das neue Cabinet hat am Dienstag in der Deputirtenkammer bereits sein Programm abgegeben. Hiernach soll das Gerichtswesen umgestaltet, das nationale Erziehungswesen vollendet und die militärische Gesetzgebung ergänzt werden. Ferner beabsichtigt das Cabinet, die kommerciellen Beziehungen Frankreichs durch Verträge auszudehnen, ein dem Concordat streng entsprechendes System zur An­wendung zu bringen und endlich will es den inneren und äußeren Frie­den aufrecht erhalten. Von der Kammer wurden diese Erklärungen bei­fällig ausgenommen. Der französische Botschafter in Berlin, Graf St. Vallier, und der französische Botschafter in Petersburg, General Chancy, habenn ihr Entlassiingsgesuch eingereicht.

(Italien.) Von officiöser italienischer Seite ist eine bedeutsame Kundgebung über die Wiener Reise des italienischen Königspaares erfolgt. Das amtliche Blatt der italienischen Regierung veröffentlicht hierüber ein Communiquö, in welchem betont wird, daß die Kundgebungen in Italien und Oesterreich klar zeigten, wie dieser Besuch des Königspaares zu Wien wirklich den Friedenswunsch und das innerhalb der beiderseitigen Be­völkerungen bereits existirende Gefühl der Sympathie zur That gemacht habe. Die Bevölkerungen Hütten in dieser Beziehung einen wahrhaften Wetteifer entwickelt, und das amtliche Blatt publicirt zum Beweise dessen eine große Liste von Provinzial- und Communal-Vertretungen und Ver­einen, welche in Adressen ihre Uebereinstimmung mit dem Könige und der Regierung dokumentirten. In Wien wird diese friedliche und aner­kennende Sprache des amtlichen italienischen Journals sicherlich den günstigsten Eindruck hervorrufen.

(Rußland.) Die Gerüchte von bevorstehenden Veränderungen in den höchsten russischen Verwaltungsämtern werden für unbegründet erklärt. Graf Schuwaloff beabsichtigt nicht, wieder in den aktiven