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Nr. 267

Donnerstag den 17. November..'-!

1881

Amtliches.

Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 15. v. Mts. in Nr. 240 des Hauauer Anzeigers veranlasse ich die Herrn Bürger­meister nunmehr die Wahl der Mitglieder der Klassensteuer-Einschätzungs­Commission vorzunehmen und die Namen der Gewählten mir binnen 8 Tagen anzuzeigen. Bei der Wahl ist darauf zu achten, daß die ver- fchiedenen Klassen der Steuerpflichtigen möglichst gleichmäßig in der , Commission vertreten werden.

Als Termin zur Vornahme der Einschätzung der Klassensteuer für das Etatsjahr 1882/83 ist gleichmäßig im Kreis

Sonnabend der 10. Dezember er.

bestimmt worden.

Die Klassensteuerrollen sind, sobald solche abgeschlossen und nebst der Einkommens-Nachweisung auf dem Titelblatt unterzeichnet worden sind, bis zum 13. Dezember er. mir einzureichen. Die sonstigen Unter- Anlagen, insbesondere Protokoll über die Verpflichtung der Mitglieder der Commifsion, Schulden-Nachweisung mit vorgeschriebener Bescheinig­ung, Verhandlung über die vorgenommenenen Ermäßigungen einzelner Censiten, sowie Vergleichung der Abschlüsse der beiden Rechnungsjahre, endlich die Gewerbesteuer-Rolle sind beizufügen.

Am Schlüsse der Rolle oder der Einkommens-Nachweisung dürfen überhaupt keine Bescheinigungen angeschrieben werden.

Schließlich mache ich die Herrn Bürgermeister für die sorgfältigste Ausfüllung der Rubriken in der Einkommens-Nachweisung verantwort­lich. So müssen die Angaben der Gebäude- und Grundsteuer (Spalte 8b und 9b), sowie der Gewerbesteuer (Spalte 13a und b), sowie der Grundbesitz (Spalte 9a und 11a) woselbst auch Ackerland und Wiesen getrennt aufzuführen ist ebenfalls zuverlässig sein.

Bezüglich der in Abzug zu bringenden Lasten und Schulden ver­weise ich auf §. 28 der Geschäfts-Anweisung für die Mitglieder der Klassensteuer-Einschätzungs-Commission vom 16. März 1877.

Die den Herrn Bürgermeistern mitgetheilten Revisionsbemerkungen der Königlichen Regierung sind bei der bevorstehenden Einschätzung in Erledigung zu bringen. Dies muß aus den Verhandlungen hervorgehen.

Hanau am 17. November 1881.

Der Landrath

Schrött er.______________________________

Samstag den 19. d. M., Nachmittags 3 Uhr, findet im Gasthaus zumgoldenen Löwen" in Hanau eine

Versammlung statt, worin über die Zuckerrübensrage resp. Anlage einer Rübenzucker­fabrik berathen werden soll. Alle Grundbesitzer und Pächter des Kreises, welche sich direkt oder indirekt für den Rübenbau interessiren, sind drin­gend eingeladen, der Versammlung beiwohnen zu wollen.

Hanau am 16. November 1881.

__________________Der Vorstand des landw. Kreis-Vereins.

Tagesschan.

Berlin, 16. Nov. (K. Z.) Se. Maj. der Kaiser wird morgen den Reichstag in Person eröffnen, wenn nicht etwa Gesundheits­rücksichten ihn dem Weißen Saale fernhalten sollten. So wurde wenig­stens noch gestern in Regierungskreisen versichert. Die Thronrede wird sich durchweg in einem gemäßigten und friedlichen Sinne äußern; man wird daraus abnehmen können, daß der Reichskanzler es nicht auf einen Konflikt abgesehen hat.

Berlin, 16. Novbr. In der gestern unter dem Vorsitze des Staatsministers von Boetticher abgehaltenen Plenarsitzung des Bundes­raths wurden zunächst zwei Vorlagen, betreffend die Verlängerung der Befngniß zu Notenausgabe der Danziger Privat-Aktienbank, und betr. die Ausführungsbestimmungen zu dem Gesetz über die Abwehr und Un­terdrückung der Viehseuchen, dem Ausschuffe für Handel und Verkehr überwiesen.

Sodann ertheilte die Versammlung auf Antrag des Ausschusses für Justizwesen die Ermächtigung zur strafrechtlichen Verfolgung wegen ei­ner Beleidigung des Bundesraths.

Hiernächst wurden die Berathungen über die Etats fortgesetzt und zum Abschlüsse gebracht. Auf die Berichte der Ausschüsse wurden die Entwürfe der Spezialetats für 1882/83 der Marineverwaltung, der Ver­

waltung der Reichs - Eisenbahnen, des Auswärtigen Amts, des Reichs­amts des Innern, des Reichsschatzamts und der Reichsschuld, sowie end­lich der Entwurf des Reichshaushalts-Hauptetats mit nicht wesentlichen Abänderungen genehmigt. Auch die Entwürfe eines Gesetzes, betreffend die Feststellung des Reichshaushaltsetats für 1882,83 und eines An- leihegesetzes fanden die Zustimmung der Versammlung.

Schließlich wurden die Kommffsarien für die Berathung der letzte­ren Gesetze im Reichstage gewählt.

Die N. Pr. Ztg. vom 15. ds. schreibt: In Bezug auf das vermeintliche Entlassungsgesuch des Fürsten Bismarck wird uns berichtet, daß es zu einem solchen Gesuche in Wahrheit nicht gekommen sei. Dasselbe würde nur eingereicht worden sein, wenn in der Auffassung der Lage zwischen dem Kaiser und dem Reichskanzler irgend eine Diffe­renz hervorgetreten wäre.

S. M. S.Luise", 8 Geschütze, Kommandant Korvetten-Kapi- tän Stempel, hat am 23. Oktober er. auf Bahia-Rhede geankert.

Ter Gesetzentwurf, betreffend die Errichtung des neuen Reichstagsgebäudes auf dem Terrain des Palais Raczynsky am Königsplatze in Berlin, befindet sich gegenwärtig bereits im Reichsamt des Innern und wird in kurzer Zeit dem Bundesrathe zur Genehmigung unterbreitet werden. Es soll dann, nach Genehmigung des Reichstags, möglichst noch im Lauf dieses Winters, mit dem Abbrüche der Baulich­keiten begonnen werden. Eine neue Preisausschreibung für den Bau des Hauses dürste wohl kaum noch einmal stattfinden; es sind bekannt­lich mehrere prämürte Entwürfe vorhanden, unter welchen eine Kommis­sion die Entscheidung wird treffen können. Zur Ausführung des Baues sind 31 Mill. Mark vorhanden. Die Frage der Errichtung eines neuen Reichsgerichtsgebäudes in Leipzig wird wohl so lange ruhen, bis das bürgerliche Gesetzbuch für das Reich, welches im Ent­würfe nahezu fertiggestellt, in Kraft getreten ist. Der Umfang der Ge­schäfte, die sich daraus für das Reichsgericht ergeben werden, läßt sich zur Zeit noch nicht übersehen, und doch ist es zweifellos, daß auf die­selben bei Anlage eines Palastes für das Reichsgericht Rücksicht genom­men werden muß. (Pr. Bl.)

Nach dem bis jetzt vorliegenden Stichwahlenresultat ist die Zahl der sezessionistischen Abgeordneten schon jetzt auf etwa 40 zu be­messen ; die Fortschrittspartei hat 20, die nationalliberale Partei 11 Sitze in den engeren Wahlen bis jetzt gewonnen. Die Zahl der gewähl­ten Sozialdemokraten beläuft sich auf 11, den Deutschkonservativen sind in den bisher bekannten Stichwahlen 5, den Freikonservativen ein Man­dat zugefallen. In Flensburg wurde der dänische Redakteur Johansen gegen den nationalliberalen Landgerichtsrath Francke gewählt; die Kon­servativen müssen die Liberalen gegen den Dänen im Stich gelassen ha­ben, was ebenfalls ein Beitrag zur Stichwahlmoral genannt werden kann. Bebel, der beredtste Führer der Sozialdemokratie und zugleich derjenige, dem es am ernsthaftesten um die wirkliche Sache der Arbeiter zu thun ist, ist bisher nicht gewählt. Er wird aber wohl in einer Nachwahl aufgestellt werden. Moltke ist bereits im Bureau des Reichstags erschienen, um in seiner Eigenschaft als Alterspräsident des Reichstags die ersten Geschäfte zu besorgen.

Auf der kaiserlichen Werft zu Danzig wurde vor einigen Ta­gen der Stapellauf und die Taufe der eisernen Glattdeckskorvette F. durch den Kontreadmiral Livonius vollzogen. Er sagte in seiner An­sprache: Nicht zwar ist dieses Schiff bewehrt mit schwerer Panzerrüstung, wie die eigentlichen Schlachtschiffe unserer Flotte, die zumeist den Namen führen der hervorragendsten Fürsten und Fürstensöhne unseres Herr­scherhauses, noch auch trägt es in bedeckter Batterie zahlreich die fern­hintreffenden, Verderben sprühenden Feuerschlünde, wie diejenige Klasse der eisengebauten hochbordigen Kreuzer, deren Namen bestimmt sind, das Andenken großer bedeutender Männer zu ehren, die sich hoch veroient gemacht haben um die Geschicke und das Wohl des Vaterlandes: leicht beschwingt soll es vielmehr nur auf dem oberen Deck die Macht künden­den, Achtung gebietenden Angriffswaffen tragen, da ihm vornämlich die Bestimmung ist, in Friedenszeiten eine rege erhaltende schöpferische Thä­tigkeit zu entfalten, nämlich den überseeischen friedlichen Verkehr unseres Volkes und die wichtigen Interessen des Handels zu schützen und zu fördern. Den Schiffen dieser Gattung, deren gefällige Form dem freund­lichen Beruf derselben, eiligen Lauf kündend, entspricht, ist bisher der