nur die Fortdauer der dänischen Nationalität in Nordschleswig unter deutschem Szepter anstrebt.
— Karlsruhe, 9. Novbr. Das heute über das Befinden des Großherzogs ausgegebene Bulletin lautet: Gestern trat eine sehr wohlthätige Remission ein, während heute wieder eine mäßige Steigerung des Fiebers sich zeigt. Die Nacht war etwas unruhig, das Befinden ist jedoch nicht unbefriedigend.
— Luxemburg, 8. Nov. Die Kammersession ist heute durch den Staatsminister Blochausen eröffnet worden. Die von diesem verlesene Botschaft des Königs-Großherzo?,s erklärt, daß nach den Opfern, die der Staat zur Einlösung der Noten der Nationalbank sich auferlegt habe, die Budgetlage ernstlich nicht berührt sein werde; ferner, daß Dank der Mäßigung der Kammer und Dank der Weisheit des katholischen Bischofs die Ausführung des Elementarschulgesetzes gesichert sei, und endlich, daß unter den gegenwärtigen Umständen der Großherzog das von den Ministern eingereichte Entlassungsgesuch nicht gewähren zu dürfen geglaubt habe.
— Wien, 5. Nov. Ein östreich. Staatsminister hat nach dem „Schw. Merk." vor etwa zwei Jahrzehnten mit seinem Spruche: „Wir können warten" den Ungarn gegenüber keinen Erfolg gehabt. Dafür hat sich das Kriegsministerium dieses Wort zur Devise genommen und wird mit dem Erfolge derselben glücklicher sein. So oft die Delegationen wiederkehren und das Kriegsbudget zur Berathung gelangt, kommt die Forderung des Kriegsministers für die Berittenmachung der Hauptleute aufs Tapet. Sie wird als unbedingt nothwendig bezeichnet, lebhaft vertheidigt und schließlich doch abgelehnt. Und obwohl schon mehrere Kriegsminister diese Forderung unerfüllt gesehen, sie erbte sich von einem auf den andern fort und kommt so auch Heuer wieder zur Debatte. Diesmal nun hat sie der ungarische Budgetausschuß zugestanden und der östreichische dürfte auch seine Zustimmung geben, denn bei einer gemeinsamen Abstimmung würde das Ministerium schließlich doch siegen. Damit wäre denn eine parlamentarische Seeschlange aus der Welt geschafft.
— Rom, 8. Nov. Wie der Agenzia Stefani unter dem 7. d. M. aus Wien gemeldet wird, hat der Sectionschef v. Kallay dem ita- lienischen Botschafter Grafen Robilant gegenüber fein lebhaftes Bedauern über die ihm unerklärliche Version ausgedrückt, welche mehrere Wiener Blätter über die Tags zuvor stattgehabte Ausschußsitzung der ungarischen Delegation gegeben haben, und dabei seine im Ausschuß abgegebene Erklärung über den Besuch des italienischen Königspaares mit folgenden Worten wiederholt: „Unsere Monarchie unterhielt bereits, trotz der irre« dentischen Bewegung, freundschaftliche Beziehungen zu Italien. Indem der König von Italien die Initiative zu dem Besuche ergriffen, hat er von der Existenz dieser Beziehungen Zeugniß abgelegt. Die öffentliche Meinung sowie die Presse beider Länder bewiesen das Gelingen der Entrevue. Es wurde bei derselben keinerlei besondere politische Frage erwogen, noch ist eine solche aufgetaucht. Das Ergebniß des Besuches ist, daß wir weder auf der einen, noch auf der anderen Seite bei den | zukünftigen Beziehungen etwas zu wünschen oder zu befürchten haben."
(K. Z.)
— Madrid, 8. Nov. In der Kohlengrube sind durch eine Entzündung schlagender Wetter 15 Bergleute getödtet und 5 schwer verletzt worden.
— London, 9. Nov. Durch königliche Verordnung vom 1. d. M. wird die Bildung der „North British Borneo-Company" genehmigt und dieselbe ermächtigt, die den Vertretern der Gesellschaft durch die Sultane von Brunei und Souton auf Grund der jährlichen Zahlungen abgetretenen Gebiete von Borneo auszubeuten.
— Konstantinopel, 8. Nov. (K. Z.) Da die türkischen Behörden darauf beharren, die ganze Ladung des deutschen Dampfers Vulkan durchsehen zu wollen (dieser Dampfer soll bekanntlich Dynamit an Bord geführt haben), so hat der deutsche Geschäftsträger v. Hirschfeld gestern eine Note überreicht, in welcher er gegen das Verlangen der Behörden protestirt, eine Durchsuchung der nicht nach Konstantinopel bestimmten Waaren für ungesetzlich erklärt und Vorbehalte bezüglich der durch die Anhaltung des Schiffes geschädigten Interessen macht.
— New-Iork, 8. Novbr. Die Wahlen sind ohne Ruhestörung verlaufen. Im Staate New-Iork nehmen die Demokraten eine Majorität von 15 000 Stimmen in Anspruch, in Massachusetts die Republikaner eine solche von 25 000 Stimmen.
Lokales.
Hanau, den 10. November.
— Im Laufe des Monats Oktober 1881 kamen im Kreise (excl. Stadt Bockenheim) zur Anzeige: 18 Personen wegen Diebstahl; 34 Personen wegen Betteln; 2 Personen wegen Thierquälerei; 12 Personen wegen Unfug; 1 Person wegen Körperverletzung; 7 Personen wegen Landfrredensbruch; 4 Personen wegen Betrug und Unterschlagung; 1 Person wegen Fälschung; 1 Person wegen Kuppelei; 110 Personen wegen Uebertretungen.
— Dieser Tage gründeten eine Anzahl junger Männer einen Ver
ein, dem wir, weil er neben den bietenden Vergnügungen auch sehr viel zur Kräftigung und Erhöhung der Gewandtheit in den Bewegungen des Körpers beiträgt, von Herzen den allerbesten Erfolg wünschen. Es ist dies der „Hanauer Schlittschuhclub", dessen Vereinslokal, wie wir hören sich im Gasthause „zur Post" dahier befindet. Vorläufig diese Notiz; nächstens werden wir wiederholt auf erwähnten, einem sehr vernünftigen Sport huldigenden Verein zurückkommen.
— Das Museum der Wetterauischen Gesellschaft für die gesammte Naturkunde im Altstädter Schlosse ist von nun ab bis zum Monat März an Sonntagen, sowie die Sammlungen des Geschichtsvereins daselbst an Donnerstagen geschlossen.
Versteigerung s- und Verpachtungs- rc. Kalender für Freitag den 11. November.
Vormittags von 10 bis 11 Uhr ist vor Königl. Amtsgericht, Abth. IV hier Termin zum Verkauf des dem abwesenden Bierbrauer Joseph Henrich und Kindern zustehenden Grundvermögens (Wohnhaus mit Hofraum, Querbau und Brauhaus in der Metzgergasse) anberaumt (s. Nr. 225 „Han. Anz.").
— Für heute. Abends 8 Uhr im Saale des „Nürnberger Hof": Oeffentlicher Vortrag des Herrn F. Stoll „über Babylons Fall". — Abends 9 Uhr: Spritze Nr. 2 im „König von Schweden"; Nr. 3 bei Bcck. ■— Restauration zur „Germania": Abends Concert der beliebten Sänger« und Komikergesellschaft Familie Müller.
Auszug aus dem Central-Hand els-Register.
(Eintragungen bei Königlichem Amtsgericht, Abth. I zu Hanau.)
Nach Anzeige vom 5. November d. J. ist in das Handelsregister bei Nr. 615 eingetragen, daß die bisher unter der Firma „Ohl & Cie." dahier bestandene offene Handelsgesellschaft durch den Austritt des Mitinhabers Friedrich Ernst Ohl am 24. d. Mts. aufgelöst ist und der Mitinhaber der Bijouteriefabrikant Heinrich Ohl das Geschäft unter der bisherigen Firma als deren alleiniger Inhaber vom 24. v. Mts. ab fortführt.
— Am vergangenen Sonntag den 6. November, Nachmittags 2 Uhr, wurden die sterblichen Ueberreste des Herrn Lehrer Paul Rohd zu Dörnigheim unter großer Betheiligung der Lehrerschaft von nah und fern — zwischen 30 bis 40 an der Zahl — und der ganzen Gemeinde, auch der Jsraeliten, zur letzten Ruhestätte geleitet. Der betreffende Orts- geistliche, Herr Pfarrer Biskamp schilderte in ergreifenden, von Herz zu Herz gehenden Worten die Verdienste des Verblichenen um die Gemeinde, wie er vor allen Dingen ein gläubiger Christ, ein treuer Lehrer, ein liebender Gatte und Vater, ein ächter Deutscher, und seinen Amtsbrüdern ein lieber College gewesen sei. Während seiner 16jährigen Amtsthätigkeit dortselbst habe er sich durch sein freundliches und leutseliges Benehmen gegen Jedermann, durch liebevolle Behandlung seiner Pflegbefohlenen, durch Rath nnd That, durch reges Interesse um das Wohl der Gemeinde — Aller Herzen im Sturm erobert, so daß nach des Geistlichen Versicherung der Verstorbene keinen Feind in Dörnigheim hatte. Es war rührend und herzbewegend, zu sehen, wie nach Vollendung des gottesdienstlichen Aktes die ganze Gemeinde, Jung und Alt, das offene Grab thränenden Auges umstand und sich nicht von dem theuren Dahingeschiedenen trennen konnte. Friede seiner Asche!
H—dt. C-s.
■— Oberst vou Schmidt, Kommandeur des westfäl. Füsilierregiments Nr. 37 (früher Regimentsadjutant in dem s. Z. in Fulda garni- sonirenden 3. kurh. Infanterie-Regiment und Hauptmann im General- stabe der kurhessischen Armee) ist unter Beförderung zum Generalmajor zum Kommandeur der 37. (hannov.) Jnfanteriebrigade (Oldenburg) er* nannt worden.
— Die Minister für Landwirthschaft und des Innern haben, wie die „Nat.'Ztg." mittheilt, auf eine Eingabe des allgemeinen Jagdschutz- Vereins erwidert, daß der Erlaß einer allgemeinen Jagd-Ordnung nicht aufgegeben sei, inzwischen aber von der Abänderung einzelner provinzial- gesetzlicher Bestimmungen auf dem Gebiete des Jagdwesens abgesehen werden müsse.
— Kassel, 8. Nov. Die vierte diesjährige Schwurgerichtsperiode des Landgerichtsbezirks Kassel wird am Montag den 12. Dezember ihren Anfang nehmen. Den Vorsitz führt Herr Landesgerichtsdirektor Müller. Soweit es sich bis jetzt übersehen läßt, werden 10 -12 Strafsachen zur Verhandlung gelangen, darunter werden Anklagen wegen Mord, Todtschlag, Brandstiftung, Meineid rc. figuriren. — Eine überaus aufregende Scene ereignete sich heute Abend gegen 018 Uhr auf dem Altmarkt, welche einen großen Menschenauflauf verursachte. Ein gewisser Müller führte auf offener Straße gegen seine Ehefrau ein Mordattentat aus, indem er ein, wie man sagt, mit zwei Patronen geladenes Terzerol auf sie abseuerte, jedoch ohne sein Opfer zu treffen. Der Verbrecher wurde alsbald überwältigt und dingfest gemacht. Das Motiv der That soll in ehelichen Zwistigkeiten zu suchen sein, die oft einen sehr heftigen Charakter annahmen und wobei der Mann seine Frau wiederholt mißhandelte, sodaß sich diese von ihm scheiden lassen wollte. (H. M.)
— Kassel, 9. Nov. Aus Florenz schreibt man: Es wirb in Ihrer Provinz vielfach interessiren, daß Herr v. Ende, Oberpräsidenl