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Nr. 259. Dienstag den 8. November 1881.
Gesunden: Ein weißes Taschentuch. Ein seidenes Tüchelchen. Ein rothes Taschentuch. Ein schwarzer Regenschirm. Ein braunes Strickzeug. Ein weiß-baumwollenes Strickzeug.
Zugelaufen: Ein weißer Spitz, m. Geschl. Ein schwarzer Pinscher, m. Geschl.
Entlaufen: Ein grauer dänischer Doggenhund.
Hanau am 8. November 1881.
Aus Königl. Landrathsamt.
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Nächste Versammlung Samstag den 12. November, Nachmittags 2 Uhr, im Gasthaus zum „goldenen Löwen" in Hanau.
Tagesordnung:
1) Verschiedene Mittheilungen.
2) Besprechung über die Eingabe an den Kreistag, die Abänderung der Körordnung betreffend.
3) Beschaffung von Obstbäumen.
4) Das Schneiden der Hecken.
5) Beschaffung von Kleesamen, Wicken und anderen Futterkräutern.
6) Vortrag des Herrn Kreisthierarzt Collmann über die Räudekrankheit der Pferde und Schafe.
Der Vorstand.
Die Herren Bürgermeister werden um Veröffentlichung des Vorstehenden gebeten.
Hanau am 7. November 1881.
__________________________Der Landrath. _________ __________
Rundschau.
R. F. (Deutsches Reich.) Unser Kaiser, dessen Befinden ein vortreffliches ist, arbeitet jeden Tag einige Stunden mit den Mitgliedern des Civil- und Militär-Cabinets, worauf er dann in der Regel Audienzen ertheilt und sodann die gewohnten Spazierfahrten unternimmt. Doch bringen größere und kleinere Jagdausflüge Abw chslung in diese geregelte Lebensweise; so begab sich der Kaiser in Begleitung der königlichen Prinzen und des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin am Freitag Nachmittag nach Jagdschloß Hubertusstock in der Schorfhaide, um dort einer Hofjagd auf Roth- und Dammwild beizuwohnen. — Am Berliner Hofe hat die Nachricht von der Erkrankung der Königin von Sachsen lebhafte Theilnahme hervorgerufen und empfängt der Kaiser täglich direkte Nachrichten über das Befinden der hohen Frau.
Die Reichsta'gswahlen haben zwar unsere innere Lage insoweit geklärt, daß man ein Anwachsen des fortgeschrittenen Liberalismus auf Kosten der gemäßigten liberalen und conservativen Elemente konstatiren kann, dagegen herrscht über die Stärke, in welcher die einzelnen Parteien im Reichstage erscheinen werden, noch vielfach Ungewißheit und erst die bis zum 14. November beendeten Stichwahlen werden hierüber Aufklärung bringen., Leider hat der durch dieselben auf's Neue emporgeloderte Wahlkampf keineswegs an Heftigkeit eingebüßt, wenn auch der Schlachtplan diesmal ein begrenzterer ist Immer wieder brechen die Parteigegensatze in ihrer schroffsten Form hervor und es wird darum wohl noch eine geraume Zeit dauern, ehe der Wellenschlag unseres'öffentlichen Lebens wieder sein gleichmäßigerer sein wird. Ueber den Ausfall der Stichwahlen läßt sich natürlich noch nichts Definitives sagen, doch fchei. nen die Chancen der Liberalen und namentlich der Nationalliberalen hierbei gerade nicht ungünstig zu stehen.
^Die ersten Nachrichten über den Ausfall der Stichwahlen lauten für die liberale Partei günstig. In Barmen-Elberfeld wurde Schmidt (Fortschritt) gegen Oppenheimer (Soc.), in Heidelberg Blum (nat.-lib.) gegen Fischer (Cent.), in Lahr Sander (nat.-lib.) gegen Siben (Centr.), i” Offenburg Schuck (nat.-lib.) gegen Mehr (Centr.) gewählt; auch in Karlsruhe siegte der nationalliberale Kandidat gegenüber seinem conser- vatwen Mitbewerber.
Durch kaiserlichen Erlaß an den Reichskanzler ist der Reichstag zum 17. November einberufen.
Interesse sind gerade gegenwärtig die Auslassungen des Reichskanzlers Fürsten Bismarck über die Judenfrage, welche derselbe I Jiarf) einer Mittheilung der „Nat.-Ztg." gegenüber einigen mit ihm in i
geschäftlicher Verbindung stehenden jüdischen Industriellen gethan hat. Hiernach ist der Reichskanzler nichts weniger als mit der antisemitischen Bewegung einverstanden, welche er vielmehr entschieden mißbilligt; niemals werde er die den Juden verfassungsmäßig zustehenden Rechte in irgend einer Weise verkümmern. Die geistige Organisation der Juden mache sie zur Kritik geneigt und darum finde man sie wohl hauptsächlich in der Opposition, aber er, der Reichskanzler, mache keinen Unterschied zwischen christlichen und jüdischen Gegnern seiner Wirthschaftspolitik, die er nach seiner Ueberzeugung als ersprießlich für das Land verfechte.
Kaiser Wilhelm ist vom Sultan der Großkordon des Nischani- Jmtiaz-Orden mit dem Stern in Brillanten verliehen worden. Die Dekoration soll durch einen außerordentlichen Gesandten, der ein Muschir (Feldmarschall) sein wird, nach Berlin überbracht werden.
In der bayerischen Abgeordnetenkammer motivirte am Freitag der confervative Abgeordnete Luthardt seinen Antrag auf Aufhebung der Simultanschule, wobei er hauptsächlich betonte, daß durch die Simultanschulen der konfessionelle Friede Bayerns gestört werde. Der ultramon- tane Abgeordnete Bonn griff das Ministerium Lutz heftig an, wogegen Minister Lutz betonte, er bleibe, bis ihn der König abberufe. In Bayern sei nur ein gemäßigtes Regiment möglich, das er seit zwölf Jahren zum Ausdruck bringe. Die Abgeordnetenkammer hat den Antrag des conservativen Abgeordneten Luthardt auf Aufhebung der Simultan- schuleu mit 85 gegen 63 Stimmen angenommen; im Laufe der Debatte forderte der Abgeordnete^ Ritter (extrem-klerikal) den Cultusminister v. Lutz auf, derselbe möge sein Entlassungsgesuch einreichen.
(Oesterreich-Ungarn.) Die Verhandlungen der österreichischen Delegation beanspruchen im Allgemeinen wenig Interesse und man sieht daher in Oesterreich der Eröffnung des am 14. November zusammentretenden Reichsrathes mit desto größerer Spannung entgegen. Die bevorstehende Reichsrath-Session wird sich ohne Zweifel zu einer Reihe von parlamentarischen Kämpfen gestalten, die an Heftigkeit denen der vergangenen Jahre nicht nachstehen werden und in denen jedenfalls die Ver- fafsungspartei neue Sturmläufe gegen das Ministerium Taaffe unternehmen wird.
. (Frankreich.) In Frankreich steht die entscheidende Wendung m der so lange andauernden ministeriellen Krisis vor der Thür und es ist klar, daß aus den Trümmern des Cabinets Ferry sich endlich das große Ministerium Gambetta in aller seiner Pracht und Herrlichkeit erheben wird. Gambetta kann mit dem erhebenden Bewußtsein in der Deputirtenkammer eine, starke Majorität zur Verfügung zu haben, an die Biloung „seines" Cabinets gehen, denn sowohl der Präsident der neuen Kammer, Brisson, wie auch die Vicepräpdenten Philippoleaux, Devos, Lepere und Spuller sind mehr oder weniger Gambettiften und man kann ihre Wahl gewissermaßen als ein Vertrauensvotum der Kammer für den angehenden neuen Ministerpräsidenten betrachten. Man erwartet, daß Gambetta, sein Programm unmittelbar nach der Kammerverhandlung über Tunis, welche mittlerweile wohl schon stattgefunden haben dürfte, rn der Kammer entwickeln werde. — Im Laufe der vergangenen Woche ist in Paris die Unterzeichnung des neuen französisch-italienischen Handelsvertrages erfolgt. Was den Stand der Verhandlungen über den Abschluß des englisch-französischen Handelsvertrages anbelangt, so lauten die Nachrichten hierüber widersprechend, doch ist Hoffnung auf das Zustandekommen des Vertrags vorhanden. — Laut Nachrichten aus Tunis hat die Besetzung von Kairouan die arabischen Insurgenten sehr entmuthigt und zahlreiche Aufständische, darunter die Zlaß, sollen beabsichtigen, die Waffen niederzulegen.
(England.) Die in letzter Zeit coursirenden Gerüchte von dem bevorstehenden Rücktritte des englischen Premiers Gladstone entbehren, wie nicht anders zu erwarten war, jeder Begründung und der englische Staatssekretair des Innern, Vernon, Harcourt, hat bei einem Bankett diese Gerüchte denn auch entschieden dementirt. Dagegen bestätigt sich eine andere Nachricht, nämlich, daß die englische Regierung beabsichtige, ihre früheren diplomatischen Verbindungen mit dem Vankan wieder'auf- zunehmen und man zweifelt nicht, daß die Special- Mission des irischen Deputirten Errington nach Rom diesen Zweck erfüllen soll. — Der Lordkanzler für Irland, Lord O'Hagan, hat seine Entlassung geg ben und in dem General-Anwalt Law bereits einen Nachfolger erhalten.