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Nr. 256

Frütag den 4. November

1881

Rundschau

R. F. (Deutsches Reich.) Die Frage nach dem Ausfall der Reichstagswahlen ist auf aller Lippen und da jetzt das amtliche Wahl­resultat, mit Ausnahme von vier Wahlkreisen, vorliegt, so läßt sich diese Frage, abgesehen von den Stichwahlen, nunmehr definitiv beantworten. Von den 397 Wahlen zum Reichstage sind 293 definitiv entschieden und vertheilen sich auf die verschiedenen Parteien wie folgt: 95 Ultra- montane, 44 Deutsch-Conservative, 36 Fortschrittler, 32 Nationalliberale, 25 Frei-Conservative, 24 Secessionisten, 14 Polen, 13 Protestier, 6 Welsen und Partikularisten, 3 Demokraten und einWilder" (v. Buhler); außerdem haben 100 Stichwahlen stattzufinden. Ueber das Ergebniß der Letzteren läßt sich noch nichts Bestimmtes sagen, da hierbei der Zu­fall bekanntlich oft eine große Rolle spielt.

Die Einberufung des Reichstages soll nach einer Meldung der National-Zeitung" womöglich schon zum 21. November erfolgen, doch liegt eine officiöse Mittheilung noch nicht hierüber vor. Darüber, welche Aufgaben den Reichstag nach der Erledigung des Reichshaushaltsetats zunächst beschäftigen werden, herrscht noch einigermaßen Ungewißheit; wahrscheinlich wird sich jedoch der Reichstag mit der Berathung der Vorlage, betreffend den Zuschuß des Reiches zu den Kosten des Zoll- anschluffes von Hamburg, zunächst beschäftigen. Von größeren Ent­würfen, welche den Reichstag beschäftigen sollen, ist noch keiner fertig« gefielt und auch die auf das Tabaksmonopol bezüglichen Arbeiten find noch nicht einmal im ersten Entwurf beendigt.

(Oesterreich-Ungarn.! Die Wiener Reise des italienischen Herrscherpaares ist nun beendigt und man kann behaupten, daß dieselbe sowohl in Oesterreich wie jenseits der Alpen den besten Eindruck hinter­lassen hat, wenn sich auch die politischen Folgen der italienischen Kö­nigsreise erst in späterer Zeit bemerklich machen werden. Im Uebrigen hat sich in Oesterreich nach der Abreise der italienischen Gäste das In­teresse wieder in erhöhtem Maße der inneren Lage zugewendet, wobei die gegenwärtig tagenden Delegationen und die am 14. November er­folgende Eröffnung des Reichsrathes die Aufmerksamkeit in erster Linie auf sich ziehen. Auch die Frage, wer der definitive Nachfolger Barons v. Haymerle im Ministerium des Aeußern werden solle, beschäftigt die politischen Kreise in Oesterreich immer lebhafter, doch herrscht hierüber noch große Ungewißheit; auch die Meldung, daß Graf Andraffy die Lei­tung der auswärtigen Angelegenheiten Oesterreichs übernehmen würde, ist mittlerweile von Wiener officiöser Seite entschieden dementirt worden.

(Frankreich.) In Frankreich beschäftigt natürlich der bevor­stehende Rücktritt des Cabinets Ferry und der Antritt der politischen Erbschaft desfelben durch Gambetta fast ausschließlich die politische Welt. Die Verhandlung in der Deputirtentammer über die tunesische Expedi­tion sollte sich unmittelbar an die Wahl des definitiven Kammerpräsi­denten anschließen und Beides ist zur Stunde wahrscheinlich erfolgt. Es ist unzweifelhaft, daß einer der politischen Freunde Gambetta's man nennt den ersten Vicepräfidenten, Brisson den Präsidentenstuhl der Deputirtentammer besteigen wird, da Gambetta hierfür seinen ganzen Einfluß aufbietet. Gambetta selbst ist augenscheinlich damit beschäftigt, die Saubibaten fürsein" Ministerium zu prüfen, doch weiß man noch nichts Genaueres über die Zusammensetzung desselben. Die Nach­richten aus Tunis lauten jetzt im Allgemeinen günstig für die französi­schen Waffen; die Einnahme Kairouans ist ohne Blutvergießen vor sich gegangen und die Schaaren der aufständischen Araber sind theils voll­ständig zersprengt, theils auf eiligem Rückzüge nach dem Süden Tune- siens begriffen.

(England.) In allen englischen Städten haben am Dienstag die Municipalrothswahlen stattgefunden, bei denen überwiegend die Con- seroatwer, den Sieg davontrugen, namentlich in denjenigen Städten, wo sich eine zahlreiche irische Bevölkerung befindet. Die Jrländer stimmten hier gegen die Liberalen oder sie enthielten sich der Wahl; das Vorgehen des liberalen Cabinets Gladstone gegen die irische Landliga hat ohne Zweifel viele Iren veranlaßt, gegen die liberalen Candidaten zu stimmen. Der verhaftete irische Agitator und Parlameutsoeputirte Sexton ist wegen seiner schwachen Gesundheit wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

(Italien.) Die italienischen Radikalen haben es trotz des Be­

suches Königs Humbert in Wien nicht unterlassen können, eine kleine Demonstration im Sinne der rItalia irredenta in Scene zu setzen. In einer kürzlich in der Stadt Villa Glori stattgefundenen Gedächtniß­feier für die in den italienischen Freiheitskriegen gefallenen Italiener protestirte Menotti Garibaldi unter lautem Beifall der Menge gegen ein Bündniß Italiens mit den Fremden, welche noch italienische Erde besetzt hielten. Daß unter dieseritalienischen Erde" Trieft und Südtyrol ge­meint ist, erscheint selbstverständlich und bte Menge zerstreute sich schließ­lich auch unter dem Rufe:Es lebe Trieft und Trient, nieder mit dem Bündniß mit Oesterreich!" Merkwürdigerweise scheint man in Italien ganz zu vergessen, daß auch in Nizza und SavoyenFremde" herrschen und daß auch auf Corsika die französische Flagge weht, oder erblicken die italienischen Einheitsschwärmer etwa in Corsika keineitalienische Erde" ?

(Schweiz.) Die in der Schweiz am Sonntag stattgefundenen Wahlen zum Nationalrath haben gleich den belgischen Communalwahlen ein für die liberale Partei entschieden günstiges Resultat ergeben. Von den bis jetzt bekannten Wahlen fielen nämlich 78 auf die demokratisch- freisinnige Partei, 30 auf die Ultramontan-Conservativen und 19 auf die confervative Centrumspartei, so daß demnach die Liberalen im Na­tionalrathe über eine nicht unbedeutende Majorität verfügen werden.

(Orient.) Die türkische Regierung wird jetzt hauptsächlich durch die Regelung der allgemeinen türkischen Staatsschuld und durch die hier­mit zusammenhängende Frage der russischen Kriegsentschädigung in An­spruch genommen. In Bezug auf letztere Angelegenheit sind die russi­schen Delegirten sehr mißtrauisch wegen der von der Pforte zu stellenden Bürgschaften, da die türkischen Bevollmächtigten sehr diplomatisch erklär­ten, daß diese Bürgschaften sich nicht von denen unterscheiden würden, welche die Pforte ihren übrigen Gläubigern gewähre; jedenfalls ist die Bezahlung der türkischen Kriegsschuld an Rußland noch im weiten Felde.

(Nord-Amerika.) Auch die freie nordamerikanische Republik ist von der Attentatsmanie befallen; derselben mußten die edlen -Präsi­denten Lincoln und Garfield ihr Leben zum Opfer bringen und jetzt scheint auch der Präsident Arthur von den Kugeln wahnwitziger Ver­brecher bedroht zu werden. Am 30. Oktober wurde vor dem weißen Hause in Washington (der Staatswohnung des jeweiligen Präsidenten) ein Mann verhaftet, der dort durchaus Einlaß begehrte und einen scharf- geladenen siebenläufigen Revolver mit sich führte; bis jetzt glaubt man es mit einem geistig gestörten Menschen zu thun zu haben.

T K g e s s ch K «.

Berlin, 3. Novbr. Se. Majestät der Kaiser und König hörten heute die Vorträge des Kriegsministers, Generals der Infanterie von Kameke sowie des Chefs des Militärkabinets, General. Lieutenants von Albedyll und empfingen um 1 Uhr Se. Durchlaucht den Erbprin­zen zu Schaumburg-Lippe.

Berlin, 2. Nov. Wie nachträglich bekannt wird, hatten Welsen in Hannover die Absicht, am Wahltage dem einjährigen Kinde des Herzogs Ernst August dadurch eine Freude zu bereiten, daß sie ein Telegramm nach Gmunden mit einem Gruße an deneinstigen Erben der welfischen Krone" absenden wollten. Da das Telegraphenamt ein solches Telegramm als ungeeignet zurückwies, so ist der junge Wels um das Telegramm gekommen. Sonst läßt man die jungen und alten Welsen" ruhig gewähren. Infolge der zu den Handelsverträgen mit der Schweiz und Oesterrei^-Ungarn gehörigen Schlußprotokolle wird sich mit dem 1. Januar k. I. insofern eine Veränderung hinsichtlich der Gewerbelegitimationökarten für Handlungsreisende und Waarenbtstellun- gen im Umherziehen auffuchende Geschäftsinhaber vollziehen, als nur bis zu dem genannten Zeitpunkte der Inhaber einer solchen Karte be­fugt ist, aufgekaufte Waaren behufs deren Beförderung nach dem Be­stimmungsorte mitzuführen.

Berlin, 2. Nov. Der heutige Börs.-Cour. meldet: Der bis­herige verantwortliche Redakteur unseres Blattes, Herr S. Franke!, ist gestern von der zweiten Strafkammer des hiesigen Landgerichts I, Vor­sitzender Landgerichtsdirektor Lüty, wegen Beleidigung des Fürsten Bis,