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Nr. 254 Mittwoch deN 2. November

1881»

Amtliches.

Die Herrn Wahlvorsteher werden ersucht die Wahlverhandlungen der ersten Wahl zu heften und so demnächst mit den Verhandlungen der zweiten Wahl miteinzusenden.

Hanau am 3. November 1881.

Der Wahl-Commissar Schrötter.

TagesschaA.

Berlin, 1. Novbr. Se. Majestät der Kaiser und König ließen heute früh 9 Uhr, in Gegenwart des Polizei-.Präsidenten von Madai und des Branddirektors Major Witte, die Berliner Feuerwehr bei Allerhöchstihrem Palais defiliren, um die neu beschafften Gespanne in Augenschein zu nehmen, hörten die Vorträge des Polizei-Präsidenten und des Chefs des Militärkabinets, General-Adjutanten von Albedyll, empfingen die Commandeure der Leib Regimenter und der Leib-Compag­nien zur Ueberreichung der Monatsrapporte und nahmen in Gegenwart des Gouverneurs, Generals der Infanterie von Fransecky, und des Kom­mandanten, General-Lieutenants von Werken, militärische Meldungen entgegen.

Berlin, 1. November. Das Wahlresultat liegt vor, es feh­len nur noch die amtlichen Meldungen aus 4 Kreisen. Das Resultat läßt sich nach derPost" folgendermaßen zusammenfassen: J

Es haben 100 Stichwahlen stattzufinden. G-wählt sind: 95 Ul- tramontane, 44 Deutsch-Konservative, 25 Deutsche Reichspartei (Frei- Konservative), 36 Fortschrittler, 32 National-Liberale, 24 Sezessionisten 14 Polen, l 3 Protestier, 6 Welsen und Partikularisten, 3 Volksparthei, 1 Keiner Partei angehörig (v. Wühler).

(Bismark über die Wahlen). Der Verein deutscher Studen­ten in Leipzig hatte sofort nach Bekanntwerden und aus Anlaß des be­trübenden Wahlergebnisses in Berlin an den Fürsten Bismark eine Depesche gesandt, um denselben auf's neue der Ergebenheit des Vereins zu versichern. Hierauf ist, wie aus Leipzig gemeldet wird, folgende Antwort eingetroffen:

Ich danke verbindlichst für Ihr Telegramm und bin durch die Berliner Wahlen weder überraschi, noch entmutigt; chronische Krank­heiten fordern Zeit und Geduld. Ich freue mich, aus Ihrem Telegramm zu ersehen, daß der Verein deutscher Studenten int festen Vertrauen auf die Zukunft mit mir überstimmt," Bismarck.

Die Eröffnung der Allgemeinen deutschen Ausstellung auf dem Gebiete der Hygiene und des Rettungswesens in Berlin 1882, welche für den 1. Juni in Aussicht genommen war, wird, wie dasCorr. Bl." mittheilt, schon am 15. Mai stattfinden. Bei Verlegung des Termins ist darauf Rücksicht genommen worden, daß das Pfingstfist in die letzte Hälfte des Monats Mai fällt und somit die Tage, an welchen erfah­rungsgemäß ein außerordentlicher Fremdenbesuch in Berlin stattfindet, für die Ausstellung nutzbar gemacht werden können.

Dresden, 1. Novbr. Die Königin hatte gestern Mittag ge­steigertes Fieber, die Nacht aber bis Morgens 3 Uhr Schlaf. Das Allgemeinbefinden ist zufriedenstellend.

Wien 31. Oktober. Heute Vormittags um neun Uhr reisten der König und die Königin von Italien von dem Südbahnhofe, wo der Kaiser und sämmtliche Erzherzöge zur Verabschiedung anwesend waren, ab. Der Kaiser reichte der Königin den Arm, während der König von Italien, welcher die Oberstuniform seines österreichischen Regiments trug, der Erzherzogin Rainer den Arm bot. Der Kaiser küßte die Hand der Königin; beide Monarchen umarmten und fügten sich und waren sichtlich sehr bewegt.

Wien, 1. Novbr. Durch Handschreiben des Kaisers an den Minister-Präsidenten Grafen Taaffe wird die Einberufung des Reichs­raths auf den 14. November angeordnet.

Bern, 31. Okt. Von den gestern zum Nationalrath vollzoge­nen Wahlen sind bis jetzt 129 Resultate bekannt. Es fielen 78 Wah­len auf die demokratisch-freisinnige Partei, 30 Wahlen auf die Ultra montan-Konservativen uno 19 Wahlen auf die konservative Centrums­partei. Die demokratisch freisinnige Partei erhielt einen beträchtlichen Zuwachs.

Paris, 30., Okt. DasJournal offiziel" veröffentlicht heute

Dekrete, wonach die bestehenden Handelsverträge Frankreichs mit Schwe­den, Spanien, Portugal und Italien um drei Monate verlängert wer­den. 31. Okt. Die Deputirtenkammer erbnnte heute zahlreiche Wah­len als gültig an, darunter die Wahl Gambetta's in Belleville.

London, 29. Okt. Es haben mehrere weitere Verhaftungen in Irland stattgefunden, unter anderen die eines hervorragenden Mit­gliedes der Landliga von Cork. Mr. C. Sullivan, wegen Einschüchte­rung von Pächtern, um sie von der Pachtzahlung abzuhalten.

Aus Dublin wird gemeldet, daß sämmtliche weiblichen Land- tigert in ganz Irland, mögen dieselben unter ihrem gewöhnlichem Na­men oder unter der BezeichnungKinder"-Zweigvereine bestehen, sofort unterdrückt werden tollen.

Unter der RubrikVerheerende Feuersbrünste" meldet die New- Dorker Staatszeitung vom 11. Oktober von einem Brande in der 4. Avenue und 32. Straße in New-Iork, wobei das Depot der 4. Avenue Eisenbahn und ein großes Möbel-Lagerhaus niederbrannten; der ent­standene Schaden wird auf 2 000 000 Dollar geschätzt. Das Feuer entstand über den Pferdeställen im Fouragespeicher, von wo es sich mit solcher Schnelligkeit verbreitete, daß, obwohl sofort an dem am Ge- bäude befindlichen Alarmkasten das Feuersignal gegeben wurde auf dessen dringenden Ruf die Feuerwehr mit 11 Dampfspritzen herbeieilte, bis zu deren Ankunft das ganze Gebäude in Flammen eingehüllt war: Trotz der rastlosesten und angestrengtesten Thätigkeit der Feuerwehr wurde das Depot wie die Morell'schen Lagerräume von den Flammen vollständig zerstört. Es kamen ca. 200 Pferde in den Flammen um. Als die Morell'schen Häuser bereits stark vom Feuer ergriffen waren, rettete ein Arbeiter, Namens Willian Sherhan, eine Frau und 2 Kinder die bei­nahe erstickt waren, sie wurden in das Bellevue-Hospital gebracht. Der Brand wüthete 23/e Stunden, bis es gelang, dessen Herr zu wer­den.

Trieft, 31. Oktober. Der LloyddampserAurora" ist heute mit der ostindisch-chinesischen Ueberlandpost aus Alexandrien hier einge­troffen.

New- Dork, 31. Oktober. Der Dampfer des Norddeutschen LloydOder" ist hier eingetroffen.

, New-N ork, 31. Oklbr. Der DampferEngland" von der National-Dampffchiffs - Compagnie (C. Messingsche Linie) ist hier ein* getroffen.

Lokales.

Hanau, den 2. November.

..^sgangenen Samstag Abend ist die landgräfliche Familie von Hessen-Philippskhal von Schloß Horn in der Schweiz nach dem Alt­städter Schlosse dahier zurückgekehrt und gedenken die hohen Herrschaften längeren Aufenthalt daselbst zu nehmen.

8 (Stadttheater). Am Sonntag sahen wir zum zweiten Male Sardou'sCyprienne". Abgesehen von einzelnen personenreicheren Scenen, die im Ensemble minder glücklich ausfielen, war auch diese zweite Darstellung des Lustspiels eine recht gelungene. Vor Allein ward die Hauptrolle non Frl. Butze ganz vortrefflich ausgeführt. Die Künstlerin entfaltete als Cyprienne neben einer ausgesucht eleganten und geschmack­vollen Toilette in Wort, Ausdruck und Spiel eine Gewandtheit, Sicher­heit und Feinheit, die auch weiter gehenden Ansprüchen gerecht wurden. An dem auszeichnenden Beifalle, welcher der beliebten Därstellerin gezollt wurde, nahm den wohlverdienten Antheil Herr Mauz (ihr Gatte), dessen Sprach- und Spielweise einfach, ungesucht und natürlich war. Nicht wenige Scenen dieses hadernden Paares übten eine geradezu reizende Wirkung aus, so glatt und pünktlich vollzog sich ihr Zusammenspiel. Herr Herrmann exercirte feine Spezialität und brächte den geckenhaf­ten, eitlen und so bitter getäuschten Cousin aufs köstlichste zur Erscheinung. Von den übrigen Personen verdient noch Herr Süwer, als horchender, dienstfertiger und schmeichelnder Oberkellner eine lobende Erwähnung. Das zahlreich erschienene Publikum folgte der Handlung des Abends mit sicht­lichem Interesse und hat das Gebotene gewiß mit allseitiger Befriedigung entgegengenommen.

DerR. u. St.-A." sch:eibt: Dem von der Königlichen Eisen-