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Donnerstag den 27. Oktober
AEr. 250
Amtliches.
Gefunden: Ein Päckchen Etiquette und eine Fünf-Pf.-Marke, auf der Post liegen geblieben. Ein Leihhausschein Nr. 7941. Eine Schürze. Ein lederner Geldbeutel.
Verloren: Eine Brille. Ein goldener'Ring mit grünem Stein. Hanau am 27. Oktober 1881.
Aus Königl. Landrathsamt.____________________
Der gegen den Uhrmacher Friedrich Schweitzer von Weilheim am 11. August d. I. erlassene Steckbrief wird erneuert. (I. 1154.)
Hanau, den 18. Oktober 1881.
Der Erste Staatsanwalt. ___Schumann._____
Tagesschau.
— Berlin, 26. Oktober. Se. Majestät der Kaiser und König hörten heute den Vortrag des Chefs des Militärkabinets, Wirklichen Geheimen Raths von Wilmowski, nahmen die Meldung des zum Oberst beförderten Flügel- Adjutanten Grafen Finck von Finckenstein, Führers des Leib-Grenadier-Regiments, entgegen und empfingen den Vizepräsidenten des Staats-Ministeriums, Minister des Innern von Puttkamer sowie den Botschafter in St. Petersburg, General-Adjutanten von Schweinitz.
— Breslau, 26. Oktbr. Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz begab Sich gestern Abend sofort nach Seiner Ankunft auf dem Stadtbahnhofe nach dem im Königlichen Schlosse gelegenen Ossi- zierskasino des 11. Infanterie-Regiments. Hier wurde Höchstderselbe von dem Obersten von Meerscheidt-Hüllessem begrüßt und im Namen des Regiments zu Seinem 25jährigen Jubliäum als Chef beglückwünscht. Se. Kaiserliche Hoheit erwiderte: Er schätze Sich zur größten Ehre, an der Spitze eines solchen Regiments, das sich stets durch Tapferkeit und Treue ausgezeichnet habe, zu stehen, und als ein Zeichen Seiner Werth, schätzung verleihe Er dem Regiment hiermit Sein Bild. Das sehr gelungene Bild wurde hierauf dem Regimente überreicht. Dasselbe stellt den Kronprinzen in Lebensgröße und zu Pferde als Obersten des 11. Infanterie. Regiments dar. Bei der hieran sich anschließenden geselligen Unterhaltung brachtensidie Ossiziere fünf lebende Bilder zu sehr gelungener Darstellung. Se. Kaiserliche Hoheit unterhielt Sich mit den Offizieren des Regiments in leutseligster Weise und verließ gegen 11 Uhr das Kasino. Heute Vormittag soll die Besichtigung des Regiments und ein Besuch des Museums von Seiten des Kronprinzen stattfinden.
— Se. Königliche Hoheit der Prinz Heinrich ist am 18. d. Mts. unter Stellung a la suite des 1. Garde-Regiments z. F. zum Premier- Lieutenant und unter Vorbehalt der Patentirung zum Lieutenant zur See befördert worden.
— Bekanntmachung auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878. Nach dem „R- u. St.-A." Nr. 251 wurden unterm 24. und 25. Oktober verboten: 1) das als Wahlaufruf für den Drechslermeister August Bebel aus Leipzig bestimmte, im Druck und Verlag von H. Zimmer u. Co. in Breslau erschienene Flugblatt, welches an die „Arbeiter Königsbergs", d. d. Königsberg, im Oktober 1881 — gerichtet und mit „Mehrere Arbeiter" — unterzeichnet ist; 2) das bei C. W. Vollroth in Leipzig gedruckte, von W. Hasenclever in Wnrzen verlegte Flugblatt: „An die Wähler des 8. Schleswig - Holsteinischen Wahlkreises"; 3,i die nichtperiodische Druckschrift, Flugblatt, „An die Wähler des Wahlkreises Frankfurt a. M." gerichtet und im Verlag von Richard Kirste in Frankfurt a. M.; '4) ein in der Schweizerischen Vereinsbuch- druckerei Hottingen-Zürich gedrucktes, an die „Wähler des Reichstags- Wahlbezirks Fürth - Erlangen - Lauf - Hersbruck gerichtetes Flugblatt, an- fangend mit den Worten: „Wiederum sind drei Jahre verflossen", an dessen Schlüsse Gabriel Loewenstein in Fürth als Kandidat für die be- vorstehende Reichstagswahl empfohlen ist; 5) ein Flugblatt: „An die Wähler von Neustadt-Dresden und Umgegend von Wilhelm Liebknecht, d. d. Borsdorf bei Leipzig, den 15. Oktober 1881 — Verleger: A' Härter in Zürich — Druck der Vereinsbuchdruckerei Hottingen-Zürich."
— S. M. S. „Hertha", 19 Geschütze, Kommandant Kapitän zur
1881
See von Kall, ist am 3. September er. auf der Rhede von Chefoo eingetroffen.
— In Preußen ist nach der „Df.-Ztg." in der Judenfrage folgendes ministerielle Rundschreiben an die Behörden ergangen: „Ich ersuche Sie, wachsam zu sein und nicht nur auf die blinden Werkzeuge dieser verbrecherischen Aufreizungen die Hand zu legen, sondern auch darauf zu sehen, daß die wahren Urheber dieser Hetzereien von der Polizei entdeckt werden. Ich ersuche Sie ferner, im persönlichen Verkehre die Bürger aller Klassen auf die Gefahren aufmerksam zu machen, denen sich jede Gesellschaft aussetzt, die sich zur Begehung derartiger Verbrechen herabwürdigt. Als Minister für die Aufrechthaltung der öffentlichen Ordnung verantwortlich und verpflichtet, das Uebel im Keime zu ersticken, verlange ich in dringendster Weise, daß Sie in kürzsster Zeit die Urheber dieser verbrecherischen Umtriebe entdecken und daß Sie Allen die Ueberzeugung beibringen, daß ich ihnen gegenüber schonungslos und in ihrer ganzen Schärfe die Gesetze des Landes in Anwendung bringen werde."
— Eine Anzahl auswärtiger Mitglieder des Bundesraths hat Berlin wieder verlassen und wird erst zur Eröffnung d.s Reichstages hierher zurückkehren. Man schließt hieran wohl nicht mit Unrecht, daß im Bundesrath bis zu jener Zeit Vorlagen und Verhandlungen von besonderer Erheblichkeit nicht zu erwarten sein möchten.
—■ Die „Kreuzzeitung" macht darauf aufmerksam, daß die deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger während des orkanartigen Sturmes erfolgreich thätig gewesen ist. Aus ihrem Bericht ergibt sich, daß ihre Einrichtungen sich gut bewahrt haben. Die erfolgreiche Thätigkeit der Gesellschaft ist die beste Aufforderung an das Publikum, die segensreiche Einrichtung auch durch Beiträge zu unterstützen.
— Keine Behauptung ist kläglicher gescheitert als die, daß mit der überhandnehmenden Großindustrie auch die allgemeine Armuth zune hme. Das gerade Gegentheil ist nämlich der Fall. In England, das man doch als das industriellste Land der Welt anzusehen hat, ist das Verhältniß der öffentlich unterstützten Armen in den letzten dreißig Jahren auf weniger als die Hälfte herabgesunken. Während dies Verhältniß im Jahre 1849 noch 6,2 auf 100 Bewohner betrug, war es 1879 auf 3 heruntergegangen. Noch günstiger stellt sich das Verhältniß, wenn man die erwachsenen arbeitsfähigen Armen in Betracht zieht. Von di ser Klasse kam 1849 auf 77 je einer, im Jahre 1879 aber erst auf 239 ein solcher. Auf 1000 Bewohn-r gerechnet machte dies 1849 dreizehn aus, im Jahre 1879 aber nur mehr etwas über vier. Was ist auch natürlicher! Erstens schafft die Großindustrie Arbeit; zweitens hat sie in großartigster Weist durch den Bau von Arbeiterwohnungen, Errichtung von Consumvereinen, öffentlichen Bädern, Fortbildungsschulen u. s. w. für die Arbeiter gesorgt, so daß di sen nicht nur das Erwerben eines kleinen Wohlstandes wesentlich erleichtert, sondern auch ihr Gesundheitszustand und ihre Bildung, also ihre Leistungsfähigkeit gehoben wurde. Dies gilt aber nicht allein für England, sondern auch für die anderen Großindustrie treibenden Länder, Deutschland nicht zu vergessen; es müssen also auch hier die Wirkungen ähnlich sein. Ein Beichel aus vielen. Die Krupp'sche Gußstahlfabrik in Essen beschäftigt 12 000 Arbeiter und besitzt 3277 gute und gesunde Familienwohnungen, in denen etwa 17 000 Seelen leben, in jeder Wohnung also durchschnittlich nur etwas über fünf. Dabei bestehen: eine großartige Con- sumanftalt, wo der Arbeiter alle und jede Bedürfnisse ohne Ausnahme findet; sogar die Selterswasserfabrik fehlt nicht. Daneben besteht eine Menage für Unverheirathete, ein großartiges Krankenhaus, ein Epidemie- Lazareth mit Desinfektionsanstalt, Badeanstalt mit Damp bad Lebens- versichernngsgesellschaft, Feuerwehr, vier Volksschulen, zwei Industrieschulen, Unternchtsanstalt für weibliche Handarbeiten. Das war aber nicht immer so. Jni Jahre 1864, als die Fabrik noch erst etwas über 4000 Arbeiter beschäftigte, kamen in den Arbeitervierteln 22 Köpfe auf eine Wohnung, also viermal soviel als jetzt. Die bösen Folgen davon äußerten sich sowohl in moralischer als in gesundheitlicher Hinsicht. Im Jahre 1866 räumte die Cholera in den Arbeitet quarlieren schrecklich auf. Das Wirthshausleben riß furchtbar ein, Rohheit und Brutalität griffen in erschreckendem Maße um sich, so daß fast kein Tag verging, wo es