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Freitag den 21. Oktober
Nr. 245.
Amtliches.
Zur Ermittelung des Ergebnisses der diesjährigen Reichstagswahl ist Termin auf Montag, den 3 1. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, in den Gasthof „zum Riesen" hier anberaumt.
Hanau am 18. Oktober 1881.
Der Wahlkommissar
Schrötter.
Gefunden: Eine 10-Pf- und eine 5-Pf.-Marke, auf der Post liegen geblieben. Ein schwarzer Regenschirm. Ein Paar w iß-lederne Handschuhe. Ein Rehfell.
Zugelaufen: Ein Hammel; Empfangnahme bei dem Eisenbahn- arbeiter Melchior Kubrian zu Langenselbold.
Entlaufen: Ein roth-gelber Hund (Bastard), m. Geschlechts.
Hanau am 21. Oktober 1881.
____________________Aus Königl. Londrathsamt.____________________
(Steckbrief.) Gegen den Schäfcrknecht Adam Johann Kreß von Langend,ergheim, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Diebstahls verhängt.
Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das Landgerichts- Gefängniß zu Hanau abzuliefern.
Hanau, den 18. Oktober 1881.
Königliche Staatsanwaltschaft.
Sporleder.
Rundschau.
R. F. (Deutsches Reich.) Unser Kaiser war in den letzten Tagen abermals von einer leichten Unpäßlichkeit befallen worden, welche ihn nöthigte, das Zimmer zu hüten. Es ist infolge dessen wieder fraglich, ob die Abreise des Kaisers von BsdewBaden nach Berlin, welche auf den 22. d. M. festgesetzt war, noch am genannten Tage erfolgen wird.
Der deutsche Kronprinz beging am 18. Oktober die Feier der Vollendung seines fünfzigsten Lebensjahres im engsten Familienkreise und nahm deshalb auch keinerlei persönlichen Glückwünsche entgegen. Dagegen waren dem hohen Herrn außer vielen andern Zeugnissen herzlicher Theilnahme und Verehrung auch noch zahlreiche Glückwunsch Schreiben und Telegramme von Nah und Fern, so auch von den Majestäten.aus Baden-Baden, namentlich aber von den befreundeten und verwandten Höfen zugegangen. In der Fülle seiner Kraft, inmitten eines mustergültigen Familienlebens, geliebt und geehrt vom ganzen deutschen Volke, beging Kronprinz Friedrich Wilhelm diesen Festtag, an welchem ganz Deutschland innigen Antheil nahm und die glänzenden Beispiele aufopferndster Pflichterfüllung, welche der künftige Träger der deutschen Kaiserkrone auf dem Schlachtfelde wie in den Zeiten des Friedens stets gegeben hat, sind dem deutschen Volke das' Unterpfand einer gesegneten Zukunft.
Die vergangene Woche hat in unserer inneren politischen Lage keine bemerkenswerthen Veränderungen gebracht und nach wie vor wird unser gesammtes politisches und öffentliches Leben durch das Interesse an den vor der Thür stehenden Reichstagswahlen beherrscht. Erst durch am 20. Oktober erfolgten Wiederzusammentritt des Bundesrathes wird in den Gang unserer inneren Politik mehr Abwechslung kommen; zunächst wird sich der Bundesrath mit Budgetangelegenheiten zu beschäftigen haben, neben denen die andern regelmäßig laufenden Arbeiten zu erledigen sind. Von den übrigen Aufgaben des Bundesrathes beginnen einzelne bereits in den Vordergrund zu treten, wie z. B. der Zollanschluß von Bremen. Ob und wann es zu den durch die neue Geschäftsordnung vorgesehenen Ministersitzungen kommen wird, läßt sich zur Zeit so wenig bestimmen, daß man nicht einmal sagen kann, ob in diesem Jahre noch solche Sitzungen stattfinden werden.
Die Entscheidung in dem Hochoerrathsprozesse vor dem Reichsgerichte steht unmittelbar bevor. Am Dienstag wurden die Plaidoyers zu Ende geführt; der Oberreichsanwalt Freiherr v. Seckendorff schilderte die staatsgefährlichen Umtriebe der Angeklagten und bezeichnete den Mit
1881.
angeklagten Dave als den gefährlichsten der Agitatoren. Fast alle Angeklagten versicherten nochmals ihre Unschuld.
Die Subaltern- und Unterbeamten werden es mit Freuden vernehmen, daß eine Erhöhung ihrer Gehälter in Aussicht genommen ist. Den Anlaß hierzu gibt die jüngst erfolgte Erhöhung der Gehälter der Richter und unteren Justizbeamten. Man erinnert sich, daß seiner Zeit entsprechende Anträge für die Verwaltungs- Beamten nur mit Rücksicht auf die Kürze der Zeit vorläufig zurückgestellt wurden, aber mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, zu angemessener Zeit darauf zurückzukommen. Jetzt ist die Frage im Zusammenhänge mit der Finanzreform wieder ausgenommen worden und wird es sich zunächst darum handeln, diese auch im Hinblick auf die Erhöhung der Beamtengehälter wieder in Fluß zu bringen. In dem nächstjährigen Etat wird jedoch die Erhöhung noch nicht erscheinen, weil die Finanzreform noch nicht genug vorbereitet ist.
Der hessische Landtag ist am 18. Oktober eröffnet worden; die erste Kammer wählte Graf Görtz zum ersten und Fürst Jsenburg-Büdingen zum zweiten Präsidenten, in der zweiten Kammer wurde Kugler zum ersten und Muhl zum zweiten Präsidenten gewählt.
(Oesterreich-Ungarn.) In Oesterreich hat der Tod Hay« merle's dem Nationalitätenhader wieder neuen Stoff gegeben. Ungarn, Polen, Czechen stellen unverhohlen ihre Candidaten für das Ministerium des Aeußern auf, während sich die Deutschen abwartend verhalten. Das Letztere ist eigentlich auch das Beste, denn es ist nicht wohl anzunehmen, daß Kaiser Franz Josef die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten des Donaureiches den Händen eines ungarischen oder polnischen Heißspornes anvertrauen würde, der nur die Interessen der Ungarn oder Polen im Auge hätte. Der Entscheidung des Kaisers wird selbstverständlich mit größtem Interesse entgegengesehen; vielleicht werden auf dieselbe die Verhandlungen der am 26. d. M. in Wien zusammcntre- tenden Delegationen nicht ohne Einfluß sein.
(Frankreich.) In der Ministerkrisis in Frankreich ist im Laufe der vergangenen Woche kein neues Moment aufgetreten, man ist also noch immer im Unklaren über den Zeitpunkt des Rücktrittes des geaen- wärtigen Cabinets und erst der am 28. Oktober erfolgende Zusammen- tritt der neuen Kammern wird Licht in die vielfach verworrenen politischen Verhältnisse Frankreichs bringen. — Die wüste Agitation der Ultraradikalen gegen Gambetta und die Minister dauert ungeschwächt fort und wenn auch dieselbe momentan ungefährlich ist, so kann man doch hieraus erkennen, daß die revolutionairfiocialistische Partei sich nach wie vor der heutigen französischen Republik gegenüber unversöhnlich )slgt. In Tunis hat am 17. Oktober der Vormarsch der drei französischen Colonnen, die nach dem Süden Tunesiens vorrücken sollen begonnen; dieselben hatten bereits mehrere Kämpfe mit den Insurgenten zu bestehen, in denen die letzteren geschlagen wurden.
(England.) Die Verhaftung Parnell's, Dillon's und anderer angesehener Mitglieder der irischen Landliga hat den Haß der Jrländer gegen die englische Herrschaft zum Ausbruch gebracht. In den meisten größeren irischen Städten ist es zu blutigen Konflikten zwischen der Bevölkerung und dem mit der Polizei Hand in Hand gehenden Militair gekommen und die englische Regierung hat darum beschlossen, drei weitere Regimenter nach Irland zu senden. Die Landliga hat beschlossen, ihr Hauptquartier von Dublin nach Holyhead zu verlegen, auch hat O'Connor die Leitung der Liga übernommen, so daß sich für Parnell und Dillon rasch ein Ersatzmann gefunden hat; doch wird O'Connor das Schicksal seiner verhafteten Gennungsgenossen wohl bald theilen müssen. Trotz der in Irland und den irischen Quartieren Englands herrschenden Erregung hegt aber die englische Regierung die Zuversicht, daß es zu einem Massenausstande nicht kommen werde.
(Italien.) Die Rede, welche der Papst am vergangenen Sonntag beim Empfang der italienischen Pilger gehalten hat, zeugt von der gereizten Stimmung, welche in den Kreisen 'des Vatikans gegen die italienische Regierung herrscht. Leo XIII. zeiht die letztere indirekt der Lüge und beklagt sich darüber, daß sie den Katholicismus in Italien vernichten wolle. Erwähnenswerth erscheint, daß der Papst in seiner Rede zum ersten Male der Möglichkeit einer Verlegung der päpstlichen