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Donnerstag hat in Wien das Leichenbegängniß Haymerle's unter allge­meiner Theilnahme stattgefunden; der Kaiser, die in Wien anwesenden Erzherzöge sowie eine große Anzahl hoher Personen aus den Hof-, Mi­litär- und Diplomatenkreisen wohnten der Trauerfeierlichkeit bei.

(Frankreich.) Für die künftige Gestaltung der Verhältnisse Frankreichs im Innern wird die Besprechung, welche Präsident Grevy mit Gambetta am Donnerstag gehabt hat, ohne Zweifel von maßgeben­dem Einflüsse sein. Ein förmliches Anerbieten Grevy's an Gambetta bezüglich der Neubildung des Cabinets hat natürlich noch nicht stattge­funden; nur wird versichert, es fei eine Verständigung zwischen beiden Staatsmännern über den Zeitpunkt erzielt worden. Die Besprechung der Situation habe überdies ergeben, daß das eventuelle Programm Gambetta's ohne Zweifel die Zustimmung Grevy's erhalten würde. Die weitere Klärung der Lage wird jedenfalls von der anderweitigen Be­sprechung abhängen, 'welche Grevy und Gambetta gleich nach Eröffnung der Kammern abhalten wollen; bis dahin bleibt das Cabinet Ferry in Thätigkeit. — AuS Tunis liegen keine Nachrichten von Belang vor; die Expeditioskolonne gegen Kairouan hat, wie es scheint, ihren Marsch immer noch nicht angetreten; der Gesundheitszustand der hierzu bestimm­ten Truppen soll sehr viel zu wünschen übrig lassen. — Im algerischen Bezirke Mlilah ist eine Wasserhose niedergegangen, durch welche 65 Personen um'S Leben kamen.

(England.) Für England bildet die in vergangener Woche er­folgte Verhaftung Parnell's, des Haupt-Apostels der irischen Unabhän­gigkeit, das Tagesgespräch. Die Ausführung dieser längst geplanten Maßregel erfolgte in aller Stille, auch wurde die Ruhe durch dieses Ereigniß bisher in Irland nicht gestört, doch hatte die Regierung für alle Eventualitäten die Soldaten in den Kasernen konsignirt. Außerdem wurde der Ausnahmezustand auch über die Grasschaften Longford, Kil- dare, Louth, Meath u. s. w. verhängt, so daß nunmehr die Bestimmun- gen des Zwangsgesetzes für ganz Irland gelten. Ob den revolutivären Bestrebungen der Landliga hiermit der Boden entzogen ist, muß abge­wartet werden, vorläufig gedenkt Dillon die Geschäfte der Liga im Geiste Parnell's weiter zu führen.

(Rußland.) In Rußland werden die Vorbereitungen für die geplante Zusammenkunft des Czaren mit Kaiser Franz Josef in Krzes- zowice an der galizifchen Grenze in aller Stille fortgesetzt. Die Officiere des Eisenbahnbataillons in Petersburg haben Befehl erhalten, sich reise- bereit zu halten, um auf den ersten Wink den Hof begleiten zu können. Ueber den Tag der Zusammenkunft circuliren jedoch immer neue De­tails, so daß die Annahme, daß von maßgebender Seite absichtlich irre­führende Nachrichten verbreitet werden, sehr nahe liegt. — Der russische Hof ist in vergangener Woche von Peterhof wieder nach Gatschina über- gesiedelt.

(Schweiz.) Der in Chur im schweizer Canton Graubündten ab­gehaltene internationale socialistische Congreß ist sehr harmlos verlaufen. Beschlüsse von weittragender Bedeutung sind auf demselben gar nicht gefaßt worden; die schweizer Behörden haben demnach ganz vernünftig gehandelt, als sie die Weltverbesserer reden ließen, da die Redner auf dem (Songreffe sich sehr zahm ausdrückten.

(Türkei.) In Konstantinopel werden die Verhandlungen der Vertreter von Besitzern türkischer Schuldtitel mit leidlichem Erfolge fort­gesetzt. In voriger Woche wurde das Statut des Verwaltungsrathes der indirekten Steuern genehmigt. — Die Pforte hat den türkischen Commissaren in Egypten, Nizami Pascha und Fuad Bey, befohlen, ihre Arbeiten zu beschleunigen und nach deren Beendigung unverzüglich nach Konstantinopel zurückzukehren. Wahrscheinlich glaubt die türkische Re­gierung, hierdurch Frankreich und England zur Rückbeorderung der französischen und englischen Panzerschiffe von Alexandrien zu bewegen.

(Central-Asien.) Der Kampf um die Herrschaft über Afgha­nistan zwischen dem Emir Abdurrahman und Eyub Khan kann jetzt als entschieden betrachtet werden. Die Truppen des Emirs haben Eyub Khan im Thale von Herat zwei Niederlagen beigebracht, welche den Letzteren zur Flucht nach Persien nöthigten. Abdurrahman kann jetzt also als unbestrittener Herrscher von Afghanistan angesehen werden.

(Süd-Amerika.) In Peru ist die Präsidentenwahl Calderons allgemein anerkannt worden, so daß nunmehr die Friedensverhandlungen wischen Peru und Chili eröffnet werden können.

Tagesschan.

— Berlin, 17. Oktober. Se. Majestät der Kaiser und König speisten vorgestern und gestern, wie der „R. u. St.-A." aus Baden- Baden berichtet, mit Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin allein und haben auch heute wegen Heiserkeit das Zimmer noch nicht ver­lassen.

— Bonn, 15. Okt. Dem General-Feldmarschall Herwarth von Bittenfeld wurde aus Anlaß feines 70jährigen Dienstjubiläums gestern Abend vom hiesigen Kriegerverein ein Fackelzug dargebracht.

— Karls ruh e, 16. Okt. Die Generalsynode hat in der qestri- gen Sitzung mit 39 gegen 17 Stimmen das Gesetz, betr. die Pfarrwahl angenommen, in welchem festgesetzt wird, datz bei mangelnder Bewerbung

der Großherzog die Stelle besetzt und daß von den jährlich verfügbaren Wahl-Pfarreien der Großherzog fünf derselben auf 6 Jahre besetzen kann, nach deren Ablauf Besetzung durch Wahl auf 10 Jahre stattfinden soll. In ihrer gestrigen Abendsitzung hatte die Generalsynode den von der Minorität auf Alternirung gestellten Antrag abgelehnt. — Die hie­sige Kunst- und Kunstgewerbe-Ausstellung wurde heute von den Erb- großherzog geschlossen.

— In Bregenz kamen seit einiger Zeit viele Blechbüchsen mit „Milchconserven" an. DaS fiel der österreicher Polizei auf, sie nahm sie weg uod öffnete sie, und was fand sie? Lauter revolutionäre Flug­schriften. Seitdem traut man auch der Milch der frommen Denkungs- art nicht mehr. (D-Z.)

— Rom, 17. Okt. (R. u. St.-A.) Der Einzug der italienischen Pilger, welche an der Jubiläumswallfahrt theilnahmen, in die Peters­kirche begann gestern Morgen 9 Uhr. Die Pilger sammelten sich sodann um den in der Kapelle „Simon Juda" aufgerichteten päpstlichen Thron, der von den Bannern der verschiedenen italienischen katholischen Gesell­schaften umgeben war. Die Zahl der versammelten Pilger wird auf 3000 geschätzt; außerdem waren etwa 8000 Gläubige aus Rom anwe­send. Als sämmtliche Pilger und die übrigen Andächtigen, welche der Feier beiwohnen wollten, in die Peterskirche getreten waren, wurden die Thore der Basilika geschlossen. Um 12*/4 Uhr verließ der Papst, ge­tragen auf einer sedia gestatoria, den Vatikan und erschien unter Vor- antritt des Hofstaates, von der Nobelgarde eskortirt, in der Peters­kirche. 25 Kardinäle und viele Bischöfe waren zugegen. Der Papst wurde mit Zurufen und Tücherschwenken begrüßt und war von dem Em­pfange sichtlich gerührt. Svdann bestieg der Papst den Thron, neben welchem die Vertreter der römischen Aristokratie und das diplomatische Corps Ausstellung genommen hatten. Der Patriarch von Venedig ver­las darauf eine Adreffe, die in gemäßigtem aber festem Sinne sich aus- sprach und deren Grundidee besagte, daß Italien katholisch bleiben wolle. Der Papst antwortete stehend etwa Folgendes: Er sei glücklich, sich in­mitten seiner italienischen Söhne zu sehen und ihren Trost in den ge­genwärtigen Trübsalen zu empfangen. „Während man alle Mittel ver­sucht, den Glauben des italienischen Volkes zu ersticken, kommt Ihr zu beweisen, daß Italien tief katholisch ist; während man sagt, der Papst sei ein Feind Italiens, verkündigt Ihr, daß der Papst der Freund Eu­res Vaterlandes ist. Ihr lasset sehen und begreifet, daß die fürchter­lichste Gefahr für Italien in den Versuchen der Sekten liegt, den Ka­tholizismus aus Italien zu verdrängen. Die Versuche manifestiren sich deutlich in Rom, im Ceutrum des Katholizismus; deshalb ist für das nächste Jahr ein großer Freimauerkongreß in Rom als Herausforde­rung, als Sturm auf den Eckstein der Kirche einberufen. Auf den fünften Meetings in Italien wurde erklärt: es sei nothwendig, das Papst­thum abzuschaffen." Der Papst erwähnte sodann der Gründung anti­klerikaler Kreise und sagte, die anfänglich zu Gunsten der Religion des Papstes gemachten Versprechungen würden durch die Thatsachen demen- tirt. „Ich kündige diese Gefahren der katholischen Welt an. Wachet, betet, bildet Vereine! Zeiget, daß die Freiheit und Unabhängigkeit des Papstes nothwendig ist für das ganze Universum! Ich werde nicht auf­hören, in diesem Sinne zu kämpfen. Bleibe Niemand unthätig und gleichgiltig gegenüber diesem Stande der Dinge, den weder ich noch ir­gend einer meiner Nachfolger jemals annehmen werden. Der Papst, Euer Vater, lebt inmitten der Feinde; seine Autorität wird von einer ungesitteten Presse gering geschätzt; man droht selbst, den Vatikan zu ok- kupiren, um den Past zu härterem Gefängnisse oder zum Exil zu zwin­gen." Der Papst schloß seine Ansprache, indem er Alle zum Kampfe anfeuerte und sagte: „Unsere Waffen sind geistige Waffen. Wir wer­den siegen. Ich segne Euch und in Euch auch Italien, unser Vater­land." — Die Stadt ist vollkommen ruhig. Der Empfang der Pilger war gegen 2 Uhr beendet.

— Dublin, 17. Okt. In Limerick fanden gestern Ruhestörungen statt. Die Polizei und die Truppen wurden wiederholt von der Menge angegriffen, machten endlich von ihren Waffen Gebrauch und zerstreuten die Ruhestörer. Auf beiden Seiten sind viele Personen verwundet und an 20 Personen verhaftet worden. In Dublin kam es am Sonnabend ebenfalls zu ruhestörenden Kundgebungen; die Polizei zerstreute die Menge.

— Chicago. Der Oberrichter des Criminalgerichtshoses hat in der ernstesten Weise den Großgeschworenen gegenüber das Börsenspiel im Fruchtgeschäfte denuncirt und erklärt, daß gegen solches Börsenspiel, welches die Ernährung des Volkes betreffe, die größte Strenge des Ge­setzes eintreten müsse.

Lokales-

Hanau, den 18. Oktober.

— Zur Feier des heute zurückgelegten 50. Geburtages unseres all­seitig geliebten Kronprinzen ist die Kaserne mit den Adlerfahnen be- flaggt.

— Die schwurgerichtliche Verhandlung gegen den des Raubmords I an den Eheleuten Schaaf zu Niederrodenbach beschuldigten Flößer