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Nr. 238.
Donnerstag den 13. Oktober
1881.
W
Amtliches.
Zugelaufen: Ein schwarzer Seidenpinscher, m. Geschlechts; Empfangnahme beim Herrn Stationsvorsteher Streich zu Bruchköbel.
Gefunden: Ein weißes Taschentuch.
Verloren: Ein Medaillon vom Künstlerfest in Dresden.
Hanau am 13. Oktober 1881.
________________ Aus Königl. Landrathsamt. ___________________
Die Besichtigung der Stuten im Kreise Hanau, welche im nächsten Jahre zur Zucht verwendet werden sollen, werde ich an den nachgenannten Orten und Terminen vornehmen, und ersuche ich die Herrn Bürger. Meister die Stutenbesitzer hiervon gefälligst in Kenntniß setzen zu wollen.
Am 1 5. Oktober, Vormittags 9 Uhr in Berkersheim, um IOV2 Uhr in Preungesheim, um 11'/- Uhr in Eckenheim, um 1 Uhr Nachmittags in Ginnheim, um 2 Uhr in Eschersheim und um 3'/- Uhr in Praunheim.
Am 19. Oktober, Vormittags 8 Uhr in Roßdorf mit Butterstädter Höfen, um 9^2 Uhr in Windecken, um 11 Uhr in Ostheim, um 1 Uhr Nachmittags in Eichen und um 2V2 Uhr in Erbstadt.
Am 2 2. Oktober, Vormittags 8 Uhr in Mittelbuchen, um 10 Uhr in Kilianstädten, um 11 Uhr in Oberdorfeldeu, um 12 Uhr Mittags in Niederdorfelden, um 1 Uhr Nachmittags in Gronau, wo auch die betr. Stuten vom Gronauer und Dottenfelder Hof vorzuführen sind, und um 3 Uhr in Wachenbuchen.
Am 2 6. Oktober, Vormittags 8 Uhr in Bruchköbel mit Kin- zigheimer Hof, um 9 Uhr in Nicderissigheim, um 10 Uhr in Oberissig- heim, um 11 Uhr in Rüdigheim, um t^-Uhr Nachmittags tn Markövet, wo auch die betr. Stuten von den Hirzbacher Höfen und dem Baiers- röder Hof vorzuführen sind, und um 3'/s Uhr in Ravolzhausen.
Am 2 9. Oktober, Vormittags 8 Uhr in Hochstadt, um 9 Uhr in Bischofsheim, um 11 Uhr in Bergen mit Enkheim, um 1 Uhr Nachmittags in Seckbach und um 3 Uhr in Fechenheim mit Mainkur.
Am 2. November, Vormittags 8 Uhr in Langendiebach, um 10 Uhr in Langenselbold mit Bruderdiebacher Hof, um 12 Uhr Mittags in Hüttengesäß mit Neuwiedermuß und Baumwieser Hof und um 3'/- Uhr Nachmittags in Rückingen.
Am 5. November, Vormittags 9 Uhr in Niederrodenbach, um 10 Uhr in Oberrodenbach, um 3 Uhr Nachmittags in Großauheim und um 4 Uhr in Großkrotzenburg.
Am 9. N ovem ber, Vormittags 8 Uhr in Kesselstadt, um 9 Uhr in Dörnigheim, um 11 Uhr in Wilhelmsbad und Nachmittags 3 Uhr in Hanau vor meiner Wohnung, Vorstadt Nr. 36; in den Orten an den von den Herrn Bürgermeistern zu bestimmenden Plätzen.
Außerdem werde ich auch in vorbezeichneten Terminen diejenigen Hunde, welche zum Ziehen benutzt werden sollen und für die ich noch keine Bescheinigung über ihre Zugfähigkeit ausgestellt habe, besichtigen, und sind hiervon die betr. Hundebesitzer gefälligst in Kenntniß zu setzen.
Hanau am 10. Oktober 1881.
C 0 ll m a n n, Kreisthierarzt.. ____________________
Bekanntmachung.
Postkarten mit Antwort im Verkehr mit Uruguay.
Denjenigen Ländern des Weltpostvereins, nach welchen Postkarten mit Antwort abgesandt werden können, ist nunmehr auch Uruguay beigetreten. Das Porto für derarte Postkarten beträgt 20 Pfennig.
Berlin W., 9. Oktober 1881.
Der Staatssekretair des Reichs-Postamts. _____________________Stephan.
TkFesschKN-
— Bekanntmachung auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878. Nach dem „R.- u. St.-A." Nr. 239 wurde unterm 11. Oktober verboten: das ohne Angabe des Herausgebers oder Druckers in London erschienene Flugblatt mit der Ueberschrift: „Wahlenthaltung!" enthaltend einen mit den Worten „Enthaltet Euch der Wahl!" schließenden Artikel, welchem eine Bemerkung über die Bezugsquelle der in London erscheinenden verbotenen Zeitung „Freiheit" angefügt ist.
— Der Minister des Innern, Staatsminister von Puttkamer, ist,
nach der „Prov.-Corr.", zugleich (an Stelle des Grafen Stolberg) zum Vizepräsidenten des Staatsministeriums ernannt worden.
— Geheimrath Hahn, der bekanntlich vor Kurzem eine „Geschichte des Kulturkampfs" herausgegeben hat, erhielt ein sehr anerkennendes Schreiben des Kaisers, in welchem es heißt, „die Sammlung werde jedem Unbefangenen den Beweis liefern, daß seine, des Kaisers, Regierung in der Ueberzeugung, daß Staat und Kirche nur in friedlicher Arbeit ihren hohen Zielen dienen, voll versöhnlicher Gesinnung stets von dem Wunsche beseelt gewesen ist, unbeschadet der staatlichen Rechte, mit der katholischen Kirche in Frieden zu leben."
— Glogau, 11. Oktbr. Heute verschied der Wirkliche Geheime Rath, Appellationsgerichts-Präsident a. D., Mitglied des Herrenhauses und Kronsyndikus Graf von Rittberg hierselbst.
— Greifswald, 11. Okt. Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz, für welchen Quartier bei dem Hauptmann 0. D., Rittergutsbesitzer von Hagenow, in Bereitschaft gehalten war, hat ebenso wie Fürst Bismarck die Einladung zu der Jubiläumsfestlichkeit des Pommer'schen Jäger-Bataillons Nr. 2 aus Gesundheitsrücksichten abgelehnt. Se. Majestät der Kaiser und Se. Kaiserliche Hoheit der Kronprinz haben indessen Ihre Portraits als Ehrengabe gespendet. Zahlreiche Festtheilnehmer sind bereits eingetroffen; die ehemaligen Offiziere des Bataillons wurden von den aktiven Offizieren in ihrem Kasino im „Deutschen Hause" in herzlichster Weise bewillkommnet. Abends 7 Uhr findet großer Zapfenstreich und Empfang der Gäste statt; das Wetter ist prachtvoll. — 12. Oktbr. Nach dem anläßlich des Jubiläums des Jäg-r Bataillons Nr. 2 veranstatti-ii>i^ N^lla"»^ m*- ^aa-ll^a o^u^- an welchem sichdleJnnungeu und Vereine tn überaus glänzender Weise betheiligten, fand auf dem festlich geschmückten Marktplatze große Parade des Jäger-Bataillons, welches mit fliegenden Fahnen ausgerückt war, statt, zu der die städtischen Behörden, die Spitzen der übrigen Behörden, der Rektor und die Dekane der Universität und die ehemaligen Jäger Einladungen erhalten hatten. Major von Hagen ließ vor den Festtheil- nehmern präsentiren und hielt eine Ansprache an dieselben, welche mit einem dreimaligen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser schloß, in welches die zahlreich anwesende Bevölkerung enthusiastisch einstimmte, worauf die Musik das „Heil Dir im Siegerkranz" intonirte. Der Bürgermeister, die Rektoren der Universität und des Gynasiums sowie der Landrath brachten sodann ihre Glückwünsche dar. Gleichzeitig überreichte der Bürgermeister im Namen der Stadt dem Offizier-Corps einen namhaften Beitrag zur Ausstattung seines Kasinos. Nachmittags findet ein Festdiner statt. (R. u. St.-A.)
— In der Augsb. Abendztg., dem angesehensten und verbteitetsten liberalen Blatte in Bayern, richtet ein patriotischer Mann beim Herannahen der Reichstagswahlen beherzigenswerthe Worte der Mahnung an seine Mitbürger. Er sagt u. A.: Vor einigen Tagen hatte ich Besuch von zwei Freunden aus Amerika, welche Ursache hatten, im Jahre 1849 der Reaktion aus dem Wege zu gehen. Diese beiden Männer, welche, wie die meisten ihrer Gesinnungsgenossen, heute noch warm an ihrer deutschen Heimath hängen, drückten mir ihre Verwunderung aus über den Gang der deutschen Dinge seit dem Jahre 1870. „Warum", fügten sie in ihrer etwas derben amerikanischen Weise, „warum nützt Ihr diesen Bismarck nicht besser aus? Anstatt ihm alle möglichen Schwierigkeiten zu bereiten bei der Koustituirung des endlich geschaffenen Deutschen Reichs, solltet ihr ihn in jeder Weise unterstützen, damit er bei Lebzeiten noch den Bestand dieses Gemeinwesens gegen seine äußeren und inneren Feinde sichere; denn bringt der es nicht zu Stande, seine Nachfolger bringen es gewiß nicht fertig. Und wir rathen dann jedem vorsichtigen Mann, keine Aktien auf dieses deutsche Reich zu kaufen." Wie recht haben doch diese beiden in Amerika praktisch gewordenen Leute! In erfolgloser Arbeit muß sich unser nationaler Reformator ausreiben, muß seine Kraft schwinden und den Tag nahen sehen, der ibm das unvollendete Werk aus den Händen nimmt, muß er das Ende seines Lebens durch die bange Sorge verbittert sehen, das alte böse Geschick unseres Volkes, dessen unheimliches Wirken schon allerwärts wieder zur Erscheinung kommt, werde das unfertige Werk wieder vernichten, das noch ungefestigte Vaterland abermals zu Grunde richten. Schwerer als alle Verlästerun- gen seiner Feinde, schwerer als der Undankslohn muß diese Sorge auf der Seele des großen Kanzlers lasten. Denn nicht der eigene Ruhm