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Mttwoch den 12. Oktober
Nr. 237.
TagesschaN.
— Berlin, 11. Oktober. Se. Majestät der Kaiser und König haben, wie der „R. u. St.-A." aus Baden-Baden meldet, das Zimmer gestern noch nicht verlassen und mit Ihrer Königlichen Hoheit der Groß- herzogin von Baden allein gespeist Se. Königliche Hoheit der Groß- herzog ist gestern Abend mit dem Erbgroßherzog in Baden eingetroffen. — Heute findet im Großherzoglichen Schlosse Familiendiner statt. — Mit dem Bisckof Raeß von Straßburg hatten auch die Coadjutoren Stumpf und Fleck Audienz bei Sr. Majestät.
— Berlin, 10. Okt. Die „K. Z." schreibt: Ueber den Stand der auf das Tabakmonopol bezüglichen Arbeiten sind wir heute in der Lage, folgende zuverlässige Mittheilungen zu machen: An der Hand eines ersten, nur die Umrisse bezeichnenden Entwurfs wird ein Theil der Vorlage von dem Unterstaatssekretär v. Mayr in Straßburg, ein anderer Theil hier im Reichsschatzamt von einem vortragenden Rathe ausgearbeitet. Der Abschluß der Arbeiten des letzteren hängt von besonderen Erhebungen ab, welche augenblicklich in Mannheim und Straßburg gemacht werden. Sobald aus diesen Arbeiten ein abgerundeter Entwurf hergestellt ist, gelangt derselbe an das preußische Staatsministerium. Das Ergebniß der Berathungen des letzteren wird dann dem Kaiser zum weiteren Befinden mit dem Anträge unterbreitet, den Entwurf dem Bundesrath zu überweisen. Sodann haben erst die übrigen Bundesstaaten Kenntniß davon zu nehmen und ihre Vertreter im Bundesrathe mit Weisungen zu versehen. Trotz aller dieser Stadien, welche der Entwurf zu durchlaufen hat, ist es nicht unwahrscheinlich, daß derselbe dem Reichstage, wenn auch erst kurz »sr seiner Vertagung, in der bevorstehenden Herbstsession zugehen kann; jedenfalls ist es zweifellos, daß die Frühjahrssession sich vorwiegend mit dem Tsbakmonopol zu beschäftigen haben wird. — Die Vorarbeiten für den preußischen Staatshaushalt sind jetzt vollständig zum Abschluß gelangt und haben zu dem Ergebniß geführt, daß die Finanzlage als eine erwünschte zu bezeichnen ist. Trotz des Steuererlasses von 14 Millionen Mark hat die Finanzverwaltung allen irgendwie gerechtfertigten Anforderungen zu entsprechen vermocht. Ganz besonders hat man sich im Ressort der geistlichen, Unterrichts- und Me- dicinal-Angelegenheiten, wie nicht minder in jenen der öffentlichen Arbeiten und der Landwirthschaft von den Bewilligungen des Finanzministers befriedigt gezeigt. Die bisher in dieser Richtung geäußerten Bedenken haben sich als ungerechtfertigt erwiesen. — Die Pläne für Erweiterung des preußischen Canalnetzes befinden sich noch so weit in den Vorarbeiten zurück, daß an die Kostenfrage noch nicht heranzetriten ist; dagegen ist in umfassendster Weise für die Hebung deS Verkehrs durch Reguli- rung der großen Ströme und Flüsse in weitestem Umfange systematisch vorgegangen worden. Die in dieser Richtung seit einigen Jahren her- vorgetretenen Bestrebungen lassen bereits in erfreulicher Weise erfolgreiche Wirkungen erkennen, wie dies vornehmlich in dem Stromgebiete der Elbe sich zeigt. Als durchaus Vortheilhast bewährte sich, daß man von der früheren Praxis, die Flußkorrektion in kleinerem Maßstabe vor- zunehmen, abgegangen ist Ueber die Strom- und Flußverbefferungen werden dem Landtage besondere Vorlagen zugehen. Uebrigens wird auch den Gchaltsverbesserungen dcr Beamten im Etat Rechnung getragen werden. — Das Berwendungsgesetz wird dem Landtage, und zwar im Großen und Ganzen in der vorjährigen Form wieder vorgelegt. Nur schweben noch Verhandlungen, um die aus das Schulwesen bezüglichen Punkte näher zu fpecialisiren.
— B erlin, 11. Okt. Der Präsident der Akademie der Künste, Hitzig, ist heute früh gestorben.
— Berlin, 10. Okt. Der deutsche Botschafter in Rom, Herr v. Keudell, ist heute von hier nach Baden-Baden abgereist. — Der ehemalige russische Botschafter in London, Graf Peter Schuwalow, ist auf der Rückreise nach Petersburg aus Paris hier eingetroffen. — Der bayerische Gesandte am russischen Hofe, Herr v. Rudhart, hat nach mehrtägigem Aufenthalte Berlin verlassen und ist zunächst nach Königsberg abgereist, von wo er heute Mittag auf seinen Posten nach Petersburg zurückzukehren gedenkt.
— Die Berliner Sozialdemokraten von der Richtung Hasselmann- Most (es werden nicht viele sein) haben Wahlenthaltung beschlossen. Auch der Vorschlag, weiße Zettel abzugeben, wurde abgelehnt.
— Nach einer Bekanntmachung des Staatssckretairs des Reichs-
1881.
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Postamts im „R. u. St.-A." werden die Dampfschiffe der Linie Bre- merhaven-Neworleans bis auf Weiteres Havana wieder anlaufen und zur Postbeförderung zwischen Bremer Haven und Havana benutzt werden. Der Abgang der Schiffe aus Bremerhaven erfolgt zunächst am 26 Oktober, 16. November, 14. Dezember und weiter jeden vierten Mittwoch.
— In der Süddeutscheu Presse heißt es:
„Es ist unglaublich, an was Allem Fürst Bismarck Schuld sein soll: jetzt sogar au dem Ausfall der badischen Landtagswahlen." Und nach einem Blick auf das Wahlergebniß: „Wenn aber jetzt in Berliner Blättern für den Verlust von 9 Landtagsstimmen wieder der Reichskanzler verantwortlich gemacht wird, so weiß man wirklich nicht, was an diesem Urtheil erstaunlicher ist, die Blödigkeit oder das Gegentheil. Wollen die betreffenden Organe den Grund für den Ausfall der badischen wie der bayerischen Landtagswahlen wirklich erkennen, so brauchen sie sich nur in ihrer nächsten Nähe umzusehen. Es geht nicht an, den Reichskanzler unbedingt zu bekämpfen, auch wo derselbe Recht hat, ohne dadurch die natisuale Partei gerade des deutschen Südens zu beschädigen. Daß freilich diejenigen, welche die hamburgische Politik des Reichskanzlers bekämpft haben, jetzt dem letzteren die Erstarkung des süddeutschen Partikularismus vorzuwerfen wagen, muß allerdings selbst auf jener Seite Wunder nehmen."
— Nach einem Spezialbescheide des Finanzministers vom 10 d. M. müssen ausländische ausgeloste oder zur Rückzahlung gekündigte Werthpapiere der unter den Tarifnummern 1 und 2 des Reichsgesetzes vom 1. Juli d. J. bezeichneten Art versteuert werden, bevor sie im Bundesgebiete zur Rückzahlung präsentirt werden dürfen. Schlußnoten, Rechnungen u. s. w. über die in der Tarifnummer 4 bezeichneten Geschäfte sind auch dann stempelpflichtig, wenn das Geschäft Zins- oder Dividendenscheine (Coupons) zum Gegenstände hat. Zu den in der Tarifnummer 4 bezeichneten Geschäften gehört selbstverständlich die Ein- reichung der Zins- oder Dividendenscheine bei den bestimmten Einlösungsstellen behufs Erhebung des Geldbetrages nicht.
— Die zwischen Oesterreich und Ungarn angebahnten Verhandlungen wegen der Revision des Zolltarifs haben sich, wie die Presse schreibt, zu einer wirthschaftlich und politisch bedeutungsvollen Frage zugespitzt. Ungarn verlangt ausgiebigen Schutz seiner landwirthschaftl. Produktion durch Mehl- und Getreidezölle und von östrcich. Seite wurde dem entgegen die Forderung aufgestellt, daß auch die östreich. Manufaktur- und insbesondere die Tuch-Industrie durch Schutzzölle vor der Beeinträchtigung durch die ausländische Konkurrenz zu wahren seien. Diese beiden Forderungen ergänzen sich gegenseitig. Sie bedeuten für den Gesammtstaat die vollwichtige Aufrichtung des Schutzzollsystems mit all seinen Gefahren, seinen Lasten, aber auch seinen Vortheilen. (Schw. M.)
— Aus Honnef am Rheiu kommt die Trauerkunde, daß der Oberst-Lieutenant Krug v. Nidda, Führer der Leib-Gendarmerie, dort in der vergangenen Nacht am Herzschlage plötzlich gestorben ist.
— ■ Kiel, 10. Okt. Das Kanonenboot „Hyäne" ist in Wilhelms- Haven außer Dienst gestellt. Die Korvette „Carola" hat ihre Ausrüstung an der Kaiserlichen Werst beendet und auf die hiesige Rhede gelegt.
— Apolda. Der hiesige Gemeindevorstand hat eine nachahmens- werthe Maßregel ergriffen, um dem von einer Anzahl von Bierwirthen verübten Schwindel zu begegnen, der darin besteht, daß die Letzteren irgend eine, dunkle Biersorte als „Bayrisch Bier" oder eine hellere, wie das Chemnitzer und das gewöhnliche Bier, als „Pilsener Bier" verkaufen und hierbei das Publikum offenbar schädigen. Damit eine solche Täuschung für die Folge nicht mehr möglich ist, wird am Schluß eines jeden Monats ein amtliches Berzeichniß der im verflossenen Monat hier eingeführten fremden Biere veröffentlicht. In diesem Berzeichniß sind die Empfänger der Biersendungen, die Bersandtstellen, Namen der Absender und Zeit des Eingangs angegeben.
— ■ Die Zettelnoten der Luxemburger Nationalbank liefen schon seit vielen Jahren wie der brennende Span im Spiel von Hand zu Hand und in Deutschland waren sie sogar verboten, nur die Aufsichtsbehörde wollte nicht sehen, daß etwas faul sei. Jetzt ist die Bank zu- I sammengebrochen und viele tausend arglose Leute und Familien liegen I jammernd unter den Ruinen, auch in den benachbarten deutschen Pro-