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Nr. 236

Dienstag den 11. Oktober

1881.

AWtlichss.

Gefunden: Einige Pfennige baar. Ein weißes Taschentuch. Eine rothe Armbinde, gez. R. 4. Ein Kinder Handschuh. Ein kleiner goldener Kinder-Ohrring. Ein Packet mit hellgrau-wollen Garn.

Zugelaufen: Ein grauer Pinscher, m. Geschl. Ein großer grau-brauner Hund mit weißen Pfoten und geschnittenen Ohren, m. Geschl.

Entlaufen: Ein kleines gelbes s. g. Zwerghuhn.

Hanau am 11. Oktober 1881.

Aus Königl. Landrathsamt.

Der gegen den Tagelöhner Johannes Opperwann von Rückingen unter dem 3. Oktober d. Js. erlassene Steckbrief wird als erledigt zurückgezogen.

Hanau, den 7. Oktober 1881.

Der Staatsanwalt

______________________Sporleder.______________________

Rundschau.

R. F. (Deutsches Reich.) Kaiser Wilhelm hat seine Reise nach Metz zur Einweihung der dortigen Garnisonkirche aufgegeben, der Monarch wird wahrscheinlich, wenn das schöne Wetter anhält, noch län­gere Zeit in dem von einem milden Klima begünstigten Baden-Baden verweilen und dann gegen Ende dieses Monats nach Berlin zurückkehren. Vielleicht wird der Kronprinz den Kaiser bei der Einweihung der Gar- nisonkirche in Metz vertreten, welche Feier zu diesem Zwecke auch auf den 23. Oktober verschoben ist, da bekanntlich am 18. Oktober der Kronprinz des deutschen Reiches fünfzig Jahre alt wird, welcher Tag mit einigen besonderen Feierlichkeiten begangen werden soll.

Die Rückkehr des Fürsten Bismarck von Varzin nach Berlin hat sich verzögert und ist es sehr wahrscheinlich, daß der Reichskanzler noch eine ganze Woche lang auf seinem pommerschen TuSkulum verweilen wird, wo ihm auch der russische Botschafter in Paris, Fürst Orlow, der auf einer Reise nach Petersburg begriffen ist, einen Besuch zu machen gedenkt.

Unsere innere Politik wird in noch mehr verstärktem Maße von der Wahlbewegung beherrscht und Parteiversammlungen finden fast in allen Wahlbezirken häufig statt. Ueber den Ausfall der Reichstagswah­len hat man natürlich bis jetzt noch nicht den geringsten positiven An­halt, da das bunte Parteiwesen Deutschlands jede annähernde Berechnung unmöglich macht. Eine Verstärkung der conservativen Strömung ist aber wohl überall zu bemerken und zwar als eine Art Gegendruck ge­genüber den vielfach aufreizenden und maßlosen Angriffen der Opposi­tion, die sich noch immer in dem Gedanken gefällt, der Politik des Fürsten Bismarck eine Niederlage beizubringen.

Zur besseren Wahrnehmung der Interessen der industriellen Technik, deren Entwicklung heutzutage eine außerordentliche große B-deutung für den Volkswohlstand hat, geht man in den Regierungstreuen mit dem Plane um, ein neues Reichsamt zu gründen. In den Geschäftskreis dieses Amtes sollen hineingezogen werden: Das Patent-, Marken- und Musterschutzwesen, das Aichwesen, die Fabrikinspekrionen, das Tampf- keffelrevisions und das Ausstellungswesen, sowie die Ertheilung von Baukousenseu bei besonderen technischen Anlagen. Ferner sollen in das Ressort gehören die technischen Versuchsanstalten und andere technisch. wisfiusch..f>liche Bestrebungen. Der soeben aus Australien zurückgekehrte Geh. Regierungsrath Pros. Reuleaux soll als Vorsteher des neuen Reichsamtes aueerfehen sein.

Die Niederlage der Liberalen bei den Landtagswahlen in Baden stellt sich jetzt noch viel eklatanter als in voriger Woche heraus, denn die Liberalen verloren mehr als die Hälfte ihrer Sitze und werden von 20 liberalen Abgeordneten nur 9 wieder im baltischen Landtage erschei­nen. Diese Nuderlage haben die verbündeten Clericalen und Conferva- tiven den Liberalen beigebracht.

(Oesterreich-Ungarn.) Eine allgemeine Verschiebung und Trennung der Parteien in Oesterreich kennzeichnet noch immer die poli­tische Lage dieses an Nationalitäten reichen Landes. Auch im öster­reichischen Reichsrathe ist die Bildung zweier großer Parteien, einer deutschen und einer slawischen, im Werke und haben sich zu diesem Zwecke die Alt- und Jungczechen bereits verbündet. Inzwischen haben die

Czechen in Folge des vereinigten Zusammenhaltens der Deutschösterreicher doch auch Sorge um ihre Sache bekommen und verlangen, daß der rus­sische Kaiser, wenn er mit dem Kaiser Oesterreichs eine Zusammenkunft in Warschau habe, sich der Slaven Oesterreichs annehmen solle, damit ihnen Das werde, was ihnen gebühre. Wirklich ein netter Patriotismus der Herren Czechen vom Kaiser von Rußland eine Verfechtung ihrer Interessen zu verlangen, und eine noch größere Naivität von ihnen, zu hoffen, daß die Kaiser Alexander und Franz Josef die Slavenfrage in Oesterreich zum Gegenstände einer Unterhandlung machen würden.

(Frankreich.) Die Art und Werfe, wie sich in Frankreich der für nothwendig erachtete Ministerwechsel vollziehen soll, wird jetzt in einer Anzahl Widersprüche behandelt. Während einige Blätter er nicht für möglich halten, daß Gambetta die Leitung des Cabinets schon vor Zusammentritt der Kammern übernehmen werde, da er dadurch die be­denkliche Erbschaft des Ministeriums Ferry direkt übernehmen müsse und der Kammer die Möglichkeit nehme, das Ministerium Ferry zur Ver- amwortung zu ziehen, meinen wieder andere Zeitungen, daß der Rück­tritt des Cabinets Ferry vor der Kammereröffnung gerade die beste Lö­sung für Gambetta sei, denn Gambetta könne unmöglich zugeben, daß das Ministerium Ferry, in welchem einige seiner besten Freunde, die Minister Farre, Constanz und Cazot säßen, den heftigsten Angriffen der Kammer wegen der tunesischen Affaire ausgesetzt werde. Man muß also die nächsten Tage abwarten, um Klarheit hierüber zu erlangen, denn für Dienstag ist noch ein Mmisterrsth des alten Cabinets festgesetzt. — In Tunis machen die Franzosen zur Zeit verzweifelte Anstrengungen, um der aufständischen Bewegung Herr zu werden. General Logerot hat die Forts d.r Hauptstadt Tunis besetzt und General Saussier nähert sich der heiligen Stadt Kaihrouan, um dieselbe zu zerstören, eine barbarische Maßregel, die den religiösen Fanatismus der Tunesen nur noch mehr entflammen wird.

(England.) Der von der Alliance der englischen Landwirthe gefaßte Beschluß, betreffend die Reform der landwirthschaftlichen Gesetz­gebung, wird nicht die Einführung eines neuen Agrargesetzes zur Folge haben, denn der Ministerpräsident Gladstone hat auf zahlreiche an ihn in dieser Frage gerichtete Adressen geantwortet, daß ein Landgesctz, wie das irische, für England nicht nothwendig sei, sondern daß nur einige Verbesserungen der Beziehungen zwischen Gursbesitzer und Päcksier vor- zunehmen seien. In einem für Mittwoch anberaumten Mmrsterrath wird das englische Cabinet die egyptische Frage und die Transvaalan­gelegenheit berathen.

(Rußland.) In Rußland wühlt und wühlt der Nihilismus immer noch weiter und zwar in Kreisen, wo man seine Existenz nicht für möglich halten sollte, denn in Petersburg ist in der Constautinow'- schen Militärschule eine nihilistische Verschwörung entdeckt worden und zwanzig Zöglinge, die nächstes Jahr als Oificiere in die russische Armee eintreten sollten, wegen revolutionärer Umtriebe verhaftet worüen. Auch wurden aus gleichem Grunde acht Zöglinge der Alexander-Militär-Schule in Moskau verhaftet.

(Italien.) Ein unverbürgtes Gerücht, welches über Wien ge- meldet wurde, bringt die Nach icht, daß ein ehemaliger garibaldinischer Ospcier, Namens Rensi, in Mailand ein Attentat auf den König Hum- bert geplant habe. Bomben seien in der Wohnung des verhafteten Rensi gefunden worden. Erklärende Einzelheiten über diesen Aitentatsversuch sind noch abzuwarten.

(Egypten.) In der Beurtheilung der egyptischen Frage sind alle Großmächte jetzt sehr zurückhaltend geworden und muß man jeden­falls abwarten, was die beiden nach Kairo gesandten türkischen Com- missare, Fuad und Niram Pascha, dort ausrichten werden. Die Groß­mächte betonen auch alle das gemeinsame Interesse an der egyptischen Frage, so daß eine einseitige Lösung derselben nicht zu erwarten ist.

(Vereinigte Staaten.) Das Interesse des politischen Lebens in den Vereinigten Staaten concentrirt sich gegenwärtig auf die Reinig­ung der np:blikanischen Regierung von verderblichen Elementen und auf den Mortprozeß gegen Guiteau. Die Vertheidigung desselben hat ein Schwager Guüeau's übernommen, der, wie schon gemeldet wurde, den Schwerpunkt der Verhandlungen auf eine Geistesstörung Guiteau'S legen null.