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SleSipamjeiJeite
Nr. 229,
Montag den 3, Oktober
1881
Amtliches.
In d-r Jlbenstädter Gemarkung ist bei dem letzten Manövertage der 21. Division eine silberne Cylinder-Uhr gefunden worden. Empfangnahme beim Herrn Ortsvorstand zu Erbstadt.
Am 29. September d. J. ist auf der Leipziger Straße bei Rückin- gen ein Kassenschein in höherem Betrag gefunden und bei dem Herrn Bürgermeister in Langenselbold deponirt. — 15 Pf. in Briefmarken nebst einem schwarzen Medaillon. Eine längliche Meerschaumspitze nebst Etui.
Verloren: Ein goldener Trauring. Ein Eiswoll-Shawl.
Hanau am 3. Oktober 1881.
Aus Königl. Landrathsamt.
Tages schuM.
Verschärfung der Gegensätze in Oestreich.
(A d Schw. Merk.)
Obwohl die zisleithanischen Landtage ganz geschäftsmäßig begonnen haben, lassen sich doch die Anzeichen nicht verkennen, welche auf eine immer mehr zunehmende Verschärfung der nationalen Gegensätze deuten. Es sind die Deutschen, welche, herausgefordert durch das Austreten der andern Nationalitäten, sich nun gleichfalls entschieden ausraffen und zusammenthun, und unter Beiseitesetzung der anderweitigen Unterschiede eben das Deutschthum als ihr Erkennungszeichen auspflanzen; natürlich mit Ausnahme der Ultramontanen, durch deren Beitritt die Czechen und die Polen die Mehrheit im Abgeordnetenhause des Reichsraths besitzen. Wie sehr alle Versuche des Grasen Taaffe, die Gegensätze zu versöhnen, gescheitert sind, dafür ist ein sprechendes Anzeichen der Zerfall der sog. Mittelpartei, die, von dem Ministerpräsidenten in's Leben gerufen, die eigentliche Stütze seiner Politik sein sollte. Anstatt nach rechts und links an Boden zu gewinnen, hat die Partei kürzlich den Austritt zweier ihrer angesehensten Männer, ja ihrer beiden Häupter erfahren, des Grafen Widmann-Sedlnitzky im Herrenhaus und des Grafen Dubsky im Abgeordnetenhaus. Beide haben dem Grafen Taaffe nicht länger auf seiner verhängnißvollen Bahn folgen wollen, sie erachten „die weitere Entwicklung der Dinge als dem Staate Gefahr bringend" und kehren nun nach zwei Jahren bitterer Enttäuschung in den Schooß der deutschen Verfassungspartei zurück. Die Mittelpartei gilt nach diesem Austritt für abgethan, und es bleibt dem Ministerpräsidenten nichts übrig, als unter Verzicht auf eine sogen. Mittelpartei sich auf die aus Czechen, Polen und Römlingen bestehende Mehrheit zu stützen, der gegenüber nun die Deutschen, einiger als bisher, den Kampf aufnehmen wollen. Zusehens gewinnt die polit sche Organisation der Deutschen immer festere Formen. In Brünn hat sich ein deutscher Klub gebildet, und im nordwestl. Böhmen gründet man deutsche Nationalvereine. Das Wichtigste ist aber, daß man endlich auch in der Volksvertretung der Spaltung ein Ende machen will, welche bisher die Anstrengungen der Deutschen lähmte. Die deutsche Versassungspartei zerfiel nämlich bisher in einen Fortschrittsklub und in einen Klub der Liberalen, die sich durch eine andere Schattirung des Freisinns unterschieden; ein Unterschied, der aber unter den heutigen Umständen als gänzlich bedeutungslos zurücktreten muß hinter der Nothwendigkeit eines engen Zusammenschlusses aller Deutschen. Nun ist die Nothwendigkeit dieses Zusammenschlusses schon oft gepredigt worden, bisher immer vergebens, allein man hat diesmal bessere Hoffnung, daß aus den guten Vorsätzen etwas werden werde, und diese Hoffnung gründet sich auf das neueste Auftreten des Dr. Herbst, der unbestritten als der eigentliche Führer der Verfassungspartei gilt. Herbst hat bisher es stets abgelehnt, sich auf den deutsch nationalen Standpunkt zu stellen, von den bekannten Kundgebungen hielt er sich fern, er stellte nicht den Grundsatz der Na- tionalilät, sondern den der Verfassungstreue voran; allein in Folge der seit zwei Jchren gemachten Erfahrungen hat er sich Schritt für Schritt bem nationalen Standpunkt genähert und in den Reden, die er in den letzten Tagen »sr seinen Wählern hielt, ist er bei der Vereinigung der beiden verfassungstreuen Klubs auf Grundlage der deutsch- natronalen Idee angelangt. In Rumburg hat Herbst zuerst dieses Programm entwickelt und in Warnsdorf sagte er geradezu: „Wir sind
Deutsche, wollen es bleiben, und werden uns im politischen Leben nur durch unseren deutschen Standpunkt bestimmen lassen", eine Aeußerung, die von den Zuhörern mit lautem und andauerndem Beifall angenommen wurde. Damit tritt aber eine bedeutungsvolle Wendung im östreichischen Parteileben ein. Bisher nämlich stellten sich die Deutschen auf den östreichischen Standpunkt; gegenüber den „staatsrechtlichföderalistischen" Ansprüchen vertrateu sie den Gesammtstaat; jetzt sind sie im Begriff, gleichfalls, wie ihre Gegner, auf den nationalen Standpunkt sich zu stellen. Wie die Politik der Polen und der Czechen immer zuerst polnisch und czechisch und dann erst östreichisch war, so machen auch die Deutschen jetzt Anstalt, erst Deutsche und dann erst Oestreicher zu sein. Es gibt keine zentralistische Staatspartei mehr. Das sind die Erfolge der Staatskunst des Grafen Taaffe.
— Berlin, 2. Okt. Se. Maj. der Kaiser, der auch in Baden- Baden täglich Regierungsgeschäfte erledigt und mit den Chefs des Militär- und Civil Kabinets arbeitet, empfing gestern den Kaiserlich russische» Reichskanzler Fürsten Gortschakoff. Bei günstigem Wetter pflegt der Kaiser täglich Spazierfahrten zu machen.
— Berlin, 1. Okt. Ueber die Organisation des ausländischen Handels in Japan liegt ein amtlicher Bericht vor, demzufolge das dortige Einfuhrgeschäft fast ausschließlich in den beiden Hafenstädten Ioko- hama und Kobe concentrirt ist; in den übrigen offenen Häfen des Landes findet eine direkte Einfuhr entweder gar nicht oder nur in ganz unbedeutendem Maße statt. Infolge davon haben die in den beiden größten japanischen Handelsstädten Tokio und Osaka, von welchen aus sich alle Einfuhr nach dem Innern verläuft, ansässigen Jmportgroßhändler es leicht, jederzeit den ganzen Einfuhrmarkt zu überblicken und sich über alle Vorkommnisse und Conjunkturen zu unterrichten. Tokio und Orsaka sind von Dokohama und Kobe auf der Eisenbahn nur je eine Stunde entfernt und die japanischen Jmporthändler wissen insbesondere sich über die bei den fremden Firmen vorhandenen Lagervorräthe, Mustersendungen, gesandten Waaren, abgeschlossenen Verkäufe genau Kenntniß zu verschaffen. Die fremden Firmen stehen daher, abgesehen von der scharfen Concurrenz untereinander, einer geschlossenen, sehr bewußt und planmäßig operirenden Partei gegenüber. Die Verkäufe von Importen werden größtenteils auf Muster hin abgeschlossen. Der Abschluß erfolgt stets schriftlich. (K. Z.)
— Zur Theilnahme an einem sechswöchentlichen Jnformationskur- sus bei der Artillerie-Schießschule ist eine größere Anzahl Stabsoffiziere und Hauptleute der Feld- sowie Fuß-Artillerie kommandirt worden und in Berlin eingetroffen.
— S. M. S. „Freya", 8 Geschütze, ist am 30. September er. in Plymouth eingetroffen und beabsichtigte am 12. Oktober cr. nach Wil- Helmshaven in See zu gehen.
— Die deutsche Brigg „Willibald", die sich auf der Fahrt nach Kardiff befand, ist auf der Rhede von Pauillac mit dem englischen Dreimaster „l B D", von Liverpool kommend, in Folge falschen Ma- növrirens des letzteren zusammengestoßen. Beide Schiffe haben ziemlich schwere Havarie gelitten. (T. R)
— Die „Df.-Ztg." schreibt: Endlich ist auch Aussicht vorhanden, daß die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Rußland, die auf der Danziger Zusammenkunft nach gutem Vernehmen Gegenstand der Verhandlungen waren, einer besseren Regelung unterworfen werden. Die Ermäßigung des Handelstarifes bildete den Kernpunkt der Verhandlungen. Wenn auch des russischen Finanzministers Augenmerk auf Erhöhung der Zölle gerichtet ist, so scheint doch an maßgebender Stelle die Absicht zu bestehen, den Wünschen Deutschlands Gehör zu leihen.
— Wien, 1. Oktober. Der König von Sachsen ist heute hier eingetroffen und vom Kaiser am Bahnhöfe auf das Herzlichste empfangen worden.
■— Brüssel, 29. Sept. Durch Königliche Verordnung sind 12 Athenäen (in Mecheln, Löwen, Ipern. Ath, Charleroi, Chimay, Huy, Verviers, Tongres, Bouillon und Dinant), 56 Mittelschulen für Knaben und 44 Mittelschulen für Mädchen neu errichtet worden.
— Paris, 30. Sept. Der Präsident Grövy kehrt am nächsten