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Nr. 226
Donnerstag öen 29. September
1881.
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Ein Buch über Bismarck.*)
(A b. Schw. Merk.)
Sehr willkommen erscheint gerade jetzt, Angesichts der Reichstagswahlen, für welche das Loosungswort „für oder wider Bismarck" ausgegeben ist, dieses Buch, in dem die großartigen politischen Leistungen des Reichskanzlers in einem Gesammtbilde dargelegt sind. So viel auch schon über Bismarck und sein Werk geschrieben worden ist, so sehlt es doch an einer übersichtlichen populären Darstellung seiner Wirksamkeit. Der Verfasser, welcher durch sein Jahrbuch Veranlassung hatte, die Politik Bismarcks aufmerksam zu verfolgen, hat sich die Aufgabe gestellt, an der Hand der parlamentarischen und diplomatischen Aktenstücke die ganze Entwicklung der staatsmännischen Bedeutung Bismarcks dem Leser vor Augen zu führen und seine Thätigkeit als Abgeordneter, als Bun. destagsgesandter, als Botschafter in Petersburg und Paris, als Ministerpräsident, Bundeskanzler und Reichskanzler zu schildern und im Zusammenhang mit der Zeitgeschichte möglichst genau zu beleuchten. Er hat diese Aufgabe in klarer, lebendiger Darstellung trefflich gelöst und bei großer Vollständigkeit des Thatsächlichen doch allzu große Ausführlichkeit vermieden und sowohl in biographischen Einzelheiten als in Heranziehung der Zeitgeschichte das richtige Maß gehalten. Dies bewährt sich auch darin, daß er bei allem Bestreben, die staatsmännische Größe Bismarcks in's Licht zu stellen und seine Politik als die richtige, national berechtigte nachzuweisen, doch nie in den Ton eines überschwänglichen Lobredners verfallen ist, sich vielmehr einer objektiven Darstellung beflissen hat. Die Hauptquellen, die der Vers, benützt hat, sind die eigenen Kundgebungen Bismarcks: die parlamentarischen Reden, die diplomat. Aktenstücke und die veröffentlichten Privatbriefe. Sehr sorgfältig hat er auch die gelegentlichen Aufklärungen verwerthet, welche Bismarck in Reichstagsreden über sein politisches Verhalten bei früheren Gelegenheiten und die Motive, die ihn dabei geleitet haben, gegeben hat. Natürlich sind auch die Enthüllungen, die sich aus anderweitigen Mittheilungen, wie z. B. den Tagbüchern von Moritz Busch, den Aufzeichnungen des Prinzen Napoleon, den Erinnerungen des Ministers von Friesen u. A. ergeben, benützt worden. Das aus einem mäßigen Oktavband bestehende Buch.zerfällt in 7 Abschnitte: 1) Jugendjahre und Wanderjahre; 2) Bismarck als Abgeordneter; 3) Bismarck als Diplomat; 4) als Ministerpräsident; 5) als Bundeskanzler; 6) als Reichskanzler. Das 7. Schlußkapitel gibt einen historischen Rückblick aus die Entwicklung der deutschen Geschichte und ihren Wendepunkt durch die glänzenden Ergebnisse der Politik Bismarcks. Der reiche Inhalt des Ganzen wird durch ein ausführliches JnhaltSverzeichniß dem raschen Ueberblick zugänglich gemacht. Das Gesammtbild von der alle seine deutschen Vorgänger übertreffenden staatsmännischen Größe Bismarcks, welcher Deutschland zu einer politischen Einigung führte, wie sie in der Blüthezeit des alten Kaiserthums nicht besser bestanden hat, gibt eine schlagende Antwort auf das thörichte Geschrei: „Fort mit Bismarck!" das nur im Munde reichsfeindlicher Parteien einen Sinn hat.
— Ihre Majestät die Kaiserin und Königin hat seit einiger Zeit die Herbstkur in Baden Baden begonnen. Im Allerhöchsten Befinden sind zwar langsame Fortschritte bemerkbar, jedoch wird Ihre Majestät noch fortgesetzt größter Schonung bedürfen und nimmt Allerhöchstdieselbe daher an den täglichen Diners, zu denen Se. Majestät der Kaiser einige Personen von Distinktion zu befehlen pflegt, nicht Theil. Aus demselben Grunde wird auch in diesem Jahre von der sonst üblichen Feier des Allerhöchsten Geburtsfestes durch eine Excursion in das Land abgesehen werden müssen, und wird Ihre Majestät an diesem Tage, außer von den anwesenden Fürstlichen Verwandten, persönliche Gratulationen nicht entgegennehmen können.
Berlin, 27. Sept. Der Magistrat hat den Berliner Stadtverordneten den Vorschlag gemacht, die Kirchensteuer, welche von den vereinigten Kreissynoden Berlins beschlossen ist, durch die städtische Ver. Wallung einzuziehen, jedoch unter der Bedingung, daß sie die Zwangsvollstreckung nicht übernehme.
7- Berlin, 28. Sept. Anläßlich des Einzugs des Bischofs Ko- rum in Trier sagt die „Provinzial Correspondenz": Die Regierung sei
*) fWäyelm Müller, Reichskanzler Fürst Bismarck. Stufig. 1881' ürabbe.j
erfreut, in ihrer Fürsorge für die katholischen Unterthanen bei der Kurie ein so bereitwilliges Entgegenkommen gefunden zu haben, wie sich dies bezüglich der Diöcese Trier gezeigt, und man dürfe hoffen, daß dieselbe Gesinnung auch anderen Diöcesen zu ftatten komme. Zunächst sei zu wünschen, daß es dem ersten im Einverständniß der Regierung mit dem Papste ernannten Bischof vergönnt fei, nicht bloß reichen Segen in seinem Sprengel zu stiften, sondern auch für das weitere Vaterland ein Bischof des Friedens zu werden, damit sich die hohen Erwartungen erfüllen, welche Kaiser und Papst auf ihn gesetzt haben.
— Dem zum Vize-Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika in Geestemünde ernannten Herrn Henry W. Gramberg ist das Exequa- tur Namens des Reichs ertheilt worden.
— Die Kreuzz. schreibt: Es erhalten sich Gerüchte, daß v. Schlözer den Posten in Washington mit demjenigen bei der Kurie in Rom vertauschen werde. Die definitive Regelung der Angelegenheit wird aber erst erfolgen, wenn dieser Posten etatsmäßig genehmigt ist. — Die Nat.-Z. äußert: Bezüglich Schlözers fernerer Bestimmung steht, wie behördlich versichert wird, noch nichts fest. Es wird betont, daß die Rücksichten der Kourtoisie unter allen Umständen die Rückkehr Schlözers nach Washington fordern; die deutsche Regierung lasse sich angelegen fein, solche Rücksichten mit gleicher Genauigkeit den republikanischen wie den monarchischen Regierungen gegenüber zu wahren. Was die Ergebnisse der Sendung Schlözers nach Rom betrifft, so geht die Lesart, welche uns von unterrichteter Seite zugeht, dahin, das Zustandekommen irgend eines Uebereinkommens in Abrede zu stellen. Das Verhältniß zwischen Preußen und der Kurie wird uns als ein noch unausgefüllter Rahmen bezeichnet; die Temperatur, welche im Vatikan gegen Preußen herrsche, sei dagegen die angenehmste, insbesondere sei Leo XIII. für die Herstellung des Friedens auf das eifrigste eingenommen, wie er auch für den Fürsten Bismarck persönlich die größte Anerkennung und Verehrung äußere. Die deutsche Hierarchie hat die gemessensten Anweisungen erhalten, jeden Streit mit der Staatsgewalt zu vermeiden. Auch die Bezeichnung des Herrn Kopp, einer der preußischen Regierung vorzüglich genehmen Persönlichkeit, als Bischof von Fulda, wird uns wiederholt bestätigt.
— Die oft erörterte Frage über die Zulassung der Realschul-Abiturienten zu den Universitätsstudien wird demnächst wieder in Fluß kommen. Der jetzige Cultusminister scheint geneigt, dieser Angelegenheit an der Hand eines Gutachtens der philosophischen Fakultät an der Berliner Universität wieder näher zu tr ten. Da indessen die Zahl der Vertheidiger der Zulassung der Realschüler bei weitem nicht größer ist, als jene der Widersacher, so wird bezweifelt, ob man jetzt zu anderen Ergebnissen kommen werde als bislang.
— Der Hypothekengläubiger, welcher in der Subhastation des verhafteten Grundstücks mit seiner Forderung ausgefallen ist, kann nach einem Eekenntniß des Reichsgerichts, I. Hülsssenats, vom 12. Juli d. I, rechtsgültig sein persönliches Forderungsrecht gegen den Subhastaten an den für die Hypothekensorderung gleichfalls persönlich haftenden Vorbe- sitzer des subhastirten Grundstücks cediren.
— Leipzig, 27. Sept. Reichsgerichtsrath a. D. Schüler, geb. zu Rinteln, früher Oberstaatsanwalt beim Obertribunal in Berlin, starb gestern Plötzlich.
■— Leipzig. Wie das „Leipz. Tageblatt" meldet, ist ein Beamter des Leipziger Cassenvereins seit einigen Tagen flüchtig geworden und es hat sich herausgestellt, daß derselbe einen Betrag von 15 000 M. unterschlagen hat. Durch Beiseiteschaffen von Wechseln, welche zum Jncafso auf Giroconto eingeliefert worden sind, ist diese Defraudatwn möglich geworden.
— In Hüften bei Arnsberg wurde der dortigen Gewerkschaft ein eiserner Geldschrank, welcher, wie die „B. Z." hört, 13 000 Mark Baarbestand, verschiedene Sparkassenbücher in Höhe von 21 000 Mark und mehrere wichtige Doknmente enthielt, gestohlen.
— Das Münchener Oktoberfest hat am 25. September begonnen, wie ja auch die schönen Kalender für 1882 schon im Juli, August oder September erschienen sind. Täglich wird, wie auf dem Schützenfeste nur einmal, ein ganzer Ochse gebraten; wer zusieht, zahlt 10 Pfennig.
— Haag, 26. Sept. Van Lynden als Finanzminister hat der Zweiten Kammer das Budget für 1882 vorgelegt. Die Ausgaben sind auf 128 695 940 Gulden, die Einnahmen auf 106 664 555 Gulden ver«