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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hauau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Montag den 26. September

Nr. 223

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Amtliches.

Auf Grund der §§. 11 und 12 des Reichsgesetzes gegen die ge­meingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 ist das sozialistische Flugblatt:

Zur Reichstagswahl 1881.

Offener Brief des Kandidaten der Sozialdemokratie für den Reichstagswahlkreis Hanau-Gelnhausen-Orb, Karl Frohmein Bocken- Heim, an die Wähler."

Verlegt und herausgegeben von F. Henning in Bockenheim, von der unterzeichneten Landespolizeibehörde verboten worden.

Kassel, den 20 September 1881.

Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.

_____________________________v. Motz, i. V._____________________________

Gesund en: 5 Mark baar. Zwei Zehn-Pf.-Marken; auf der Post liegen geblieben. Eine braune Kaputze.

Entlaufen: Ein Huhn. Ein kleiner Neufundländer, m. Ge- schlechts.

Verloren: Ein goldener Ohrring. Ein Portemonnaie mit 3 Mark 50 Pf.

Hanau am 26. September 1881.

Aus Königl. Landrathsamt.

TagesschaU.

Berlin, 23. Sept. Die Zusammenkunft in Danzig wird von der gesamten Presse mit erneuter Lebhaftigkeit besprochen, seitdem ein magyarisches Blatt österreichische Aktenstücke über die Zusammenkunft in die Oeffentlichkeit gebracht hat, die nicht dafür bestimmt waren. Da,ß sie wesentlich echt sind, geht schon aus der Untersuchung hervor, die den Missethäter ermitteln soll, welcher das Amtsgeheimniß verletzt hat. Im allgemeinen das Wichtigste ist wohl die Mittheilung Haymerles an den Kaiser Franz Joseph:Herr von Giers sagt, daß die bedeutungs­vollste Seite der Dauziger Reise darin liege, daß der Zar dadurch vor ganz Rußland seinen Willen, eine conservative und friedfertige Politik zu verfolgen, in unzweideutigster Weise kundgegeben habe." Ferner geht aus den Aktenstücken hervor daß Deutschlands Haltung in Danzig eine durch­aus österreich-sreundliche gewesen ist. Es erhält sich daher auch die Mei­nung, daß die Kaiser von Rußland und von Oesterreich nächstens zu­sammenkommen werden. Kaiser Alexander beabsichtigt, nach Warschau zur Zusammenkunft zu gehen, und zwischen Warschau und Wien wird sich wohl ein Ort ermitteln lassen. Da Rußland den Frieden will und Frank­reich jetzt durch seine afrikanische Unternehmungen behindert ist, ihn zu stören, so mögen unsere Officiösen recht haben, die behaupten, es sei dem Für­sten Bismark gelungen, auch die kleinste Wolke am politischen Himmel zu verscheuchen. Der Reichskanzler befindet sich wohlauf und will im Oktober von Varzin nach Friedrichsruh übersiedeln. K. Ztg.

Berlin, 24. Sept. Der Gesandte Dr. v. Schölzer ist von Varzin hier wieder eingetroffen.

Nachdem Herr v. Schlözer aus Varzin zurückgekehrt ist, hat sich sofort der Kultusminister Herr v. Goßler zu ihm begeben und beide Herren haben eine lange und vertrauliche Unterredung gepflogen. Na­türlich fehlt es nicht au Leuten, welche sich die Miene geben, als wüß­ten sie bereits Alles, was Herr v. Schlözer an Neuigkeiten von Rom mitgebracht. Die verwaisten Diözösen werden sofort wiederbesetzt, Herr Melchers und Graf Ledochowski werden durch Beförderungen dem Kon- stikt gänzlich entzogen, die Anzeigepflicht wird die Kurie zugestehen, wenn der Staat in die Aufhebung des kirchlichen Gerichtshofes willigt u. s. w. Man kann davon nach Belieben glauben und nicht glauben, was man will. Sicher scheint nach wie vor nur erst so viel zu sein, daß Herr v. Schlözer zuni Vertreter Preußens beim Vatikan ausersehen sei.

(D. M.-Bl.)

Erfolgt auf Antrag eines Gläubigers die Zwangsvollstreckung in Sachen oes Schuldners gegen einen dritten Besitzer der zu pfänden­den Sachen, und wird von diesem dritten Besitzer, welcher der Eigen­thümer resp, berechtigte Nutznießer der zu pfändenden Sache zu sein be­hauptet, dagegen Widerspruch erhoben, so hat nach einem Urtheil des I

1881.

Reichsgerichts, V. Civilsenats, vom 9. Juli d. I., der Exekutionsnach- sucher Klage auf Herausgabe der fraglichen Sache zu erheben. Hat je­doch der Gerichtsvollzieher, den Widerspruch des dritten Besitzers nicht achtend, die fragliche Sache ihm entzogen, so steht dem dritten Besitzer frei, entweder die Beschwerde gegen den die Vorschriften über die Zwangsvollstreckung nicht beachtenden Gerichtsvollzieher zu ergreifen, oder Klage gegen den Gläubiger auf Wiederherausgabe der Sache zu erheben.

Von hervorragenden Politikern haben bis jetzt Delbrück, Frie­denthal und Graf Eulenburg (unser Oberpräsident) die Annahme einer Reichstagswahl kategorisch abgelehnt.

Die am 21. d. M. in Elberfeld stattgehabte Generalversamm­lung der Aktionäre der Bergisch Märkischen Eisenbahngesellschaft hat das .regierungsseitige Angebot für Ueberlassung des Unternehmens an den Staat 4^ z pCt. Rente neben 5 pCt. Konvertirungsprämie abge­lehnt und eine Erhöhung der Rente auf 5 pCt. neben der Konvertirung beansprucht, obwohl diese Mehrforderung von der Regierung bestimmt abgelehnt worden. Bei dieser Ablehnung wird es indeß lediglich das Bewenden behalten.

London, 24. Sept. Wie derTimes" aus Dublin gemeldet wird, trifft die Landliga Vorkehrungen, um die Agitation in verstärktem Maße wieder zu erneuern. DieTimes fordert die Regierung dringend auf, die Umtriebe der Landliga durch Anwendung aller erforderlichen Mittel zu vereiteln. Die Zwangsgesetze müßten ohne Ansehen der Per­son gehandhabt werden, wenn sie Gutes stiften sollten.

St. Petersburg, 24. Septbr. Wie dasJournal de St. Pätersbourg" mittheilt, hat der Verweser des Auswärtigen Amtes, v. Giers, nach Empfang der Nachricht von dem Tode des Präsidenten Gar- field ein Schreiben an den Geschäftsträger der Vereinigten Staaten ge­richtet, um der tiefen Trauer des Kaisers und der russischen Nation Ausdruck zu geben. Das Andenken Garfields werde in hoher Achtung bei dem russischen Volke sortleben. Gleichzeitig wurde der russische Ge­sandte in Washington telegraphisch beauftragt, der Familie Garfields das Beileid des Kaisers Alexander und der russischen Nation zu be­zeugen.

Spezialtelegramme desDeutschen Montags-Blatt."

Karlsruhe, 25. Sept., 11 Uhr Vorm. Die Abreise des schwedischen Kronprinzenpaares ist bis heute 5 Uhr Nachmittags ausge­schoben worden. Das großherzl. Paar begleitet die jungen Eheleute bis zur Grenze nach Weinheim. Baron Bildt, der schwedische Gesandte, kehrt nunmehr nach Berlin auf seinen Posten zurück.

Karlsruhe, 25 Sept. Die Zeitungen veröffentlichen eine Mittheilung des Oberbürgermeisters, in welcher derselbe den Dank des Königs von Schweden für die ihm und seinen Kindern von der Bevöl­kerung dargebrachte herzliche und freundliche Gesinnung zur Kenntniß bringt. , Der König bittet die Bevölkerung, diese Gesinnung ihm und den Seinen auch für die Zukunft zu bewahren. Die Vermählungs­festlichkeiten haben mit der gestrigen glanzvollen Huldigungsfeier der Ge­sellschaft Eintracht, zu welcher der Großherzog und die Großherzogin mit dem Kronprinzen und der Kronprinzessin erschienen waren, nunmehr ihren Abschluß gefunden. Der Großfürst Michael von Rußland mit Gemahlin und Sohn, sowie der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin von Mecklenburg sind heute abgereist.

P a r i s, 25. Sept., 11 Uhr 56 Min. Vorm. Man ver­muthet Hier, der Eifer der Regierung in Sachen Tunis lasse nach, man wolle sich in der Regentschaft nicht allzusehr engagiren, um eventuell wegen. Egypten die Hände frei zu behalten. Die letzten offiziellen De­peschen aus Tunis sind vom 21. d. batirt; dieselben sind nichtssagend, dagegen melden Privatberichte, Tunis sei wieder fast wasserlos. Die Aufregung der Araber wegen der bevorstehenden Okkupation sei sehr groß. Der Bey protestire beständig gegen die Besetzung der Hauptstadt. Die Lage der Kolonne Sabotier sei immer noch sehr kritisch. Morgen hält die äußerste Linke ihre zweite Versammlung; alle von Paris ab­wesenden Mitglieder wurden eingeladen. In der Presse spinnen sich end­lose Polemiken über die Majorität und das Kabinet der Zukunft ab.