— Die Aussage eines im Strafprozeß vor der Hauptverhandlung vernommenen Zeugen, welcher erst in der Hauptverhandlung von seinem Rechte, das Zeugniß zu verweigern, Gebrauch macht, darf zwar nach §. 251 der deutschen Strafprozeßordnung nicht verlesen werden, Wohl aber darf, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, I. Strafsenats, vom 30. Juni d. S, der Untersuchungsrichter oder sonstige Verhörsbeamte über die vor ihm gemachte Aussage von den nunmehr ihr Zeugniß verweigernden Zeugen als Zeuge in der Hauptverhandlung vernommen werden.
— Der kommandirende General des III. Armee-Corps, General der Infanterie von Groß gen. von Schwarzhoff, ist den Folgen eines vor einigen Wochen stattgehabten Sturzes mit dem Pferde am Sonntag Morgen erlegen.
— S. M. S. „Moltke", 16 Geschütze, Kommandant Kapitän zur See Pirner, ist am 19. Juli cr. in Coquimbo eingetroffen. — S. M. Knbt. „Hyäne", 4 Geschütze, Kommandant Kapitän - Lieutenant von Gloeden, ist am 18. September er. in Plymouth eingetroffen und beabsichtigte am 19. dess. Mts. nach Wilhelmshaven in See zu gehen.
— Die Affaire Davidsohn - Stockhausen scheint die Gemüther in Berlin immer noch zu beschäftigen. Die Cartellträger des Ersteren nen- ) m das Benehmen des Herrn Stockhausen ein elendes und der Wahr- I eit nicht entsprechendes. Die Affaire scheint noch vor dem Strafrichter litten Abschluß zu finden.
— „Unser Braun" (Dr. Carl), der so gut spricht und schreibt, 1867 von Wiesbaden nach Berlin und später mit dem Reichsgericht ch Leipzig übersiedelte, in jedem norddeutschen und deutschen Reichstag s >ß, niemals die gute Laune und den Humor verlor, wird in dem iKicksten Reichstage fehlen. Die Glogauer wollten ihn zwar wieder wählen, aber er lehnte ab, weil ihm seine einzige Tochter gestorben ist. Man trug's ihm nicht einmal nach, daß er Sezessionist geworden war.
(D.-Ztg.)
— Der Mensch, der den deutschen Consul Niemack in Livorno während der Eisenbahnfahrt angegriffen und aus dem Wagen gestoßen hat, ist von der Polizei als ein schon mehrfach wegen Diebstahls bestrafter Gasthofs-Laufbursche Namens Rapetti aus Vercelli ermittelt worden. Niemack, der übrigens nur leicht verletzt ist, befindet sich in Turin.
— Paris, 18. Septbr. Eine Verfügung des Kriegs - Ministers vom 17. d., ordnet an, daß keine Militärperson des Jahrganges 1876, welche vor Ablauf der bestimmten Zeit zur Entlassung kommt, von heute ab nach Afrika gesandt werden soll. Demzufolge ist davon Abstand genommen, die in Afrika stehenden Jnfanteriebataillone auf die Stärke von 600 Mann zu bringen.
— London, 17. Sept. Aus Victoria (Hauptstadt der Vancou- verinsel) wird gemeldet, daß an der Westküste Nordamerikas eine große Boje aufgefunden worden ist, die als eine von der Mündung des Amur stammende russische Boje erkannt wurde. Es wird dies als ein Beweis für das Vorhandensein einer Meeresströmung von Japan her angesehen.
— P etersburg, 17. Sept. Gestern wurde in der russischen Reichsbank ein Diebstahl im Betrage von 80 000 Rubeln entdeckt. Der vor circa acht Tagen schon ins Ausland geflohene Dieb war laut dem „Porjadol" durch den Sekretär einer Botschaft an die Bank empfohlen. Er war nur als Diätar angestellt und früher Erzieher in einem Bankierhause gewesen, woselbst er der Unterschlagung von 4000 Rubel verdächtig geworden war.
— Longbranch°, 18. Sept. Präsident Garfield hatte kurz nach Ausgabe des Abendbulletins abermals einen 9 bis 10 Minuten dauern- dern Fieberschauer, jedoch weniger heftig als gestern. Der Puls erreichte ein Mal 134, fiel später aber wieder auf 120.
— Washington, 19. Sept., früh. (K. 3) Um den Präsidenten Garfield herrscht die größte Besorgniß. Der heutigen amtlichen Depesche zufolge wird er immer schwächer.
8 s k K l k S.
Hanau, den 20. September.
— s. Mit lebhafter Freude wurde in unserer Stadt der Gedanke des W eins'schen Gesangvereins begrüßt, sein25jähriges Stiftungsfest zu einem mehr allgemeinen Feste zu gestalten. Die Reitbahn im Altstädter Schlosse, welche bei Gelegenheit des landwirthschastlichen Festes im vorigen Herbste sich als vorzügliche Concerthalle mit tadelloser Akustik bewährte, wird, geschmackvoll dekorirt, die Festtheilnehmer in sich aufnehmen.
Das Fest beginnt am Abend des 24. d. Mts. mit einem Concert, dessen erste Abtheilung durch eine von großem Orchester ausgeführte Ouvertüre eröffnet werden und aus sorgfältig gewählten Einzelnummern, Solr's sowohl wie Chören bestehen wird. Als zweite Abtheilung kommen Bruch's „Scenen aus der Frithjof-S age" zur Aufführung.
Wenn die Vorführung dieses herrlichen Werkes, mit dem auch un- tangst dre Wiesbadener Sänger die Wettstreitenden Vereine so würdig vegrutzten, schon in einem früheren Concert des Weins'schen Gesanaver- ^ aamm^ tn ^em Matze befriedigte, fo darf sich unser mnsiklie- bendes Publikum sitzt, da dem Werke weiteres sorgfältiges Studium ge
widmet^ wurde, und außerdem vollständigeOrchesterbegleitung Hinzutritt, einen außergewöhnlichen Genuß versprechen. — Der Ertrag dieses Concerts ist für die Lucan-Stiftung bestimmt und konnte der Verein dem Andenken seines langjährigen treuen Lehrers und Meisters keinen pietätvolleren, und seinem eigenen, redlichen Streben, unser musikalisches Leben in jeder Weise zu fördern, keinen prägnanteren Ausdruck geben.
Den zweiten Theil und Schluß des Festes bildet ein großes Bankett für Damen und Herren, welches am 25., Mittags 3 Uhr, seinen Anfang nimmt. - Auf das Fest bezügliche Reden werden mit Vorträgen des Orchesters, Männerchören und Solls abwechseln, und da Küche und Keller der bewährten Fürsorge des Herrn F e y anvertraut find, so wird die ächte und rechte Feststimmung nicht ausbleiben.
— Vor einer sehr zahlreichen Versammlung — alle Wähler waren hierzu eingeladen — entwickelte der von der Fortschritts- sowie von der Volkspartei aufgestellte Reichstagskandidat, Herr Professor Rühl von Königsberg, gestern Abend im Centralhallensaale sein Programm Wie wir hören betheiligten sich auch Herr Karl Frohme aus Bockenheim und Andere an der hierauf folgenden Debatte und wurde die Versammlung schließlich durch den überwachenden Polizeibeamten gesetzlich auf. gelöst.
— Gestern stürzte der Kellner einer hiesigen Wirthschaft in das Schachtloch des Eiskellers und mußte sofort in das Landkrankenhaus verbracht werden. Nach heute eingezogenen Erkundigungen scheinen innerliche Verletzungen nicht stattgefunden zu haben und befindet sich der Patient den Umständen nach in einem befriedigenden Zustande.
— Massenweise sind schon die Schwalben nach dem Süden abgezogen. Hoffentlich wird dies keine schlimme Vorbedeutung für einen all- zufrühen Winter fein.
_ — Für heute. Weins'scher Gesangverein: Abends 71'a Uhr Große Orchesterprobe im Saale zur „großen Krone".
— Kafsel, 17. Septbr. Die Prüfung derjenigen jungen Leute, welche sich durch Ablegen einer solchen das Recht zum einjährig-freiwilli« gen Dienst im Heere erwerben wollen, fand in der Zeit vom 1. bis 17. September vor der dazu bestimmten Königlichen Commission statt. Zn- gelassen waren 47 Candidaten, von diesen waren 2 nicht erschienen, 1 trat während der schriftlichen Prüfung zurück, 6 wurden nach ungenügendem Ausfall der schriftlichen Arbeiten mündlich überhaupt nicht geprüft, 11 bestanden nicht, bei 26 war das Ergebniß der Prüfung ein befriedigendes; über einen Candidaten, welcher Anspruch auf die Berücksichtigung machte, welche für Künstler gewährt wird (siehe Deutsche Wehr-Ordnung vom 25. September 1875, §. 89, 6a.) liegt die Entscheidung bei den Ersatz-Behörden dritter Instanz, dem Generalkommando und Oberpräsidium (C. Tpst.)
— Dem Deutschen Kriegerbunde, dessen Vorstand seinen Sitz in Berlin hat und dem der Krieger-Verband in Hessen und Waldeck mit ca. 3500 Mitgliedern als 24. Bezirk angehört, sind laut Allerhöchster Kabinetsordre d. d. Schloß Babelsberg den 24. August 1881 von Sr. Majestät dem Kaiser die Rechte einer juristischen Person verliehen worden.
— Die für die Dienstalterszulagen an Lehrer vorhandenen Fonds werden alljährlich wiederkehrend von Berlin aus auf die Bezirksregierungen vertheilt, nachdem diese den Bedarf angemeldet haben. Es wird dies bei dem Wechsel im Personalbestände der in das erforderliche Dienstalter tretenden Lehrer in den einzelnen Regierungsbezirken zur Aufrechthaltung einer möglichst gleichmäßigen Vertheilung der Gelder für nöthig erachtet. Während nun früher jene Anmeldung und Vertheilung erst in den Monaten des betreffenden Etatsjahres geschah, erfolgt jetzt die Anmeldung schon in den letzten Monaten des Vorjahres, und können somit in der Gewährung von Dienstalterszulagen nicht leicht Verzögerungen eintreten.
— Nach einem Erlaß des Ministers der Landwirthschaft werden auf Grund des §. 28 des Regulativs über Ausbildung, Prüfung und Anstellung für die unteren Stellen des Forstdienstes in Verbindung mit dem Militairdienste im Jägerkorps vom 15. Februar 1879 bei den Regierungen zu Gumbinnen, Stettin, Stralsund, Oppeln, Magdeburg und bei der königl. Hofkammer neue Notirungen forstversorgungsberechtigter Jäger der Klasse A. J. bis auf Weiteres derart ausgeschlossen, daß bei den genannten Behörden nur die Meldungen solcher im laufenden Jahre den Forstversorgungsschein erhaltenden Jäger angenommen werden dürfen, welche in dem Bezirke derjenigen der vorbenannten Behörden, bei welcher sie sich melden, zur Zeit des Empfanges des Forstversorgungsscheines im königl. Forstdienst bereits länger als 2 Jahren beschäftigt sind. Die Zahl der Anwärter ist gegenwärtig am geringsten in den Regierungsbezirken Erfurt, Minden, Arnsberg, Kassel und Düsseldorf, so wie in der Provinz Hannover.
— Der Herr Wilh. Jmhoff zu Kassel ist auf der Frankfurter Patent- und Musterausstellung wegen seiner dort ausgestellten „Patent- Gesundheitspfeifen" mit der broncenen Medaille prämiirt worden.
— Fulda, 19. Sept. Se. Kgl. Hoheit der Landgraf Friedrich von Hessen ist gestern Vormittag hier eingetroffen, um wieder einmal von Schloß Adolphseck aus einige Tage im Reviertheile Nonnenrod die Jagd auf Hochwild auszuüben. (8- K.)
— Eine Warnung für Verfälscher von Lebensmitteln bildet die