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Hamim Ammer.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Korrespondenz.
Dienstag den 13. September
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1881.
Amtliches.
(Steckbrief.) Gegen den Goldarbeiter Johannes Frank von Oberrodenbach, 21 Jahre alt, welcher flüchtig ist, soll eine durch vollstreckbares Urtheil des Königlichen Landgerichts, Strafkammer zu Hanau, vom 13. August 1881 erkannte Gefängnißstrafe von drei Monaten vollstreckt werden. Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das Landgerichtsgefängniß zu Hanau abzuliefern.
Hanau, den 7. September 1881.
Königliche Staatsanwaltschaft. Schumann.
Rundschau.
B. F. (Deutsches Reich.) Das hochwichtige Ereigniß der vergangenen Woche, die Kaiserzusammenkunft an der Weichselmündung, läßt an Interesse die übrigen Tages-Ereignisse weit hinter sich und bildet daher noch immer den Mittelpunkt aller Mittheilungen, Erörterungen und Combinationen auf unserem politischen Gebiete. Niemand verhehlt sich im Jnlande wie im Auslande die Tragweite dieses fürstlichen Rendezvous, welches in der Reihe der Fürstenbegegnungen einen ganz hervorragenden Platz einnimmt. Von welchem Gesichtspunkte aus man aber auch die Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und Kaiser Alexander III. betrachten möge, stets wird man zu dem Resultate gelangen, daß dieselbe unter die stärksten Friedensgarantien, unter die erfreulichsten und wirksamsten Symptome für die Erhaltung des allgemeinen Friedens eingereiht werden kann. Denn von dem Tag von Danzig kann man mit Fug und Recht erwarten, daß er das alte freundschaftliche Verhältniß zwischen Deutschland und Rußland auf weitere Jahre hinaus verlängern und dauernd befestigen werde. Von einem dauernden Einvernehmen zwischen dem deutschen Reiche und seinem östlichen Nachbar hängt aber bei der ausgesprochenen Machtstellung beider Staaten in Europa auch die Erhaltung des gegenwärtigen Standes der Dinge auf unserem Con- tinente ab und da die Politik Deutschlands sich auch ferner in den bisherigen friedlichen Bahnen bewegen wird, so dürfen wir an die Kaiserbegegnung in Danzig die Hoffnung auf die Fortdauer des Friedens knüpfen. Was nun die hervorragendsten Momente der Kaiser-Entrevue selbst anbelangt, so tragen wir noch nach, daß das erste Zusammentreffen zwischen Kaiser Wilhelm und Kaiser Alexander III. Freitag Nachmittag
1 Uhr an Bord der kaiserlich deutschen Jacht „Hohenzollern" stattfand. Beide Monarchen, sichtlich tief ergriffen, umarmten und küßten sich wiederholt, worauf der Czar den deutschen Kronprinzen in gleich herzlicher Weise begrüßte und sich sodann an den mitanwesenden Reichskanzler Fürst Bismarck wandte, mit welchem er sich lange unterhielt. Nach Einnahme des Dejeuners bestiegen beide Kaiser nebst ihrem glänzenden Gefolge die bereit stehenden Wagen und fuhren unter dem Geläute der Glocken, dem Donner der Kanonen und den jubelnden Zurufen einer unzähligen Volksmenge in Danzig ein. Um 6 Uhr Abends fand im Artushofe das vorher abgesagte Diner statt. Ueber die Dauer der Anwesenheit Kaiser Wilhelms und des Kaisers Alexanders in der west- preußischen Hauptstadt coursirten verschiedene Gerüchte; indessen hat der Czar noch am Freitag Abend auf seiner Jacht Danzig wieder verlassen.
Kaiser Wilhelm hat sich von Danzig am Freitag Abend direkt nach Berlin zurückbegeben, theils wegen der Trauernachricht vom Ableben seines hohen Verwandten, des Prinzen Friedrich der Niederlande, theils weil ihn die eingetretene ungünstige Witterung davon abhielt, den Ca- vallerie-Manövern bei Konitz beizuwohnen. Auch der deutsche Kronprinz, welcher sich zur Theilnahme an den letzteren von Danzig nach Konitz begeben hatte, ist von dort am Sonnabend Abend nach Berlin zurückgekehrt.
Die Kaiserzusammenkunft stellte natürlich die Vorgänge auf unserem mneren politischen Gebiete, was die vergangene Woche anbetrifft, in den Schatten, doch gewährten dieselben im Uebrigen auch nur wenig Ausbeute. Ueber den augenblicklichen Stand der kirchenpolitlschen Verhandlungen zwischen Preußen und dem Vatikan herrscht zwar noch keine volle Gewißheit, doch darf man annehmen, daß dieselben energisch weitergefördert werden und vielleicht schon in nächster Zeit überraschende Resultate zur Folge haben werden. Eine Andeutung hierüber gibt uns wenigstens eine Auslassung der der Regierung nahe stehenden „Nordd. ^ilg. Ztg", nach welcher sich die Regierung ernstlich mit dem Gedanken an die Wiedererichtung einer Mission beim römischen Stuhle trägt.
(Frankreich.) Unter den Tages-Ereignissen der vergangenen Woche nehmen in Frankreich die Reden, welche Gambetta auf seiner Rundreise durch die Normandie in Neubourg, Evreux und Honfleur gehalten hat, die erste Stelle ein. Man kann den Inhalt jener Reden als einen Absagebrief des französischen Kammerpräsidenten nicht nur an die Jntransigenten und Radikalen, sondern auch san die Ungeduldigen seiner eigenen Partei, der republikanischen Vereinigung bezeichnen, und man hat Mühe, in dem Redner von Neubourg den Sprecher von Tours wiederzuerkennen und fällt es namentlich auf, daß Gambetta in seinen neuesten oratorischen Leistungen nicht mehr die Revision der Verfassung erwähnt. In Paris legt man sich diese Rechtsschwenkung Gambettas dahin zurecht, daß eine vollständige Allianz zwischen dem Letzteren und dem Ministerpräsidenten Ferry im Anzüge sei, welche Combination gerade nicht unglaubwürdig erscheint. — Aus Algier wird gemeldet, daß im Bezirk von Sidib el Abbas fünf Kaids (arab. Richter) wegen ihrer mit Bu Amena, dem Chef der algerischen Insurgenten, geführten Cor- respondenz, verhaftet worden seien, welches Ereigniß großen Eindruck unter den Eingeborenen gemacht hab.
(England) In einzelnen Grafschaften Irlands treibt die Wühlerei der Agitatoren der Landliga üppigere Blüthen als je. Ueberall verüben die Landligisten die größten Ausschreitungen und die Zwangsakte hat keine Schrecken für die Handlanger der Landliga. Es ist augenscheinlich, daß die Landakte den agrarischen Mordthaten und Brandstiftungen kein Ende gemacht hat und diejenigen Elemente der irischen Bevölkerung, welche das Treiben der Landliga verabscheuen, legen sich be- sorgt^die Frage vor, was dann erst werden soll, wenn die Landbill an die Stelle der Zwangsakte tritt. Die „Times" ermähnt darum die Regierung, allen Versuchen, die Schreckensherrschaft der Landliga neu zu beleben, zu deren Unterdrückung das Parlament in der vergangenen Session einberufen worden sei, mit der größten Energie entgegenzutreten und statt die Verdächtigen auf freien Fuß zu setzen, deren noch mehr zu verhaften.
(Schweiz.) Der internvtionale Socialisten-Congreß soll nun doch in der Schweiz stattfinden und da die Züricher Regierung die Abhaltung desselben verboten hat, so ist der Congreß auf den 23. Oktober nach Bern einberufen worden.
(Niederlande.) Aus dem Haag kommt die Nachricht, daß Prinz Friedrich der Niederlande am Donnerstag Abend auf seinem Schlosse bei Haag nach kurzem Krankenlager verstorben ist. Prinz Friedrich der Niederlande, geboren am 28. Februar 1797, war mit einer Schwester Kaiser Wilhelms, der Prinzeß Louise von Preußen, vermählt gewesen. Verwandtschaftliche Beziehung und persönliche Zuneigung steigerten das Verhältniß zwischen dem greifen Prinzen und Kaiser Wilhelm zu einem außerordentlich herzlichen, so daß die Nachricht vom Ableben des Erkrankten am Berliner Hofe sicherlich tiefe Theilnahme erwecken wird.
(Rumänien.) Unter den Staaten der Balkanhalbinsel ist ersichtlich das junge Königreich Rumänien am meisten bemüht, sich immer mehr den Vorbildern der westeuropäischen Staaten zu nähern. Es gilt dies auch in Bezug auf die fortgesetzten Bemühungen Rumäniens, seine Wehrkraft zu erhöhen. Unter Anderem sind im Laufe dieses Jahres 30 Reserve-Dorobanzen.Regimenter errichtet worden, welche sich aus den, im Bezirke jedes dieser Regimenter wohnenden, Dorobanzen zusammensetzen, die ihrer aktiven Dienstpflicht in der sogenannten Territorialarmee bereits genügt haben. Diese neuen Reserve-Regimenter bestehen also durchweg aus gedienten Soldaten, so daß man also im Voraus von der Tüchtigkeit dieser neuen Elemente, welche der rumänischen Armee zugeführt werden, überzeugt sein kann.
(Türkei.) Die Verhandlungen zu Konstantinopel zwischen den Delegirten der ausländischen Besitzer türkischer Schuldtitel und den Vertretern der ottomanischen Regierung lassen eine Verständigung zwischen den Gläubigern der Pforte und der letzteren erhoffen. Es handelt sich zumeist um die Ueberweisung gewisser Einkünfte der türkischen Regierung an die auswärtigen Besitzer türkischer Schuldtitel; die Bankiers in Ga- lata, welche die Anleihen der türkischen Regierung vermittelt haben, wollen jedoch ebenfalls an diesen Einkünften participireu. Man glaubt nun, daß die Pforte die Erträgnisse bestimmter Steuern den Besitzern türkischer Titres zuweisen werde, welche sich sodann direkt mit den