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Kiemtemente« Brei«:

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Nr. 204.

taillier Anreißer.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint'läglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

Samstag den 3. September

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1881.

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R. F. (Deutsches Reich.) Die letzte Zeit, welche unser Kaiser auf Schloß Babelsberg zugebracht, war vom Wetter nicht sonderlich be­günstigt und daher nicht ganz ohne Einfluß auf das Befinden des hohen Herrn, in Folge dessen der Kaiser bereits am vergangenen Sonntag seine Residenz wieder nach Berlin verlegt hat. Von hier aus hat der Mo­narch, nachdem er am Dienstag noch die große Herbstparade des Garde­korps abgenommen hatte, am Donnerstag Nachmittag in Begleitung des von seiner Inspektionsreise in Bayern am gleichen Tage zurückgekehrten Kronprinzen die Reise nach Hannover zu den dortigen Manövern an­getreten.

Das wichtigste Ereigniß auf kirchenpolitischem Gebiete ist die nun­mehr erfolgte Anerkennung des Domherrn am Straßburger Münster, Dr. Felix Korum, als Bischof von Trier von Seiten der Regierung, worüber demselben die vom 29. August datirte landesherrliche Anerken­nungsurkunde ausgehändigt worden ist, wie derReichs-Anzeiger" mit- theilt. Dr. Korum ist am Sonntag Abend von Varzin, wo er sich der größten Auszeichnung von Seiten des Fürsten Bismarck zu erfreuen hatte, in Berlin eingetroffen, stattete am Montag und Dienstag dem Minister des Innern, v. Puttkamer, und dem Cultusminister, v. Goßler, wiederholt Besuche ab und wurde am Mittwoch auch vom Kaiser em­pfangen. Der neue Kirchenfürst hat sich bemerkenswerther Weise dahin geäußert, daß er durchaus kein Politiker sei, er halte das Politiktreiben mit dem Berufe eines Priesters für unvereinbar und werde seine ganze Sorgfalt den verwaisten Gemeinden seiner Diöcese zuwenden und sür eine Linderung der geistlichen Noth alle seine Kräfte aufbieten, so lange die Wiederherstellung einer regulären Seelsorge noch nicht möglich sei. Es scheint demnach, als ob die Regierung in Dr. Korum den geeignet­sten Mann zur Beendigung des unglückseligen Culturkampfes gefunden habe.

Die Vorbereitungen für die Vorlage bezüglich der Kosten, welche der Anschluß Hamburgs an das Zollgebiet verursacht, sind nach einer Mittheilung derKöln. Ztg." im vollen Gange. Es wird dies eine der ersten Vorlagen sein, welche dem neuen Reichstage zugehen, und man erwartet von demselben, wie er sich auch gestalten möge, daß er die Kosten für den Anschluß der Hansestadt bewilligen wird, ohne welche Zustimmung der Vertrag gegenstandslos werden würde.

In der Angelegenheit der beiden in Kiel mit Beschlag belegten SchiffeDiogenes" undSocrates" sind neuerdings mehrfache Veröf­fentlichungen erfolgt. Der durch diese Maßregel geschädigte Schiffsbauer Howaldt hat seine Beschwerdeschrist an das Ministerium des Innern publicirt, andererseits ist eine officiöse Rechtfertigung des Verfahrens der Regierung erschienen. Allerdings ist durch die eingeleitete Untersuchung verschiedenes Auffällige in der Bauart der genannten Dampfer konstatirt worden, z B., daß die Maschinen unter Wasser liegen, was bei Handels­schiffen nicht gebräuchlich ist, andererseits erscheint aber auch die Firma Howaldt durch die Beschlagnahme der beiden Dampfer schwer geschädigt und da dieser Einzelfall nur ein Präcedenzfall für ähnliche Vorgänge sein würde, so wäre es sehr wünschenswerth, wenn die Untersuchung bald Licht 'in diese Affaire brächte.

DerReichs-Anzeiger" meldet die Ernennung des Geh. Regierungs­und vortragenden Rath Rosse in Berlin zum Präsidenten der Regierung in Trier.

(Oesterreich-Ungarn.) Die Pause, welche in dem parlamen­tarischen Leben Oesterreichs seit der Vertagung des Reichsratyes einge­treten war hat nun ihr Ende erreicht, indem vorerst die Landtage ihre Thätigkeit wieder aufnehmen. Von den bereits zusammen getretenen Landtagen nimmt der Tyroler ein besonderes Interesse in Anspruch, weil vielfach der Glaube besteht, diese überwiegend klerikal gesinnte Ver­sammlung werde gegen einige ihr mißliebige Institutionen, insbesondere gegen das Reichs-Volksschulgesetz und gegen den Bestand protestantischer Gemeinden in Innsbruck und Meran, demonstriren; man darf gespannt fein, wie sich der Vertreter der Regierung im Tyroler Landtage zu die­sen klerikalen Absichten stellen wird. f ., ,

(Frankreich.) Die allgemeine politische Lage in Frankreich hat sich durch die Wahlen vom 21. August noch immer nicht in der wün-

schenswerthen Weise geklärt. Noch Niemand vermag zu sagen, ob die republikanische Majorität in der neuen Kammer mehr im Sinne des jetzigen Cabinets handeln oder mehr im Fahrwasser Gambetta's schwim­men wird, trotzdem predigen aber die opportunistischen Blätter eifrig die Nothwendigkeit eines Ministeriums Gambetta, obwohl man dieselbe noch nicht einzusehen vermag. Ein Ministerium pflegt nach allgemeinen Wah­len nur dann abzutreten, wenn dieselben gegen die von ihm verfolgte Politik ausgefallen sind. Dies ist aber bei dem Cabinet Ferry nicht der Fall, denn die Wahlen vom 21. August haben die vorherbestehende ministerielle Majorität aufrecht erhalten. Es ist also vorläufig kein Grund für das Ministerium Ferry vorhanden, zurückzutreten und dieser Meinung scheint man auch in den gemäßigt republikanischen Kreisen in Frankreich zu sein. Die Meldungen aus Algier und Tunis lauten für die Franzosen immer beunruhigender und es hat den Anschein, als ob im französischen Nordafrika bald ein allgemeiner Aufstand ausbrechen sollte.

(England.) Die irische Landbill hat bereits Uneinigkeit in das Lager der irischen Landliguisten gebracht. Dillon, einer der hervorra­gendsten Führer derselben, erklärte auf einem Bankett in Dublin, daß er sich zeitweilig in das Privatleben zurückzuziehen gedenke, da er außer Stande sei, die Ansichten Parnells zu theilen, welcher empfohlen habe, es mit der Landbill wenigstens zu versuchen. In Cork und Tippe- rary sind ernstliche Ruhestörungen vorgekommen.

(Rußland.) Bemerkenswerth sind die in einigen höheren russi­schen Verwaltungsposten erfolgten Personalveränderungen. Der Ober­polizeimeister Kosloff in Moskau ist zum Oberpolizeimeister in Peters­burg, der Gouverneur von Bessarabien, Generalmajor Jankowky, zum Oberpolizeimeister in Moskau und der bisherige Stadthauptmann Ba- ranoff in Petersburg zum Gouverneur von Archangel ernannt worden. Außerdem soll General Tscherewin zum Generalgouverneur von Peters­burg ernannt werden, andere Gerüchte stellen wieder die Ernennung eines Generalgouverneurs in Abrede und besagen, daß vielmehr ein neuer Posten mit ausgedehnten Vollmachten (großer und kleiner Belagerungs­zustand in umschriebener Form) für Petersburg geschaffen werden solle.

(Dänemark.) Am Dienstag ist die Session des dänischen Reichs­tages geschlossen worden, welche man in den parlamentarischen Annalen des dänischen Jnselreiches als eine der unfruchtbarsten verzeichnen wird. Die beiden Kammern haben sich nämlich über das Finanzgesetz im Or- dinarium, der Hauptvorlage der vergangenen Session, nicht geeinigt, die Verwaltung wird daher für den Rest des Finanzjahres, bis 1. April 1882, nach der früher gegebenen intermistischen Bewilligung geführt werde'n.

(Orient.) Auf dem Lustschlosse Sinai des Königs von Rumä­nien weilte im Anfänge dieser Woche Graf Andrassy, der ehemalige Lei­ter der Geschicke Oesterreichs, als Gast des rumänischen Königspaares. Der Graf wurde zu Sinai mit großer Auszeichnung behandelt, doch ist der Zweck seines Besuches noch in Dunkel gehüllt. Die griechischen Truppen haben die Occupation der 2. und 4. Zone des an Griechen­land abgetretenen Gebietes im Laufe dieser Woche durchgeführt, ohne daß sich störende Zwischenfälle ereignet hätten.

(Amerika.) Die Nachrichten vom Schmerzenslager des Präsi­denten Garfield lauten wieder etwas tröstlicher. Die Drüsengeschwulst nimmt merklich ab, desgleichen das Fieber und die Befürchtungen einer ernstlichen Blutvergiftung haben sich erheblich gemindert. Ein großer Orkan hat an der südatlantischen Küste (Karolina, Florida) große Ueber» schwemmungen verursacht, wodurch ein bedeutender Verlust an Menschen­leben und Eigenthum hervorgerufen wurde.

TagesschaA.

Berlin, 2. Septbr. Se. Majestät der Kaiser und König sind gestern Nachmittag 4 Uhr 35 Minuten mittelst Extrazuges in Hannover eingetroffen und haben im Residenzschlosse daselbst Wohnung genommen. Heute Vormittag 9/2 Uhr fuhren Se. Majestät in offe­nem Wagen nach dem Paradefelde bei Bemerode und wurden in den Straßen der Stadt und aus dem ganzen Wege dorthin von der zahl­reichen Menschenmenge mit sreudigen Zurufen begrüßt. Se. Kaiserliche