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Beilage zu Nr. 203 des Hanauer Anzeiger.

Die Wiener Nachtbörse

schildert ein Korrespondent des N. W. T. in folgender ergötzlicher Weise: Der bei Nacht sonst so stille Schottenring war am Mittwoch um 10 Uhr Nachts der Schauplatz höchst aufregender Scenen. Dieselben entstanden dadurch, daß unter dem Schutze der Dunkelheit die Bilanz der Kredit-Anstalt in die Oeffentlichkeit drang, und unter den auf der Straße versammelten Börsebesuchern beträchtliche Verheerungen anrichicte. Die Zahl der Opfer ist vorläufig nicht zu bestimmen. Um neun Uhr schon tauchten aus allen Richtungen Gruppen auf, welche theils vor den Kaffeehäusern und Restaurants, theils vor dem Redaktionslokale eines Journals vor dem Schottenringe, theils in den Alleen Aufstellung nahmen. Sämmtliche Anwesende schienen schwer an einem Geheimnisse zu tragen. Man sah äußerst sorgenvolle Gesichter und alle von Erwar­tung bewegt. Sämmtlichen Herren war ungemein heiß, welcher Zustand sich dadurch äußerte, daß sie den Hut in das Genick zurückschoben, sich den Schweiß von der Stirn wischten und in den Pausen, da sie nicht sprachen, höchst merkwürdige Töne ausstießen, welche eben so sehr von physischer Ermattung, als von tiefinnerer Beängstigung Zeugniß geben konnten. Die Gruppen verdichteten sich, bald wimmelte es förmlich vor dem Cafä zur komischen Oper und die vor dem Redaktionslokale Ver­sammelten nahmen eine immer drohendere Haltung an, welche, wie man nachträglich erfuhr, darauf berechnet war, den Abgesandten der Kredit­anstalt, der die Bilanz bringen würde, in Schrecken zu versetzen und dann das kostbare Blatt, gleich der Springwurzel im Märchen, abzu-

Spiel in italienischen Osterien. Die Blutzeugen der Bilanz, jene Herren, die zuerst „64" gerufen, müssen inzwischen bereits verkauft worden sein; man sieht sie nicht mehr, an ihrer Stelle in Mitte des Knäuels stehen andere Opfer der aufgeregten Volksmenge. Vergebens suchen sich in " ' Turteltaub!,,

dem Tumult die besten Freunde. — „Wasservogel!

— „Süßmann, gibst Du?" Keine Antwort. Wie ein

drängt Alles mit Einem Male wieder heraus, und da finden sich die

Bienenschwarm

fangen. Die sehr zahlreich aufgebotene Sicherheitswache trug wesentlich dazu bei, den Zustand der Wartenden

suchte ein Häuflein sich ein wenig Ruhe bleiben auszuschnaufen, so kam alsbald Ermahnung, den Weg fortzusetzen. So und fort wandern. Von Zeit zu Zeit umher, in deren Folge einzelne Gruppen

noch zu verschlimmern; denn zu gönnen und durch Stehen- ein Wachmann herbei mit der mußten die Armen ruhelos fort schwirrten schreckliche Gerüchte unter Zeichen solcher Bestürzung

auseinanderstoben, daß man fast fürchtete, diese Unglücklichen würden sich im nächsten Augenblicke wegen zerrütteter Vermögensverhältnisse auf ir­gend eine grausame Art aus dem Leben schaffen. Allein sie schienen sich immer irgendwo in der Nähe Beruhigung zu holen, denn nach kurzer Zeit kehrten sie zurück, steckten die Köpfe zusammen und ballten die Faust nach einem unsichtbaren Feind, offenbar nach dem Unhold, der sie geäfft hatte. Plötzlich, wie aus dem Straßenpflaster heraus, sprangen mehrere Gestalten behend über den Fahrweg mitten unter den Menschenknäuel vor dem Cafä zur „Komischen Oper" hinein und kreischten im Tone vor Verzweiflung und Reue: „ 64!" — „ 64!" wiederholten Hunderte von Stimmen in schauerlich wildem Chor und hundert kräftige Gestalten stürzten sich auf diejenigen, welche zuerst „64“ gerufen hatten. Wir Zuschauer fühlten die entsetzliche Ahnung in uns aufsteigen, daß wir alsbald Zeugen eines Gefandtenmordes sein würden; denn offenbar waren jene kühnen Springer die Abgesandten der Wissenden, welche Botschaft von der Bilanz zu bringen hatten und nun von dem empörten Volke wahrlich in Stücke gerissen wurden. Allein man schonte die Opfer in­sofern, als sie blos unter betäubendem Lärm in das Innere des Kaffee­hauses geschleppt und dort allem Anscheine nach als Sklaven feilgeboten wurden; denn man umringte sie von allen Seiten und machte Angebote nebst allerlei, nur den Besuchern des Sklavenmarktes verständliche Glossen: „64 . . 6402 . . 65 . . 643/4 . . 66 . . 68 . . 67 . . 6402 . . Zwei Millionen 800 000 . . — ä Schand . . Was ä Schand? A Einbruch, sag' ich Ihnen, auf mein Ehrenwort . . Was a Einbruch? A Maffenmord, sag' ich Ihnen . . 62 . . 60 . . Ka gute Hosen ver- dient's Ihr Genovim . . aufgewachsen seid's Ihr vielleicht bei sünf Millionen . . 65 . . 650a . . drei Millionen 100 000 offiziell . . Wo ist der Hochstapler, der das sagt? 64 . . 640'2“ . . u. s. w. Das Geschrei wird immer ärger; man erhält zufolge der heftig ausgesproche­nen Zahlen und fuchtelnden Hände denselben Eindruck, wie vom Mora-

Bekannten und Gesellschafter. Man sieht, wie sich manche gerührt um­armen — sie haben in der Kontremine gewonnen. Andere flüstern sich süße, geheimnißvolle Dinge zu, die vermuthlich heute eintreffen werden, und wieder Andere stürzen wuthschnaubend, racheschwörend, Himmel und Erde zu Zeugen menschlicher Unverläßlichkeit und menschlichen Unver­standes, fort in das Dunkel der Nacht, wo es am tiefsten ist. Bald ist die Straße nur mehr dünn besäet mit Interessenten an der nächt­lichen Bilanz. Das „Weiterfixen" (Herabtreiben des Kurses) geht in den umliegenden Lokalen vor sich. Man bespricht die Sache bereits mit Hohn. — „Jsidor A. hat im Hotel De France den 71er (Kurs) heut' Abend mit Champagner eingeweiht", erzählt Jemand mit lauter Stimme. „Seh' hinein, mit was für a Getränk er jetzt den 64er einweiht", er­widerte ein Zweiter: „es werd' a Syphon sein." Unmittelbar, nachdem die Bilanz bekannt geworden war, stob die in weitem Umkreise des Börsengebäudes angesammelte Menge in athemloser Hast nach allen Richtungen auseinander. Wenige Minuten darauf rasten aus den be­nachbarten Gassen eine Menge von Privat-Equipagen und Fiakern da­von, um die erlangte Kunde in die entfernteren Stadttheile zu bringen. Zugleich stürmten Helle Schaaren dem Telegraphenamte zu, dessen De- Peschensaal im Nu so dicht gefüllt war, daß die Mehrzahl der sich da um die Schalter drängenden Aufgeber von Telegrammen eine sehr ge­raume Zeit warten mußte, bevor es gelang, die bereitgehaltenen Depeschen an einen der Beamten zu bringen. Auch in allen Gasthaus- und Cafö- Lokalitäten des Schottenviertels herrschte bis in die späten Nachtstunden ein ungewöhnlich reges Leben und Treiben.

— (Städtisches T echnikum Rinteln a./W.) Wir wollen nicht versäumen, bei der starken Frequenz, welche das städt. Technikum Rinteln a./W. gerade aus hiesiger Gegend seit langen Jahren erfuhr und unter Berücksichtigung der gediegenen Leistungen dieser wohlorgani- sirten Anstalt, darauf aufmerksam zu machen, daß dieselbe ihr diesjäh­riges Wintersemester am 25. Oktober, den Vorunterricht zu demselben dagegen bereits am 1. Oktober beginnt. Die Tüchtigkeit des aus her­vorragenden, erprobten Kräften zusammengesetzten ständigen Lehrkörpers, die günstigen Resultate, welche seither stets mit den Schülern der tech­nischen Abtheilungen erzielt wurden und viele Industrielle und Unter-' nehmer veranlaßten, die Direktion um Ueberweisung von Abiturienten des Technikums für ihre Büreaus rc. gegen gutes Honorar zu ersuchen, ferner die allbekannten glänzenden Erfolge der Abtheilung für Vorbe­reitung zum einjährig-freiwilligen Examen, welches regelmäßig fast alle, welche von der Anstalt für reif erklärt wurden, nach kurzer Vorbereitung bestanden und schließlich der Umstand, daß in Rinteln der Lebensunter­halt so enorm billig ist, indem daselbst von Mk. 27 monatlich aufwärts Wohnung und volle Kost geboten wird, woraus namentlich weniger Be­mittelten eine willkommene Erleichterung ihres Studiums erwächst, sind Momente, welche nicht genug hervorgehoben werden können und Veran­lassung geben, das Technikum in Rinteln auch in weiteren Kreisen immer mehr und mehr bekannt zu machen. Allen, welche beabsichtigen, sich technischen Studien zu widmen oder in kurzer Zeit die Berechtigung für den einjährigffreiwilligen Militairdienst zu erlangen, ist der Besuch des städt. Technikums Rinteln zu empfehlen. Programme versendet die Di­rektion auf Anfordern gratis und ertheilt bereitwilligst jede gewünschte Auskunft.

Gedanfest.

Zur der Freitag den 2. September, Vor­mittags 110a Uhr, stattfindenden Gedächt­nißfeier auf dem Friedhof beehren wir uns sämmtliche Behörden, Korporation und Bewoh­ner unserer Stadt zur Betheiligung einzuladen.

Gleichzeitig erlauben wir uns an unsere Mit­bürger die Bitte zu richten, zu Ehren des Ta­ges ihre Häuser festlich schmücken zu wollen. 7600 " Das Festeomite.

Klavierstücke, zu 2 und 4 Händen, sowie mit Violinbegleitung, billig zu verkaufen. 7606

Inserate.

Steinkohlenkasse

zur Carthaune

Jeden Samstag von 8—10 Uhr:

Mitglieder-Äufnuhme.

^z^iejenigen geehrten Damen Hanau's, welche gewillt sind, auch beim diesjäh- rigen Sedanfeste zur Schmückung der Grä­ber durch Blumenspenden beizutragen, werden höflichst gebeten, am Festtage in der Zeit von 9—10 Uhr früh an der E h rens äul e dieselben an das Comite abgeben zu wollen.

7581 ®as Festcomite.

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Der Vorstand.

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