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Samstag den 27. August
Str. 199
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A. R.-N. Am Hoflager unseres Kaisers beginnt man sich zu den bevorstehenden Manövern, die allem Anschein nach sich überaus großartig gestalten werden, mehr und mehr zu rüsten. In Konitz, in Hannover, in Schleswig-Holstein wird der oberste Kriegsherr nach einander seine Soldaten inspizieren, wie jetzt der Erbe der Krone in Süddeutschland die dortigen Truppen einer Besichtigung unterwirft. Sein Tuskulum Babelsberg wird der Monarch in den nächsten Tagen verlassen; die rauhe Luft und das stürmische Wetter machen den Aufenthalt dort gerade nicht zur besonderen Annehmlichkeit, und eine Erkältung, welche den Kaiser befiel, hat wohl auch das ihrige dazu beigetragen, um ihn zu bestimmen, nach seinem Palais Unter den Linden in Berlin zurückzu- kehren, wo er bis zum Beginn der Manöver verweilen wird. Die Berliner werden also nach langer Zeit bald wieder die Freude haben, die kaiserliche Purpurstandarte von der Plattform des Daches wehen zu fehen, die die Anwesenheit des Hausherrn verkündet. Ueber das Befinden der Kaiserin ist nur erfreuliches zu vermelden; man nimmt als gewiß an, daß dieselbe den Vermählungsfeierlichkeiten am großherzoglich badenschen Hofe in Karlsruhe wird beiwohnen können, wenn auch vielleicht noch einige Schonung geboten erscheinen wird. So plötzlich, daß erst auswärtige Zeitungen nach Berlin die Nachricht bringen mußten, hat Fürst Bismarck die Reichshauptstadt verlassen und sich über Stettin nach Varzin begeben. Mannigfaltige Muthmaßungen über das, was den Kanzler in Berlin fesselte, sind laut geworden, Gewißheit fehlt jedoch noch immer. Man wird wohl nicht fehl gehen, wenn man annimmt, daß die Trierer Bischofsangelegenheit jetzt endgiltig geregelt ist, wenngleich auch noch einige Zeit vergehen dürfte, bevor die näheren Umstünde, welche der Einigung vorhergingen, bekannt werden. Herr Dr. Ko rum, der Erwählte des Trierer Domkapitels, ist von Rom, wo er zum Bischof geweiht ist, nach Straßburg i. E. zurückgekehrt und wird dort noch längere Zeit, drei — vier Wochen sagt man, verweilen, bevor er sich nach Trier begibt. Dann erst dürste auch von staatlicher Seite aus die eventuelle Bestätigung des neuen Bischofs erfolgen. Inzwischen war Frau Fama natürlich sehr geschäftig, den Faden der Ver- söhnungspolitik zwischen Staat und Kirche weiter zu spinnen, erst hieß es, Kardinal Ledochowski, der bekanntlich in Rom weilt, habe auf sein Erzbisthum, das ihm durch den Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten bekanntlich abgesprochen worden ist, nun auch seinerseits sormell Verzicht geleistet, und als dies von dem polnischen Leiborgan des Kardinals be- stritten wurde, auch für die verwaiste Diöcese Fulda sei ein Bischos in Person des Herrn Dr. Sträub, ebenfalls aus Straßburg, gefunden; wie weit dies nun richtig ist, muß erst die nächste Zeit lehren. Ueber den Wahltermin, der auch bei der Anwesenheit des Reichskanzlers in Berlin festgestellt sein soll, verlautet noch immer nichts Gewisses. Während die Wogen des Wahlkampfes in Berlin z. B. und in anderen Orten sehr hoch gehen, macht sich hin und wieder bereits eine gewisse Ermattung in Folge der übertriebenen Agitation bemerkbar, ja ab und zu ist auch von den Wahlen überhaupt noch gar keine Rede. Die Bewohner der letzteren Wahlkreise sind gewiß am besten daran, und im Uebrigen hätten wir auch wirklich wünschen können, es wäre uns eine ähnliche kurze Frist bis zur Wahl gesetzt, wie in Frankreich. Dort hat man übrigens den Wahlen, mit Ausnahme wohl nur von Paris, mit weit größerer Ruhe entgegengesehen, als bei uns. Daß die Republikaner den Sieg davontragen würden, war von vornherein eine ausgemachte Sache. Interessant war eigentlich nur die Wahl Gambetta's in Paris, wo er trotz des vorherigen großen Skandals, doch in seinen Wahlkreisen in Belleville, allerdings nur mit einer winzigen absoluten Majorität gewählt ist. Man spricht bereits davon, Gambetta müsse in Folge des für ihn sehr günstigen allgemeinen Wahlresultats das Ministerium übernehmen, ob er allerdings nicht lieber die Präsidentschaft acceptiren wird, steht dahin. Jedenfalls hat er aber vorläufig so viel mit seinen Geg- nern, den Jntransigenten und Communisten, zu thun, daß wir in Deutsch- land uns seinetwegen keine grauen Haare wachsen zu lassen brauchen. An demselben Tage wie in Frankreich fanden auch in Spanien und Portugal Neuwahlen statt, die ebenfalls völlig ruhig verliefen unv jür die Regierungen Majoritäten ergaben. In England ist die dro
1881.
hende Krisis, welche durch die Haltung des Oberhauses in der Landbill entstand, glücklich beseitigt worden durch einen Compromiß, und das Gesetz ist inzwischen auch schon durch die Königin sanktionirt worden. Trübe Stunden bereitet John Bull noch immer der Handelsvertrag mit Frankreich, der nicht perfekt werden kann. Frankreich hat bekanntlich sehr hohe Schutzzölle eingeführt und die englische Industrie wird theil- weise dadurch sehr schwer getroffen. Alle Bemühungen englischerseits, eine Erleichterung der drakonischen Bestimmungen herbeizusühren, sind bis jetzt vergeblich gewesen, und so sehen die englischen Industriellen mit Bangen dem Inkrafttreten der französischen Schutzzölle entgegen. In einem ähnlichen ungemüthlichen Verhältniß befindet sich Oesterreich- Ungarn, nur daß es hier keine merkantilische, sondern eine rein politische Frage ist. Bekanntlich sollte der Kaiserstaat Bosnien und die Herzegowina besetzen, um diese Länder zu pacificiren, die aber nichts delloweniger noch unter der Oberhoheit des Sultans stehen blieben. Die biederen Bosnier sehen aber ihr Glück nicht ein, wollen sich nicht in die österreichischen Gesetze fügen, sondern ziehen es vielmehr vor, als Bri- ganten im Lande umherzustreifen. So ist es gekommen, daß jetzt die Unsicherheit noch größer ist, als zu Zeiten der Paschawirthschaft. Eine kleine Reibung fand auch mit Rußland statt, dessen Premierminister Jgnatiew angeblich panslavistische Umtriebe in Ungarn mit russischem Golde unterstützen soll. Hilsreiche Hand leistet in diesem Jntriguenspiel auch der Metropolit von Serbien, dem von seiner Regierung bedeutet ist, sich gesälligst um seine Kirchen und Priester zu kümmern und die Politik gänzlich aus dem Spiel zu lassen. Zu einer offenen politischen Aktion ist es jedoch noch nicht gekommen. Zum Besuch des Kaisers Alexander ist dessen Schwiegervater, der König von Dänemark, in Rußland eingetroffen. Man spricht davon, daß König Chr ist an sich mit der Absicht trage, den Czaren zu Reformen zu veranlassen. Der Wille ist freilich gut, helfen wird's dem dänischen König aber wenig, so lange Graf Jgnatiew noch am Regiment ist. Auf Rußlands Antrieb offenbar ist Fürst Krapotkin, der russische Nihilist, aus der Schweiz, seiner bisherigen Zufluchtsstätte, ausgewiesen. Mit weniger Glück ist es England bisher gelungen, in Amerika auf die Brandproklamationen der Ferner einzuwirken, welche ruhig weiter ihre Episteln in die Welt hinausschicken. Es ist das ein trübes, unerquickliches Bild, bei dem man nicht gern verweilt, und wir wollen deshalb auch davon abbrechen und zum Schluß noch dem Präsidenten Garfield einige Worte schenken. Das Befinden desselben gestaltete sich zu Anfang der Woche sehr schlecht, und wenn auch allmählich bessere Nachrichten von jenseits des Oceans kamen, so waren sie doch immer noch sehr ernst. Die Aerzte klagen namentlich über die große Schwäche des Präsidenten, der in den ca. 8 Wochen seiner Krankheit um etwa 75 Pfund abgenommen hat. Da muß allerdings die Kraft schwinden. Nun, hoffentlich tritt doch noch schließlich eine Besserung ein.
Taßssschan«
— Kiel, 25. August. Der Admiralitätschef General v. Stosch besichtigte heute die Panzerfregatten Friedrich der Große und Preußen und begab sich sodann nach dem Gute Schönwalde, von wo er nach kurzem Aufenthalte nach Berlin zurückkehren wird.
— Straßburg, 26. August. (K. Z.) Bischof Korum ist heute Nacht von Straßburg nach Varzin abgereist.
— Posen, 26. August. Nach einer dem Kuryer Poznanski zugehenden Nachricht liegt der Cardinal Ledochowski in Rom seit Wochen an einem so bedenklichen Herzleiden darnieder, daß man am letzten Samstag für sein Leben fürchten mußte; seit Sonntag lauteten die Nachrichten etwas beruhigender.
— Polnische Blätter melden, am 24. seien in der galizischen Stadt Przemysl zwei russische Osficiere als Spione verhaftet worden. Man habe bei ihnen außer einer großen Summe Geldes die Pläne der Festungen Przemysl und Krakau, sowie eine beträchtliche Anzahl von Papieren gefunden, deren Inhalt die Verhafteten als verdächtig erscheinen lasse. Die Namen der Osficiere werden als Oberst Printpow und Oberstlieutenant Politza bezeichnet.
— Durch die czechischen Zeitungen weht neuerdings doch ein ande-