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Donnerstag den 25, August
Nr. 197,
Amtliches.
Verloren: Ein Cigarren-Etui mit einer Urlaubskarte. Von der Krämerstraße bis Kleinsteinheim ein schwarzer Ohrring mit goldener Oese.
Gefunden: Ein weißer baumwollener Strumpf. Zwei eiserne Gartenstühle. Aus der Straße von Langenselbold bis Rückingen eine Pfeife mit Beschlag; Empfangnahme beim Herrn Bürgermeister zu Mittelgründau.
Hanau am 25. August 1881.
Aus Königl. Landrathsamt.
Tagesschau.
Undank ist der Welt Lohn.
A. R.-N. Der czechische Pöbel in Prag hat sich vorige Woche wieder einmal bemüßigt gefunden, seinem Deutschenhasse durch eine lärmende Kundgebung Ausdruck zu geben und diese neue Flegelhaftigkeit hat wohl allen jenen Deutschen die Augen geöffnet, welche in unverbesserlicher Gutmüthigkeit und Vertrauensseligkeit glaubten, daß das große czechische „Nationalunglück", d. h. der Theaterbrand, alle bisherigen Gegensätze aufgehoben habe, und daß es nun Pflicht der Deutschen in Böhmen sei, den so hart getroffenen Landsleuten versöhnlich und aus- gleichsbereit entgegenzukommen. Mit erneuten Ausschreitungen hat der czechische Pöbel die Spenden quittirt, welche, wie die „nationalen" Blätter selbst zugeben müssen, von Deutschen reichlich für den Wiederaufbau des Nationaltheaters eingelaufen sind. In der tiefen Trauer, welche das czechische Volk zur Schau trägt, glaubte der Präger Pöbel den Vorabend des kaiserlichen Geburtstages nicht besser feiern zu können, als indem er in Haufen von Hunderten vor das Dentsche Haus auf dem Graben zog und daselbst derart zu lärmen und zu johlen begann, daß die Polizei einschreiten und die Unruhestifter auseinandertreiben mußte. Ein Theil der Hetzer soll auch, wie laute Rufe verriethen, die löbliche Absicht gehabt haben, sich gegen das deutsche Landestheater zu wenden. Der Exceß war keineswegs improvisirt, sondern vorbereitet, da die Theilnehmer an demselben mit Pfeifen versehen waren. Allerdings haben die Deutschen auch in diesem Falle „provozirt"; im deutschen Casino sollte nämlich ein Gartenfest zum Besten des deutschen Schul- Vereins stattfinden, wurde jedoch der ungünstigen Witterung wegen abgesagt. Aber selbst die bloße Absicht einer solchen „Provokation" mußte bestraft werden; für den czechischen Theaterbau dürfen wohl die Deutschen ihr Geld hergeben, aber zur Unterstützung ihrer eigenen Vereine keine Feste veranstalten. Wer übrigens die durch die jahrelangen Hetzereien erzeugte Verwilderung der czechischen Volksmasse kennt, der wird sich über die Erneuerung der Excesse trotz der von den nationalen Parteiblättern in diesen Tagen zur Schau getragenen Versöhnlichkeit nicht wundern. Der Haß gegen alles Deutsche ist zu tief eingeimpft, als daß er über Nacht schwinden könnte.
— Berlin, 24. August. Se. Majestät der Kaiser und König hörten gestern die Vorträge des Geheimen Hofraths Borck, des Geheimen Kommerzien-Raths Freiherrn von Cohn und des Generals von Albedyll, empfingen den General-Feldmarschall Grafen Moltke, den zum Chef des Stabes Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Friedrich Carl für die Kavallerie-Uebungen ernannten General von Hämisch und Se. Königliche Hoheit den Erbgroßherzog von Baden.
— Berlin, 23. August. Der hiesige Magistrat hat den Beschluß gefaßt, den Sedantag wiederum in hergebrachter Weise zu feiern.
— Aus angeblich „durchaus zuverlässiger Quelle" geht der Oelder Zeitung die Nachricht zu, daß der Erzbischof von Köln, Dr. Paulus Melchers, ernstlich mit dem Gedanken umgehe, in den Franciskaner- orden zu treten, um sich in diesem strengsten Orden ganz der Ascese zu weihen.
— Aus Neuen ah r, 19. August, schreibt man der K. Z. über den von der Reblaus betroffenen Distrikt: Heute ist der Oberpräsident mit dem Regierungspräsidenten hier angekommen und hat mit dem Landrath, den Bürgermeistern und Mitgliedern des Landwirthschastlichen Vereins die betreffenden Stellen begangen. Dieselben liegen in der Gemar
1881.
kung Heimershein links am Berge, wenn man mit der Bahn von Re- magen hierher fährt. Es ist nicht ein zusammenhängender Komplex, auf dem bie Reben welken, sondern es scheint ein Hauptherd zu sein, von dem kleinere Flecken in geringer Entfernung liegen. Die Reblaus tritt aber bekanntlich nicht von selbst auf, sondern muß an eingesührten Reben eingeschleppt worden sein. Die mit den Winzern angestellten Verhöre hatten zunächst kein Ergebniß, denn alle sagten, die Weinberge seien seit langen Jahren, von den Großvätern her, immer gleich behandelt worden und das Welken werde eine Blattkrankheit sein oder vom Froste herrühren, der viele Reben zerstört oder geschwächt habe. Die fortgesetzten Fragen des Inspektors haben aber doch schließlich ergeben, daß Reben von auswärts bezogen worden sind, und zwar sogenannte Portugieser. Dieselben entstammen dem oinologischen Pflanzgarten zu Neuburg in Oestreich, einer Anstalt, wo vor mehreren Jahren die Reblaus sich gezeigt hat. Wenn die Probestöcke vom landwirthschastlichen Kasino an hiesige Leute nur unter .der Bedingung abgegeben sein mögen, dieselben nur an den Häusern zu pflanzen, so scheint bei dem günstigen Ertrage und dem dunkeln Farbstoff der Beere inzwischen Bepflanzung auf einigen Stellen des Weinbergs geschehen zu sein. Die welkenden Stöcke hat man für schwach gehalten oder irgend eine Blattkraukheit angenommen und so ist die Vermehrung vor sich gegangen und durch Umpflanzung wahrscheinlich besördert worden. Die ganze Angelegenheit ist übrigens noch unklar und bedarf eingehendster Erkundigungen und Verhöre.
— Wie der Köln. Volksztg. aus Hannover geschrieben wird, hat das neulich mehrfach erwähnte Piftolenduell in Göttingen von 2 Korpsstudenten, bei welchem der eine Duellant erschossen wurde, schon weitere Folgen gehabt. Das Universitätsgericht hat sieben Studenten, unter diesen auch die in der Angelegenheit thätig gewesenen Mitglieder des Ehrenrathes, von der Universität verwiesen. Außerdem ist das Korps „Teutonia" aufgehoben.
— S chifferst adt, 22. August. Heute Nacht, gelegentlich einer Tanzbelustigung im „Adler", geriethen mehrere Burschen in Streit und einer derselben wurde so unglücklich kopfüber die Treppe herunter gestürzt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird.
— München, 24. August. (K. Z.) Der Kronprinz des deutschen Reichs wird während seiner Anwesenheit in Landshut in dem dortigen königlichen Schlosse wohnen; Oberhosmarschall Frhr. v. Malsen macht im Austrage des Königs daselbst die Honneurs.
— Ueber das in Nürnberg am 21. d. M. stattgehabte Unwetter, das von uns schon in Nr. 194 d. Bl. kurz mitgetheilt wurde, schreibt die „Nürnberger Presse" solgende Details:
Nürnberg, 22. August. Ein Unwetter, wie es schlimmer nicht gedacht werden kann, hat uns gestern heimgesucht. Um Via Uhr, nachdem eine unheimlich brodelnde Schwüle vorausgegangen war, verfinsterte sich der Himmel, daß in einzelnen Häusern das Gaslicht angezündet werden. mußte und plötzlich öffneten sich die Schleussen des Himmels, aber nicht uns mit Regenwasser zu überschütten, sondern die Stadt in eine Wolke von Kiesel, Schlossen, welche bald in Hagel von der Größe der Haselnüsse, ja bis zum Umfange eines Hühnereies, untermischt mit Eisstücken, die mitunter einen Durchmesser von 6 bis 7 Centimeter hatten, übergingen, einzuhüllen. Ihnen fielen im Nu sämmtliche Oberlichter der Stadt zum Opfer, wie ein Theil jener der Sturmseite ausgesetzten Fensterscheiben. Es war ein Brausen und Rauschen, ein Klirren und rollendes Getöse, daß es schien, als sei die Hölle losgelassen, dazu das fortwährende Rollen des Donners, das stetige Jagen der Blitze, daß es selbst starken Männerherzen unheimlich wurde. Die Zerstörung, die der schwere Orkan anrichtete, ist bedeutend. Im germanischen Museum schlug er nicht allein die Oberlichter ein, sondern es drangen die schweren Eisstücke und der Regen unheilbringend herab auf die Kästen, einen ungefähren Schaden von 10 000 Mark verursachend; die im Bau begriffene Frauenkirche zeigt elf Löcher in ihren neu eingesetzten Glasmalereien. Das Rathhaus sieht arg mitgenommen aus. Die Gaslaternen waren ebenfalls der Unbill widerstandslos ausgesetzt und vielfach waren die Fensterscheiben der Eisenbahnwagen in Stücke gegangen. Unter den Blumentöpfen war die größte Zerstörung ange-