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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Die Ssp-Itig-K»
80 Pfg.
Nr. 192.
Freitag den 19. August
1881.
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Amtliches.
Zugelaufen: Ein gelber Pinscher, männlichen Geschlechts; Empfangnahme bei Gastwirth Heinrich Zeh zu Seckbach.
Verloren: Ein Portemonnaie mit 1.20 M.
Gefunden: Am 8. ds. Mts. ein Maurerhammer nebst Kelle und ein Zuber. Am 10. ds. Mts. ein Portemonnaie mit Geld. Sämmtliches kann bei dem Ortsdiener Hübner zu Rückingen in Empfang genommen werden. In den Anlagen zu Wilhelmsbad ein goldener Trauring.
Hanau am 19. August 1881.
____________________Aus Königl. Landrathsamt.
Gambettas Absichten.
ARN. In seiner letzten Rede in Belleville, seinem Pariser Wahlbezirke, hat Gambetta von „meiner" Republik und Regierung gesprochen. Vielfach ist dieses Wort als die Kundgabe des Entschlusses aufgefaßt worden, daß Gambetta bei einem günstigen Ausfalle der jetzt in Kurzem stattfinden- den Neuwahlen das Präsidium des Ministeriums verbunden mit der Leitung irgend eines Ressorts, vielleicht des Innern, übernehmen werde. Damit wäre der ehemalige Dictator von Tours wieder zur Excellenz avancirt, aber er wäre aus dem ersten Mann Frankreichs der zweite geworden, und würde der Regierung des Präsidenten Grevy nur als Folie dienen. In diesen Worten haben wir bereits mit Berücksichtigung des Charakters Gambettas gesagt, daß ein Ministerposten ihm auf die Dauer niemals behagen wird. Gambetta ist gewöhnt der Erste zu sein, zu befehlen, aber nicht zu fragen, und wenn ihm gleich als Minister- Präsident eine große Macht in die Hände gelegt würde, so würde doch auch diese ihren Endpunkt haben und zwar an der Person des Staatsoberhauptes. Auf die Dauer ist ein Ministerium Gambetta neben dem Präsidium Grävy gar nicht möglich, denn der Letztere wird sich schwerlich zum Spielball seines Ministerpräsidenten herabwürdigen lassen. Gambetta dagegen ist wie geschaffen zum Befehlen, aber nicht zum Gehorchen, was er schon im Kriege von 1870/71 gezeigt hat, wo er ein Civil-Kriegsminister war und die Bewegungen der französischen Armeen leitete. Gambetta ist kein unbedeutender Mann, an Energie und Willenskraft wohl Napoleon vergleichbar, und es wäre thöricht, dies deutscherseits zu bestreiten, denn man würde ihn unterschätzen und sich selbst in thörichte Sicherheit wiegen, die man eines Tages bitter bereuen könnte. Man muß Gambetta voll und ganz taxiren, wie er ist, und seine stetigen Wünsche, Elsaß und Lothringen wieder einmal Frankreich angehören zu sehen, beweisen mehr, als Alles Andere, daß Gambetta ein bestimmtes Ziel verfolgt, und zwar mit solcher Beharrlichkeit und solchem Eifer, daß für Frankreich sein Name bereits zum Inbegriff einer ganzen Idee, eines Princips geworden ist. Gambattas Name ist mit den französischen Träumen von Ruhm und Ehre verwachsen, und deshalb ist er schon für ein gewöhnliches Amt in der Republik unmöglich. Seine Anhänger, zu denen sich jetzt wieder so ziemlich alle Repubikaner, abgesehen von den schwärmerischen Jntransigenien und Radikalen, zählen, vergöttern ihn geradezu, eine untergeordnete Stellung würde daher ihm nicht nur keinen Vortheil, sondern auch den Schaden bringen, daß seine Gegner alles Mögliche versuchen werden, seine „menschlichen" Schwächen und Fehler bloszustellen und ihn so in den Augen des Volkes zu discreditiren. Aut Caesar, ant nihil, heißt es hier. Der Erste im Staate auch dem Namen nach oder Privatmann kann Gambetta nur sein, wenn er seinen Einfluß behaupten will. Unter eines Anderen Leitung oder Namen zu amtieren, widerspricht eben so sehr seiner Vergangenheit, wie seinem ganzen Charakter. Freilich seine Gegner, das deuteten wir oben schon an, die besonders unter den extremen Parteien zu suchen sind, würden ihn gern aus seiner jetzigen reservirten und doch so einflußreichen Stellung herausdrängen, um ihn auf einem verantwortlichen Posten anzu- greisen und wenn möglich zu stürzen. Das weiß Gambetta recht wohl und deshalb kann, wenn er überhaupt jemals im Ernst die Neigung verspüren sollte, ein Ministerium unter seiner Flagge zu bilden, dies nur von kurzer Dauer sein. Entweder Privatmann oder der Erste im Staat, so sagten wir, dahin geht sein Streben, und man richtiger den Sinn seiner Worte „Meine Republik und meine Regierung" deuten, wenn man sich Gambetta als den Präsidenten derselben denkt. Freilich
wird er anders regieren als Gravy, welcher allein nach der Parlamentsmajorität sich richtete, die Franzosen werden bald merken, daß Gambetta eine feste eiserne Hand hat, die störrische Nacken wohl zu beugen weiß. Ein gefügiges Ministerium ist schon jetzt vorhanden, und gelingt es dem Allgewaltigen dann noch, das Listenskrutinium, die Aenderung des Senats durchzusetzen, so ist er ein so unumschränkter Regent, wie man ihn heut zu Tage nicht mehr kennt, und wie es selbst der Czar und der Sultan bei Weitem nicht sind. Das ist Gambettas wahres Ziel, darauf wird er hinarbeiten, wenn die Wahlen günstig ausfallen. Sein Weg zu der höchsten Würde im Staate ist ihm ja geebnet, der einzige Stein im Wege ist Grävy, und von dem denkt Gambetta gerade so, wie Giacomo Doria in Schillers Fiesko von seinem Oheim Andrea: „Er ist ein alter Mann." Bekannt ist ja, daß der Pöbel von Belleville;, während Gambetta drinnen seine Rede hielt, außen nach Herzenslust skandalirte und tobte. Aus diesem Auftritt auf eine Abnahme der Popularität Gambettas schließen zu wollen, wäre total falsch, der Pöbel von Belleville ist nicht das Volk von Paris, und Paris ist ähnlicher Affairen, wie des Kommune-Aufstandes von 1871 satt. Der Pöbel skandalirte, um zu skandaliren, und damit hatte er sein Ziel erreicht. Gambetta hat er kein Hemmniß in den Weg geworfen._________________________
Tages schau.
— Berlin, 18. August. (K. Z.) Zu Ehren des Geburtstages des Kaisers Franz Joseph findet heute auf Babelsberg festliche Tafel statt, wozu die Prinzen Wilhelm und Friedrich Karl, Prinz August von Württemberg, die Mitglieder der österreichischen Botschaft, als Vertreter des auswärtigen Amtes Graf Hatzfeldt, mehrere Generäle und der Oberst des Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiments v. Arnim geladen sind.
— Berlin, 18. August. Der Reichskanzler Fürst Bismarck ist in der vergangenen Nacht von Schönhausen hierher zurückgekehrt und hat sich heute früh nach Varzin begeben.
— Berlin, 18. August. Mit der interimistischen Führung der hiesigen Gesandtschaft der Vereinigten Staaten von Amerika ist nach Abberufung des seitherigen Gesandten Herrn Andrew D. White bis auf Weiteres der Legations Sekretär Sidney Everett betraut worden.
— Wie der „National-Ztg." auf Grund von Mittheilungen aus angeblich der Regierung nahestehenden Kreisen berichtet wird, sollen die Reichstagswahlen am Montag den 17. Oktober stattfinden.
— Dem zum Generalkonsul der Vereinigten Staaten von Amerika in Berlin an Stelle des Herrn Kreismann ernannten Herrn Mark S. Brewer ist das Exequatur Namens des Reichs ertheilt worden.
— Der Chef der Admiralität, Staatsminister von Stosch, hat sich behufs Vornahme von Jnspizirungen nach Wilhelmshaven und Kiel begeben.
— Stuttgart, 18. August. Der Reichstagsabgeordnete Max Römer ist, wie der Schwäbische Merkur meldet, auf der Reise in Con- stanz gestorben.
— Zu den deutschen Beamten, die zur Anbahnung von Reformen neuerdings nach der Türkei berufen worden, gehört in erster Linie der Hauplmann a. D., bis jetzt Intendantur:ath beim XV. Armeekorps, v. Schillgen. Auf ihn ist vornehmlich die Wahl gefallen, weil er lange Jahre im Elsaß steht und dort Gelegenheit hatte, die vielfach verzwickten Steuerverhältnisse, namentlich Octroigebühren und Weinsieuer, überhaupt die französische und deutsche Steuermaschinerie eingehend kennen zu lernen und mit ihnen zu arbeiten. Der Bruder des genannten Herrn ist der persönliche Adjutant des Fürsten von Hohenzollern. — Die chinesische Regierung hat beim Vulkan in Stettin ein zweites Panzerschiff bestellt, welches ein Schwesterschiff des ersten und demnächst fertiggestellt werden und mit Armirung und Ausrüstung etwa 7 Will. M. kosten soll.
— Zu der Hannover'schen Petroleum-Spekulation bemerkt die Trib.: Bei der Petroleumindustrie liegen die Dinge so einfach, daß man die Elemente des Gedeihens oder Mißlingens sozusagen mit Händen greifen kann. Man schlägt mit großen Kosten ein Bohrloch. In manchen Fällen erzielt man damit keine Resultate und dann ist das Geld fortgeworfen. Zuweilen bildet man sich ein, nachdem man schon viel