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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hauau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Nr. 187. Samstag den

Amtliches.

Bei der schon jetzt herrschenden Futter- und Streunoth, welche im kommenden Herbst und Winter voraussichtlich in bedenklicher Weise zunehmeu wird, erscheint eine Belehrung namentlich des kleineren Land- wirths geboten.

1 Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die nachgedruckten Rath­schläge in geeigneter Weise zur Kenntniß der Laudwirthe zu bringen.

Hauau, den 8. August 1881.

Der Landrath: Schrötter.

Rathschläge für den kleineren Landwirt!) beim Mangel an Futter und Ztroh.

Die abnormen Witterungs-Verhältnisse dieses Jahres haben einen so ungünstigen Einfluß auf Futter- und Stroherträge ausgeübt, daß die Befürchtung, es werde eine allgemeine Futter- und Streunoth ein­treten, nur zu begründet erscheint.

Wohl erweist sich das höchst günstig eingeheimste, in heißer Sonne herangewachsene Futter, wegen seiner durch geringeren Feuchtigkeitsgehalt bedingten größeren Nahrhaftigkeit qualitativ weit besser, als in anderen Jahren; aber es ist dies doch ein ungenügender Trost, einmal, weil der ganz enorme Ausfall an Masse durch dieses Mehr an besserer Beschaffen­heit nicht ausgeglichen wird, dann aber auch, weil leider noch ein großer Theil der Landwirthe zum eigenen Schaden wohl mit der Quan­tität, nicht aber mit der Qualität zu rechnen gewohnt ist. Der Land­wirth muß die Futtermengen, über die er zu verfügen hat, also Heu, Grummet, Stroh, Wurzelwerk rc. aufs Genaueste nach Quantität und Qualität feststellen. Nur so vermag er einen sicheren Ueberschlag über das Verhältniß zu machen, in welchem die Futtervorräthe zu dem vor­handenen Vieh stehen. Diese Ermittelung ist am bequemsten sofort bei der Erndte vorzunehmen. Jedes Fuder Heu, Grummet, Wurzelwerk rc. muß beim Einfahren abgeschätzt, es müssen die Fruchtgarben gezählt werden, um darnach und mit Hülfe eines Probedreschens, welches zeigen soll, wie viele Bunde Stroh eine gewisse Anzahl Garben gibt, den Strohvorrath zu ermitteln. Er muß berechnen, wie viel Ein Stück Vieh und hiernach, wie viel sein sämmtliches Vieh pr. Tag an Futter zur nutzbringenden Ernährung bedarf. Wenn dies geschehen, dann ist es eine Kleinigkeit das ganze Erforderniß an Winterfutter zu bestimmen. Er braucht nur den Vorrath an solchem mit dem auf die beschriebene Weise gefundenen Bedarf zu vergleichen, um mit Sicherheit zu wissen, ob Vieh abgeschafft, oder, wenn dies nicht geschehen soll, ob weiteres Futter angeschafft werden muß.

Dringend nöthig ist nun weiter, daß das Futter dem Vieh regel- mäßig nach Maß und Gewicht verabfolgt werde. Das Heu muß daher gewogen, das Wurzelwerk gemessen werden. Nur wer in dieser Weise futtert, kann den Bedarf für eine bestimmte Zeit berechnen. Er allein vermag das Vieh, sowohl der Quantität, als der Zusammensetzung des Futters nach gleichmäßig zu ernähren.

Also, das Heu im Voraus binden, das Wurzelwerk täglich nach Gewicht oder Maaß herausgeben wer dies unausgesetzt thut, der wird zu seiner Freude wahrnehmen, wie die Futter-Vorräthe bei weitem weniger schnell zusammenschrumpfen, sein Vieh aber in einem gleich­mäßig besseren Nutzungszustande bleiben wird, als früher, wo es heute zu viel, morgen zu wenig Nahrung erhielt.

Eine wichtige Rolle bei den sehr geringen Heuvorräthen muß im kommenden Winter oder Frühjahr selbstverständlich das Stroh spielen. Das Stroh erhält aber einen weit höheren Nahrungswerth, sobald es in angemessenem Verhältniß mit Kraftfutter, d. i. stickstoffreichen Futter­mitteln (Oelkuchen der verschiedenen Arten, Kleie, Schrot rc.) verwendet wird. Richtig behandelt, d. h. zu Häcksel geschnitten und mit dem gleichzeitig zu weichenden Kraftfutter ausgeblüht, hat man in dem Stroh eine Ernährungsquelle, die in futterarmen Jahren leicht über das da­durch bedingte Manko in dem Streumaterial hinwegsehen läßt. Aber nicht allein bei der Strohfütternng erscheint das Häckselschneiden zweck­mäßig; es empfiehlt sich zu Zeiten der Futternoth selbst eine Verfüt- terung von Heuhäcksel ganz besonders.

13. August 1881.

Unter diesen höchst mißlichen Verhältnissen kann nur wenig Stroh zur Einstreu übrig bleiben. Wo aber einen Ersatz hernehmen? Der hülfesuchende Blick richtet sich zunächst auf den Wald mit seinen mannich- faltigen Streumitteln und der Wald wird auch sicherlich das Seinige zur Linderung unzweifelhafter Noth beitragen. Vorher aber kann und muß verlangt werden, daß der Landwirth sich selbst zu helfen suche, soweit dies immerhin möglich ist, daß er alles Streumaterial sorgfältig sammele, welches ihm Feld, Wiesen, Garten rc. bieten. Er muß das Kartoffelkraut, das Laub der Hecken und Bäume, Schilf und den, den Lauf der Flüfse beengenden Flußsaum, wo dies statthaft ist, zusammen­bringen. Er muß die Wiesen, die fast sämmtlich in höherem Grade vermoost sind, als man glaubt, mit eisernen Eggen bearbeiten. Auf verhältnißmäßig kleinen Flächen wird er auf diese Weise ganze Fuder Mooses sammeln. Der Wiese aber wird hierdurch das so nöthige Licht und Luft verschafft und wird für diese nützliche Arbeit durch höhere Erträge im kommenden Jahre ganz sicher lohnen. Er muß die Winter­stoppeln sammeln. Dies geschieht durch flaches Schälen und alsbaldiges Abeggen.

Als ein sehr beachtenswerthes Streumittel, welches bereits viel­fach mit Vortheil zur Anwendung gebracht wird, ist das Sägemehl zu betrachten, welches aus Sägemühlen in größeren Quantitäten herbei­geschafft werden kann.

Weiter aber kann man sich mit der Einstreu von Erde bis zu einem gewissen Grade ganz sicher helfen. Das nöthige Material ist nicht so schwer zu beschaffen, als man auf den ersten Blick annimmt. Wer sucht, wird finden! Jeder besitzt wohl einige Länderei, auf deren un­terem Ende das Wenden des Pfluges und das herabfließende Regen- Wasser eine sog. Anwand von tiefer fruchtbarer Erde gebildet haben, deren Abtragung um einen oder mehrere Fuß dem Grundstücke wegen Beförderung des Wasserabflußes sogar zum Vortheil gereichen wird. Wem aber derartige Bodenanhäufungen nicht zu Gebote stehen, der fahre in langsamem Schritt über die Stoppelfelder und lasse von beiden Seiten Erde auf den Wagen werfen. Wenn der Wagen in steter Bewegung bleibt also auch während des Ausschöpfens und Ausladens der Erde so können nachtheilige Löcher auf dem Acker nicht entstehen.

Schwerer Boden ist nicht so erfolgreich wie leichter anzuwenden. Am meisten geeignet sind Torf- und Moorboden, sandiger Lehm- und lehmiger Sandboden.

Unerläßliches Erforderniß ist aber, daß die Erde trocken zur Ver­wendung gelangt. Man muß sie deshalb im Nachsommer und Herbste bei trockenem Wetter einfahren und unter Dach bringen lassen. Wo ein hierzu geeigneter Raum fehlt, soll man einfache Hütten conftruiren, die sich an eine Gebäudewand lehnen und die mit Fichtenreisern gehörig gedeckt werden.

Das zweckmäßigste Verfahren des Einstreuens von Erde besteht in Folgendem:

Hinter den Rindviehständern und zwar zwischen diesen und dem Gange wird auf dem Steinpflaster ein Stück Holz, eine runde Stange, etwa von der Stärke einer Gerüststange, befestigt und der Raum zwi­schen dieser Stange und der Krippe mit trockener Erde 810 Zoll hoch ausgefüllt. Das Vieh erhält einen horizontal ebenen Stand. Da das Stallpflaster nach hinten abhängig ist, so kommt die Erde nach vorn dünner zu liegen. Die Angabe von 8 bis 10 Zoll ist daher von der Stelle zu verstehen, wo die Erde am dicksten liegt.

Die Stange hat den Zweck, der Erde einen Halt zu geben, da­mit sie nicht auf den Gang herunterfällt «der getreten wird. Auf dieser Erdunterlage steht, beziehentlich liegt das Vieh ohne alle weitere Einstreu.

Dreimal des Tags werden mit einer eisernen oder hölzernen Krücke, einer breiten Hacke rc. die Auswürfe der Thiere und die von diesen und dem Urin aufgeweichten Erdtheile abgezogen und auf kleine Hausen hinter dem Vieh zusammengehäuft, von wo aus dieser Dünger zu gelegener Zeit jeden Tages auf die Miststätte gebracht wird. Indem sich die naßgewordene Erde von der darunter befindlichen trockenen ab- schält, steht das Vieh immer trocken und reinlich.

Daß dieses Resultat nur dann erzielt wird, wenn das Abziehen der durchnäßten Erdtheile nicht versäumt wird, vielmehr fleißig und mit