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ritt niedergelegten Anschauungen in immer weiteren Kreisen und schließ­lich auch bei denen zum Durchbruch kommen, welche meinem Streben nach Vollendung unserer nationalen Zolleinheit einen so heftigen Wider­stand aus verschiedenen Motiven entgegengesetzt haben, v. Bismarck.

Straßburg, 5 August. Gestern gelang es der hiesigen Criminalpolizei, den steckbrieflich verfolgten Ausläufer einer Getreide­handlung in Leipzig, Hermann Deckner, 18 Jahre alt, hier zu verhaften, welcher am 14. Juni d. I. zum Nachtheil seines Hauses 31 000 Mark in Leipzig unterschlagen hatte und damit durchgegangen war. Bei seiner Verhaftung wurden nahezu 28 000 Mark vorgefunden, den Rest hatte er in Gesellschaft einiger guter Bekannten und mit lüderlichen Dirnen durchgebracht. Deckner reiste von Leipzig zunächst nach Kassel, besuchte dort die Wilhelmshöhe, brächte dann in Mannheim einige Tage zu und reiste sodann hierher. Auf die Ergreifung des Deckner war eine Beloh­nung von 2000 Mark gesetzt.

Mün ch e n, 9. August. Der König Kalakaua ist heute früh 6 Uhr von Wien hier eingetroffen und nach kurzem Aufenthalte nach Paris weitergereist.

Haag, 8. August. Der seit 1870 am hiesigen Hofe beglau­bigte Gesandte des Königs von Italien, Bertinatti, ist gestorben und heute in feierlichem Leichenbegängnis bei welchem der Ministerpräsident van Lynden und die Gesandten Englands, Deutschlands und Oesterreichs die Zipfel des Bahrtuches hielten, in der Capelle des katholischen Fried­hofes an der Scheveninger Straße vorläufig beigesetzt, bis die Ueber- führung nach Italien erfolgt. (K. Z.)

Ungarn. Laut Meldung derUngar. Post" wurde in den Weingärten der Gemeinde Szölös-Ardo (Comitat Torda) und Umgebung die Phylloxera amtlich konstatirt. In Folge dessen hat der Handels­minister die amtliche Sperre an der ganzen Weingebirgsgegend jetzt an­geordnet und wurde zugleich der übliche strenge Cordon für die Ein­und Ausfuhr von Erde, Reben, Pflanzen rc. gezogen.

Aus Sziksparch (Ungarn) wird folgendes schaudererre­gende Ereigniß gemeldet. Der dortige Oberstuhlrichte Rehablekum war am 2. d^ wegen einer Kleinigkeit mit seiner Gattin in Streit gerathen und verfiel dabei in Tobsucht. Er zwang seine Gattin, ihm in den Garten zu folgen und sich dort mit ihm zu schlagen. Die zu Tod beängstigte, welche die wild rollenden Augen ihres Mannes sah und das Schrecklichste befürchtete, ließ sich angstzitternd von ihrem Manne in den Garten schleppen, wo der Rasende das Duell in der Weise zu Ende führte, daß er seiner Gattin pathetisch erklärte, er habe den ersten Schuß, sie an die Gartenmauer stellte und auf 23 Schriste Distanz niederschoß. Dann eilte er wuthschäumend in das Haus zurück, jagte seine fünf Kinder im Alter von 12 bis 4 Jahren in den Garten, hielt eine pathetische Anrede an dieselben, in welcher er ihnen erklärte, sie müßten den Tod ihrer Mutter rächen und sich mit ihm duelliren. Die armen Kleinen (zwei Knaben und drei Mädchen), welche die Leiche der Mutter, die der Entsetzliche in ein Gebüich geschleppt hatte, nicht sahen, lachten und glaubten es handle sich um einen Scherz und die Pistole sei ungeladen. So empfingen sie von der Hand des Vaters der Reihe nach den Tod.. Er schoß mit entsetzlicher Berechnung jedes der armen Opfer durch die Stirn. Mit einer furchtbaren Lache wandte er sich dann dem Hause zu, um seine älteste 16jährige Tochter Teresa (Therese) zu suchen. Diese aber, welche glücklicher Weise um Birnen zu pflücken auf einen Baum im Garten gestiegen war, hatte die grauenhafte Scene von diesem Standpunkte aus gesehen und sich im Blätterwerke des Bau­

mes mäuchenstille verborgen gehalten, da sie wußte, was ihr sonst bevor- stand. Sie sah nur noch, wie der Wahnsinnige nach dem Hause eilte und hörte, wie er der 90jährigen Urgroßmutter des Hauses, die ein Zimmerchen, das nach dem Garten hinausgeht, bewohnte, brüllend mit- theilte, er hübe soeben seine ganze ihm feindlich gesinnte Familie im Duell getödtet. Die Ahne lachte ungläubig, sollte aber bald eines

Die Ahne lachte ungläubig, sollte aber bald eines Schrecklicheren belehrt werden. Der Rasende begab sich auf den Boden des Hauses uud zündete dasselbe an; durch die sengende Hitze, die jetzt herrscht, stand bald das ganze Haus in Flammen. Die Bewohner des kleinen Städtchens Sziksparch eilten herbei zu spät. Das Haus des Stuhlrichters steht abseits und entlegen vom Orte; als man mit Spritzen herbeieilte, konnte man nur noch sehen, wie der Stuhlrichter, die Urgroß­mutter im Arme, mit einem furchtbaren Geheul in die Flammen sprang. Das arme 16jährige Mädchen, welches man ohne Besinnung unter dem Baume liegend fand, erzählte Alles kurz darauf verfiel sie in ein heftiges Nervenfieber. Man zweifelt an ihrem Aufkommen. Vorgestern wurden unter allgemeiner Theilnahme der ganzen Umgegend die sieben Opfer und der wahnsinnige Schlächter derselben begraben. Mnh. Tgbl.

London, 9. August. Bei Blackburn ist gestern ein Zusam­menstoß zweier Eilzüge erfolgt, wobei 5 Personen getödtet und 30 an­dere verletzt wurden.

_ M oskau. Während der Anwesenheit der kaiserlichen Familie @itpr §<»1?? war die Polizei nicht nur mit dem größten kuMaS^h'p?? .PubUkum m Ungewißheit darüber zu lassen, welche fie "^ ^ °der seiner Familie unternahm, sondern

1 W ^ ^ moglrche, um bie Bevölkerung in dieser Beziehung

geradezu anzusühren. So war am 1. beispielsweise die Zweigbahn, welche nach dem Troitzkikloster führt, von der Polizei besetzt; eine un­übersehbare Menschenmenge drängte sich zu beiden Seiten der Bahn; Niemand wurde über die Eisenbahnbrücke gelassen, eS hieß, der Kaiser werde passiren. Das dauerte länger als eine Stunde; plötzlich zog sich die Polizei zurück, die Straßen wurden frei gegeben. Die kaiserliche Familie war am entgegengesetzten Ende der Stadt vom Bahnhöfe nach Nischnei- Nowgorod abgefahren. Die Polizei handelte hier natürlich aus eigener Machtvollkommenheit, vielleicht, um den Andrang des Publikums an der richtigen Stelle zu verhüten. Man kann sich indessen leicht den­ken, daß dieses rücksichtslose Verfahren in allen Kreisen aufs schärfste verurtheilt wird. (K. Z.)

Fritsche, der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete in Berlin, hat gut umgesattelt; er hat in Philadelphia eine Wirthschaft errichtet und verzapft Bier statt Politik. Die Amerikaner loben ihn und sein Bier.

Washington, 8. August. (K. Z.) Präsident Garfield hat sich heute Vormittag einer Operation unterzogen, die den Abfluß des Eiters erleichtern soll. Der Erfolg ist vollkommen befriedigend.

New-Aork, 8. Aug. Der Dampfer des Norddeutschen LloydHabsburg" ist hier eingetroffen.

New-A ork, 3. August. Der DampferEngland" von der National-Dampfschiffs - Compagnie (C. Meffingsche Linie) ist hier ein­getroffen.

Lokales.

H a n a u, den 10. August.

(Impfung.) Den 12. August: Morgens T1^ Uhr Revison zu Kilianstädten, Vorm. 11 Uhr zu Roßdorf und Mittags 12 Uhr zu Butterstädter Höfe.

F. Die in hiesiger königl. Zeichen-Akademie öffentlich ausgestellten Concurrenz-Arbeiten der Schüler verdienen jegliche Beachtung und Auf­munterung. Es haben 14 Schüler Arbeiten eingereicht, welche sowohl von großem Fleiße wie hoher Begabung bestens Zeugniß geben. Manche haben ein halbes Dutzend Arbeiten geliefert. Die Einführung, daß her­vorragende Schüler eine Unterstützung erhalten, um wöchentlich einen ganzen Tag in der kgl. Akademie zu arbeiten, hat sich sehr bewährt. Die reich durchgeführten Compositionen stehen weit über den früheren. Wir finden reich geschmückte Schaalen, Leuchter, Flaschenkühler in Gips und Wachs modellirt, ferner Zeichnungen für Schmucksachen, Buchein­bände, Tischdecken rc. nebst Copien nach Statuen, Grabkreuzen rc. Ei­nige Compositionen sind so vorzüglich, daß sie nicht in den Mappen bleiben, sondern ausgeführt werden. Die Mitglieder der Stiftung zur Förderung des Hanauer Kunstgewerbes werden hiermit im Namen des Vorstandes höflichst ersucht, nächsten Donnerstag Abend zwischen 6 und ^T Uhr diese Arbeiten in der Aula der kgl. Akademie zum Zweck der Unterstützung einiger Lehrlinge zu besichtigen. Die Namen der prämiir- ten Schüler werden später bekannt gemacht.

Vorgestern gegen Abend ereignete sich auf der Strecke zwischen der Brücke und dem Bahnhof Windecken-Heldenbergen der Hanau Fried- berger Bahn ein Unfall, der leicht mehrfachen Verlust von Menschenle­ben im Gefolge haben konnte. Vier Lowry's, auf denen etwa 12 Ar­beiter Platz genommen hatten, fuhren nach dem Bahnhöfe zu und rann­ten gegen einen des Weges daherkommenden Materialienwagen, dessen Führer, als er die Gefahr herannahen sah, den Eisenbahndamm hinunter sprang. Der Anprall erfolgte mit solcher Heftigkeit, daß sämmtliche Lowry's aus den Schienen sprangen und sich überschlagend mit furcht­barer Gewalt den Damm herabsausten. Einige Arbeiter sprangen noch zu richtiger Zeit von den Fuhrwerken, Andere wurden den Damm hinab­geschleudert, glücklicherweise ohne weiteren Schaden zu nehmen, nur einer derselben, welcher sich jedenfalls an den Wagen geklammert und mit diesem die Luftreise machte, gerieth unter das überstürzte Gefährte, kam aber auch mit einigen unwesentlichen Verletzungen davon; der Materia­lienwagen selbst wurde total zertrümmert.

(Vogelschutz.) Möchte sich doch Jedermann der armen, ein­gesperrten Singvögel annehmen, die von Unverständigen oder Gleichgil- tigen in kleinen Käfigen gehalten und in diesen Gefängnissen der glühend­sten Sonnenhitze preisgegeben werden. Als Wasserbehälter. haben diese armen Thierchen oft nur förmliche Fingerhüte von Gläsern, in denen sie nicht baden können und das wenige Wasser entweder verdunstet oder mindestens ungenießbar heiß wird. Habt Einsicht und Erbarmen mit diesen Geschöpfen, deren Gesang Euch erfreuen soll.

Versteigerungs- und Verpachtungs- rc. Kalender für Donnerstag den 11. August.

Für die am 30. August cr. zu Windecken, Ostheim und Kilian­städten, sowie am 16. September zu Fechenheim einzuquartierenden Ab­theilungen des Großh. Hess. Dragoner-Regts. Nr. 24 soll Morgens 9 Uhr die Lieferung der Fourage im landräthlichen Bureau dahier ver­dungen werden (s. Nr. 180Han. Anz.").

Für heute.Zur Rosenau": Abends 8 Uhr Concert und