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Nr. 178,
Mittwoch den 3. August
1881.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Das auf den Namen des Communalverbandes des Regierungsbezirks Kassel im Grundbuch eingetragene ehemalige Chausseegeld-Erheber- Haus am Nürnberger Thore zu Hanau soll auf das Meistgebot verkauft werden und sind die desfallsigen schriftlichen Offerten mir bis zum 1. September c. einzureichen.
Der Zuschlag soll bei Abgabe einer annehmbaren Offerte alsbald ertheilt werden.
Kassel den 6. Juli 1881.
Der Landes-Direktor in Hessen:
6687__v. Bisch offshausen.___________________
TagesschaA.
— Dem zum Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika mit dem Sitz in Hamburg ernannten Herrn John M. Bailey ist das Exe- quatnr Namens des Reichs ertheilt worden.
— Berlin, 1. August. Die Bezirksregierungen sind veranlaßt worden, die Nachgeordneten Behörden derjenigen Orte, in welchen eine nach dem Miethswerthe der Wohnungen veranlagte Gemeindesteuer erhoben wird, ausdrücklich auf die Bestimmungen des am 1. v. M. in Kraft getretenen Reichsgesetzes hinznweisen, denen zufolge in erwähnten Gemeinden für die Amtswohnungen der Reichsbeamten der Miethswerth, von welchem die Steuer erhoben wird, nicht höher als mit 15 vom Hundert des baaren Gehalts dieser Beamten bemessen werden darf. (K. Z.)
— In Bezug auf die Bestimmung des §. 130 der Deutschen Ci- Vilprozeßordnung, wonach der Vorsitzende des Gerichts durch Fragen daraus hinzuwirken hat, daß unklare Anträge erläutert und ungenügende Angaben der geltend gemachten Thatsachen ergänzt werden, hat das Reichsgericht, III. Civilsenat, durch Urtheil vom 14. Juni d. I. ausgesprochen, daß immerhin es doch Aufgabe der Partei bleibt, Alles an- zuführen, was sie zur thatsächlichen Begründung ihres Antrags geltend machen kann; und wenn der Gerichtshof in ihrem Vorbringen keine ausreichend thatsächliche Grundlage für ihren Antrag gefunden hat, so kann die Partei nie einen Revisionsgrund daraus entnehmen, daß sie nicht darauf aufmerksam gemacht worden, daß ihr Antrag in den aufgestellten Behauptungen seine Begründung nicht finde und es also darauf an* komme, ob sie noch weitere geltend zu machen vermöge.
— Nach einem Spezialerlaß des Ministers des Innern vom 6. Juni d. J. sind Gerichtsvollzieher allerdings als unmittelbare Staatsbeamte anzusehen. Daraus folgt jedoch noch nicht ohne Weiteres, daß dieselben aus das Kommunalsteuerbeneficium des Gesetzes vom 11. Juli 1822 Anspruch haben. Letzteres steht nach §. 8 1. c. nur den besoldeten Staatsbeamten zu, zu welchen die Gerichtsvollzieher nach der Art ihrer Remunerirung nicht gehören und es kann hieran der Umstand nichts ändern, daß diesen Beamten ein Einkommenminimum vom Staate ga- rantirt ist, da deren Gesammteinkommen lediglich aus Gebühren besteht und daher als Besoldung im Sinne des Gesetzes nicht anzusehen ist.
— In Barmen hat sich, wie das „Amtsblatt" mittheilt, eine Anzahl geschäftsloser, übel beleumundeter Menschen zusammengethan, um auswärtige Geschäfte zu betrügen. Sie geben sich für Grundstücks- und Geschäftsinhaber aus, haben Briefbogen mit vielversprechenden Köpfen und bestellen Waaren jeder Art, wobei ein Schwindler den andern als Referenz aufgibt. Eine Masse auswärtiger Firmen rst auf diese Weise schon betrogen worden. Jetzt hat sich das Gericht der Sache angenommen, welches hoffentlich die Jndustrieritter urkschädlich machen wird.
•— Der Hallenser deutsch, nationale Studentenverein hat anläßlich seines gestrigen, unmittelbar einem Vortrage des. Hofpredigers Stöcker sich anschließenden Festkomma ses folgendes Telegramm an den Reichskanzler gesandt: „Sr. Durchl. dem Fürsten Bismarck sendet der deutsch- nationale Studentenverein von Halle mit seinen Gästen, 300 Hallenser, Berlir-er und Leipziger deutsche Studenten, unterthänigstcn Gruß und den Schwur der Treue zu Kaiser und Reich." Darauf ist nach wenigen Stunden an den Präsidenten des Halleuser Vereins folgende Antwort aus Kissingen gelangt: „Herzlichen-Dank für den deutschen Gruß und den Ausdruck der Treue für Kaiser und Reich, welche ein festes Band zwischen uns und, wenn Gott will, immer weiteren Kreisen im Lande
bildet. Die deutschen Universitäten haben in schweren Zeiten die Kontinuität des nationalen Gedankens erhalten, sie werden auch die Träger seiner Zukunft sein. v. Bismarck."
— Annaberg. In Möschwitz hat dieser Tage ein kleiner Knabe großes Unglück angerichtet. Derselbe zündete das auf dem Speicher befindliche, kurz zuvor eingeheimste Heu mit einem Streichhölzchen an; das ganze Gebäude ward ein Raub der Flammen. Auch der Knabe ist in den Flammen umgekommen.
— Rom, 1. August. Das auf heute angeordnete Konsistorium ist wegen leichten Unwohlseins des Papstes auf Donnerstag, event. Freitag verschoben worden. — Heute fand im Ministerium des Aeußern die erste Konferenz bezüglich des französisch-italienischen Handelsvertrags unter dem Vorsitze Mancini's statt; dieser und der französische Botschafter Marquis de Noailles tauschten sehr herzliche Erklärungen aus. Morgen findet die zweite Konferenz statt.
— London, 2. August. Die „Times" meldet aus Lahore von gestern, die indische Regierung habe Maßregeln getroffen zur sofortigen Absendung einer Brigade indischer Truppen jenseits Quetta, falls in Khojak und Pishin Verwickelungen entstehen sollten.
— Die amerikanischen H öllenmaschinen geben noch immer Stoff zu einer Menge Kombinationen und Vermuthungen über Absender, Empfänger, Zweck, Sprungfähigkeit rc. Eine der absurdesten Annahmen ist die, daß sie zum Sprengen von Ozeandampfern auf hoher See dienen follten. Da die Schlagvorrichtungen nur 6 Stunden laufen, könnten sie auf hoher See doch nur von einem Mitpassagier in Thätigkeit gesetzt werden. Welcher Frevler hätte wohl die Lust, sich mit dem Schiff in die Luft zu sprengen? Aus mehr als einem Grunde glaubt man übrigens schließen zu dürfen, daß der Revolutionistenkongreß, der eben hier tagte, mit der gefährlichen Sendung in Beziehungen steht. Leider gibt unsere Polizei wenig Hoffnung, die Schuldigen vor die Schranken zu bringen, schon ihre ersten Schritte in der Sache waren verfehlt. Statt das Cargo ruhig ausladen zu lassen und unauffällig aufzupassen, wer denn die Zementfässer in Empfang nehmen wird, stürzten die Sicherheitsorgane gleich nach dem Landen der betreffenden Schiffe auf Deck und nahmen die Kollis mit Beschlag; jetzt haben sie das Nachsehen.
— Tunis, 2. Aug. Bei Tunis in Kairuan, wo zur Verhinderung von Plünderungen eine Geldsumme gezahlt wurde, kamen neue Gewaltakte der Marodeurs vor. Französische Truppen treffen täglich ein. Man hofft, dieselben werden die Ruhe und Sicherheit um Tunis schnell wieder herstellen. (Fr. Z)
—■ St. Petersburg, 2. Aug. Der Kaiser und die Kaiserin sind, wie der „Regierungsbote" meldet, gestern Vormittag um 10 Uhr in Nishni-Nowgorod eingetroffen. Auf dem ganzen Wege von Moskau ab erwarteten in den verschiedenen Orten große Volksmassen die Majestäten und begrüßten das Herrscherpaar mit enthusiastischen Kundgebungen. In Nishni Nowgorod wohnte der Kaiser der Einweihung der neuerbauten Kathedrale bei, welche dem Andenken des verewigten Kaisers Alexander II. geweiht ist.
— Trieft, 1. August. Der Lloyddampfer „Espero" ist mit der ostindischen Ueberlandpost aus Alexandrien heute Vormittag hier eingetroffen.
— N e w- Aork, 1. Aug. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Neckar" ist hier eingetroffen.
.— New-Aork, 1. August. Der Dampfer „Jtalie" von der National-Dampfschiffs - Compagnie (C. Messingsche Linie) ist hier eingetroffen. ---—:-------
Lokales.
Hanau, den 3. August.
— In unserer Fortbildungsschule ist wiederum ein neues Unterrichtsfach, und zwar „technisches Zeichnen", unter Leitung des Architekten Herrn v. Rößler, eingeführt. Somit ist jungen Leuten, welche sich technischen Fächern widmen wollen, Gelegenheit geboten ihre Kenntnisse zu erweitern. Die Unterrichtsstunden werden jeden Mittwoch Abend von 8 — 10 Uhr abgehalten.
— Herr Oberbürgermeister Rauch ist von seiner Urlaubsreise zu- rückgekehrt und hat die Leitung der Geschäfte wieder übernommen.