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Samstag den 30. Juli

Nr. 175,

Amtliches.

Bürgermeister Sei b zu Erbstadt wurde als Sachverständiger ver- pflichtet zur Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen für die Gemeinde Erbstadt mit Naumburg.

Hanau am 23. Juni 1881.

Der Landrath.

Bekanntmachung.

Bei der Postagentur in Herstelle wird am 27. d. Mts. der Telegraphendienst mit Fernsprechbetrieb eröffnet.

Kassel, 22. Juli 1881.

Der Kaiserliche c. Ober-Postdirektor.

________________________zur Linde.

(Steckbrief.) Gegen den etwa 35 Jahre alten Taglöhner Johannes Oppermann von Rückingen, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Betrugs verhängt.

Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das Landgerichts- Gefängniß zu Hanau abzuliefern.

Hanau, den 28. Juli 1881.

Königliche Staatsanwaltschaft.

_____________________Sporleder._____________________

Wochenschau.

ARN. Auf drei Städte konzentrirt sich jetzt in der stillen Hunds­tagszeit das Interesse des deutschen Volkes, sie heißen Gastein, Koblenz, Kissingen, und in der letzten Woche konnte man auch noch München zu diesem Trifolium hinzufügen. Berlin bleibt nun freilich stets Berlin, aber in politischer Beziehung hat es jetzt seine Bedeutung verloren, Alles das, was ihm Namen, Klang und Ansehen gab, hat es verlassen, und so bleibt nur die große Weltstadt übrig, die allerdings aus sich selbst heraus genug interessante, wenn auch nicht immer erfreuliche Thatsachen schafft. Besonders Gastein, wo Kaiser Wilhelm noch immer zur Kur weilt, die äußerst wohlthätige Wirkungen auf den kaiserlichen Herrn ausübt, und wo in der nächsten Woche voraussichtlich die lang erwartete Zusammenkunft zwischen den Kaisern von Deutschland und Oesterreich stattfindet, muß billig die Aufmerksamkeit jedes Deutschen auf sich lenken, wenn auch daneben die Nachrichten aus Koblenz über das Befinden der Kaiserin Augusta große Theilnahme finden. Die Krankheit hat ihre größte Gefahr verloren, für das Leben der Kaiserin ist nach den Aus­sprüchen der Aerzte nichts mehr zu befürchten, aber langsam, langsam nur schreitet die Genesung vorwärts und erweckt tiefes Mitgefühl für die hohe Frau, welche stets so eifrig bemüht war, Kranken Linderung zu spenden und jetzt selbst die gaoze Gewalt eines hartnäckigen Leidens empfinden muß. Von Koblenz wenden wir uns nach Kissingen, wo der Reichskanzler Erholung und Stärkung sucht für kommende schwere Arbeit. Die Enthaltung von allen Arbeiten, die der Reichskanzler dort zu finden hoffte, ist allerdings sehr problematisch, denn fast Tag aus Tag ein meldet der Telegraph die Ankunft von Excellenzen, die mit dem Fürsten conferiren und ihm Vorträge halten. Recht fidel ging's in München zu, wo unter großem Jubel das siebente deutsche Bundes­schießen gefeiert wurde. Darüber vergaß man denn endlich einmal allen Streit und Zank, selbst den um die eben stattgehabten Wahlen zum baierischen Abgeordnetenhause, und war Mensch unter Menschen, wenngleich auch höchst patriotische Reden gehalten wurden, aber die sind ja von dergleichen Festen unzertrennlich und gehören unbedingt dazu; sie stören die Feststimmung nicht. Mit unserem Deutschland und dem, was sich in ihm von wichtigen Thatsachen zugetragen hat, wären wir nun eigentlich fertig, denn von diversen Mordgeschichten, Unglücksfällen und Wetterleiden können wir wohl absehen. Eine jede Ortschaft und ein jeder Kreis ist damit, besonders in letzter Beziehung so sehr gesegnet, daß bei einer Aufzählung wir bald nur für die Ziffern keinen Raum mehr haben würden, ganz abgesehen von den Thatsachen. Wenn wir uns nun im Auslande umsehen, so müssen wir zuerst, wie recht und billig, hervorheben, daß Anfangs dieser Woche sich leider das Befinden des Präsidenten Garfield in Amerika recht sehr verschlimmerte und zu den ärgsten Befürchtungen Anlaß gab. Glücklicherweise ist eine Operation von großem Nutzen gewesen und man kann also jetzt schon wieder hoffen.

1881.

Eine sehr unheimliche Sendung gelangte aus Amerika nach England in Gestalt von einem Dutzend Höllenmaschinen, deren gräßliche Wirkung uns von Bremerhafen her noch sehr gut erinnerlich ist. Die Absender sind die irischen Verschwörer in Amerika, die Fenier, die Alles daran setzen, Unheil und Verderben im Lande hervorzurufen, geradeso, wie die Nihilisten in Rußland. Dem Staate schaden sie nicht viel, denn durch die Annahme der Landbill Seitens des Unterhauses hat England in Irland wieder einen großen Vortheil errungen, wohl aber wird das Volk aufgeregt, beunruhigt und einzelne Schwärmer immer wieder zu Excessen angestiftet. Man muß daher von ganzem Herzen wünschen, daß die Regierung der Vereinigten Staaten gegen die Verschworenen ein= schreitet und ihnen das Handwerk legt. Wir gehen von England über den Kanal nach Frankreich. Was soll man aber von der glorreichen Republik weiter sagen? Es geht dort einen Tag, wie den andern, und eine Woche, wie die andere. Zänkereien mit der Deputirtenkammer, Zänkereien mit der Türkei über die Truppensendungen nach Tripolis, und große Siege ohne Erfolg gegen die Aufrührer in Tunis, das ist die Signatur, die jeder Tag trägt. Ein Ende der tunesischen Wirren, in die man sich mit leichtem Muthe und siegesfroh gestürzt hat, ist noch gar nicht abzusehen, ebenso wenig eine wirkliche Ruhe im Orient, wo sich jetzt Bulgarien und Rumänien als Nebenbuhler wieder in den Haaren liegen, weil dies letztere denstaatsfeindlichen" Ministern Zankow und Karawelow Aufnahme und Schutz gewährte. Beendigt ist dagegen endlich die Streitfrage über die Strafe der Sultansmörder. Den all­gemeinen Vorwürsen Europas haben der Neid und die Intrigue am goldenen Horn nicht Stand halten können, die Verurtheilten sind zur Verbannung begnadigt. Freunde hat sich der Sultan durch den über­eilten Rechtsspruch jedenfalls nicht gewonnen. In Dänemark hat, wie wir zum Schluß noch erwähnen wollen, ;chon wieder einmal eine Neuwahl stattgefunden, aber ihren Zweck hat die Regierung dadurch gar nicht erreicht. Das widerspenstige Abgeordnetenhaus hat vielmehr neue Kräfte gewonnen, und so kann der Kampf denn aufs Neue beginnen

Die neueste Dynamitverschwörung.

(A. d. Schw. Merk)

Die Stimmung gegenüber dem politischen Verbrecherthum Pflegt in England eine sehr verschiedene zu sein, je nachdem es selbst das un­mittelbar bedrohte Land ist oder nicht. Als kürzlich ein revolutionärer Kongreß in London tagte, auf dem sich russische Nihilisten, deutsche So­zialisten, französische Kommunisten in revolutionären Projekten überboten, blieb man in England äußerst kühl, es waren ja Ausländer, die gegen fremde Regierungen konspirirten, und auf eine Anfrage im Parlament erwiderte der Minister des Innern Sir Vernon Harcourt, daß er keinen Grund sehe, warum die Regierung sich in diese Sache mischen sollte. Das Journal de St. Petersbourg hat diese Erklärung mit Recht auf­fällig gefunden, und darauf aufmerksam gemacht, daß bei der Solidarität der politischen Verbrecher aus allen Ländern auch die Regierungen soli­darisch zum Schutz ihrer Interessen verbunden sein müßten. Kaum war der englischen Regierung diese Lektion ertheilt, so erhielt diese eine un­erwartete Illustration durch die Entdeckung verbrecherischer Anschläge, die in den Ver. Staaten gegen England vorbereitet wurden. Jetzt war es natürlich eine andere Sache, jetzt war England selbst das von auswärts bedrohte Land, jetzt hört man über Asylrecht und über die Schuldbarkeit einer zügellosen Presse ganz andere Urtheile füllen. In der That ist der neueste Anschlag, den man den amerikanischen Feniern zuschreibt, ernst genug. Höllenmaschinen, nach Art der sogen. Thomasuhren fon= struirt, wurden auf Schiffen nach Liverpool eingeschmuggelt und dort glücklicherweise von der zuvor unterrichteten Polizei aufgefangen. Für diesmal ist das Unheil also abgewandt, aber die Versuche, den Dynamit in den Dienst der Politik zu stellen, mehren sich in beunruhigender Weise, man hat es offenbar mit einem System zu thun, und die Ver­brecher selbst haben dies ja längst eingestanden. In einigen der Fässer, in welchen jene Höllenmaschinen verpackt waren, wurden Rechnungsfor- mulare gefunden, deren Kopf den Namen O'Donovan Rossas trug. Ob dieser Fenierhäuptling wirklich der Schuldige ist, muß dahingestellt sein; er hat sich bekanntlich gerühmt, den Untergang des Dotterel bewirkt zu