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Hanau er Anjeiger.

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Nr. 172.

Mittwoch den 27. Juli

1881.

sag!

Amtliches.

Für die am 2. August c. zu Berkersheim, Preungesheim und Gronau einzuquartierenden Abtheilungen des hessischen Feld-Artillerie- Regiments Nr. 11 soll die Fourage Donnerstag den 2 8. d. M., Vormittags 9 Uhr, auf dem landräthlichen Bureau verdungen werden, wozu Unternehmer hierdurch eingeladen werden. Die Bedingungen liegen hier zur Einsicht offen.

Hanau am 24. Juli 1881.

Der Landrath.

Tagesschau.

DerR. u. St-A." Nr. 172 veröffentlicht: 1) Gesetz, betr. die Bestrafung von Zuwiderhandlungen gegen die österreichisch-ungari­schen Zollgesetze. Vom 17. Juli 1881. 2) Bestimmungen, betreffend die Statistik des Verkehrs auf den deutschen Wasserstraßen.

Berlin, 26. Juli. Im Monat Juni d. I. find demR. u. St.- A." zufolge gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres aus Rußland, Oesterreich-Ungarn und den Vereinigten Staaten von Amerika in den freien Verkehr des deutschen Zollgebiets mehr eingeführt worden: an Weizen 57 861 Doppelcentner, an Hafer 91 567 Doppelcentner, an Mehl 37 957 Doppelcentner. Dagegen ist die Einfuhr von Roggen in dem genannten Monate gegen diejenige des Vorjahres um 341 395 Dop­pelcentner zurückgeblieben. Auch an Gerste sind 14 773 Doppelcentner weniger eingegangen.

Im Monat Juni sind auf 63 Eisenbahnen, welche schon im Entsprechenden Monat des Vorjahres im Betrieb waren, die Einnahmen aus allen Verkehrszweigen bei 48 Bahnen höher, bei 15 niedriger ge­wesen als im selben Monat des Vorjahres, und in dem Zeitraum vom 1. Januar bis Ende Juni d. J. bei 25 Bahnen höher und bei 38 ge­ringer als in demselben Zeitraum des Vorjahres.

Eine Dame, welche zugleich znr Leitung eines Hauswesens und zur Erziehung der Kinder engagirt ist, fällt nach einem Erkenntniß des Reichsgerichts, I. Hülfssenats, vom 3. Juni d. I., im Geltungsbereich des preußischen Rechts nicht in die Kategorie der Hausoffizianten, und es bedarf bei vermögensrechtlichen Streitigkeiten zwischen ihr und der Herrschaft für die gerichtliche Geltendmachung der streitigen Ansprüche nicht einer vorhergehenden Nachsuchung der Vermittelung der Polizei­behörde.

Göttingen, 24. Juli. Auch hier wurde in einer allgemei­nen Studenten-Versammlung einstimmig beschlossen, den deutschen Kom­militonen in Prag durch Absenkung einer Adresse lebhafteste Theilnahme und Sympathie zu bezeugen. Die Adresse lautet:Die am 19. Juli versammelte Studentenschaft Göttingens begrüßt mit voller Zustimmung den von ihren deutschen Kommilitonen in Prag erlassenen Aufruf an die Studenten Deutschlands. Auch sie hat mit Entrüstung die Kunde ver­nommen von der Schmach, die dem Deutschthum an Deutschlands ältester Universität angethan worden. Aber mit Freude und Stolz erfüllt sie der Entschluß der deutschen Studentenschaft Prags, den aufgedrungenen Kampf gegen das Slaventhum aufzunehmen und die Stellung zu ver­theidigen, die sie als Vertreterin deutscher Wissenschaft und deutschen Geistes im Osten einnimmt. Die Göttinger Studentenschaft erklärt, der Aufforderung zur Theilnahme an diesem Kampfe, soweit es irgend in ihren Kräften steht, mit Freuden Folge leisten zu wollen." In dem Befinden des im Duell schwer verwundeten stud. St. ist, neuerem Ver­nehmen zufolge, eine Wendung zum Besseren eingetreten, ja es soll Hoff­nung auf völlige Wiederherstellung vorhanden sein. Der Verletzte wird von unserm berühmten Operateur Prof. Koenig (seiner Zeit Arzt in Hanau und bei vielen^Familien noch in gutem Andenken. D. Red) selbst behandelt.

Leipzig, 26. Juli. Der Direktor der hiesigen Sternwarte, Professor Karl Bruhns, ist gestorben.

~ München, 26. Juli. (K. Z.) Die Minister Lutz und v.

» sind gestern Abend über Bamberg, woselbst sie übernachteten, nach Krssrngen zum Besuche des Fürsten Bismarck abgereist.

_ München, 25. Juli. (VII. deutsches Schützenfest.) Am Sonntag Abend ^26 Uhr wurde nach Beendigung des Konkurrenzschie­

ßens mit dem allgemeinen Schießen begonnen, das bis etwa V28 Uhr währte. Es entwickelte sich sodann in der Festhalle, in den vier Wirth­schaften und sonstigen Buden ein Treiben, wie es wohl selten auf der Theresienwiese erlebt wurde und es dürste kaum zu hoch gegriffen sein, wenn man die Zahl der Besucher des Festplatzes auf 80 000 bis 100 000 Personen anschlägt. Als Beweis, wie groß namentlich der Bierkonsum war, möge dienen, daß in der Wirthschaft des Herrn Schottenhammel zum wilden Jäger" im Laufe des Abends zweimal das Bier ausge­gangen war. Den Besuchern des Festplatzes gefiel es so gut, daß die Polizeistunde etwa um 3 Stunden überschritten wurde. Heute früh 5 Uhr fand große Tagreveille statt. Um 11 Uhr Vormittags wurde die zum Braten eines ganzen Ochsen bestimmte Maschine nach dem Festplatze verbracht; viele Hunderte hatten sich auf dem zurückzulegenden Wege angesammelt, um das sonderbare Instrument anzustaunen. Am heutigen Montag wird fast von ganz München des Schützenfestes wegenblau gemacht", ein buntes Leben, wenn auch nicht so bewegt, wie am Sonn­tag, entwickelte sich schon bei Beginn der Tagreveille und als die Schützen unter lustigem Geknatter der Büchsen um den Inhalt des Gabentempels zu ringen begannen, zählten auch die Wirthschaften bereits wieder viele tausend Gäste. (Rh. K.)

Maria-Theresienstadt. (Eine grauenvolle Familien- Tragödie.) Unser Kurort Palics war Sonnabend, 16. d. M., um die zwölfte Mittagsstunde der Schauplatz eines entsetzlichen Ereignisses. Seit mehreren Jahren wohnt daselbst in einem entlegenen Winkel des genannten Kurortes der Taglöhner Emerich Radocsanyi mit seiner Ehe­gattin Mariska und den beiden Kindern, von denen das eine, Ferencz, im Aller von 5 Jahren stand, während das Jüngere, Julcsa, erst 3 Jahre zählte. Wie gewöhnlich, war Radocsanyi auch am vergangenen Sonnabend auf dem Felde beschäftigt, um im Tagelohn Heu und Ge­treide zu mühen. Um 11 Uhr Vormittags begab sich die Frau auf das Feld, um ihm die für ihn bereitete Fisolen-Suppe nebst einem Stück Speck und Brod hinauszutragen. Die beiden Kinder ließ sie unterdessen daheim, und um ihr Haus vor Dieben zu schützen, sperrte sie Zimmer und Küche, in denen sich auch ihre Kinder befanden, sorgfältig ab und nahm den Schlüssel zu sich. Während ihrer Abwesenheit fanden die Kinder ein Packet Zündhölzchen, zündeten höchstwahrscheinlich einige der­selben an, wodurch das neben dem Backofen angehäufte Stroh zu brennen anfing, worauf bald die in der Küche und im Zimmer befindlichen Ge­genstände, Thüren und Fenster des Hauses in lichten Flammen standen. Leider wurde dies von den Nachbarleuten viel zu spät bemerkt, so daß zwei wackere Bauern, die mit Aufopferung ihres Lebens durch das Flammenmeer in die Küche drangen, um nach den Kindern zu sehen, nur zwei Leichname zu Tage fördern konnten, die von der unter entsetz­lichem Jammergeschrei herbeigelaufenen Mutter unter herzzerreißenden Schmerzensausbrüchen umklammert wurden. Die Kunde von dem gräß­lichen Unglücksfall verbreitete sich mit Blitzesschnelle und war bald auch aufs Feld bis zum Vater der auf fo martervolle Weise ums Leben ge­kommenen beiden Kinder gedrungen. Mit athemlostr Hast war der Aermste herbeigerannt, schrie, heulte und lamentirte, als er der unglück­lichen Opfer mütterlicher Unvorsichtigkeit ansichtig wurde, raufte sich die Haare aus und überschüttete feine Gattin mit den heftigsten Vorwürfen. Während sich die Anwesenden daran machten, den Brand zu lokslisiren, schleppte Radocsanyi seine unglückliche Gattin, die noch immer die beiden todten Kinder in ihren Armen hielt, in die abseits im Hofe gelegene Scheune, woselbst er sie mit einer Axt erschlug, worauf er sich neben seiner Frau und seinen beiden Kindern in der Scheune an einem daselbst befindlichen dicken Stricke erhenkte. (Wien. Fehl)

Ueber die willkürliche Verhaftung und Fesselung, welche der evangelische Prediger Fritz Fliedner aus Madrid kürzlich durch spanische Polizeibeamte erfahren hat, entnimmt die Kreuzzeitung einem ihr zur Einsicht erstatteten Privatbriefe desselben folgendes Nähere:Madrid, 12. Juli, . . . Wir sitzen jetzt in schrecklicher Hitze drin, und ich wollte gern für ... in den nahen Gebirgen einen kühlen Aufenthaltsort fin­den, fiel aber am Freitag in die Hände der Guardia civiles, die mich ins Gefängniß steckten, weil ich seinen Paß hatte. Da bin ich um eine neue Erfahrung reicher geworden: Handschellen, Ring am Fuß und er-