Einzelbild herunterladen
 

Abonnements»

PreiS:

Jährlich 9 Mark. Halbj.4M.S0P. Bierteljährlich

2 M-rl 25 P?». Für auswärtige

Abonnenten ^Mit dem betrete». Sen Postausschlag. Die einzelne Rum» mer 10 Psg.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

JnsertionS-

Preis:

Die ispaltige Garmondzeile od. deren Raum

10 Psg.

Die Sspalt. geil» 20 Psg.

Die SspaltigeZeil«

30 Psg.

Nr. 170.

Montag den 25. Juli

1881.

Amtliches.

Für die am 2. August c. zu Berkersheim, Preungesheim und Gronau einzuquartierenden Abtheilungen des hessischen Feld-Artillerie- Regiments Nr. 11 soll die Fourage Donnerstag den 28. d. M., Vormittags 9 Uhr, auf dem landräthlichen Bureau verdungen werden, wozu Unternehmer hierdurch eingeladen werden. Die Bedingungen liegen hier zur Einsicht offen.

Hanau am 24. Juli 1881.

Der Landrath.

Gefunden: Ein schwarzes Frauenhalstuch mit Franzen und Perlen.

Verloren: Ein Deckel von einer goldenen Damen-Uhr. Ein rohes Medaillon.

Hanau am 25. Juli 1881.

Aus Königl. Landrathsamt.

Tagesschau.

— Berlin. Aus Gastein, 23. Juli, meldet der „R. u. St.-A.": Se. Majestät der Kaiser, welche Sich fortgesetzt wohl befinden, machten heute nach dem Bade einen Spaziergang. Gestern wurden Spaziergang und Ausfahrt durch Gewitterregen unterbrochen.

— Im Urkundenprozeß gehört nach einem Urtheil des Reichsge­richts, V. Civilsenats, vom 11. Juni 1881, zur Begründung der Klage die Zustellung der dem Antrag zu Grunde liegenden Urkunden in Ur- fchrift oder Abschrift an den Beklagten und es genügt nicht die Nieder- legung der Urkunden auf der Gerichtsschreiberei. Wird dieser gesetzlichen Formalität nicht entsprochen, so hat der Richter, selbst wenn der Be­klagte diesen formellen Mangel nicht rügt, ex officio den nicht liquide gemachten Anspruch im Urkundenprozeß abzuweisen.

— In dem Ausfalle der Landtagswahlen in Sachsen und Bayern sieht das „Kleine Journal" einen Beweis, daß jene gewaltige fortschritt­liche Strömung, der große Umschwung der öffentlichen Stimmung, von dem man fabelte, nicht vorhanden und daß eher das Gegentheil anzu- nehmen ist. Wäre die fortschrittliche Strömung so mächtig gewesen, so würde sie, zumal sie durch eine sehr eifrige Agitation unterstützt wurde, Alles überfluthet und den Sieg davongetragen haben.

„Man macht sich jetzt", heißt es weiter, auch schon eine andere Aus­rede zurecht. Das deutsche Volk soll seinen Idealismus verloren haben und nur noch schändliche und ganz gemeine Jnteressenpolitik treiben. Und dieser Vorwurf wird wunderbarer Weise von der Manchesterpartei erhoben, welche doch aber wissen sollte, daß das liberale Ideal so voll­ständig in Deutschland hergestellt ist, wie es der Liberalismus noch vor zehn Jahren kaum zu hoffen wagte. Ueberall sind die radikalsten Wahl­systeme eingeführt, wie sie höchstens noch in der nordamerikanischen Re­publik und in Frankreich, aber sonst weder in Belgien, noch Italien, noch in England, Dänemark und Oesterreich bestehen. Dazu kommt, daß wir Preßfreiheit, Rede-, Versammlungs- und Koalitionsfreiheit, Selbst­verwaltung, Gewerbe- und Zugfreiheit, Trennung der Justiz von der Verwaltung, konfessionelle und bürgerliche Gleichberechtigung' besitzen, so daß wir ohne Uebertreibung sagen können: was politische und wirth- fchaftliche Freiheit anbetrifft, so gehört das deutsche Volk zu den vorge- schrrttensten und sreiesten der Erde und kann es in dieser Beziehung mit allen Völkern aufnehmen. Aber natürlich ist das dem Fortschritt nicht genug. Alles, was früher als ein so unendlich großes und erhabenes Ziel angesehen wurde, genügt dem liberalen Idealismus schon lange nicht mehr. Zwei Punkte sind es namentlich, ohne die sein Ideal nicht ver­wirklicht werden kann und weswegen er die Gegenwart anklagt, den Idealen untreu geworden zu sein. Das eine ist der kosmopolitische Frei­handel, die Preisgebung Deutschlands an das Ausland, und zweitens die Herstellung des Parlamentarismus, d. h. das Recht der Majorität, selbst Regierung zu werden, das Parteiregiment bei uns einzusühren und dadurch die Krone zu einem willenlosen Werkzeug dieser Majorität herab- zuwürdigen. . Das sind also die großen Ideale, welche noch immer nicht verwirklicht sind und weswegen man fortwährend von der Reaktion re- j

det. Allerdings hatten wir den vollständigen Freihandel eingeführt, aber unser Volk hat an der Probe von 1876—79 genug gehabt."

Nachdem sodann ausgeführt ist, daß auch der Parlamentarismus nicht nach dem Geschmack des deutschen Volkes sei, wird zum Schluß darauf hingewiesen, daß das deutsche Volk dennoch des Idealismus kei­neswegs entbehre. „Die Religion ist wieder ein Faktor unseres öffent­lichen Lebens geworden, den man nicht mehr bei Seite schieben kann, die Monarchie hat die festesten Wurzeln in unserem Volke. Das sind die Ideale, welche zu neuem Leben in unserem Volke erwacht sind und ihm Kraft verleihen, sich nicht mehr von den landläufigen Begriffen der Freiheit locken zu lassen.

— Die Nordd. A. Z. schreibt: Die fortschrittlichen Blätter, die seit Jahr und Tag die gehässigsten Anfeindungen und Verdächtigungen der Politik und Person des Reichskanzlers bringen, sind ganz außer sich darüber, daß die regierungsfreundliche Prefse sich seit einiger Zeit mit dem Liberalismus und den Liberalen beschäftigt und an der Hand der Thatsachen nachweist, daß es gewöhnlich traurig um ein Land bestellt ist, wenn zungenfertige Parlamentarier zur Herrschaft gelangen und die Leitung der Regierungsgeschäfte in die Hand nehmen. Diese Entrüstung ist echt liberal. Sie entspringt aus dem Axiom, daß der Fortschritt alles bekriteln, bekämpfen und belächeln darf, daß dies sogar recht eigent­lich sein Beruf ist, daß dagegen derjenige, der die Regierung vertheidigen will und bei Gelegenheit zum Angriff gegen die Opposition vorgeht, sich eines Verbrechens gegen die herrlichsten Errungenschaften des Jahrhunderts schuldig macht und dafür verdient, von allen Edeldenkenden in den Bann erklärt zu werden. Edelmuth der Gesinnung charakterisirt nämlich die liberale Partei. Vollständig selbstlos kämpft sie nur für das Wohl des Vaterlandes; wogegen jeder Freund der Regierung, heimlich oder offen­kundig, egoistische Zwecke verfolgt. Wer sich nicht scheut, einen Blick in die gelesensten Berliner Börsen- und Reklameblätter zu werfen, die eigenthümlicherweise so recht eigentlich die Organe der Fortschrittspartei genannt werden können, der wird sehen, wie sie allen Edelmuth für sich und ihre Partei allein in Anspruch nehmen und ihre Gegner vom hoch­moralischen Pferde herab als käufliche Kreaturen bezeichnen, die bei allem, was sie thun, reden oder schreiben, nur ihre eigenen persönlichen Interessen vertheidigen. Wenn man sich die Herrn etwas genauer be­trachtet, welche der konservativen Presse den Vorwurf der Käuflichkeit und Selbstsucht machen, so stößt man dabei auf Individuen, und gerade diese sind es, welche das große Wort führen, während die ehrenwerthen Mitglieder der Partei sich verhältnißmäßig ruhig verhalten, in deren Mund die gegen die konservativen Elemente gerichtete Anklage, egoistische Jnteressenpolitik zu treiben, sich so sonderbar ausnimmt, daß man nicht weiß, ob man darüber lächeln oder sich darüber ärgern soll.

— Die Wiener Deutsche Zeitung fordert, wie wir einer Ausfüh­rung des Klemm Journals entnehmen, in einem ihrer jüngsten Leitar­tikel die österreichische Verfassungspartei auf, aus dem Schicksale der Liberalen tm Deutschen Reiche, welche, wie dies die Wahlresultate in Bayern und Sachsen beweisen, Stütze und Halt im Bürgerthum fast gänzlich verloren haben, Lehre und Nutzen zu ziehen. Die Niederlage der deutschen Liberalen sei nur daraus zu erklären, daß sie für den kränkelnden Wirthschafts-Organismus nichts leisteten. Der Liberalismus in Oesterreich möge an dem Schicksale der deutschen Liberalen, welche so wenig für die materiellen Bedürfnisse des Volkes zu wirken verstan­den, lernen, welche Fehler er in Zukunft zu seinem und des Volkes Heile sorgsam vermeiden müsse. Die Verfassungspartei müsse schon jetzt die Forderungen des Gewerbestandes und der Bauernschaft auf ihr Pro­gramm setzen und das Ausharren des deutsch-österreichischen Volkes bei der Verfassungspartei werde erst durch ernste Arbeit für'das Volk ver­dient werden müssen.J ,,

— Der Fernsprecher ist nun auch mit gutem Erfolg in den Dienst der Binneuschifffahrt, und zwar von der Canalinspektion in Bromberg in einer Länge von 10,6 kg gestellt worden. In den Stationen sind elektrische Läutewerke eingeschaltet, welche den etwa gerade anwesenden, aber in der Nähe befindlichen Beamten herbeirufen. Die Leitung wird aller Wahrscheinlichkeit nach auf den Bromberger Canal und die Netz

e