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Die 2ipait. geile

20 Psg.

Nr. 167.

Donnerstag den 21. Juli

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1881.

Tagesschau.

— Berlin, 19. Juli. Die jetzt vielfach verbreitete Nachricht, daß eine neue kaiserliche Verordnung den Einjährigfreiwilligen die Wahl des Regiments entzogen, ist unrichtig, vielmehr besteht der §. 90 der Ersatzordnung, wonach die ebengenannten sich den Truppentheil wählen können, bei dem sie ihrer aktiven Dienstpflicht genügen können, unbe­schränkt fort. Nach §. 94 derselben Ordnung erfolgt in größeren Gar­nisonen, namentlich auch Universitätsstädten, nach Anordnung des Ge­neralkommandos die Vertheilung der Freiwilligen der gewählten Waffen­gattung, und danach hatten die Freiwilligen in der Beziehung schon lange kein Wahlrecht. Eine neuere Anordnung (nach 1875) ist nicht erschienen.

— Berlin, 19. Juli. Der Minister für öffentliche Arbeiten hat vor zwölf Tagen eine gewiß allseitig beifällig aufgenommene. Ver- fügung des Inhalts erlassen, daß erneute Beschwerden über unzureichende Einstellung von Nichtrauchercoupas in die Eisenbahn-Personenzüge ihm Veranlassung gegeben, den Staatseisenbahn-Direktionen „wiederholt be­sonders zur Pflicht zu machen, daß dem Bedürfnisse des reisenden Pu­blikums nach derartigen Coupäs stets mit thunlichstem Entgegenkommen Rechnung getragen werde". Namentlich ist dafür zu sorgen, daß auf den zur Reise nach und von Bade- und Curorten benutzten Wagen Nichtrauchercoupäs reichlich zur Verfügung stehen. — Wie nachträglich bekannt geworden, hat der Bundesrath in seiner letzten Sitzung vor den Ferien betreffs der Vorschriften über die Verwendung von Wechselstem­pelmarken beschlossen, daß statt des 31. Juli d. J. der 31. August als der Zeitpunkt festgesetzt werde, bis zu welchem die in Rede stehende Verwendung auch nach den Bestimmungen vom 11. Juli 1873 zulässig sein soll. Ferner wurde dort beschlossen, daß die obersten Landesfinanz­behörden ermächtigt werden, vorbehaltlich jederzeitigen Widerrufs, wie unter Anordnung geeigneten Controlen das zur Herstellung von Hufnä­geln erforderliche ausländische schmiedbare Eisen in Stäben, soweit es ohne Mitverwendung inländischen Eisens zur Anfertigung von Hufnägeln dient, welche für das Ausland bestimmt sind, bei dem Nachweise der Ausfuhr der daraus gefertigten Nägel zollfrei zu lassen. — Der schon früher auszugsweise mitgetheilte, Maßregeln zum Vollzüge des Anschlusses von Hamburg an das Zollgebiet betreffende Bundesrathsbeschluß lautet vollständig also: „1) Es wird eine Commission eingesetzt, welche den Zollanschluß Hamburgs auf Grund der Vereinbarung vom 25. Mai d.

I- vorzubereiten hat. 2) Die Commission besteht aus sechs Mitgliedern, von denen je eines der Herr Reichskanzler, Preußen, Bayern und Sachsen und zwei Hamburg mit der Maßgabe zu ernennen hat, daß die berden hamburgischen Commissare nur eine Stimme sichren. Der Vor­sitzende wird von dem Reichskanzler aus der Zahl der Mitglieder er­nannt. Die Commission sowie die einzelnen Mitglieder sind befugt, bei ihren Arbeiten und Berathungen sich der Hülfe geeigneter Beamten zu bedienen." Betreffs der Kosten wurde Beschluß Vorbehalten. Bisher war die Wahl eines Mitgliedes durch den Reichskanzler" und die Be­stimmung des Vorsitzes durch eben.denselben, desgleichen der Beschluß wegen des späteren Kostenpunktes noch nicht bekannt. Die nächste Ses­sion des Bundesraths ist durch kaiserlichen Erlaß erst wieder einzuberu- fen, da die bisherige kraft kaiserlicher Vollmacht am 7. d. M. von dem Staatsminister v. Bötticher ordnungsmäßig geschlossen worden ist. (K.

— Berlin, 20. Juli. Die „Provinzial-Korrespondenz" eröffnet eine Reihe von Artikeln „Zur Geschichte der Fortschrittspartei" mit einem „Die erste That der Fortschrittspartei" betitelten Artikel, worin der Verfasser nachweist, daß die erste That der Fortschrittspartei der Sturz der „neuen Aera" (unter den Ministern Auerswald und Schwerin) gewesen. Auch damals sei die Fortschrittspartei, wie jetzt wieder, zuerst nur unter dem Schutze der großen liberalen Gesammtpartei aufgetreten, um bald alle gemäßigten liberalen Parteien zu verdrängen.

Berlin, 20. Juli. Der Bundesrath hat in einem in seiner Sitzung vom 2. Juli d. I. gefaßten Beschlusse sich dahin ausgesprochen, daß Gewerbtreibende bezw. Salzhändler, welche die in Ziffer 15 Absatz i der Bestimmungen vom 21. Juni 1872 wegen der Befreiung des zu landwirthschaftlichen und gewerblichen Zwecken bestimmten Salzes von Der Salzabgabe vorgeschriebene Form der Bestellung beim Bezüge von

denaturirtem Bestellsalz bezw. Handelssalz nicht erfüllen, der Bestrafung nach §. 15 des Gesetzes vom 12. Oktober 1867, betr. die Erhebung ei­ner Abgabe von Salz (Bundes-Gesetzbl. Seite 41), unterliegen.

— Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat unterm 11. d. M. genehmigt, daß bei der Beförderung von Kleinvieh (Schweinen, Kälbern, Schafen, Ziegen, Gänsen u. s. w.) im Lokal- und gegenseitigen Verkehr der unter Staatsverwaltung stehenden Bahnen sowie im Verkehr mit den Reichsbahnen von dem Verlangen der Begleitung bis auf Weiteres abgesehen werde.

— S. M. S. „Ariadne", 8 Geschütze, Kommandant Korv.-Kapt. Frhr. von Hollen, hat am 17. Juli er. von Valparaiso aus die Heim­reise angetreten. Zur selben Zeit befand sich S. M. S. „Moltke", 16 Geschütze, Kommandant Kapt. z. See Pirner, in Valparaiso. — S. M. Aviso „Habicht", 5 Geschütze, Kommandant Korv.-Kapt. Kühn, ist am 11. Mai er. von Apia aus zur Vornahme einer Rundreise nach den Marschall-, Carolinen-, Neubritannien-, Neuirland-, Duke of Aork-, Salomons-, Neu-Hebriden- und Fiji-Jnseln, S. M. S. „Luise", 8 Ge­schütze, Kommandant Korv.-Kapt. Stempel, am 19. Juli er. von Kiel nach Plymouth in See gegangen. — S. M. Aviso „Möwe", 5 Ge­schütze, Kommandant Korv.-Kapt. von Kyckbusch, ist am 4. Mai er. in Saluafata (Samoa-Jnseln) eingetroffen.

— (Mittheilung der Königlichen Sternwarte zuBer- l in.) Am 16. Juli ist von Schaeberle zu Annabor in Nordamerika ein, zunächst nur im Fernrohr sichtbarer, Komet entdeckt worden, wel­cher am nördlichen Himmel langsam aussteigt. Der helle Komet dieses Jahres, welcher immer noch in der Nähe des Polarsterns mit bloßem Auge wie ein Stern dritter Größe mit einem mehrere Grade langen matten Schweife zu erkennen ist, hat sich inzwischen mit vollster Evidenz als ein von dem Kometen des Jahres 1807 verschiedener erwiesen, ob­gleich die Bahnen beider sehr nahe übereinstimmen. Man ist durch diese neue Erfahrung darauf aufmerksam geworden, daß auch ein im vorigen Jahre entdeckter lichtschwacher Komet eine ähnliche Bahn hat, wie die vorerwähnten beiden Kometen. (R. u. St -A.)

— Nach der im Reichs-Eisenbahn-Amt aufgestellten Nachweisunb über die im Monat Mai 1881 auf deutschen Bahnen (ausschließlich der bayerischen) beförderten Züge und deren Verspätungen wurden auf 47 größeren Bahnen beziehungsweise Bahnkomplexen mit einer Gesammt- betriebslänge von 28 960,04 km befördert an fahrplanmäßigen Zügen: 12 697 Courier- und Schnellzüge, 86 703 Personenzüge, 54 003 gemischte Züge und 79 012 Güterzüge; an außerfahrplanmäßigen Zügen: 2666 Courier-, Schnell-, Personen- und gemischte Züge und 28 027 Güter-, Materialien- und Arbeitszüge. Im Ganzen wurden 602 954 243 Achs­kilometer bewegt, von denen 193 230 408 auf die fahrplanmäßigen Züge mit Personenbeförderung entfallen. Es verspäteten von den 153 403 fahrplanmäßigen Courier-, Schnell-, Personen- und gemischten Zügen im Ganzen 743 oder 0,48 pCt., (gegen 1,39 pCt. in demselben Monat des Vorjahres, und 1,00 pCt. im Vormonat). Von diesen Verspätun­gen wurden jedoch 289 durch das Abwarten verspäteter Anschlußzüge hervorgerufen, so daß den ausgeführten Bahnen nur 454 Verspätungen (= 0,30 pCt.) zur Last fallen (gegen 0,56 pCt. im Vormonat). In demselben Monat des Vorjahres verspäteten auf den eigenen Strecken der in Vergleich zu ziehenden Bahnen von 141 868 beförderten fahr- plarmäßigen Zügen mit Personenbeförderung 994 oder 0,70 pCt., mit­hin 0,40 pCt. mehr. In Folge der Verspätungen wurden 87 Anscklüsse versäumt (gegen 268 in demselben Monat des Vorjahres und 271 im Vormonat).

— Straßburg, 19. Juli. Der Statthalter, General-Feldmar­schall Freiherr von Manteuffel, ist heute Nachmittag hier wieder einge­troffen.

_ — Aus Leipzig sind auch zwei Studenten, Mediziner aus Ost­preußen, als sozialdemokratische Wühler ausgewiesen worden.

— In dem weltberühmten Badeorte Jschl in Oesterreich gab's bis vor etwa 10 Jahren etwa 150 Protestanten; jetzt ist ihre Zahl aufs Doppelte gewachsen. Sie haben sich eine Kirche gebaut, die am 17. Juli feierlich eingeweiht wurde. Kaiser Franz Joseph, der oft in Jschl wohnt, hat ihnen 500 Gulden dazu geschenkt, Kaiser Wilhelm hat