— Morgen concertirt an unserem Wilhelmsbade die Kurkapelle unter Leitung des Herrn Müller. Wie wir hören hat dieselbe für die ganze Dauer der Saison abgeschlossen und sind wir überzeugt, daß sie Alles aufbieten wird, um die Besucher des schönen Kurortesim Weise zufrieden zu stellen.
— Im Interesse aller Passanten wiederholen wir bei der tropischen Hitze ebenso höflich als dringend die Bitte um recht fleißiges Begießen der Nebenstraßen. — Hier sei zugleich bemerkt, daß gestern bis jetzt der heißeste Tage dieses Sommers war; das Thermometer zeigte Nachmittags + 271/a° im Schatten.
— Die bekannte H ausen er Brodsabrik hat auch an hiesigem Platze eine Niederlage ihrer Backwaaren errichtet und, wie wir hören, der Firma H. Henckel am Markt den Alleinverkauf für hiesige Stadt übertragen.
Versteigerungs- und Vers achtungs- rc. Kalender für Montag den 18. Juli.
Mit der bereits angefangenen Versteigerung der zur Jean Schell- schen Concursmasie gehörigen Holzvorräthe (Buchen- uud Eichen-Scheit- und Werkholz) wird Nachm. 2 Uhr, sowie die folgenden Tage Vorm. 9 Uhr und Nachm. 2 Uhr durch Herrn Gerichtstaxator Berg fortgefahren. — Vorm. von 10 Uhr ab versteigert Herr R. Bangel zu Frankfurt a. M. im Auftrage der Frankfurter Bankbank Hanauer Landstraße Nr. 24 dortselbst: trockenes sechsjähriges Eichenholz in Dielen aller Dimensionen, sowie eine große Menge Schreiner- und Zimmerwerkzeuge rc.
— Für heute. Abends 8V2 Uhr: Großes Streich Concert der hiesigen Regimentskapelle in der „Centralhalle"; — im „Deutschen Haus", Concert, ausgeführt von einer Abtheilung der Müller'schen Kapelle. — Turn- und Fecht Club: Abends 8!/2 Uhr Männerturnen. — Steinkoh- lenkasse „zur weißen Taube": Abends von 8—9 Uhr Aufnahme neuer Mitglieder. — Turngesellschaft: Abends 9 Uhr Generalversammlung; Tagesordnung: Berichterstattung der Delegirten über den Turntag in Lauterbach, Diverses. — „Zur guten Quelle": Concert.
— Bis jetzt sind für morgen nicht weniger als 4 Waldfeste angezeigt, und zwar: 1) das des Turn- und Fecht-Club an der „Wachen- bücher Spitze"; 2) des Turnvereins an den „Bruchköbeler Steinbrüchen"; 3) des Vereins Freundschaft unter den „Eichen am Neuhof" und 4) des Vereins Sängerbund ebenfalls an der „Wachenbucher Spitze".
— (Sehenswürdigkeiten.) „Museum der Wetterauischen Gesellschaft" (Altstädter Schloß, eine Stiege hoch): Geöffnet Sonntag Vormittags von 11 bis Nachmittags 1 Uhr.
—s. Von der Nidder. Am 10. Juli d. J. wurde zu Windecken das erste Sängerfest des Nidderthal-Sängerbundes abgehalten, mit welchem der Gesangverein „Concordia" aus Windecken zugleich die Feier seines 20jährigen Stiftungsfestes verband. — Die am Morgen eingetretene ungünstige Witterung schien das ganze Unternehmen zu vereiteln und Mancher mag sich wohl im geheimen „ins Fäustchen" gelacht haben; doch am Nachmittage heiterte sich der Himmel wieder auf und die Feststimmung war nun aus leicht ersichtlichen Gründen eine um so freudigere. — Alle Gesangvereine, welche ihre Betheiligung zugesagt, fanden sich ein. Sie wurden auf dem Marktplätze empfangen, von wo aus sich der einen imposanten Eindruck machende Zug durch die sein decorirten Straßen der Stadt nach dem Festplatze „im Garten zur Hochmühle" bewegte. Hier wechselten die Gesänge des Bundeschores und der einzelnen Vereine mit den beiden Festreden, von welchen sich die erste, welche der Bundespräsident Herr Lehrer Scharmann hielt, aus die Bedeutung des Gesanges, insonderheit des Volksliedes verbreitete, die andere, die des Herrn Lehrer Weider aus Windecken den Tag als 20jähriges Stiftungsfest ins Auge faßte. Das mit Beifall aufgenommene Gedicht, welches er seiner Rede ansügte, wird auf allgemeinen Wunsch in diesem Blatte abgedruckt werden*). ■— Die Chöre wurden musterhaft gesungen und haben sich die Sänger die volle Zufriedenheit ihrer Zuhörer erworben. Im Uebrigen verlief das Fest ohne jede Störung ; wir wollen hoffen, daß ein so fröhlicher und genußreicher Tag bald wiederkehre.
— In diesen Tagen sind in Leipzig von einer großartig opferwilligen Hand für die Zwecke des Gustav-Adolf-Vereins 50 000 Mark baar gespendet und dem Centralvorstande zu Leipzig von auswärts eingesendet worden. " (I. Z.)
— Kassel, 14. Juli. Ein bei dem Herrn Hofconditor Jung hier in Dienst stehender Gehülfe war heute Morgen damit beschäftigt, Flaschen mit eingemachten Kirschen in den Kellcr zu legen Plötzlich explodirte eine dieser Flaschen, ein Stück Glas sprang dem Gehülfen in das rechte Auge und verletzte dasselbe derart, daß die Sehkraft gefährdet ist. Also: Vorsicht ist zu allen Dingen 1 öthig. — 15. Juli. Im konservativen Verein, welcher regelmäßig Mittwochs und Sonnabends Abends seine Zusammenkünfte im Vereinslokale abhält, stand am jüngsten, trotz des schönen Wetters gut besuchten Vereinsabend die höchst interessante Frage in Betreff eines von einem Vereinsmitglied in einer Broschüre angeregten Projektes wegen eventueller Einführung eines hypothecirten Papier
*) Wird in der nächsten Nummer des Unterhaltungsblattes erscheinen.
gelbes zur Diskussion, welche allseitig mit dem lebhaftesten Interesse ge führt wurde. (K. Jl.)
— Bebra, 12. Juli. Seit etwa acht Tagen hat der Eisenbahn- Personenverkehr auf der Strecke Berlin-Frankfurt eine bisher noch in deinem Jahre dagewesene Höhe erreicht: alle Schnellzüge sind übersüllt und Ne Perfgnenzüge sind kaum rechtzeitig anzubringen, da der Zudrang auf jeder StatiSnFa groß ist, daß die fahrplanmäßige Abfahrtszeit unmöglich eingehalten werden kann. Die in die Berlin-Frankfurter und Frankfurt-Berliner Tagesschnellzüge eingestellten — ob ihrer Vorzüglich- keit bereits wiederholt gewürdigten — Restaurationswagen sind bis auf den letzten Platz besetzt und viele Passagiere können während der Dinerzeit kaum Platz erhalten. Für den Fachmann wird es als etwas Außerordentliches gelten, daß die Tagesschnellzüge jetzt nicht selten nahezu 60 Achsen stark und alle Coupo's dicht besetzt sind.
— Fulda, 15. Juli. Das Publikum ist im eigenen Interesse darauf aufmerksam zu machen, daß in letzterer Zeit wiederholt falsche Zweimarkstücke im Umlauf sind. Dieselben sind an der matten Prägung, an der schmutzig fetten Farbe und an dem matten Klänge zu erkennen. Also Vorsicht bei der Annahme.
Aus der UMgegsud.
— Frankfurt a. M., 15. Juli. Der Feuerwehrtag des Regierungsbezirks Wiesbaden findet am 30., 31. Juli und 1. August in Herborn statt. Die Berathungen der Delegirten über bessere Verbands- Organisation beginnen Samstag Nachmittag 4 Uhr und werden Sonntag um 10 Uhr fortgesetzt. — Die vorgestrige Fahrt des Fürsten Milan von Serbien von hier nach Ems wurde in 2 Stunden 38 Min. über die Limburger Strecke der Hessischen Ludwigsbahn ausgeführt. Der Extrazug fuhr Abends 10 Uhr 40 Min. vom Ostbahnhof hier ab und war schon um 1 Uhr 18 Min. Morgens in Ems, ein Resultat, das auf der alten Strecke via Castel und Rüdesheim natürlich nicht zu erreichen gewesen wäre. . (G.-A.)
— Auf Anregung des hiesigen Thierschutzvereins hat die Direktion der Hess. Ludwigsbahn in dem Ostbahnhof südlich des Güter-Expedi- tions-Gebäudes, wo den ganzen Tag über ein reger Verkehr von Fuhrleuten stattfindet, bereitwilligst einen Brunnen zum Tränken der Pferde errichten lassen. — Gestern früh ländete ein Schiffer am eisernen Steg die Leiche eines gegen 60 Jahre alten Mannes. Zu derselben Zeit fand man einen Gärtner, der sich an einem Baume der Klickerbahn erhängt hatte. (Fr. Ztg.)
— D är mstad t, 15. Juli. Der Großherzog ist mit den Prinzessinnen Victoria und Elisabeth und dem Prinzen Leopold von England heute Vormittag hier wieder ein getroffen. Von morgen ab werden die Herrschaften ihren Aufenthalt auf Jagdschloß Wolfsgarten nehmen.
— Mainz, 14. Juli. Eine Gesellschaft von 43 Amerikanerinnen unter Führung eines Reisebegleiters traf gestern Abend hier ein. Die Damen übernachteten und setzten heute ihre Reise nach der Schweiz fort. Dieselben werden den größten Theil des südlichen Europas bereisen.
— Worms, 13. Juli. Heute nahmen wir wieder von einer Miniaturleistung Einsicht. Der eben hier wirkende Schreiblehrer Hr. Gander ans Mainz hat auf zwei Postkarten wohl das Möglichste in Miniaturschrift geleistet. Auf der einen. Karte befinden sich Göthe'sche Gedichte mit zusammen 11208 Worten (ungefähr 7^000 Buchstaben), auf der anderen Heine'sche Lieder 7062 Worte. Die Karlen find im Schaufenster der Stern'schen Buchhandlung ausgestellt. (O. Z )
— Lampertheim, 14. Juli. Ein höchst bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich heute Morgen in der Nähe der Dampfmühle des Hrn. Nickel. Franz Schmidt III., Gemeinderaths- und Kirchenvorstandsmit- glied, war auf dem Heimwege mit einem Wagen voll Heu begriffen, als plötzlich durch Aufstiegen einiger Gänse dessen Pferde scheu wurden, derselbe vvm Wagen fiel und überfahren wurde. Der Unglückliche war sofort todt. In ihm verliert die Gemeinde einen braven Mitbürger. Friede seiner Asche! —Eine Frau wurde heute Morgen, theilweise mit dem Körper in dein Hollandgraben liegend, als Leiche aufgefunden. Ein in deren Wohnung aufgebrochene Kiste läßt auf einen unfreiwilligen Tod schließen. Die eingeleitete Untersuchung wird über diesen tragischen Fall Aufschluß geben. (H. L.)
— Gießen, 15. Juni. Gestern Abend gegen 11 Uhr ertrank in der Lahn in der Gegend der Roßkaute ein junger Mann von hier. Erhitzt sich ins Wasser stürzend, bekam er einen Schlaganfall, welcher einem hoffnungsvollen Leben ein Ende machte. (G. A.)
Marktbericht.
Hanau, den 16. Juli, 8V2 Uhr Morgens. Der heutige Markt war sehr gut befahren; Viktualienpreise folgende: Butter 90 Pf. bis 1,05 M.; Käse 4—5 Pf. und Eier 5—6 Pf. das Stück; Kartoffeln 13—14 Pf., Bohnen 45—48 Pf., Erbsen 40 -46 Ps., Linsen 38—45 Pfi das Doppelliter; der Stiel Kopfsalat 5—6 Ps.; Wirsing 15—20 Pf.; Reltig 5 — 6 Pf.; eine Gurke 8—10 Pf,; frische Erbsen, die Portion 15-20 Pf.; frische Bohnen, die Portion 20—25 Ps ; Kohlrabi 4—5 Pf.; der Bund Gelberüben 12—15 Pf.; Biumenkobl 30—40 Pf.; Kirschen V2 kg 15—18 Pf.; Erdbeeren 02 Liter 20—25