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trags, schreibt eine offiziöse Berliner Korrespondenz: Die Erinnerung an das im Jahre 1878 vollzogene großartige Friedenswerk erfüllt in diesem Jahre mit um so größerer Genugthuung, als gerade jetzt die Lösung der schwierigsten Frage, welche der Vertrag zu berücksichtigen hatte, sich vor unseren Augen vollzieht. Noch vor einem Jahre, ja weit später noch, bis in das gegenwärtige Jahr hinein, war man einer fried­lichen, glatten Abwicklung der türkisch-griechischen Grenzfrage keineswegs gewiß. Man erinnert sich, daß am 16. Juni 1880 eine Nachkonferenz in Berlin zusammentreten mußte, um diese Angelegenheit, über welche zwischen den beiden betheiligten Regierungen es zu einem Ausgleich nicht kommen konnte, einer abermaligen Berathung zu unterziehen. Man erinnert sich ferner, daß, nachdem die damals gleichfalls noch schwebende montenegrinische Frage im November v. I. durch die Einwirkung der Großmächte, welche ihren Mahnungen durch die Entsendung eines ge­meinsamen Flottengeschwaders Nachdruck gaben, mit der Uebergabe von Dulcigno ihre Lösung gefunden hatte, die Mächte einen abermaligen und energischen Versuch machten, auch die Streitigkeiten zwischen der Türkei und Griechenland, welche einen kriegerischen Ausgang zu nehmen drohten, zu einem befriedigenden Abschluß zu bringen. Den Aussch'ag gaben endlich die Botschasterkonferenzen in Konstantinopel, die zu Beschlüssen führten, welche der Pforte und der Regierung zu Athen als eine von Europa getroffene Entscheidung zur Kenntniß gebracht wurden. Beide Mächte fügten sich dieser Entscheidung, und so kam am 2. Juli bU Konvention zu Stande, deren Ausführung unmittelbar begonnen und bereits iu den wenigen seitdem verflossenen Tagen ohne Störung zu einem großen Theile beendet ist. Alle Zweifel, welche gleich zu Anfang über das Werk und den Einfluß des Berliner Beitrags laut wurden und sich jedesmal, wenn in der Ausführung seiner Bestimmungen eine Verzögerung oder ein Stillstand eintrat, sofort wieder hörbar machten, find jetzt siegreich überwunden worden. Die 3jährige Geschichte des Ver­trags hat aber auch gezeigt, daß das Friedensbedürfniß in Europa überall gleich stark empfunden wird, denn in jedem Augenblick, wo die Uebereinstimmung unter den Vertragsmächten erschüttert zu werden schien, bedurfte es nur einer geringen Anstrengung, dieselbe, da überall der gute Wille in gleichem Maße zu Tage trat, rasch wieder herzustellen, eine Thatsache, welche die Hoffnung auf fernere friedliche Zustände in Europa überhaupt fast zur Gewißheit steigert.

— Kiel, 14. Juli. Das englische Refervegeschwader hat gegen 2 Uhr im inneren Hasen Anker geworfen. Hierauf wurden sofort die offi­ziellen Besuche und Salutschüsse ausgetauscht. Se. Königliche Hoheit der Prinz Wilhelm begab Sich, um den Herzog von Edinburgh zu be­grüßen, an Bord des „Hercules". Die Einfahrt und der Empfang des englischen Geschwaders, welchen große Menschenmassen beiwohnten, wa­ren von dem prächtigsten Wetter begünstigt. — An dem Galadiner bei Sr. Königlichen Hoheit dem Prinzen Heinrich nahmen Se. Königliche Hoheit der Prinz Wilhelm, Se. Königliche Hoheit der Herzog von Edingburgh, die englischen KontreAdmirale und Schiffskommandanten, die höchsten deutschen Offiziere und die Spitzen der hiesigen Behörden Theil Se. Königliche Hoheit der Prinz Wilhelm brächte in englischer Sprache den Toast auf die Königin Victoria aus, der Herzog von Eding­burgh erwiderte in deutscher Sprache mit einem Toast auf Se. Majestät den Kaiser. Hierauf hieß Se. Königliche Hoheit Prinz Heinrich in eng­lischer Sprache den Herzog von Edinburgh als Repräsentanten einer mächtigen, der deutschen Nation befreundeten und stammverwandten Na­tion willkommen und wünschte der englischen Flotte besten Erfolg und glückliche Fahrt. Der Herzog von Edingburgh dankte auf das Herz­lichste in deutscher Sprache. — 15. Juli. Das englische Geschwader bleibt bis zum Montag Nachmittag hier und geht von hier direkt nach Spithead, wo es voraussichtlich am 25. d. M. eintreffen wird.

— Windthorst war jüngst ganz unter der Hand in Braunschweig und hatte beim Herzog eine vierstündige Audienz. Was da verhandelt worden ist, weiß man natürlich nicht, vermuthet aber, daß es sich um die Braunschweigische Erbfolge gehandelt hat. In Berlin glaubt man, der Herzog sei entschlossen, den Herzog von Cumberland zu seinem Nach­folger zu ernennen'; die Aussicht, hierzu in Berlin die Genehmigung zu erlangen, muß demnach jetzt gut sein. (D.-Z.)

— Solingen, 12. Juli. Die Eheleute Wien. Traybar von Kreuzweg bei Wald feierten gestern das Fest ihres 65jährigen Hochzeit- Jubiläums. Das alte Ehepaar hatte um sich versammelt seine vier noch lebenden Kinder, 18 Enkel und 17 Urenkel nebst zahlreichen Verwandten und Bekannten, welche von nah und fern herbeigeeilt waren, um das Mögliche zur Verherrlichung des Festes beizutragen. Der Jubilar ist geboren im Jahre 1794, die Jubilarin 1797. Beide stehen heute noch in großer geistiger Frische da. (Sol. Kr.- u. Jntell.-Bl.)

— Vom Thüringer Walde. Die ungewöhnlich warme Witte­rung kommt der Futtererndte sehr zu Stätten. Der Ertrag an Heu und Futter ist zwar nicht übermäßig reichlich, aber die Güte läßt we- mg zu wünschen übrig. Beim Getreide, dessen Wachsthum sowie Kör­neransatz vorher durch häufigen Regen in erfreulicher Weise gefördert wurde, steht in Folge der Hitze ein baldiges Reifen zu erwarten. Die Crndteausstchten find ziemlich günstig sür Halm- und Erdfrüchte. (D.-Z.)

— Karlsruhe, 13. Juli. Aus Konstauz wird gemeld.t daß auch in diesem Jahre die Anwesenheit unseres Kaisers auf der Insel Mainau Anlaß zu einer sinnigen Huldigung bot, zu der sich diesmal nicht wie in früheren Jahren ausschließlich militärische Kreise, sondern Vertreter aller Stände verbanden. Am 11. Juli Abends erschien vor der Mainau der badische Dampfer Kaiser Wilhelm, festlich geschmückt und bewimpelt, umschwärmt von zahllosen Gondeln aus Konstanz und den Uferorten des Ueberlinger Sees. Von dem Dampfer stießen vier große Kähne, mit rothen Tüchern und Guirlanden bekleidet, ab, um eine stattliche Schar Fraueu und Jungfrauen, Männer, Knaben und Mädchen in Trachten des 16. Jahrhunderts an das Gestade der Insel zu führen, wo inzwischen der Kaiser und die großherzoglich badischen Herrschaften im Schatten der am Hafen stehenden prächtigen Ulmen eingetroffen waren. Der ganzen festlichen Veranstaltung lag der Gedanke zu Grunde, eine Fahrt des von dem Straßburger Fischart besungenen „glückhasten Schiffes von Zürich" zur Darstellung zu bringen. Die Idee'selbst und die näheren Angaben für die Ausführung verdanken die Veranstalter unserm Victor v. Scheffel, der für die mitwirkenden Damen und Herren eine Anzahl warm empfundener Verse geschrieben hat. Prolog und Epilog vertrat die Befehlshabcrin des „glückhasten Schiffes". Zwischen ihren Reden näherten sich die verschiedenen Gruppen der Huldigenden: junge Mädchen, welche der fürstlichen Braut, Prinzessin Victoria, einen Rosenkorb überreichten, Bürger und Bauern, welche die erlauchten Eltern der Braut begrüßten und ein Körbchen mit Früchten Übergaben, eine Gruppe von Cavalicren, welche dem Kaiser ihre Ehrfurcht bezeigten: „dem Schirmherrn Deutschlands, den nicht allein der goldene Sieges- lorber, den auch des Aeltervaters Pflicht erfreut". Zum Schlüsse flammte Feuerwerk auf, Militärmusik fiel rauschend ein, die Hochrufe übertönten noch den Klang der Instrumente. Die Herrschaften waren sehr befriedigt. Der Großherzog hob insbesondere die poetische und malerische Wirkung der Scene hervor, welche an dem grünen Strande der Insel, wo man beim Sonnenuntergang die fernen Häupter der Alpen erglänzen sah und später den aufgehenden Vollmond erblickte, wunderbar gewesen sein soll. Der Kaiser sagte, daß nach den sorgenvollen Tagen der letzten Wochen diese Ueberraschung seinem Herzen überaus wohlgcthan habe und daß man ein solches Arrangement nur in Konstanz sehe. Als die Herrschaften zum Schloß zurückkehrten, stimmten die Sänger die „Hymne an die Nacht" von Beethoven an. Die nach Konstanz Zurück- kehrenden waren beglückt in dem Gedanken, dem Kaiser eine reine und ungetrübte Freude bereitet zu haben. (K. Z.)

— Paris, 15. Juli. Die zur Nationalfeier gestern Abend ver- anstaltete Illumination war äußerst glänzend, bis in die Nacht bewegte sich eine dichtgedrängte Menge durch die festlich erleuchteten Straßen.

— Rom, 15. Juli. Von den wegen der Ruhestörungen in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch verhafteten Personen hat das Zucht­polizeigericht 4 zu eiumonatlichem Gefängniß und je 250 Frcs. Geld­buße verurtheilt; einer derselben wurde ferner wegen Thätlichkeiten ge­gen einen Polizisten mit weiterer zweimonatlicher Gefängnißstrafe be- legt.

— Der bereits seit 6 Jahren regierende, obschon erst 11jährige Kaiser Knangsü von China ist so bedeutend an den Blattern erkrankt, daß er die Augen nicht öffnen kann. Die europäischen Gesandten haben ihm ihre Aerzte zur Verfügung gestellt; sein Oheim aber, Prinz Tschong, der ihn bevormundet, hat alle europäischen und chinesischen Aerzte zurückgewiesen und läßt nur tatarische, die aus der Mandschurei berufen worden sind, an das Krankenbett des Kaisers zu. (Die regie­rende Dynastie in China gehört bekanntlich den Mandschu-Tataren an.) ___________________ (D.-Z)

Lokales-

Hanau, den 16 Juli.

— Ueber den Raubmörder Barthel Ring lesen wir in der uns vorliegenden „Kronacher Zeitung" vom 15. d. M. folgendes: „Gestern wurde Barthel Ring in das hiesige Detentionsgefängniß verbracht. Der herbeieilende Pöbel drohte unter den heftigsten Verwünschungen und Flüchen an dem entmenschten Verbrecher Lynchjustiz auszuüben. Die Heilung Barthel Rings soll soweit fortgeschritten sein, daß man sicher auf Erhaltung seines Lebens und damit auf weitere Geständnisse rechnen darf. Die Wunde scheint überhaupt nicht so gefährlich zu sein, als man zuerst annahm, da Ring seiner Stimme vollständig mächtig ist und den besten Appetit hat. Soll er doch gestern einen Liter Bier zu Käse und Rettig getrunken haben."

— (Jmpfung.) Den 18. Juli, Nachmittags 2 Uhr Revision zu Preungesheim und Nachm. 4 Uhr zu Berkersheim. — Den 19. Juli, Nachm. 3 Uhr Revision der am 12. d. Mts. dahier geimpften Kinder und Nachm. 4 Uhr Impfung der zwischen dem 1. Juli und 31. De­zember geborenen Kinder.

— (Turnerisch es.) Morgen Nachmittag 3 Uhr wird auf dem Turnplätze des Turnvereins Offenbach die zweite diesjährige Vor­turnerstunde des Gaues Offenbach-Hanau abgehalten,