Slbannemcnts- Prcis:
Jährlich 9 Mari Halbj 4 M. 50 P. Vierteljährlich
2 Mark 25 ¥fg.
Für auswärtige
Abonnenten nit dem Letreffen, >en Postausschlag. kie einzelne Äilllli- .mcr 10 Psg.
Hanau er Anzeiger.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
Jnsertions-
Preis:
Die ispaltige Garmondzeile ob. deren Raum
10 Pfg.
Die 2spalt. Zeile
20 Pfg.
Die ZspaltigeZeils
30 Pfg
Nr. 163
Samstag den 16. Juli
1881.
Amtliches.
Bei der am 15. Juni c. stattgehabten Ersatzwahl für das gemäß §. 16 der Verordnung vom 20. September 1867 ausscheidende Mitglied für die höchstbesteuerten Grundbesitzer und Gewerbetreibenden des Kreises Hanau bei dem Communal-Landtag des Regierungs-Bezirks Kassel ist der Mühlenbesitzer Georg Brenner zu Hanau mit 22 von 22 abgegebenen Stimmen einstimmig gewählt.
Hanau am 15. Juni 1881.
Der Wahl-Commissarius: Die Beisitzer:
__Schrö tte^r._______ v. Deines, v. Rößler. Rauch.
Gefunden: Drei Stück Zehnpfennig-Marken, auf der Post liegen geblieben. Ein Portemonnaie mit Geld. Ein Paar graue gehäckelte Stauchen. Eine Peitsche.
Verloren: Eine Cylinder-Uhr.
Hanau am 16. Juli 1881.
____________________Aus Königl. Landrathsamt.____________________
Bekanntmachung.
Bei der Postagentur in Wolfsanger wird am 14. d. Mts. der Telegraphendienst eröffnet.
Kassel, 11. Juli 1881.
Der Kaiserliche c. Ober-Postdirektor.
__zur Linde.___ Bekanntmachung.
Bei der Postagentur in Willingshausen wird am 14. d. Mts. der Telegraphendienst mit Fernspechbetrieb eröffnet.
Cassel, 12. Juli 1881.
Der Kaiserliche c. Ober-Postdirektor.
_______________________zur Linde.____________________
Wochenschau.
A. R.-N. Die saure Gurke tritt jetzt immer mehr und mehr ihre Herrschaft an, und auch die Seeschlange macht sich bereits geltend, und zwar kam sie diesmal aus Amerika in Form einer ganz merkwürdigen Geburtsanzeige, die auch nur unter den Strahlen der Julisonne zur Welt kommen konnte. Der Mangel an wirklich interessanten Ereignissen macht sich bemerkbar und da werden denn allerlei Nachrichten aufgetischt, die der Zeitungsleser nur in der Hundstagszeit geduldig aufnimmt. Besonders die Amerikaner sind groß im Erfinden, und versorgen zum guten Theil die ganze alte Welt mit den Produkten ihres Geistes. — Von politischen Ereignissen läßt sich aus unserem Vaterland eigentlich wenig sagen. Ueberall herrscht Ruhe und Stille, die Minister sitzen im Bade, wo soll also da die Politik herkommen, zumal jetzt sogar der Bund es rath, der es noch am längsten in Berlin ausgehalten hat, in die Ferien gegangen ist?' In Sachsen und in Bayern haben freilich Wahlen zum Landtage stattgefunden, aber verhältnißmäßig wenig das öffentliche Interesse in Anspruch genommen, weil durch ihren Ausfall keine sonderliche Verschiebung in den Partei-Verhältnissen zu erwarten war. Mit einer winzigen Majorität dominirt die klerikale Partei in Bayern doch, und in Sachsen handelte es sich sogar nur um eine Ergänzungswahl, in der die Conservativen einige Sitze gewonnen zu haben scheinen. Größere Theilnahme fand das Schicksal des Auswandererschiffes „Vandalia", welches steuerlos im Ocean umhertrieb. Die Gefahr war groß, 4 Schlepp-Dampfer waren von englischer und deutscher Seite ausgesandt, und endlich kam auch die freudige Nachricht, die „Vandalia ist gefunden". Es wäre schrecklich gewesen, wenn die „Van- dalia" das Schicksal des „Schiller" gehabt hätte. Freudiges läßt sich auch von unserer kaiserlichen Familie, besonders über das Befinden der Kaiserin melden, deren Zustand sich so gebessert hat, daß die Ausgabe täglicher Bulletins sistirt ist. Die Genesung schreitet freilich fehr langsam vor, aber sie ist doch mit aller Sicherheit zu erwarten. Unsrer Kaiser ist angesichts dieser tröstlichen Lage von Koblenz nach oer ^nsel Mainau im Bodensee abgereist, wo er einige Tage im Kreise der großherzoglich badischen Familie verlebte, und sich dann zur Fortsetzung der Kur nach Gastein begab. Unser Krön Prinzen paar
Prinzessinnen weilt bekanntlich in England, während sich Prinz Wilhelm nach Kiel begeben hat, um dort zusammen mit seinem Bruder,
dem Prinzen Heinrich und anderen Fürstlichkeiten das englische Ostsee- Geschwader unter dem Kommando seines Onkels, des Herzogs von Edin- bürg, zu begrüßen. Ganz Kiel hatte Festtoilette angelegt, um die fremden Gäste, die mit ihren Panzerschiffen für einige Tage in feinem Hafen weilten, würdig zu empfangen. Von den Nachrichten aus dem Auslande wurden noch immer die Telegramme über das Befinden des Präsidenten Garfield in Washington mit großem Interesse gelesen. Gott sei Dank, ist auch der Zustand des schwer verletzten Mannes ein so günstiger, wie man nur irgend verlangen kann, und dürfte auch er wieder vollständig hergestellt werden. Die Amerikaner erkennen jetzt erst die Vorzüge des Garfieldschen Regiments, und um ihren Dank sichtbar zu zeigen, wollen sie jetzt für Mrs. Garfield eine große National- subscription veranstalten, damit sie im Falle eines plötzlichen Todes ihres Gatten vollständig gesichert ist. Hier Leid, da Freud', so heißt es auch in der Geschichte der Staaten. Während die algerischen Verhältnisse den französischen Politikern viel zu denken geben, feierte die ganze Republik das Nationalfest zur Erinnerung an die Erstürmung der Bastille zum zweiten Male. Besonders Paris schwamm in lauter Wonne, daneben wurden aber doch auch selbst im Volke Stimmen hörbar, welche die Kraftlosigkeit des Staates, welche sich in Afrika zeige, bitter tadelten und die glorreiche Regierung des Kaiserreichs dagegen priesen. Und in der That, es sieht arg in Algier aus, so daß jetzt sogar ein Wechsel im Oberkommando eingetreten ist. In Oran raubt, mordet und plündert Bou-Amena nach wie vor, und in der tunesischen Hafenstadt Sfax ist eine ernstliche Empörung ausgebrochen. Die Stadt ist von den französischen Panzerschiffen zusammengeschossen und von den Truppen besetzt worden, aber die Aufständischen haben dadurch noch lange nicht ihren Muth verloren, sondern setzen die Kämpfe im Vertrauen auf ihren besten Schutz, die furchtbare Hitze, unverdrossen fort. — Die internationale Münzkonferenz, um die sich schon Niemand mehr recht kümmerte, ist bis zum nächsten Jahre vertagt. Aus Großbritannien läßt sich wenig sagen. Eine große Revue der englischen Freiwilligen, der auch der deutsche Kronprinz und die Kronprinzessin bei- wohnten, hat vor der Königin Victoria stattgefunden, und Alt-England hat sich dabei wieder einmal in seinem vollen Glänze gezeigt. Weiter hatte es aber auch keinen Zweck, denn für Kriege sind die Freiwilligen ein schlecht verwendbares Material. Im Parlament schreitet die Berathung der Landbill schneller vorwärts und die Beendigung ist in ein oder zwei Wochen zu erwarten. Nicht nur in England, sondern in ganz Europa sprach man von dem Staatsprozesse in Stambul, der sehr über's Knie gebrochen ist, und nannte das Urtheil ein ungerechtes, weil die Schuld der Angeklagten nicht bewiesen war. Auf den Sultan scheint diese allgemeine Ansicht doch einigen Eindruck gemacht zu haben, denn man hört noch nichts von einer definitiven Bestätigung des Urtheils. — Die griechische Frage dürfte nun als erledigt zu betrachten sein, denn die griechischen Truppen sind in das neue Gebiet eingerückt und haben'bereits wichtige Städte besetzt. Bis jetzt ist es ohne Blutvergießen abgegangen. —• In Bulgarien ist die große Nationalversammlung zusammengetreten, um über die Forderungen des Fürsten zu berathen. Da die Majorität der Versammlung für Fürst Alexander ist, so ist auch ihre Entscheidung vorauszusehen. — Zu einigen Krawallen ist es bei der Ueberführung der Leiche Papst Pius IX. nach seiner eigentlichen Grabstätte gekommen, jedoch sind diese Ruhestörungen sofort und sehr energisch unterdrückt Worden.
Tagesschau.
— R osenheim, 14. Juli, Abends. Se. Majestät der Kaiser sind mittelst Extrazugs von München heute Abend 8 Uhr wohlbehalten hier angekommen und von der Bevölkerung enthusiastisch empfangen worden. Der Kaiser hat Sein Absteigequartier im Badehotel genommen und wird morgen früh die Reise nach Gastein fortsetzen. — 15. Juli. Se. Majestät der Kaiser haben die Reise nach Gastein h^ute früh 8 Uhr 45 Minuten bei schänstem Wetter fortgesetzt.
— Das Reichskanzleramt erläßt im „R. u. St-A." Nr. 163 eine Bekanntmachung, betreffend Abänderungen und Ergänzungen des Betriebsreglements für die Eisenbahnen Deutschlands.
— Zum 13. Juli, dem 3jährigen Gedenktag des Berliner Ver