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Nr. 156.
Freitag den 8. Juli
1881.
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Amtliches.
Im laufenden Jahre soll der im vorigen Jahre ausgefallene Fort- bildungskurfus für Elementarlehrer an der Landwirthschastsschule zu Weilburg abgehalten werden und ist hierzu Termin vom 22. August bis 24. September d. I. in Aussicht genommen.
Die in dem Kursus zu behandelnden Gegenstände sind folgende:
1) Chemie I. Theil: Sauerstoff, Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff;
2) Pflanzenproduktionslehre;
3) Anatomie und Physiologie der landwirtschaftlichem Hausthiere;
4) Landwirthschaftliches Unterrichtswesen.
Den theilnehmenden Lehrern wird ein Zuschuß von je 70 M. in Aussicht gestellt, sobald die betreffende Gemeinde oder der Lehrer selbst mindestens 35 M. zuzuschießen bereit ist. Den Gemeinden wird anheim gestellt, sich durch einen von dem Lehrer auszustellenden Revers dahin zu sichern, daß der von der Gemeinde subventionirte Lehrer den Betrag zurückzuzahlen hat, wenn er innerhalb Jahresfrist nach dem Kursus die betreffende Gemeinde verläßt.
Diejenigen Lehrer, welche an dem in Rede stehenden Kursus theil- nehmen wollen, werden aufgefordert, ihre Gesuche baldmöglichst, längstens aber innerhalb 14 Tagen durch Vermittelung des Königlichen Schul- vorstandes hier vorzulegen.
Kassel, den 30. Juni 1881.
Königliche Regierung, Abth. für Kirchen- u. Schulsachen.
Wird veröffentlicht.
Hanau am 4. Juli 1881.
Der Landrath
T e g ess ch a N. Zustände in Algier.
A. E.-N. Wo es am meisten brennt, ist heute schwer zu sagen, aber es brennt überall, in Südalgier, an der marokkanischen, an der tripolitanischen Grenze und an den tunesischen Gestaden, die bisher noch nicht von der französischen Besetzung betroffen wurden. Sfax ist in Hellem Aufruhr, die europäische Colonie, die sich früher, als Tunis noch unter Oberhoheit der Türkei stand, niemals bedroht sah, hat auf europäische Kriegsschiffe flüchten müssen, der französische Viceconsul ist schwer mißhandelt worden, die arabischen Stämme steigen aus dem Süden nach den Küstengestaden nieder und bereits sieht sich Frankreich gezwungen, auch nach dieser Gegend hin eine neue Expedition zu unternehmen. An der marokkanischen Grenze beschäftigt sich der aus früheren Kämpfen Befürchtete Si Sliman mit der Aufwiegelung der Stämme und im Süden von Saida gewinnt Bou-Amema, der sich zu einem neuen Einfall vorberellet, neue Anhänger im mächtigen Stamm der Uded Sidi Cheiks, der Amijanen und anderer. Auch nach der Provinz Constantine erstreckt sich jetzt, offiziösen Meldungen zufolge, die „Gährung" und was es bedeuten will, wenn die Offiziösen eine „Gährung" zugestehen, das haben wir an der Provinz Oran genugsam gesehen. Feinde ringsum, heißt es heute, und der Ruf nach beträchtlichen Truppensendungen erscheint nur zu gerechtfertigt. Zunächst ist der siegreiche Bou-Amema der gefährlichste Gegner, und deshalb richtet sich auch die ganze Empörung der Colonisten gegen den Oberst Mallaret, der ihn in so unfaßbarer Weise hat entschlüpfen lassen. Mallaret ist von seinem Commando ab- berufen worden und wird vielleicht vor einem Kriegsgericht sich für seine Thaten oder vielmehr Unterlassungen zu verantworten haben; wenn ihn aber auch eine harte Strafe treffen sollte, die Folgen seiner Handlungsweise und der höchst ungünstige, ja verderbliche Eindruck, den sie nicht nur auf die Colonisten, sondern auch auf die Eingeborenen gemacht hat, wird damit nicht ausgelöscht werden können. Der algerische Petit Colon veröffentlicht den Brief eines französischen Offiziers, welcher der Colonne Mallaret angehört und in dem Beschuldigungen erhoben werden, wie sie schlimmer nicht gedacht werden können. Der Brief ist zu lang, um ihn hier wörtlich wieder zu geben, wir bemerken daher nur, daß er durchaus das Gepräge der Wahrheit trägt, und lassen seinen Hauptinhalt folgen. Der Offizier beschreibt, wie Bou-Amema am 15. Juni an der Colonne Mallaret vorbeimarschirt ist. „Am 14. waren von allen Seiten Nach
richten über die Stellung des Feindes eingegangen. Am 15. zog er darauf bei uns vorbei und führte über 5000 Stück Vieh, unzählige geraubte Gegenstände und die Gefangenen in einer 6 km langen Colonne mit sich. In einer Entfernung von 3—4 km sahen wir diese lange Colonne bei uns vorüberziehen; sie war uns so nahe, daß ich z. B. deutlich erkennen konnte, wie man ein Kameel, dessen Belastung sich verschoben hatte, umsattelte. Zwei Männer waren mit dieser Arbeit beschäftigt, von denen der eine einen weißen, der andere einen schwarzen Burnus trug. Was that der Oberst Mallaret? Nichts. Alle Welt war außer sich, die Offiziere, der arabische Aghar, die Führer der Gums flehten um die Erlaubniß zum Angriff, dessen Erfolg unzweifelhaft war, denn wir hatten 1300 Mann und Bou-Amema nur 800. Aber Mallaret ließ nur sechs Schüsse abfeuern und rührte sich nicht vom Fleck. Warum? Alle Welt sagt aus Furcht (crainte)! Bou-Amemas Reiter verwüsten auf ihrem Rückzug die umliegenden Dörfer; die Soldaten, beseelt von unbeschreiblicher Wuth, wollten trotz der entsetzlichen Hitze und des schlechten Wassers gegen sie marschiren — nichts geschah. Unsere Gums, unsere eigenen Bundesgenossen, verhöhnen uns „Franqais pas braves, lach es“, und sie spucken vor uns aus!" Das ist die Erzählung des französischen Offiziers. Aus Monastir vom 2. Juli telezra- phirt man: „Auf einem italienischen Dampfer aus Sfax hier angekommene Reisende erzählen folgendes: Am letzten Montag überfielen die Araber des flachen Landes, die sich denen der Stadt angefchlossen, die europäischen Viertel. Die europäische Bevölkerung suchte sofort die Schiffe zu gewinnen. Während der Flucht und im Augenblick der Einschiffung wurde dem französischen Consul der Arm mit einem Grabscheit zerschmettert. Sodal, welcher die Funktionen eines schwedischen Consuls versteht, erhielt einen Säbelhieb über den Hals; sein Bruder wurde durch einen Säbelhieb an der Hand und der Neffe des französischen Consuls durch einen Dolchstich an der Hüfte verwundet. Ein bei der Tabak-Regie angestellter Malteser wurde ermordet und sein Leichnam sofort in Stücke zerrissen. Ein anderer Malteser hatte das nämliche Schicksal. Ein Jude wurde erdolcht. Man zählt im Ganzen 3 Todte und ungefähr 20 Verwundete. Die Aufständischen ernannten einen Bey, um die Operationen zu leiten. In Kairuan, Susa, Monastir und Mahdia herrscht vollständige Ruhe.
— Se. Majestät der Kaiser und König haben Allergnädigst geruht Allerhöchstihren Botschafter in Konstantinopel, Grafen von Hatzfeldt- Wildenburg bis auf Weiteres mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Staatssekretärs im Auswärtigen Amte zu betrauen, und denselben zugleich mit der Stellvertretung des Reichskanzlers im Bereiche des Auswärtigen Amtes nach Maßgabe des Gesetzes vom 17. März 1878 (R. G. B. S. 7) zu beauftragen.
— Berlin, 7. Juli. Das heute ausgegebene Bulletin über das Befinden Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin lautet: Die Genesung Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin schreitet günstig fort, doch lassen Schlaf und Appetit noch zu wünschen übrig. Coblenz, 7. Juli 1881, Vormittag 9 Uhr. von Lauer. Busch. Madelung. Welten. Schliep.
Berlin, 7. Juli. Ihre Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin sind, nach dem „R. u. St-A.", wit den Prinzessinnen-Töchtern gestern Vormittag in Queeuborough ein« troffen und mittelt Extrazuges nach Windsor weitergereist.
— Berlin, 7. Juli. Der Aviso-Dampfer „Falke" erhielt den Befehl, aus Wilhelmshafen auszulaufen, um sich an der Aufsuchung der „Vandalia" zu betheiligen.
— Berlin, 7. Juli. Der Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern, Starke, ist gestern Abend gestorben.
— Berlin, 7. Juli. Die feierliche Ueberreichung des Ehrenbürgerbriefes der Stadt Berlin an Schliemann durch Oberbürgermeister von Forckenbeck und Straßmann hat heute Mittag in der Wohnung Schliemanns unter ehrenden Ansprachen stattgefunden.
— Berlin, 6. Juli. An die königliche Akademie der Wissenschaften gelangte telegraphisch aus Zanzibar die Trauerkunde von dem