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Donnerstag den 7, Juli
Nr. 155,
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Amtliches.
Gefunden: Eine Knabenmütze. Ein weißes Strohkörbchen. Zwei Strohhüte. Ein Spazierstock.
Zugeslogen: Zwei Kanarienvögel.
Abhanden gekommen: Ein vierräderiger Handwagen, J. L. W. gezeichnet.
Hanau am 7. Juli 1881.
Aus Königl. Landrathsamt.
Taqesscha«. Ueber das Attentat auf Garfield.
Die Gründe, welche den Verbrecher bewogen, den Präsidenten Garfield aus der Welt zu schaffen, sind zwar noch nicht ganz aufgeklärt. Die Frage, ob er Mitschuldige hat oder nicht, ist noch offen. Er gilt als ein exaltirter Mensch, und selbst seine Zurechnungsfähigkeit für die That wird in Frage gestellt. Allein wie es sich damit verhalten möge, eines scheint doch heute schon festzustehen: die That ist ein Ausfluß jener politischen Korruption, welche die öffentlichen Aemter als die B eute der Si eger in den Wahlkämpfen ansieht. Ist Charles Guiteau verrückt, so hat ihn eben die leidenschaftliche Aemterjagd verrückt gemacht. Die That ist also als ein Symptom jenes häßlichsten und verderblichsten Uebels zu betrachten, an welchem die große Republik krankt. Und sie war gegen den Mann gerichtet, der seine ganze Kraft an die Bekämpfung eben dieses republikanischen Lasters gesetzt hatte. Hat der Mörder nach feiner That den triumphirenden Ausruf gethan: „Arthur ist jetzt Präsident," so gibt das seiner That einen bedenklichen politischen Beigeschmack. Als Garfield am 4. März d. I. das oberste Staatsamt der Union übernahm, hatte er sich die Bekämpfung der Korruption und des traditionellen Unterschleifs in der Staatswirthschaft zur Aufgabe gemacht. Schon nach den ersten 3 Monaten zeigten sich die guten Früchte der Garfield'schen Verwaltung. Die Finanzoperationen des Finanzministers Windom waren von dem glänzendsten Erfolge begleitet. Er ließ die Baarreserven der Bundeskassen unberührt und reduzirte trotzdem die Zinsen der k>- und 6proz. Bonds durch zeitweilige Refun- dirungen der öproz. Bonds in 4 und 3si?proz. um 14 Mill. Doll. Windom's Finanzwirthschaft berechtigt zu der Hoffnung, daß binnen 18 Jahren die ganze fundirte Schuld der Union getilgt werden wird, worauf die Herabsetzung der hohen Steuern und Zölle erfolgen könnte. Ebenso wie Windom im Finanzwesen, arbeiteten Generalpostmeister James und Marineminister Hunt in ihren Departements an der Beseitigung der Mißbräuche und des Schwindels. Zu diesem Behufe mußte jedoch Garfield auch der sogenannten Aemterpatronage ein Ende machen. Eine seiner ersten Maßregeln war daher, daß er an Stelle des früheren Zoll- kollekteurs von New-Aork, einer Kreatur des Senators Conkling, den ihm von dem Staatssekretär des Aeußern, Blaine, empfohlenen Robertson zum Zollkollektor von New Aork in Vorschlag brächte. Als Garfield die Nomination Robertson's dem Senate vorgelegt hatte, soll, wie kürzlich Karl Schurz in der Westl. Post erzählte, Conkling erklärt haben, er habe jetzt zwischen Todtschlag und Selbstmord zu wählen. Man faßte diese Aeußerung damals so auf, daß Conkling den Kampf um das New-Iorker Zollhaus aufnehmen und die Regierung bekriegen oder sich die Ernennung Robertson's gefallen lassen und damit in ferne eigene Vernichtung willigen müsse. Conkling versuchte daher auch, die Bestätigung Robertson's durch den Senat zu hintertreiben, und gab schließlich in der Hoffnung, daß der Senat es nicht wagen werde, in der Abwesenheit der New-Iorker Senatoren die Bestätigung Robertson's vorzunehmen, und daß die New-Aorker Legislatur ihn glänzend wiederwählen werde, mit seinem Kollegen Platt zusammen die Entlassung als Senator. Der Senat bestätigte jedoch die Ernennung Robertson's ohne Rücksicht auf die, privaten Interessen Ccmkling's. Jetzt erfährt man auch, daß Garfield schon lange Tag und Nacht von den Beutejägern sich verfolgt sah. „Seine Gesundheit ist sehr angegriffen, er sieht matt und abgespannt aus, er hat schlaflose Nächte, man fürchtet ernstlich für rhn", so lauten schon seit Monaten die Bulletins über seinen Gesundheitszustand. Uebrigens sind schon 2 amerikanische Präsidenten, Taylor und Harrison, wenige Monate nach ihrem Amtsantritt der Erregung
1881.
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erlegen, in welche die Beutesüchtigen sie versetzt hatten. Vor 12 Jahren erkannten zwei Männer die ungeheure Gefahr, welche der nordamerika- nischen Union aus dem Beutesystem drohte. Charles Summer und Karl Schurz erhoben bereits im Jahre 1868 den lauten Ruf nach Zivildienstreform, das heißt, sie verlangten, daß Beamte der Ver. Staaten nicht um ihrer Parteistellung wegen angestellt oder entlassen werden dürften, daß vielmehr ein fester, tüchtiger, für den Beruf herangebildeter Beamtenstand geschaffen würde. Sie haben damit keinen Erfolg gehabt. Jeder neue Parteitag nahm diese Forderung des Scheins wegen in sein Programm auf, jeder neue Präsident machte dahin zielende Versprechungen, um sie im nächsten Moment schon wieder zu vergessen. Zuletzt betrachtete jeder Handlanger der Partei es als sein gutes Recht, eine Belohnung zu verlangen. Ob jetzt der Mordanfall auf den Präsidenten eine solche Wirkung auf das Land machen wird, daß das Beutesystem endlich allgemein verurtheilt wird und der öffentlichen Meinung zum Opfer fällt, das ist wohl eine sehr sanguinische Hoffnung. (Schw. Merk.)
— Berlin, 6. Juli. (R.- u. St.-A.) Se. Majestät der Kaiser und König machen, wie aus Coblenz gemeldet wird, täglich Spazierfahrten mit Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin von Baden. — Obschon Ihre Majestät die Kaiserin die Festhaltung des Reifeprogramms Sr. Majestät wünscht, haben Se. Majestät der Kaiser doch die Abreise nach der Insel Mainau noch verschoben.
— Berlin, 6. Juli. Das neueste, heute Vormittag 9 Uhr, ausgegebene Bulletin über das Befinden Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin lautet: Der günstige Zustand dauert bei Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin auch heute fort, von Lauer. Busch. Madelunq. Veiten. Schliep.
— Se. Majestät der Kaiser haben im Namen des Reichs an Stelle des in den einstweiligen Ruhestand versetzten Grasen von Bothmer den Großherzoglich mecklenburg-schwerinschen Kammerherrn von Oertzen zum Konsul in Marseille zu ernennen geruht.
— Der „R- u. St.-A." Nr. 155 publizirt: Gesetz, betreffend die Feststellung eines Nachtrags zum Reichshaushalts-Etat für das Etatsjahr 1881/82, vom 27. Juni 1881.
— S. M. S. „Vineta", 19 Geschütze, Kommandant Kapitän zur See Zirzow, ist am 24. Mai er. von Hongkong nach Singapore in See gegangen. — S. M. Aviso „Habicht", 5 Geschütze, Kommandant Korvetten-Kapitän Kühn, ist am 28. April er. in Apia eingetroffen.
— Dem Reichskanzler Bismarck ergehts mit seiner eigensten Person grade so wie mit seinen Gedanken und Plänen für das Reich. Jeder sieht eben beide mit seinen eigenen Augen an und die Gläser sind selten ungefärbt. Die Einen, die ihn auf der Reise oder in Kissingen gesehen haben, betheuern, er sehe blaß, bleich, leidend und müde aus und sei sehr gealtert; die Andern, er sehe frisch und munter aus und lange nicht so, als wolle er sich aufs Altentheil setzen oder setzen lassen.
(D.-Z)
— Als ein hervorstehender Karakterzug der gegenwärtigen Wahlbewegung läßt sich schon jetzt eine ungewöhnlich starke Zersplitterung der Stimmen erkennen. Die Versuche, zu einem festeren Zusammenschluß verwandter politischer Richtungen oder zu allgemeingiltigen Wahlkompromissen zu gelangen, sind fast allenthalben gescheitert. Sozialdemo- kraten, Demokraten, Fartschritt, Sezession, Nat.-Lib., Freikonservative, Konservative, Zentrum u. s. w. gehen fast überall selbstständig vor und stellen ihre eigenen Kandidaten auf, wo sie irgend eine Aussicht haben. Wahlkreise, wo sich schon jetzt 5—6 Kandidaten gegenüberstehen, sind gar keine Seltenheit; solche mit nur 2 Kandidaten werden nicht häufig sein; Wahlkreise, wie es deren früher genug gab, wo nur 1 Bewerber in Frage kommt, existiren jetzt nirgends. Die Stichwahl wird diesmal eine ganz hervorragende Rolle spielen; es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß diejenigen Wahlkreise, in denen die Entscheidung gleich beim ersten Wahlgang erfolgt, die Minderzahl bilden werden.
— Wird eine auf einem Grundstück eingetragene Kautionshypothek in eine verzinsliche Hypothekenforderung umgewandelt, so rangiren nach einem Erkenntniß des Reichsgerichts, IL Hülfssenats, vom 16. Mai d. I., die neueingetragenen Zinsen bis zur Höhe von 5 pCt. mit dem Ka-