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Nr. 154.
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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
Mittwoch den 6. Juli
Jnsertlons-
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Die 2spalt. Zeile
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DieSspaltigeZeil«
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1881
Tagesschau.
— Berlin, 5. Juli. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht an der Spitze des Blattes folgendes: Die seit Erkrankung I. Maj. der Kaiserin und Königin in Coblenz täglich eintreffenden Nachfragen der auswärtigen Höfe sowohl, als auch von anderen fürstlichen und Privatpersonen geben den Beweis des allgemeinen und weit verbreiteten Antheils, welcher an dem Befinden der Kaiserin genommen wird. Dasselbe kann, obwohl bis vor Kurzem erheblichen Schwankungen unterworfen, nunmehr als ein die Aerzte befriedigendes bezeichnet werden und man darf sich daher der Hoffnung auf einen weiteren normalen, wenn auch langsamen Verlauf der Krankheit und eine glückliche Genesung hingeben.
— Berlin, 5. Juli. Ueber das Befinden Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin ist heute, Vormittags 8^2 Uhr, folgendes Bulletin ausgegeben worden: Die Besserung in dem Befinden Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin schreitet auch heute in erfreulicher Weise fort, von Lauer. Busch. Madelung. Veiten. Schliep.
— B erlin, 5. Juli. Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz ist heute Mittag 12 Uhr 31 Minuten von Ehrenbreitstein über Köln, Oberhausen und Vlissingen nach England abgereist. In Oberhausen trifft Se. Kaiserliche Hoheit um 5 Uhr Nachmittags mit Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Kronprinzessin und den Prinzessinnen-Töchtern zusammen.
— Am 30. Juni ist der Generaladjutant des Kaisers und Chef des Magdeburgischen Infanterieregiments Nr. 66, General der Infanterie Gustav v. Alvensleben, in Gernrode am Harz gestorben. Am 30. September 1803 geboren, im Kadettenkorps erzogen, wurde er 1821 Offizier und sungirte 1849 als Chef des Generalstabes bei der Armee in Baden. 1855 Oberst, 1858 Generalmajor, 1863 Generallieutenant, machte der nunmehr Verstorbene den Feldzug 1866 im Hauptquartier des Königs mit. In demselben Jahre wurde er zum kommandirenden General des 4. Armeekorps und 1868 zum General der Infanterie ernannt. Während der Kampagne in Frankreich zeichnete er sich besonders in dem Treffen bei Beaumont aus, welches er selbstständig leitete, und nahm hervorragenden Antheil an den ruhmreichen Erfolgen bei Sedan. General V. Alvensleben war Komthur des königlichen Hausordens von Hohenzollern, Inhaber des russischen Georgs-Ordens, des Ordens pour le märite, und des Eisernen Kreuzes 1. Klasse.
— Der Reichstags-Abgeordnete und welfische Hospitant des Centrums, v. Landesberg, ist gestorben. Er vertrat den Wahlkreis Osnabrück.
— Die Bestimmung des §. 10 des preußischen Vorfluthgesetzes vom 15. November 1811, nach welcher derjenige, welchem die Unterhaltung eines Grabens oder Wasserabzuges obliegt, zu dessen Räumung polizeilich angehalten werden kann, sobald aus der Vernachlässigung derselben oder aus Mangel an der ersorderlichen Tiefe Nachtheil für die Besitzer anderer Grundstücke oder nutzbarer Anlagen oder auch für die Gesundheit der Anwohner entsteht, findet nach einem Erkenntniß des Reichsgerichts, II. Hülsssenats, vom 2. Mai d. I., auch Anwendung auf die Entwässerungskanäle in Städten, die zur Abführung unreiner Flüssigkeiten und zur Abwehr schädlicher Einflüsse auf den örtlichen Gesundheitszustand unterirdisch angelegt sind. Die Stadtgemeinden sind demnach, auch ohne den Erlaß einer besonderen darauf bezüglichen Ortspolizei-Verordnung gehalten, die städtischen Entwässerungskanäle bei eintretenden Verstopfungen zu räumen, damit sie das ihnen zugeführte Wasser auch wirklich abführen, und sie sind verpflichtet, bei einer Vernachlässigung dieser Pflicht den durch Verstopfung eines Kanals einem Adjazenten verursachten Schaden zu ersetzen.
— Nach einer Cirkularverfügung des Ministers des Innern, vom 4. Mai d. I , sind die Kosten für die gemäß §. 38, 6 der Ersatzord- nung den Übungspflichtigen Ersatzreservisten zu ertheilenden Ersatz Reserve-Pässe — der von dem Reichskanzler getroffenen Entscheidung zufolge aus Landesfonds zu bestreiten.
— Straßburg, 4. Juli. Die Elsaß-Lothringische Zeitung veröffentlicht ein Schreiben des Staatssekretärs des Reichs-Postamts Dr. Stephan, wonach vom 15. Oktober d. J. ab und womöglich noch
früher eine beschleunigte Postverbindung zwischen Berlin und Straßburg platzgreifen soll, sodaß die Abfahrt des betreffenden Zuges aus Berlin 7 Uhr 30 Min. Abends, die Ankunft in Straßburg 12 Uhr Mittags erfolgt. — Dafselbe Blatt kündigt amtlich die Auflegung von 1 300 OÖO Mark dreiprocentiger Rente für den 10. August d. I. an.
— Dresden, 5. Juli. Die Prinzessin Georg zog sich, wie das „Dresdener Journal" meldet, heute Morgen bei einem mit ihrem Gemahl unternommenen Spazierritt zwischen Hosterwitz und Nieder-Poyritz durch einen Sturz vom Pferde einen einfachen Bruch der linken Ellenbogenröhre zu. Sonst keine Verletzungen oder Erschütterungen. Nach dem veröffentlichten Bulletin ist das Allgemeinbefinden der Prinzessin gut.
— Braunschweig, 2. Juli. Der außerordentliche Landtag ist heute wieder zusammengetreten und nahm einige Commissionsberichte und Petitionen entgegen. Am Ministertische saß heute zum ersten Mal der neuernannte Minister Wirck. (Mgd. Z.)
— Wien, 5. Juli. Die gestrige Versammlung deutsch-österreichischer Reichsraths- und Landtagsabgeordneten nahm einstimmsg ein Resolution an, welche die Entrüstung über die jüngsten Vorgänge in Prag ausspricht und den großen Gegensatz Präger Zustände zu Verhältnissen in anderen Krönländern konstatirt, wo Slaven und Deutsche friedlich nebeneinander leben. (Fr. Ztg.)
— Die Lorbern, welche sich die Czechen in Prag bei der Deutschenhetze erworben haben, scheinen anderwärts zur Nacheiferung an- zuregen. So wird der Deutschen Zeitung aus Brünn vom 2. d. folgendes Vorkommniß gemeldet: „Heute unternahmen die Schulkinder der hiesigen czechischen Volksschule einen Ausflug in die Umgebung. Als dieselben heimkehrten, durchzogen sie unter Vorantritt einer Musikkapelle die Hauptstraßen der Stadt, wobei sie ununterbrochen in demonstrativster Weise „Kde domov muy“ und andere nationale Lieder singen mußten. Die Lehrer spornten die Kinder zu immer stärkerem Schreien an. Hunderte von Deutschen sammelten sich in den Straßen, verwundert dem aufregenden Treiben zusehend, verhielten sich j-doch ruhig. Erst als der Zug vor dem Schullokal des Ursulinerinnen-Klosters anhielt, die Kinder dort noch eiuigemale „Kde domov muy“ sangen und schließlich die Volks-Hymne in czechischer Sprache anstimmten, erscholl aus Hunderten von Kehlen die Volks-Hymne in deutscher Sprache. Hiermit endete die sonderbare Kundgebung, welcher die Polizei ruhig zusah." Die Polizei, welche nach dem übereinstimmenden Zeugniß unparteiischer Beobachter bei den letzten blutigen Ausschreitungen sehr wenig Eifer bethätigte, die Urheber der vorgekommenen Roheiten zur sofortigen Bestrafung zu bringen, scheint es noch weniger für ihre Pflicht zu halten, die zahlreichen Herausforderungen von czechischer Seite ihrer Aufmerksamkeit zu würdigen und damit allen Anlässen zu Streit und Hader vorzubeugen. (K. Z.)
— Rom, 5. Juli. In Beantwortung einer Interpellation des Deputirten Biancheri sprach der Minister der öffentlichen Arbeiten, Bacca- rini, heute in der Deputirtenkammer die Hoffnung aus, daß der Gott- hardtunnel sowie die Linie Cenere nach Verlauf eines Jahres dem öffentlichen Verkehr würden übergeben werden können; danach werde mit dem Ban der Linie Novara-Pino begonnen werden.
— London, 5. Juli. (K. Z.) Die Gefahr für den Präsidenten wird durch die ungewöhnliche Hitze gesteigert; man befürchtet eine Bauchfell-Entzündung. Amerikanische Blätter stimmen darin überein, daß weder politische noch persönliche Motive den Mord veranlaßt hätten; doch liegt ein Theil der Schuld an dem amerikanischen Parteiwesen, da Guiteau ein enttäuschter Stellenjäger und die Stellenjagd ein wunder Punkt in der Staatseinrichtung ist. Südstaatliche Blätter bekunden ihre Freude darüber, daß der Verbrecher ein stalwart (Anhänger Grants) und nicht ein Südstaatler war, weil sonst die Stalwarts ein Rachegeschrei gegen den Süden erhoben hätten. Guiteau verhält sich ruhig; als er eine falsche Nachricht von dem Tode Garfields hörte, sagte er: Das ist gut, ich bin zusrieden.
— Washington, 5. Juli. Bulletin von 8V2 Uhr früh. Der Präsident hatte eine gute Nacht. Das Befinden ist heute früh entschieden günstiger. Kein Erbrechen hat seit gestern Abend stattgefunden. Der Präsident konnte etwas flüssige Nahrung zu sich nehmen. Die Symptome