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Nr. 151. Samstag den 2. Juli 1881.
Amtliches.
Durch unsere Bekanntmachung vom 20. April d. I. sind die sämmtlichen zu 402 Procent verzinslichen, Seitens des Inhabers unkündbaren (— gelben —) Schuldverschreibungen der Landeskreditkasse Abth. VIII. C. Serie I., II., V. und VI, soweit solche nicht bereits ausgeloost und gekündigt waren, zur Rückzahlung bis längstens am 1. November d. I. gekündigt. Zugleich ist den Inhabern der hiermit gekündigten Schuldverschreibungen freigestellt, anstatt der Baarzahlung in gleichen Stücken 4procentige Schuld- verschreibungen der Landeskreditkasse Abth. VIII. C. Serie 13 zum Nennwerthe tauschweise in Zahlung zu nehmen; jedoch ist dieser Umtausch nur für die in der Frist vom 1. Juni bis 16. Juli d. I. ordnungsmäßig eingereichten Schuldverschreibungen zugesichert. Beim Umtausch wird der am 1. September d. J. fällig werdende Zinsabschnitt alsbald eingelöst und der Betrag der Zinsdifferenz für die weiteren zwei Monate bis zum 1. November d. J. zugleich berichtigt.
Wir bringen dieses in Erinnerung mit dem Bemerken, daß in dem Büreau des Landeskreditkassen-Gebäudes gleicher Erde, Zimmer Nr. 5, sowie bei sämmtlichen Königlichen Steuerkassen des Regierungsbezirks nähere Auskunft ertheilt wird und die Formulare zu den Verzeichnissen der umzutauschenden Schuldverschreibungen kostenfrei verabfolgt werden.
Kasiel, am 4. Juni 1881.
Die Direktion der Landeskreditkasse.
5432 ______Harnier.________
Verloren: Von der Langstraße bis Westbahnhof ein goldener Ohrring. Ein desgleichen. Ein Arbeitstäschchen mit Stickereien.
Zugelaufen: Ein Doggenhund, m. Geschlechts.
Gefunden: Ein blaues Medaillon. Ein Portemonnaie mit etwas Geld.
Hanau am 2. Juli 1881.
Aus Königl. Landrathsamt.___
TagesschKU.
— Berlin, 1. Juli. Ueber das Befinden Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin ist heute Morgen 902 Uhr folgendes Bulletin ausgegeben worden: Nach einem unruhigen Tage hatte Ihre Majestät gestern Abend mit beträchtlicher Schwäche zu kämpfen. Die Nacht brächte jedoch etwas Schlaf und es wurde Nahrung genommen. Seitdem ist die Schwäche geringer. Kein Fieber. Puls und Zustand der Wunde fortdauernd gut. Coblenz, 1. Juli 1881, 9 Uhr 30 Minuten, von Lauer. Busch. Madelung. Veiten. Schliep.
— Berlin, 1. Juli. Ihre Königl. Hoheiten der Landgraf und die Landgräfin Friedrich von Heffen nebst der Prinzessin Tochter Elisabeth, Höchstwelche zum Geburtstage Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Karl von Preußen aus Holstein hier eingetroffen waren, haben sich im Laufe des gestrigen Tages von den Mitgliedern der Königlichen Familie wieder verabschiedet. Heute früh kamen Höchstdieselben mit dem Zuge um 8 Uhr von Potsdam nach Berlin, begaben sich, ohne hierselbst Aufenthalt zu nehmen, sofort vom Potsdamer nach dem Hamburger Bahnhöfe, von wo aus Höchstdieselben um 90a Uhr ihre Rückreise nach Schloß Panker in Holstein antraten. Dem Vernehmen nach soll Se. Königl. Hoheit der Prinz Karl beabsichtigen, dort der Landgräflich hessischen Familie im Herbst einen kurzen Besuch zu machen. " (Post).
— B erlin, 1. Juli. Abgereist: Se. Durchlaucht der Reichskanzler und Präsident des Staats-Ministeriums, Fürst von Bismarck nach Kissingen. — Se. Excellenz der General-Feldmarschall Herwarth v. Bittenfeld nach Bonn. — Se. Excellenz der Staatsminister und Minister des Innern von Puttkamer nach Groß-Plauth bei Freystadt in Westpreußen. — Se. Excellenz der Staatsminister und Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten, Dr. Lucius nach Ostpreußen.
— Berlin, 1. Juli. Der Reichskanzler Fürst Bismarck ist heute früh 8O4 Uhr mit seiner Gemahlin und seinen beiden Söhnen nach Kissingen abgereist.
— Nachdem die Einsuhr von Rindvieh aus England zu Zuchtzwecken ohne vorherige Observation am Landungsplätze bereits vor einiger Zeit für die preußischen Küstendistrikte au der Nordsee in dem
Falle gestattet ist, daß die Herkunft der Thiere aus England durch ein zuverlässiges Ursprungszeugniß nachgewiesen wird, und daß die Thiere bei der Landung von dem beamteten Thierarzte für gesund erklärt werden, ist nunmehr auch Seiteus des Senats zu Hamburg die Einfuhr englischen Zuchtviehs unter den gleichen Bedingungen gestattet worden.
— Die Nordd. A. Z. schreibt: „Ueber den Gang, den die Berathung des im Reichstage beschlossenen Entwurfs eines Unsallversiche« rungsgefetzes im Bundesrath genommen, bringen die Berliner Zeitungen theils irrthümliche, theils tendenziös gefärbte Berichte. Unzutreffend ist die von Berliner Blättern reproducirte Meldung der A. Allg. 3 : von Seiten Bayerns sei die Erklärung abgegeben worden, daß die bayer. R"gierung für sich dem Gesetze in der vom Reichstage beschlossenen Fassung erheblichen Werth beilege. Nach unseren, wie wir glauben zuverlässigeren Informationen hat die bayer. Regierung vielmehr erklärt, sie habe aus den bisherigen Verhandlungen die Ueberzeugung gewonnen, daß die Sache zur Durchführung noch nicht völlig bereit und weitere Ueberlegung angezeigt fei. Sie halte zwar den Gesetzentwurf nicht für geradezu unannehmbar. Denn obwohl sie die Reichsanstalt für das Richtigere halte, fo sei sie ihrerseits auch im Stande, eine Landesver- sicherungsanstalt einzurichten und zu handhaben. Was den Staatszuschuß anbetreffe, so würde sie auch ohne Hilfe eines solchen das Gesetz für durchführbar erachtet haben; indeffen fei für ihre Zustimmung in diesem Punkte die Erwägung maßgebend gewesen, daß nach glaubwürdigen Zeugnissen manche Zweige der Industrie Niederdeutschlands die ganze Prämienlast nicht zu tragen vermöchten. Hieraus mag man entnehmen, was wir von der Behauptung des Berl. Tgbl. halten, daß einige Bundesregierungen, darunter die bayerische, das Gesetz anzunehmen „bereit" gewesen seien, ja daß die bayer. Regierung habe erklären lassen, daß sie das Gesetz nach den vom Reichstage gefaßten Beschlüssen gern acceptirt hätte. Die Bundesregierungen haben sich in Bezug auf das Unfallversicherungsgesetz während aller Stadien der bisherigen Verhandlungen in der erfreulichsten Uebereinstimmung befunden. In jedem anderen Lande würde man für diese Thatsache, ohne Rücksicht auf den Parteistandpunkt Verständniß und objektive Anerkennung gehabt haben; bei uns gibt es Blätter, die in der sachlichen Einmüthigkeit unserer verbündeten Regierungen nichts zu sehen vermögen, als einen Stein des Anstoßes und den Anlaß, über den ungeheuren Einfluß des Reichskanzlers auch auf die nichtpreußischen Stimmen Zeter zu schreien."
— Vom Rhein. Wider das Vagabunden- und Landstreicher- thum beginnt man nachgerade auch bei uns am Rhein vorzugehen. Die sehr rührige rheinisch-westfälische Gefängnißgesellschast, deren Verhandlungen stets von ebenso ernstem Eifer, als von tiefer Durchdringung und Erfassung des Gegenstandes getragen waren, hat diese brennende Frage auf die Tagesordnung ihrer am 7. Juli zu Düsseldorf stattfindenden 53. Generalversammlung gesetzt. Der Ausschuß der Gesellschaft hat, um zuverlässiges Material dafür zu erhalten, an sämmtliche Oberbürgermeister und Bürgermeister Rheinlands und Westfalens Fragebogen versendet und darin Antwort auf folgende 3 Fragen erbeten: 1) Welche Erfahrungen haben Sie über die Zunahme des Vagabundenthums in den letzten Jahren und über deren Nachtheile gemacht? 2) Bestehen im Bereiche der von Ihnen verwalteten Gemeinde Einrichtungen zur Bekämpfung des Vagabundenthums? 3) Welche Mittel halten Sie für wirksame Bekämpfung des Vagabundenthums auf Grund Ihrer Erfahrungen für nothwendig? Auf Grund der eingelaufenen zahlreichen Mittheilungen wird nun der Agent der Gesellschaft, Pastor Stursberg (Düsseldorf), die Vagabundenfrage im Allgemeinen erörtern, während Geh. Reg.-Rath Lütgen (Hannover) über Selbsthilfe und Staatshilfe bei Bekämpfung des Vagabundenthums sprechen und Grubendirektor Knops (Siegen) über die Bestrebungen und Erfolge des Siegener Armenunterstützungsvereins zur Bekämpfung der vagabundirenden Bettelei berichten wird. Man darf diesen Berathungen mit Interesse entgegensehen. (Schw. Merk.)
— Braunschweig, 1. Julr. (K. Z.) Die Braunschweigischen Anzeigen theilen amtlich mit, daß der Wirkt. Geheimrath Dr. jur. Trieps auf sein Ansuchen in den Ruhestand versetzt und der bisherige Präsident des Senats im Oberlandesgericht, Dr. jur. Wirk, zum Wirkt. Geheimenrath und stimmführenden Mitgliede im Staatsministerium er-