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(Türkei.) Die Pforte hat den Botschaftern der Mächte erklärt, daß die direkte Convention mit Griechenland unverweilt unterzeichnet werden solle. Arta wird in den nächsten Tagen übergeben werden und die Delegirten der Mächte haben sich behufs Üeberwachung der Gebiets­übergabe an Griechenland bereits nach Korfu begeben.

TagesschKA.

Berlin, 26. Juni. Eine der wichtigsten Versammlungen, die bevorstehen, wird nach der „Köln. Ztg." der für den kommenden Herbst in Aussicht genommene erste öffentliche Congreß des Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohlthätigkeit sein. Die Vorbereitungen dazu wurden bekanntlich gemäß Beschluß der Couferenz Deutscher Ar­menpfleger, welcher Ende November v. I. hier tagte, einer seitens der Herren Dr. W. Straßmann, L. F. Seyffardt und Stadtrath Runge (Dresden) gebildeten Commission, welche die Behörden wie die freien Vereine umfaßt, übertragen. Ueber die große Wichtigkeit des bevor­stehenden Congresses kann auch nicht der leiseste Zweifel herrschen. Eine Hauptaufgabe des Congresses wird es sein, überall in Deutschland auf eine zweckmäßige Organisation der Armenpflege, auf die Gründung von Vereinen hinzuwirken, in welchen Männer mit warmem Herzen und Menschenkenntniß, unterstützt von. den städtischen Behörden und deren Thätigkeit ergänzend, die freiwillige Armenpflege in die Hand nehmen und die Gaben nach festen Grundsätzen, nach genauer und gewissenhafter Erfahrung der Bedürftigkeit vertheilen. (K. Z.)

— Bekanntmachung auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878. Nach dem „R.- u. St.-A." Nr. 147 wurde unterm 25. Juni verboten: die fernere Verbreitung des in Chicago erscheinenden Blattes „Vorbote".

— Der Kaiserliche Botschafter Prinz Reuß hat Wien mit kurzem Urlaub verlassen. Während seiner Abwesenheit sungirt als interimisti­scher Geschäftsträger der Botschaftsrath Graf von Berchem.

— Es wird sehr bemerkt, schreibt man der „Magdeb. Ztg.", daß der Kultusminister v. Goßler, genau entsprechend seinem früheren Verhal­ten als Unterstaatssekretär des geistlichen Ministeriums, zu den Räthen seines Ressorts die freundlichsten Beziehungen unterhält. Was die Ge­schäftsbehandlung, wie den Verkehr mit dem Ministerpersonal anbetrifft, ist vielleicht nie zuvor eine ähnliche Kulanz wahrgenommen worden, wie jetzt. Die Aufmerksamkeit, womit er den Beamten begegnet, erstreckt sich auf die dem Ministerium nur mittelbar zugehörenden Kreise der Gelehr­ten und Künstler. Jedenfalls bringt er in sein neues Amt den guten Willen mit, es möglichst Vielen recht zu machen und sich, obwohl äußer­lich der Erste, als den obersten Diener seines ausgedehnten Verwaltungs­gebiets zu erkennen zu geben.

— In Bezug auf die Verschlimmerung im Befinden des Reichs­kanzlers schreibt das „Berl. Tagbl." : Die Abreise des Fürsten ist auf ungewisse Zeit verschoben. Den Grund zu der erneuten Erkältung gab ein längerer Spaziergang, den der Fürst in seinem Parke vor einigen Tagen unternahm, wobei er sich länger als ihm gut war, im Freien aufhielt.

— Der Staats-Anzeiger enthält eine sehr eingehende Beleuchtung der Absichten der Regierung bezüglich der Verbesserung und Vermehrung der inländischen Wasserstraßen. Man erfährt daraus, daß der nächsten Landtagssession darüber eine umfassende Denkschrift vorgelegt und daß man beginnen wird, wichtige Glieder des geplanten erweiterten Canal- systems „aus dem Stadium der Vorbereitung alsbald in dasjenige der Ausführung" überzuleiten. Die geplanten Neubauten, bezw. Erweite­rungsbauten betreffen: 1) den Rhein-Maascanal, 2) Rhein-Weser-Elbe- bezw. Emschercanal, 3) Elbe Spreecanal, 4) Oder-Spreecanal, 5) Oder- Lateralcanal, 6) Canalisirung der Unterspree, 7) Nord-Ostseecanal.

— In St. Johanniskirche zu Gera, abgebrannt am 18. September 1870, wird ihre Auferstehung am 18. September 1881 nun doch feiern. Zwei berühmte Kirchenbaumeister Prof. Otzen v. Berlin und Architekt Hartel aus Krefeld entwarfen den Bauplan für ca. 400 000 M. Die Ausführung soll im Gothischen Styl und zwar in Sandstein aus hiesiger Gegend geschehen. (D.-Z.)

— Haag, 27. Juni, 4 Uhr 15 Min. Nachm. Die zweite Kam­mer nahm mit 40 gegen 33 Stimmen das Gesetz an, durch welches die Wasserverbindung zwischen Amsterdam und dem Rhein verbessert werden soll. Es handelt sich dabei um Arbeiten am Kanal Keulsche Vaart. Vorher war ein Antrag auf Einsetzung einer Kommission zur Unter­stützung der Angelegenheit, nachdem der Minister Klerck ihn bekämpft und die Kabinetsfrage gestellt hatte, mit 43 gegen 30 Stimmen verwor­fen worden. , _ (Franks. Ztg.)

— Paris, 25. Juni. Es darf nicht überraschen, wenn bei nächster Gelegenheit die unerquicklichen Zustände in Algerien zu neuen 'Eigennützigkeiten Frankreichs nach Ost und West benutzt werden. Schon jetzt wird täglich von Tunis und Algier aus Tripolis als der "rit dem die Pforte' den Franzosen in Afrika ^^\ "^ dem Kopf anstecken wolle, und erst heute wieder gibt die Ä ^ verstehen, Frankreich fei nicht in der Lage, in feiner afrckansichen Ostprovmz rasch Ordnung zu stiften; und weshalb nicht?

„Es rst sehr verdrießlich, daß diesen Zuständen nicht rascher gesteuert werden kann; unsere Unthätigkeit ist vielleicht eine erzwungene, aber es steht zu befürchten, daß sie gegen uns ausgebeutet wird." Ueber die im Westen begangenen Fehler äußert der National bestätigend, erstens: der Aufstand war bereits lange vorbereitet und die Regierung gewarnt wor­den ; zweitens der Aufstand der Bu-Amemas wurde mit einem Fatalis­mus, der sonst nur Mohamedanern eigen ist, erwartet und als er dann ausbrach, ganz verkehrt behandelt. Der National fügt hinzu: „Während man dre tunesische Expedition mit einem Ueberfluß von Vorsichtsmaß­regeln führte, mit einer Sicherheit und Solidität, die daraus ein Meister­werk m seiner Art bildeten und selbst Gelegenheit gaben, die Vorsicht der Regierung zu verspotten, wurde der Aufstand im Westen mit einer befremdlichen Nachlässigkeit geführt. Die Verstärkungen kamen zu spät. Der Feind, den man einzuschließen glaubte, fand seinen Weg zum Kom­men und Gehen, um sich auf unsere Arbeiter zu stürzen und mit vollen Händen in die Wüste zu eilen, seine Opfer nach sich ziehend. Es scheint, daß man sich bemühte, die Wahrheit zu mißkenneu, um sie nicht sagen zu müssen, und den Ernst der Lage zu vertuschen, um ihn dem Publikum zu verbergen." Das Journal des Däbats wendet sich an die Engländer, denen es Cypern in Erinnerung bringt, um sie aufzufordern, in Afrika die Kreise Frankreichs nicht zu durchkreuzen, denn „Tunesien haben wir nicht weniger nöthig, wie England die Erwerbung Cyperns". (K. Z.)

— London, 27. Juni. (K. Z.) Der Gouverneur des Archi­pels, Sadyk Pascha, ist verhaftet worden, da er den dringenden Ver­dacht auf sich geladen hat, von den für die Verunglückten von Chios bestimmten Summen den Betrag von 10 500 Pfund türkisch (etwa 193 200 M.) unterschlagen zu haben. Nach den angestellten Berech­nungen hätte Sadyk nämlich noch über einen Kassenbestand von 11 000 Pfund verfügen müssen; man fand indessen nur 500 Pfund bei ihm. Es ist ein Ausschuß eingesetzt, der Sadyks Treiben, insbesondere seine Finanzverwaltung und seine Verbindung mit zwei Pariser Banquiers, zu untersuchen hat.

— Madrid, 26. Juni früh. Die amtliche „Gaceta" veröffent­licht das Dekret des Königs, durch welches die Cortes aufgelöst, die Neuwahlen auf den 21. August anberaumt und die Kammern zum 20. September einberufen werden.

;— Das „Journal de St. Petersbourg" bezeichnet die von London aus in deutschen Zeitungen verbreiteten Meldungen über russische Pro­jekte in Centralasien als durchaus absurd. Ebenso seien die Mitthei­lungen in dem Briefe der „Times" aus Kalkutta über eine Anhäufung russischer Truppen bei Kaschgar und einem bevorstehenden Konflikt mit China vollkommen unbegründet.

— Konstantinopel, 27. Juni. Die Verhandlungen in dem Prozesse gegen Midhat Pascha und Genossen wegen Ermordung des Sultans Abdul Aziz haben in Aildiz-Kiosk heute begonnen.

-- Trieft, 26. Juni. Der Lloyddampfer „Austria" ist mit der ostindisch-chinesischen Ueberlandpost aus Alexandrien hier eingetroffen.

Lokales.

H an au, den 28. Juni.

— Gestern standen vor der Strafkammer Königl. Landgerichts da- hier drei junge Burschen, denen, wenn sie es so forttreiben, sich das Zuchthaus bald öffnen wird. Spielten sie auch bis jetzt mit besondere?' Vorliebe nur den Hasen- und Taubenmarder, so scheuten sie aber, dem zur Bestrafung angewendeten Paragraphen nach zu urtheilen, bei Aus­führung des Diebstahls vor erschwerenden Umständen nicht zurück. Nach §. 243 pos. 2 erhielt W., dem mehrere Diebstähle nachgewiesen wurden, eine Gesammtstrafe von 3 Monaten Gefängniß; gegen S. und M. er­kannte der Gerichtshof je eine sechswöchentliche Gefängnißstrafe.

— Die Einschränkung der Vergünstigung, wonach Mittwochs der Eintrittspreis in die Frankfurter Patent- und Musterschutz-Ausstellung auf 25 Pf. ermäßigt ist, bezieht sich nach eingezogener Erkundigung bis jetzt nicht auf die mit der Hess. Ludwigsbahn Reisenden. Genannte Bahn verwilligt nach wie vor den Besuchern der Ausstellung Mitt­wochs einfachen Fahrpreis (Rückfahrt frei) und Eintrittskarten zu 25 Pf. Demnach kostet von hier aus morgen ein Billet dritter Klasse mit Eintrittskarte wie seither nur 80 Pf.

— Gestern wurde der Soldat, welcher vergangenen Freitag Abend beim Baden im Main ertrank, in der Nähe des s. g. Kessels aufge­funden.

— Im Güterbahnhofe der Hess. Ludwigsbahn wurden gestern aus einem angekommenen Wagen nicht weniger als 17 Stück Rindvieh aus­geladen. Da ein solches die Gesundheit der Thiere gewiß nicht fördern­de Zusammenpferchen als Thierquälerei betrachtet werden muß, so er­folgte durch einen Schutzmann Anzeige dieses Vorfalls.

Versteigerungs- und Verpachtungs- rc. Kalender für Mittwoch den 29. Juni.

Nachmittags 2 Uhr wird durch Herrn Gerichts-Taxator Berg Fischergasse Nr. 8 der Nachlaß des verstorbenen Eisengießers Konrad Schreiber, bestehend in Leinengeräth, Bettwerk, Taschenuhr, Wanduhr, Küchengeräth rc. gegen Baarzahlung versteigert.