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Nr. 147.
Dienstag den 28. Juni
Amtliches.
Gefunden: Eine Brieftasche für Wilhelm Hubert aus Nassau. Eine Brille.
Eingefangen: Acht junge Enten.
Verloren: Ein Zwicker mit Schildkrotgestell; dem Wiederbringer eine Belohnung.
Hanau am 28. Juni 1881.
Aus Königl. Landrathsamt.
Rundschau.
R. F. (Deutsches Reich.) Unser Kaiser setzt den Kurgebrauch in Ems mit dem besten Erfolge fort und erfreut sich ausgezeichnetsten Wohlseins. Die Vormittagsstunden sind ganz so wie in Berlin der Erledigung der laufenden Regierungsgeschäfte gewidmet, während Nachmittags in der Regel sich ein Kreis hochgestellter gegenwärtig als Kurgäste in Ems weilender Personen an der kaiserlichen Tafel versammelt. Abends besucht der Monarch regelmäßig das Theater. Für den 10. oder 11. Juli wird bereits die Ankunft des Kaisers in Bad Gastein erwartet.
Der Bundesrath genehmigte am Sonnabend den Zollanschlußvertrag mit Hamburg, wobei der Antrag Hamburgs, nach welchem der Anschluß auf Grund des Artikels 34 der Verfassung erfolgen solle, sofort genehmigt wurde; die betreffenden Ausschüsse wurden beauftragt, Vorschläge zur Ausführung des Gesetzes zu machen. Dagegen lehnte der Bundesrath das vom Reichstage angenommene Unfallversicherungsgesetz ab.
In dem Befinden des Reichskanzlers Fürsten Bismarck ist leider plötzlich eine kleine Verschlimmerung durch Zunahme der Schmerzen, welche durch die Venen-Entzündung verursacht werden, eingetreten. Die für vergangenen Sonnabend in Aussicht genommene Abreise des Fürsten Bismarck nach Kissingen dürste mithin einen Aufschub erlitten haben.
Die Wogen auf dem Meere von Vermuthungen, Hoffnungen, Befürchtungen u. s. w., das die jüngsten Veränderungen im Staatsministerium entstehen ließen, legen sich allmälich, nachdem es jetzt als gewiß betrachtet werden kann, daß die neuen Minister, Herr v. Puttkamer und Herr v. Goßler, durchaus nicht die Bahnen ihrer Vorgänger verlassen werden. Der neue Minister des Innern, Herr v. Puttkamer, wurde bisher vielfach als ein Gegner der Verwaltungsreform in Preußen betrachtet; wie irrig indessen diese Annahme war, beweist ein vom Reichs- Anzeiger jetzt veröffentlichter Bericht des damaligen Oberpräsidenten V. Puttkamer an den früheren Minister des Innern, Grafen zu Eulen- burg, vom 1. September 1878. Puttkamer bekennt sich hierin als einen grundsätzlichen Freund und Anhänger der Verwaltungsreform, deren Mängel er jedoch nicht verkennt und diesem Bekenntniß entspricht die Absicht Herrn v. Puttkamer's, dem Lantage vor Ablauf der Legislaturperiode die bisher unerledigt gebliebenen Kreisordnungsentwürfe für Posen, Hannover und Schleswig-Holstein vorzulegen. Auch der neue Kultusminister, Herr v. Goßler, wird sein Amt in demselben Sinne verwalten, als sein Vorgänger, Herr v. Puttkamer; wenigstens äußerte sich Herr v. Goßler beim Antritte seines Amtes in dieser Weise und betonte zugleich, jeder Cultusminister sei verpflichtet, die Maigesetze anzuerkennen und dieselben, wenn nöthig, zur Ausführung zu bringen.
Wiederum ist einer der verdientesten Generäle aus den Reihen der preußischen Armee geschieden. In einer vom 14. d. M. datirten allerhöchsten Cabinetsordre ist das Abschiedsgesuch des Generals der Cavallerie und kommandirenden Generals des zweiten Armeekorps, Hann v. Weyhern, genehmigt worden. Der wegen seines Alters ausgeschiedene verdiente Reitergeneral, welcher Chef des Pommerschen Husarenregiments Nr. 5 bleibt, ist vom Kaiser durch Verleihung des Kreuzes und Sternes der Großkomthure des königlichen Hausordens von Hohenzollern ausgezeichnet worden.
In Dortmund sind am vergangenen Freitag auf der Kohlengrube „Louise Tiefbau" durch eine Explosion schlagender Wetter 17 Bergleute getödtet und 5 verwundet worden.
(Oesterreich-Ungarn.) Ganz Ungarn wird augenblicklich durch den Wahlkampf um die Rsichstagswahlen bewegt, da die Wahlen
1881.
am 24. Juni begonnen haben und am 3. Juli enden. Nach den bisher bekannten Wahlresultaten zu urtheilen, kann die Regierung im nächsten Reichstage auf eine ansehnliche Majorität rechnen. Namentlich in der Hauptstadt Budapest selbst siegten die Anhänger der Regierung fast durchweg; der Ministerpräsident Tisza wurde zweimal gewählt. Da die äußerste Linke in vielen Wahlbezirken, in denen sie keine Aussicht auf Erfoch hat, Skandale provociren will, um die Wahl zu verhindern, haben viele Wahlpräsidenten militärische Hülfe nachgesucht.
(Frankreich.) Die Franzosen scheinen in Algerien heißen Tagen entgegenzugehen, denn aus der Erhebung einzelner arabischen Stämme droht sich ein allgemeiner Aufstand im Süden von Algerien zu entwickeln und das Mißlingen der von den französischen Behörden gegen den Führer der aufständischen Araber, Bu Amemas, eingeleiteten Verfolgung hat die Araber nur noch verwegener gemacht. Im französischen Ministerium ist die Frage der Absendung von Verstärkungen nach Algerien ernstlich berathen worden und die Kunde von der Ermordung von 150 bis 200 Europäern in der Nähe von Sajida, Provinz Oran, durch die Banden Bu Amemas dürfte die französische Regierung wohl bestimmen, die Absendung von frischen Truppen nach den aufständischen Distrikten zu beschleunigen. Auch aus dem Süden von Tunis laufen für die Franzosen bedenkliche Nachrichten ein, die dortigen Stämme haben sich geeinigt, gemeinsam gegen die Franzosen vorzugehen, sobald die Ernte eingethan ist. Jedenfalls werden die Kräfte Frankreichs in der nächsten Zeit durch die Ereignisse in Nord-Afrika noch immer in Anspruch genommen werden.
(England.) Im englischen Unterhause kam in vergangener Woche die tunesische Affaire wieder einmal zur Sprache. Rhland griff die englisch-türkische Convention bezüglich Cyperns heftig an und meinte, daß England der Welt ein schlechtes Beispiel gegeben habe, das von Frankreich in Tunis befolgt worden sei. Der englischen Regierung müßte ein solcher Vorwurf natürlich sehr fatal sein und der Unterstaatssekretär Dilke beeilte sich daher, zu erklären, daß ein Rücktritt von der anglo- türkischen Convention für den Frieden im Orient leicht gefährlich werden könne. Gladstone bemerkte, daß es nicht Englands Aufgabe sei, über die Handlungen Frankreichs in Tunis seine Ansicht auszusprechen, man könne Frankreichs Handlungsweise in Tunis nur bedauern, aber es sei schwer zu sagen, daß es sich einer Verletzung des Völkerrechts schuldig gemacht habe, da Frankreich nie die Souveränität der Pforte über Tunis anerkannt habe.
(Italien.) In Italien hat das unerwartete Resultat der Com- munalwahlen in Rom das Interesse an den Vorgängen in Marseille etwas abgeschwächt. Die Clerikalen haben im Bunde mit den Conser- vativen von 13 Candidaten 11 durchgebracht, da überhaupt nur 13 Ersatzmänner für 13 ausgetretene Stadträthe zu wählen waren, so haben also die Clerikalen einen ganz bedeutenden Sieg erfochten, da die Liberalen nur zwei Candidaten durchbringen konnten. Von 22,000 Wahlberechtigten ist allerdings kaum die Hälfte an den Wahl-Urnen erschienen, trotzdem wird aber die Niederlage der Liberalen darum nicht geringer. — In Mailand und Messina haben ebenfalls antifranzösische Demonstrationen stattgefunden, doch zerstreute sich in beiden Städten die Menge, sobald die gesetzliche Aufforderung hierzu ergangen war.
(Rußland.) Ueber das seltsame Attentat auf den montenegrinischen Wojewoden Plamenaz, welcher sich in der Begleitung der Fürstin von Montenegro befand, die mit ihren Kindern am Donnerstag Petersburg verlassen hat, ist die Untersuchung eingeleitet worden. Bekanntlich wollte der in Petersburg ansässige Montenegriner Dschuraschkowitsch dem genannten Wojewoden in dessen Wohnung mit einem Säbel den Kopf spalten, Plamenaz wurde jedoch nur an der Hand verwundet und schoß den Angreifer nieder. Die Motive zu diesem Ueberfall sind noch unbekannt.
(Rumänien.) In dem kaum erst neugebildeten Ministerium in Rumänien sollen infolge verschiedener Zwistigkeiten zwischen den Cabi- netsmitgliedern wieder Veränderungen bevorstehen. Bratiano will das Präsidium abgeben und man spricht davon, daß Rofetti dasselbe doch noch übernehmen werde. Der Senator Michalescu ist zum Generalsekretär des Ministeriums des Auswärtigen ernannt worden.