AbennemeutL» Preis:
Jährlich 9 Mark. Halbj. 4 M. S0 P. Vierteljährlich
L Mark 25 Pfg. Für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postausschlag. Die einzelne Nummer 10 Psg.
{jniuuuT Amcuwr.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
Jnfertions«
Preis:
Die ispalUge Earmondzeile ob.
deren Raum
10 Pfg.
Die Sspalt. Zeile 20 Ps^.
DieSspaltigeZeile
30 Pfg.
Nr. 144,
Freitag den 24. Juni
Amtliches.
Gesund en: Auf dem Meßplatz 50 Pf. Ein Griffelkasten. Eine Brille mit Futteral. Ein schwarzer Regenschirm. Ein lederner Hundemaulkorb. Neun Stück alte Geldmünzen. Ein Rohrstock mit Horngriff.
Entlaufen: Ein braun und weiß gescheckter Hund, w. Geschl.
Entflogen: Ein Kanarienvogel; dem Wiederbringer eine Belohnung.
Hanau am 24. Juni 1881.
Aus Königl. Landrathsamt.
Rundschau.
R. F. (Deutsches Reich.) Die Kaiserlichen Majestäten trafen am Montag im Schlosse Brühl bei Köln zu einem kurzen Aufenthalte ein und empfingen daselbst das schwedische Königspaar sowie den Groß- Herzog und die Großherzogin von Baden nebst deren Tochter Victoria, die Braut des schwedischen Kronprinzen. Noch am Abend des genannten Tages verließen die kaiserlichen Majestäten sowie die erlauchten Gäste derselben wiederum Schloß Brühl.
Den Veränderungen in der Regierung, nämlich dem Ausscheiden des Grafen Stolberg und der Ernennung des Herrn v. Puttkamer und v. Goßler zum Minister des Innern und zum Minister des Cultus und des Unterrichts, ist eine Reihe anderer wichtiger Ernennungen in den Regierungsstellen gefolgt. Zum Unterstaatssekretär im Cultusministerium wurde an Stelle v. Goßler's der Regierungs Präsident von Gumbinnen, V. Schlieckmann, ernannt; zum Oberpräsidenten der Provinz Sachsen wurde der Regierungs-Präsident in Trier, v. Wolfs, und zum RegierungsPräsidenten in Trier der Geh. Ober-Regierungsrath Tiedemann ernannt. In die bisherige Stellung des Letzteren als vortragender Rath in der Reichskanzlei ist der Geh. Ober-Regierungsrath Lohmann eingerückt.
Der neue Kultusminister v. Goßler, dessen Ernennung unter dem 17. d. M. erfolgt ist, hat sein Reichstagsmandat für den Wahlkreis Stallupönen-Goldep niedergelegt. Die Oberleitung der Reichstagsge- schäste geht von Herrn v. Goßler an den ersten Viceprästdenten Frhrn. zu Frankenstein bis zum Ablauf des Mandats des gegenwärtigen Reichstages über.
Vor Kurzem sind, entsprechend einer Verfügung des Herrn von Puttkamer als damaligen provisorischen Ministers des Innern, von den Regierungsbehörden im Osten der Monarchie Berichte eingegangen, welche "sich über Umfang, Ursachen und gegenwärtigen Stand der Auswanderung, sowie über Nationalität, Familienverhältnisse u. s. w. der auswandernden Bevölkerungsklaffen eingehender verbreiten. Die erwähnten Berichte sollen der ministeriellen Anordnung gemäß regelmäßig vierteljährlich ein geliefert werden. In jüngster Zeit scheint übrigens der Strom der Auswanderung aus den halbpolnischen Distrikten etwas matter geworden zu sein.
Wie bereits gemeldet, finden am 21. Juli die Neuwahlen zu der bayerischen Abgeordnetenkammer statt, da durch königliche Entschließung vom 16. d. M. die Auflösung des jetzigen bayerischen Lantages erfolgt ist. Die königliche Entschließung enthält in gleicher Weife wie das allerhöchste Wahlausschreiben vom 5. Juli 1875 einen Passus, in welchem die Regierung von den Behörden unparteiische Leitung der Wahlverhandlungen und pflichtgemäße Enthaltung von jeder Beschränkung der Wahlfreiheit erwartet. Die Wahl selbst hat nach dem neuen Wahlgesetze zu erfolgen, wonach der Wahl die Seelenzahl der Bevölkerung gemäß dem Resultate der Volkszählung vom Jahre 1875 zu Grunde gelegt wird. Es sind demnach 159 Abgeordnete, also 3 mehr als bei den letzten Landtagswahlen zu wählen; hiervon entfallen auf Oberbayern 28, auf Niederbayern 20, die Pfalz 20, Oberpfalz und Regensburg 16, Oberfranken 18, Mittelfranken 19, Unterfranken 19 und Schwaben 19 Abgeordnete.
Der deutsch-italienische Handelsvertrag vom 31. Dezember 1865 und die Schifffahrtskonvention vom 14. Oktober 1867 bleiben zufolge Uebereinkommens zwischen beiden Regierungen bis zum 31. Dezember 1881 in Krast.
(Oesterreich-Ungarn.) In Oesterreich hat der Kampf zwischen
1881.
fl^watiWia^MWä^ffli^ ■ ■ ii ■» isMMM^WM^,,,|.i.^»^i^^
Deutschthum und Slaventhum durch die Wahlen zur Präger Handels kammer neue Nahrung erhalten. Die Wogen des Wahlkampfes gehen immer höher und zumal die Czechen entfalten eine außerordentliche Thätigkeit.
(Frankreich.) Die in Marseille zwischen Franzosen und Italienern vorgefallenen blutigen Schlägereien lassen die tiefe Erbitterung ahnen, welche zwischen beiden Nationen allmälich eingetreten ist und die durch das Vorgehen Frankreichs in Tunis mit hervorgerufen wurde. Es steht noch nicht fest, wem eigentlich die Schuld an jenen beklagens- werthen Ereignissen beizumessen ist und wird sich Wohl auch nie vollständig herausstellen. Wenn aber vielleicht auch die Italiener durch ihr unpassendes Benehmen beim Truppeneinzuge die Wuth der Menge herausgefordert haben, so haben doch andererseits die Marseiller Behörden bei der Unterdrückung der Excesse so wenig Energie entwickelt, daß das „Journal des Döbats" sich veranlaßt sieht, die Marseiller Behörden deshalb scharf zu rügen. Im Ganzen sind, wie jetzt festgestellt ist, bei den Schlägereien 5 Personen gelobtet, 2 tödtlich verwundet nnd 17 leichter verwundet worden; 125 Personen, theils Franzosen, theils Italiener wurden verhaftet. Sowohl der italienische Botschafter in Paris, wie, der italienische Consul in Marseille erhielten von ihrer Regierung Befehl, wegen dieser Vorfälle bei der französischen Regierung zu reklamiren. — Am vergangenen Dienstag empfing der Präsident der Republik, Grövy, die tunesische Mission unter Mustapha Pascha. Grüvy betonte hierbei, daß die jüngsten Ereignisse in Tunis sich unter dem Gebote der offenbaren Nothwendigkeit und ohne jeden Gedanken an Eroberung vollzogen hätten. Grövy wurde von Mustapha Pascha der Ahid-Orden überreicht. — Ein Rundschreiben Barthölemy's, des Ministers des Auswärtigen, setzt die Politik Frankreichs in der montenegrinischen, griechischen und tunesischen Frage auseinander. Dasselbe konstatirt die ununterbrochen auf die Erhaltung des Friedens gerichtete Politik Frank- .reichs und erklärt, Frankreich wolle alle internationalen Fragen freundschaftlich lösen, sobald sich eine ruhige Verständigung anstatt der Gewalt geltend machen könne. Der Bey von Tunis habe die wohlwollenden Intentionen Frankreichs verstanden und dem ihm vorgelegten Vertrage zugestimmt, welcher Tunis große Vortheile zuführe. Frankreich werde der tunesischen Verwaltung beistehen, sich regelmäßiger zu gestalten und gleichzeitig den dortigen Unternehmungen aller Nationen unparteiischen Schutz gewähren.
(Italien.) Die Vorgänge in Marseille haben natürlich in der italienischen Deputirtenkammer zu verschiedenen Anfragen an die Regierung geführt. Der Minister des Auswärtigen. Mancini, erwiederte hierauf, daß er nur über die Ereignisse am ersten Abend amtlichen Bericht erhalten habe, über die denselben folgenden blutigen Scenen habe die Regierung noch keine officiellen Mittheilungen erhalten; die italienischen Vertreter in Paris und Marseille seien jedoch angewiesen worden, dahin zu wirken, daß von den französischen Behörden energische Maßregeln zum Schutze der italienischen Unterthanen getroffen würden.
(Rußland.) Die Ernennung des Grafen Jgnatieff zum Leiter der auswärtigen Angelegenheiten Rußlands soll in kürzester Zeit bevor- stehen. Die Besorgnisse, welche vielfach an diese Wendung angeknüpst werden, erscheinen jedoch sehr übertrieben, wenn man bedenkt, daß die unfertigen und zerrissenen Verhältnisse in seinem Innern Rußland keineswegs eine besondere Machtentfaltung nach Außen gestatten, auf jeden Fall muß man abwarten, welches Programm Graf Jgnatieff seiner dem- nächstigen Politik zu Grunde legen wird. Was das Gerücht anbelangt, Graf Schuwaloff werde das Ministerium des Innern übernehmen, so war hiervon allerdings die Rede, indessen soll Jgnatieff erklärt haben, daß es ihm unmöglich sei, mit Schuwaloff zusammenzuwirken, worauf der Letztere ins Ausland abgereist ist.
(Rumänien.) Die so rasch hereingebrochene Ministerkrisis in Rumänien ist bereits beendigt. Der bisherige Ministerpräsident Ivan Brotiano bleibt auch an der Spitze des neuen Cabinets, außerdem übernimmt er noch das Portefeuille des Finanzministers sowie interimistisch das Kriegsministerium, der Präsident der Deputirtenkammer, Rosetti, übernimmt das Innere, Statesco leitet die auswärtigen Angelegenheiten,