Straf-Gesetz-Buchs zur Anwendung kommen, in Gemäßheit des §. 366 pos. 10 1. c. mit einer Strafe bis zu 60 Mark, event, bis zu 14 Tagen Haft geahndet.
Kassel den 30. April 1881.
__________Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.________ , Zur Vornahme der Ren Prüfung der Aspiranten für den ein- jährig-freiwilligen Militairdienst des Jahres 1881 ist als Anfangstermin der 7. Se ptemb er 1881 festgesetzt worden.
Diejenigen jungen Leute, welche an dieser Prüfung Theil nehmen wollen, haben ihr deshalbiges Gefuch spätestens bis zum 1. Au- g ust 1881 bei der unterzeichneten Commission einzureichen und in demselben anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen sie geprüft zu sein wünschen.
Dem bezüglichen Gesuche sind beizufügen:
1) ein Geburtszeugniß,
2) ein Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über die Bereitwilligkeit und Fähigkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszu- rüsten und zu verpflegen,
3) ein Unbefcholtenheits-Zeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realschulen, Progymnasien und höheren Bürgerschulen) durch den Direktor der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit des Wohnorts oder ihre Vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist und
4) ein von dem Candidaten selbst geschriebener Lebenslauf. £
Die unter 1 bis 3 genannten Atteste müssen im Original eingereicht werden.
Kassel den 2. Juni 1881.
Königliche Prüfungs-Commission für Einjährig-Freiwillige.
Durch unsere Bekanntmachung vom 20. April d. J. sind die sämmtlichen zu 4^2 Procent verzinslichen, Seitens des Inhabers unkündbaren (—gelben—) Schuldverschreibungen der Landeskreditkasse Abth. VIII. C. Serie I., II., V. und VI., soweit solche nicht bereits ausgeloost und gekündigt waren, zur Rückzahlung bis längstens am 1. November d. I. gekündigt. Zugleich ist den Inhabern der hiermit gekündigten Schuldverschreibungen freigestellt, anstatt der Baarzahlung in gleichen Stücken ckprocentige Schuldverschreibungen der Landeskreditkasse Abth. VIII. C. Serie 13 zum Nennwerthe tauschweise in Zahlung zu nehmen; jedoch ist dieser Umtausch nur für die in der Frist vom 1. Juni bis 16. Juli d. J. ordnungsmäßig eingereichten Schuldverschreibungen zugesichert. Beim Umtausch wird der am 1. September d. J. fällig werdende Zinsabschnitt alsbald eingelöst und der Betrag der Zinsdifferenz für die weiteren zwei Monate bis zum 1. November d. J. zugleich berichtigt.
Wir bringen dieses in Erinnerung mit dem Bemerken, daß in dem Büreau des Landeskreditkassen-Gebäudes gleicher Erde, Zimmer Nr. 5, sowie bei sämmtlichen Königlichen Steuerkassen des Regierungsbezirks nähere Auskunft ertheilt wird und die Formulare zu den Verzeichnissen der umzutauschenden Schuldverschreibungen kostenfrei verabfolgt werden.
Kasfel, am 4. Juni 1881.
Die Direktion der Landeskreditkasse.
5432_____________________H arnier._________________________
Die diesjährigen öffentlichen Impfungen finden an den nachbezeichneten Orten und Tagen unentgeltlich statt:
1) Hüttengesäß
den 22. Juni, Nachmittags
2 Uhr, Impfung,
w 29. „ „
2 „ Revision.
2) Neuwiedermuß
„ 22. „
5 „ Impfung,
„ 29. „
5 „ Revision.
3) Langenselbold
„ 27. „ Vormittags
9 „ Impfung,
„ 4. Juli,
9 „ Revision.
Bezüglich der zur Impfung vorzustellenden Kinder verweise ich auf meine Bekanntmachung vom 8. d. Mts. in Nr. 132 des Hanauer Anzeigers.
Hanau am 17. Juni 1881.
Gefunden: Ein Zollstock. Ein deutsches Lesebuch für Vorschulen höherer Lehranstalten. Am 13. d. Mts. im Lamboiwalde eine Pferdedecke; Empfangnahme beim Herrn Bürgermeister zu Rückingen.
Hanau am 18. Juni 1881.
Aus Königl. Landrathsamt.
Tagesschau.
Bismarck und die Parteien.
(A d. Schw. Merk.)
Der Zerfetzungsprozeß innerhalb unserer Parteien ist noch lange nicht beendet; jede neue Abstimmung im Reichstag beweist im Gegentheil, Mj wir uns noch inmitten der Gährung befinden. Fast keine Partei rft von diesem unruhigen Prozeß ausgenommen; am sichersten stehen die extremen Flügel, am schwankendsten die nach der Mitte hinneiqenden Gruppen. Die Ursache dieser unerquicklichen Lage liegt wesentlich an der Veränderung, dre sich vollzieht in den staatsmännischen Ausgaben der
Zeit überhaupt. Diesem Zug muß Regierung wie Volksvertretung folgen ; es scheint aber, als sei sich Fürst Bismarck desselben viel mehr bewußt, als die meisten politischen Köpfe. Diese hervorgehobene Veränderung der staatsmännischen Aufgaben der Zeit ist nichts anderes als die Verschiebung des Schwerpunkts alles politischen Sinnens und Denkens auf die foziale und wirthschaftliche Reformarbeit. Bislang hat der Schwerpunkt, man kann sagen von 1848 bis in die Mitte der 1870er Jahre hinein, in Deutschland vollständig auf den staatsrechtlichen, juristischen und historisch-politischen Fragen beruht. Mehr oder weniger war dieses auch bei den andern Nationen der Fall. Seit 1870 ist aber eine in Europa srüher nicht vorhandene Konsolidation und Abrundung der Nationen eingetreten und damit das Programm vieler Parteien, deren eigentlicher Lebenszweck eben eine solche nationale Befestigung war, erschöpft worden. Diese Erschöpfung des Programms hat man ja auch an unserer großen liberalen Partei erlebt; man braucht nur die letzte Erklärung des heutigen Rumpses der nationalliberalen Partei auf ihren programmmäßigen Inhalt zu prüfen, um sich davon zu überzeugen. Es sehlt darin zu sehr der große Gesichtspunkt, der Blick aus die Ziele der Zukunft; das Gesühl sür die immer stärker das Volk ergreifenden realen Dinge und Bedürfnisse. Man vergegenwärtige sich, daß unsere staatliche Gesetzgebung, unsere ganze Zivilisation erst noch einen großen Theil der Konsequenzen auf den sozialen und wirthschaftlichen Gebieten zu ziehen hat, wenn sie sich ins Gleichgewicht setzen will, — und das muß sie im Interesse ihrer Erhaltung — mit den seit fünfzig Jahren vor sich gegangenen großartigen Umwälzungen im Verkehrs-, Lebensmittel- Versorgungs- und Jndustriewesen, deren intensive Wirkungen noch lange nicht abgeschlossen sind. Diese Wirkungen sind von den drohendsten Ge- sahren für Staat und Gesellschaft begleitet, es wird der ganzen Kraft weitschauender Staatsmänner, nicht minder aber des vollen Verständnisses dieser Sachlage und der Opferwilligkeit unter allen, namentlich den durch Bildung und Besitz moralisch verantwortlichsten Klaffen bedürfen, wenn Katastrophen in der Zukunft vermieden werden sollen. Kein anderer europäischer Staatsmann besitzt so wie Bismarck das Bewußtsein von diesen gefahrdrohenden sozialen Verhältnissen. Wie die Arbeit des alternden genialen Faust darauf gerichtet ist, den wüthenden Meeresfluthen das Land abzugewinnen, fo setzt Bismarck seine volle übrige Lebenskraft an die Erhaltung von Staat und Gesellschaft gegen die finsteren Mächte der sozialen Revolution. Fürst Bismarck hat seine Stellung genommen zu den entscheidenden Aufgaben seiner Zeit, und er ist darin den andern europäischen Staatsmännern vorausgeeilt. Es kommt nun Alles darauf an, ob die deutsche Nation ihn versteht und ihm folgt. Daß diese Bereitwilligkeit des Verständnisses bei dem gegenwärtigen Reichstag in seiner Mehrheit nicht vorhanden ist, haben die letzten Kundgebungen desselben leider recht deutlich bewiesen. Bald wird die ganze Nation die Entscheidung in der Hand haben, ob unsere innere deutsche Politik wieder einer Konfliktsperiode entgegentreibt, wie sie die preuß. Geschichte vor 1866 erlebt hat; oder ob ihr ein solcher Konflikt erspart wird, der nothwendig eine ganz andere erschütternde Bedeutung gewänne, da es sich heute um die inneren Lebensfragen des nationalen und sozialen Bestehens handelt. Damals, 1866, mußten erst die Thatsachen gesprochen haben, bis sich die Nation dem Fürsten Bismarck zuwendete; wenn man es heute darauf ankommen läßt, bis wiederum die Thatsachen der Geschichte sprechen, dann wird es zu spät sein, um zur Erkenntniß zu gelangen. Unter dem Ruf: für oder gegen Bismarck werden die nächsten Wahlen geführt werden. Möchte die neulich durch Herrn v. Bennigsen veranlaßte Entscheidung gegen den Volkswirthschaftsrath nicht die Parole gewesen sein, nach welcher der Rest der liberalen Partei definitiv nach links, zu den Sezessionisten und zu der Fortschrittspartei abschwenkt, um „gegen Bismarck" in den Wahlkampf zu ziehen. Die Neigung dazu ist bereits vorhanden; sie tritt unverhüllt in der Nat.-Z. zu Tage, welche bemüht ist, die bedauerliche Abstimmung gegen den Volkswirthschaftsrath in ihrem Sinn auszubeuten, sie schreibt bezeichnend: „Die Geldforderung für den deutschen Volkswirthschaftsrath war die Forderung eines Votums allgemeiner Zustimmung zu der gegenwärtigen inneren Politik des Kanzlers, und dieses Votum ist verweigert worden." Mit der Aufforderung an die Liberalen, sich zu einer „festen konstitutionellen Oppositionspartei" zusammenzuschließen, schließt das Blatt; ein Rath gleich verhängnißvoll für die Partei, wie für die Nation; ein Rath, der aber das Hauptblatt der Volkspartei zu der Zustimmung begeistert: „Bravo! Bravissimo, die Nat.-Ztg. spricht uns hier aus der Seele!"
— Berlin, 15. Juni. Laut der (in R. v. Deckers Verlag) eben erschienenen amtlichen Statistik der zum Ressort des Ministeriums des Innern gehörigen Straf- und Gefangenenanstacken für die Zeit vom 1. April 1879 bis dahin 1880 waren zu Anfang des genannten Etatsjahres detinirt: 23 861 Männer und 3951 Weiber, also 27 812 Personen. Der Zugang betrug im Laufe des Jahres 79 282 Männer und 21 475 Weiber, zusammen 100 757; der Abgang dagegen im Ganzen 101 875 Personen. Ueberhaupt detinirt waren im Laufe des Jahres 103 143 Männer, 25 426 Weiber, zusammen 128 569 Personen. Die