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Nl. 130
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
Die SspaltigeZcile
30 Pfg.
Dienstag den 7. Juni
1881.
Amtliches.
G efunden: Auf der Straße von Großauheim bis Hanau eine Wagenkapsel. Ein weißer Damenkragen. Ein Dienstbuch, aus den Namen Katharina Fritzel aus Oberissigheim lautend.
Hanau am 7. Juni 1881.
Aus Königl. Landrathsamt.
Tagesscha«.
— Berlin, 4. Juni. Hamburger Privatnachrichten aus verschiedenen Kreisen der Bevölkerung lassen in Uebereinstimmung mit der gegenwärtigen Sprache der dortigen Presse mehr und mehr einen Umschwung der Stimmung zu Gunsten des Zollanschlusses vorhersehen. Die Ansicht befestigt sich, daß die Bürgerschaft zustimmen werde. (K. Z.)
— S. M. S. „Luise", 8 Geschütze, Kommdt. Korv. Kapt. Stempel, ist am 3. d. Mts. in Kiel eingetroffen.
— Eisenbahn-Betriebsämter, welche innerhalb ihres Geschäftsbezirks in den zu ihrer Zuständigkeit gehörigen Angelegenheiten die Hauptverwaltung der Eisenbahn, die an einem anderen Orte ihren Sitz hat, selbstständig vertreten, bilden, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, V. Civilsenats, vom 23. April d. I., im Sinne des §. 22 der deutschen Civilprozeßordnung selbstständige Niederlassungen mit eigenem Gerichtsstand. Alle Klagen, welche auf den Geschäftsbetrieb dieser Niederlassung Bezug haben, sind bei dem Gerichte des Ortes zu erheben, wo die Niederlassung sich befindet.
— Ems, 6. Juni. (K. Z.) Der König von Schweden ist gestern Abend zum Kurgebrauch hier eingetroffen und in den „Bier Thürmen" abgestiegen.
— Leipzig, 6. Juni. In der vergangenen Nacht ist der allen Mcßbesuchern bekannte Trianon-Saal bis auf die Umfassungsmauern niedergebrannt. (Fr. Ztg.)
— Stuttgart, 6. Juni. Gestern starb hier Emilie Uhland, die Wittwe des Dichters, in ihrem 82. Jahre. (Fr. Ztg.)
— Wien, 4. Juni. Das Herrenhaus genehmigte den Gesetzentwurf, betreffend den Handelsvertrag mit Deutschland. Nachdem hierauf die Mitglieder für die Delegation gewählt worden waren, erfolgte die Vertagung des Reichsrathes im Namen des Kaisers durch den Ministerpräsidenten Grafen Taaffe.
— Paris, 6. Juni. (K. Z.) Im Hinblick auf die Durchbohrung der Landenge von Panama sind die europäischen Mächte in einen Austausch ihrer Ansichten eingetreten, um die vollständige Neutralisirung des Canals zu erzielen.
— London, 4. Juni. Die beurlaubten Officiere der in Irland stationirten Regimenter haben den Befehl zur sofortigen Rückkehr erhalten. 400 Mann Gardetruppen sind gestern von Dublin nach New- Pallas abgegangen, um von dem dortigen Castell Besitz zu ergreifen und die Ordnung wiederherzustellen. Die Truppen sind "angewiesen, zu schießen, falls Widerstand geleistet wird.
— Petersbur g, 4. Juni. Der Generalgouverneur von Fin- land, Graf Adlerberg III., ist auf sein Ansuchen entlassen worden. An seine Stelle tritt der bisherige Generalstabschef Graf Heyden II.
— Petersburg, 6. Juni. (K. Z.) Nach einer Depesche des Golos aus Mirgorod (Gouvernement Poltawa) vom 5. ds. wurden in zwei Dörfern die jüdischen Inhaber von Ausschanklokalen von den Bauern trotz Abmahnung der Geistlichen mißhandelt; jüdisches Eigenthum wurde weder geplündert noch beschädigt.
Spezialtelegramme des „Deutschen Mo ntags-Blatt."
Wien, 5. Juni, 10 Uhr 45 Min. Vorm. Der bekannte Feldmarschall-Lieutenant Uchatius, der Erfinder der Stahlbronzekanone, erschoß sich gestern Nachmittag mittels Revolvers. Das Motiv des Selbst- ist unbekannt. Das Gerücht behauptet, es sei in gekränktem Eyrgefühl zu suchen, da die neueste Erfindung des Feldmarschall-Lieute- nants angeblich zurückgewiesen wurde. Andererseits wird versichert, Uchatms sei lange leidend gewesen. Der Selbstmord macht enormes Aussehen. Das traurige Ereigniß wird allgemein tief beklagt. Uchatius war 70 Jahre alt.
Paris, 5. Juni, 10 Uhr 5 Min. Vormitt. Selbst Gambetta feindlich gesinnte Blätter fangen an, zu glauben, daß das Listenkrutinium im Senat durchgehen wird.
Petersburg, 5. Juni. Das „Journal de St. Petersburg" erklärt die Blättermeldung, der frühere Finanzminister Abaza habe vor seiner Entlassung über das Vorhandensein einer erheblichen Anzahl sal- scher Kreditbillete -- angeblich 10 pCt. des Gesammtumlaufs — einen Bericht erstattet, für vollständig unbegründet. Das Totale aller falschen Kreditscheine im Jahre 1880 habe 97,000 Rubel betragen.
Lokales.
Hanau, den 7. Juni.
— Ihre Königl. Hoheit die Frau Landgräfin Marie von Hessen- Philippsthal ernannte den Kunstgärtner C. Nau hier unterm 4. d. M. zum Hoflieferanten.
— Die Landgräfliche Familie von Hesfen-Philippsthal, welche seit einigen Wochen im Altstädter Schlosse dahier verweilte, ist vergangenen Sonnabend niit hohem Gefolge nach Schönfeld bei Kassel abgereist.
— Heute Morgen 10 Uhr begannen unter dem Vorsitz des Herrn Gymnasialdirektor Dr. Fürstenau im Aulasaale des festlich geschmückten Realschulgebäudes dahier die Verhandlungen der 7. Generalversammlung des Vereins von Lehrern an den höheren Unterrichtsanstalten der Provinz Hessen-Nassau und des Fürstenthums Waldeck; zu derselben haben sich außer den hiesigen etwa 50—60 auswärtige Theilnehmer eingefunden. Von 12 bis 1 Uhr wird, zur Einnahme des Frühschoppens im Bürgerverein, pausirt; von da ab bis 3 Uhr die Verhandlungen fortgesetzt. An dem um 4 Uhr zu Wilhelmsbad beginnenden Festessen nehmen über 80 Personen Theil.
— Am ersten Feiertag gegen Abend verschied sanft nach längerer schwerer Krankheit der Präsident der vereinigten Männergesangvereine hier, Herr Wilh. Lieber. So lange der Verstorbene im Vollgenuß seiner Gesundheit, pflegte er in seinen Musestunden eifrig den Gesang: ein schönes Lied konnte ihn jederzeit begeistern und wußte er auch in Anderen Begeisterung hierfür zu erwecken. Der Verein Frohsinn, welchem er viele Jahre angehörte und in dem er bis zum Beginn seiner Krankheit hervorragende Stellen einnahm, betrauert in ihm eine hochschätzbare Kraft. Auch unsere Kunstindustrie verliert in dem jederzeit in bescheidener Weise aufgetretenen Manne ein werthvolles Glied, denn welche hervorragende Leistungen der Kunststickerei aus dem Atelier des Herrn Wilh. Lieber hervorgingen und welche Bestellungen aus weiter Ferne darin gefertigt wurden, dürfte nicht allem hier, sondern auch anderwärts bekannt sein.
Leider war, da während des gestrigen Feiertags die Publikationsmittel hierzu fehlten, nicht gut möglich, die Mitglieder der bereinigten Gesangvereine zu einer Probe zusammen zu berufen; aus dem Grunde übernahmen es die Sänger des Vereins Frohsinn ihrem langjährigen treuen Kollegen den letzten Liebesdienst in Absingung eines paffenden Liedes am Grabe zu erweisen. Möge der Vollendete nunmehr in Frieden ruhen.
8. In der verflossenen Woche wurden von dem Begießungsver ein für Wasserentnahme im Monat Mai an der Hess. Ludwigsbahn und bei Herrn Weinig, sowie für Fuhrlohn einer Woche nebst Reparaturkosten an den Sprengwagen über 700 Mark ausbezahlt.
Es dürfte nicht unwichtig sein, darauf hinzuweisen, daß der Be- gießungsverein nur dann seine Aufgabe erfüllen kann, wenn die früheren Mitglieder ihm erhalten bleiben, ja noch stets neue hinzutreten.
Fast sämmtliche Straßen der Stadt (nur sehr wenige vereinzelte Ausnahmen existiren) und die Anlagen werden besprengt; der Wirkungskreis des Vereins ist ein viel größerer und die Begießung eine intensivere geworden, aber so ist die Angelegenheit noch nicht geordnet, daß sie als mustergiltig betrachtet werden könnte.
Es kann ja keinem Zweifel unterliegen, daß die Uebernahme des ganzen Unternehmens von Seiten der Stadt nur eine Frage der Zeit ist; bis zu diesem Zeitpunkte dürste es erforderlich sein, wenn den gesteigerten Ansprüchen nach allen Seiten Genüge geleistet werden soll, daß noch ein viertes Faß beschafft werden muß.