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Die Sspalt. Seite 20 Pfg.
DieSspaltigegeile
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Nr. 128,
Freitag den 3. Juni
1881.
Amtliches.
Nachstehend werden die Verwaltungs-Ergebnisse und die Vermögenslage der drei communalständischen Leihanstalten des Regierungsbezirks Cassel vom Jahre 1880 zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Cassel, den 27. Mai 1881.
Der Landes-Direktor
V. Bischoffhausen.______________
Nr.
Gegenstand.
Leihanstalten.
Cassel
Fulda
Hanau
M.
J
1
I. Activa. Kassen-Vorrath......
3302
35
121067
89
27746
47
2
Activ-Kapitalien......
67450
25
4038050
67
3206984
66
3
Activ-Kapitalzinsen-Rückstände .
28269
30
4112
30
4
Pfänderkapitalien.....
97230
63450
15
97681
50
Summa
167982
60
4250838
01
3336524
93
5
II. Passiva. Passiv-Kapitalien.....
3000
3843307
41
2800062
58
6
Passiv-Kapitalzinsew Rückstände .
.
4725
66
5782
Summa
3000
3848033
07
2805s44
58
7
III. Bilance.
Die Activa betragen ....
167982
60
4250838
01
3336524
93
8
Die Passiva „ ....
3000
3848033
07
2805844
58
Mithin ergibt sich einVermögen von
164982
60
402804
94
530680
35
9
Das Vermögen am Rechnungs- schlusse 1879 betrug. . . .
161289
23
303582
73
497560
59
10
Dasselbe hat sich somit im Rechnungsjahre 1880 vermehrt um
3693
37
99222
21
33119
76
Gefunden: Ein Sophakissen. Ein Quantum Goldabfälle. Eine Knabenmütze. Eine schwarze Orleanschürze. Eine Tasche aus einem Kleid, enth. Weißes Taschentuch und 2 Schlüssel.
Zugelausen: Ein junger Jagdhund. Ein grauer Neufundländer, m. Geschlechts; Empfangnahme bei Peter Schilling zu Klein- steinheim.
Verloren: Ein Kinderspazierstock. Ein weißes Taschentuch, L. G. gez. Ein goldenes, schwarz-emaillirtes Medaillon; dem Finder eine Belohnung. Ein Manschetten knöpf mit 4 Buchstaben.
Hanau am 3. Juni 1881.
___________ Aus Königl. Landrathsamt.
(Steckbrief.) Gegen den 28 Jahre alten Schuhmacher Selig- mann Rothschild, Hirsch's Sohn, von Schlüchtern, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Diebstahls verhängt.
Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das Landgerichts- Gefängniß dahier abzuliefern.
Hanau, den 1. Juni 1881.
Königliche Staatsanwaltschaft.
Sporleder.
Rundschau.
R. F. (Deutsches Reich.) Das liebliche Pfingstfest, das dritte Hauptsest der Christenheit, .ist wiederum herangenaht und erfüllt die Herzen der Menschen mit seinem sonnigen Schein. Denn neben seiner kirchlichen Bedeutung als Erinnerungsfeier der Ausgießung des heiligen Geistes über die Jünger Christi ist Pfingsten für uns recht eigentlich das wahre Frühlingsfest. Jetzt hat die 'Natur ihre volle Pracht entfaltet, überall ein Grünen, Blühen, Duften, daß es den Menschen unwiderstehlich hinauszieht in die lachende Natur und ihn veranlaßt, seine Berufs- geschäfte aus kurze Zeit zu unterbrechen, um in vollen Zügen die Frühlingsherrlichkeit zu genießen. Auch die hohe Politik feiert zu Pfingsten und vor Allem bringt unseren Vertretern im Reichstage das Pfingstfest die so nöthige Erholungspause.
Der Reichstag gelangte am Montag endlich zur Berathung der beiden Novellen zum Zolltarif, .nach welchen ein Traubenzoll von 15 M., ein höherer Mehlzoll von 3 M. und eine Erhöhung des Zolles auf Wollwaaren von 135 bis in maximo 220 M. verlangt wird. Die Diskussion gestaltete sich sehr umfangreich und verbreitete sich über die gesummten Wirkungen der Zollgesetzgebung von 1879, und je nach dem Standpunkte der Redner zu einer lobenden oder verdammenden Kritik des Schutzzollsystems. Die Debatte eröffnete der Abgeordnete Bamberger, der den Nachweis zu führen versuchte, daß die 18'9 vom Reichskanzler inaugurirte Zollpolitik gründlich Fiasko gemacht habe; Abg. v. Kardorff machte geltend, daß es sich bei den vorliegenden Entwürfen nur um eine Correktur des Zolltarifes, nicht aber um eine principielle Aenderung desselben handele. Im Namen der Nationalliberalen erklärte sich Abg. V. Benda gegen die vorgeschlagenen Mehl- und Tuchzölle, während er die Nothwendigkeit eines Traubenzolles anerkannte; Abgeordneter v. Mir- bach erkannte in beiden Borlagen nur eine Correktur des Zolltarifes. Im Namen des Centrums sagte Abg. Frhr. v. Schorlemer-Alst die Unterstützung desselben für die Vorlagen zu und trat dann in sehr lebendiger Rede für den Schutz der Landwirthschaft ein. Der elsässische Abgeordnete Grad befürwortete den Traubenzoll im Jntercsfe seines heimathlichen Weinbaues, bekämpfte aber den Zoll auf Webewaaren, da ein einheitlicher Zoll die billigen Waaren viel höher treffe, als die feineren; von Seiten der Socialdemokraten kam noch der Abg. Auer zum Wort, welcher von der Nothlage der sächsischen Weber eine sehr grell gehaltene Schilderung gab. In zweiter Lesung wurde die Einführung des Traubenzolles von 15 M. genehmigt, nachdem ein Abänderungsan- trag des Abg. Sonnemann auf Einführung eines Zolles von 10 M. abgelehnt worden war. In der am Montag Abend abgehaltenen Sitzung genehmigte der Reichstag noch den Mehlzoll zum Betrage von 3 M., bei der Berathung über die Gewerbezölle ergab sich die Beschlußunfähigkeit des Hauses. Am Dienstag begann vor nur mäßig besetzten Bänken die zweite Lesung des Unfallversicherungsgesetzes. Die Diskussion wurde zunächst nur auf den Versicherungszwang, sowie auf den Umfang der demselben zu unterwerfenden Betriebe erstreckt. Hierüber lagen verschiedene Anträge vor, darunter von der Fortschrittspartei wiederum der Antrag auf Erweiterung des Haftpflichtgesetzes, sämmtliche Anträge wurden jedoch abgelehnt und §. 1 der Vorlage wurde nach den Commissions- beschlüffen angenommen. Die Berathung wurde am Mittwoch fortgesetzt.
Am vergangenen Sonntag fand in Berlin eine fehr zahlreich besuchte Versammlung von nationalliberalen Mitgliedern des Reichstages und der Landtage statt. Nach mehrstündiger Verhandlung erfolgte die einstimmige Annahme einer Erklärung, in welcher die Stellung der Nationalliberalen zur Reichspolitik gekennzeichnet wird.
(Oesterreich-Ungarn.) Die österreichische und ungarische Presse erörtert gegenwärtig lebhaft den zwischen Oesterreich und Deutschland abgeschlossenen Meistbegünstigungsvertrag und spricht sich im Ganzen nicht zu günstig über denselben aus. Auch der Antrag auf Erhö- Hung des deutschen Mehlzolles wird in den österreichischen Blättern einer aosälligen Kritik unterzogen und als Repreffalie gegen diese deutscherseits in Aussicht genommene Maßregel eine weitere Erhöhung der österreichisch- ungarischen Zölle auf Waaren, welche aus Deutschland nach Oesterreich importirt werden, vorgeschlagen; angeblich soll die österreichisch-ungarische Zollkonferenz im Laufe des Sommers zur Berathung hierüber zusammentreten.
(Frankreich.) Die Augen von ganz Frankreich waren in den letzten Tagen der vergangenen Woche auf Cahors, der Vaterstadt Gam- betta's, gerichtet. Mit Spannung lauschte das Land den Reden, welche der allmächtige Präsident der Deputirtenkammer in diesem Gebirgsneste hielt und , die sämmtlich von durchaus friedlicher Bedeutung waren. Gambetta scheint sich in Cahors erinnert zu haben, daß er kein Tribun des Volkes mehr sei, um, wie in Cherbourg, die Menge. mit flammenden Worten zu erregen, sondern daß er ein Staatsmann sei, der die Bedeutung seiner Worte kennt. Gambetta's Worte haben den stürmischen Beisall der Zuhörer gefunden, doch auch sonst allenthalben dürsten sie ein gleiches Echo finden. Am 29. Mai ist Gambetta wieder nach Paris