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N- 117.
Freitag den 20. Mai
1881.
Amtlichss.
Bekanntmachungen aus Grund des Neichsgesehes vom 2L Oktober 1878.
Auf Grund der §. 1 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 ist der Verein Liederlust zu Hanau von der unterzeichneten Landespolizeibehörde verboten worden.
Casfel am 10. Mai 1881.
__Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.___
Für den am 16. Juli 1865 zu Oberdorfelden geborenen Karl Andreas Kitz ist um Entlassung aus dem Preußischen Unterthanen- Verbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
Hanau am 13. Mai 1881.
Für den am 25. Januar 1864 zu Langendiebach geborenen Johann Friedrich Lückhardt ist um Entlassung aus dem Preußischen Unter- thanen-Verbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
Hanau am 13. Mai 1881.
Den Herrn Bürgermeistern wird bekannt gegeben, daß die Königliche Regierung zu Casfel den Katastersupernumerar S k o rczewski mit Ausführung eines Theils der erforderlichen Ergänzungsmesfungen in den Ortslagen, welche in Folge des Gebäudesteuer-Revisions-Verfahrens sich als nöchig herausgestellt haben, beauftragt hat.
Hanau am 17. Mai 1881.
Der Landrath.
Gesund en: Ein Portemonnaie mit Geld. Ein deutsches ev. Kirchengesangbuch mit der Inschrift „A. Hengsberger".
Hanau am 20. Mai 1881.
____________________Aus Königl. Landrathsamt.____________________
Rundschau.
R. F. (Deutsches R e i ch.) Auf dem Meere unserer inneren Politik ist mit Beginn dieser Woche wieder ein erhöhter Wellenschlag eingetreten, da der Reichstag am Montag nach abermaliger achttägiger Pause seine Arbeiten im Plenum wieder ausgenommen hat. Den Hauptgegenstand der Verhandlungen am Montag bildete die dritte Lesung des Verfassungsänderungsgesetzes, welcher die Berathung des Gesetzentwurfes, betreffend die Bezeichnung des Rauminhalts der Schankgefäße, voraus- ging, die betreffende Vorlage wurde nach den Commissions-Vorschlägen einstimmig genehmigt. In der Generaldiskussion über das Verfassungs- änderungsgesetz bekämpfte zunächst Abg. Frhr. v. Minnigerode die Beschlüsse zweiter Berathung zu Art. 13, wonach die Berufung des Bundesrathes und des Reichstages alljährlich im Oktober stattfiuden soll, mit oem Argumente, daß mit einer solchen von der Legislative beantragten Verfassungsänderung ein Kronrecht verkürzt werde. Auch Abg. Dr. v. Treitschke verurtheilte den Beschluß zweiter Lesung zu Art. 13, welchen Beschluß er für durchaus unpraktisch erklärte; Namens der Socialdemokraten sprach Abg. Kayser gegen eine Verlängerung der Wahlperioden, während der freiconservative Abgeordnete v. Kardorff sich für die vierjährige Wahlperiode aussprach; Abg. Dr. Windthorst (Meppen) empfahl die pure Annahme der Beschlüsse zweiter Lesung. Nach einer Fluth persönlicher Bemerkungen wurde Artikel 13 nach den Beschlüssen der zweiten Lesung mit 147 gegen 132 Stimmen und ebenso Artikel 24 (vierjährige Legislaturperioden) mit 155 gegen 122 Stimmen angenommen, dagegen ward bei der Gesammtabstimmung das ganze Gesetz mit großer Majorität abgelehnt und der Antrag des Abgeordneten Rickert angenommen, wonach der Reichskanzler ersucht werden soll, dahin zu wirken, daß in Zukunft das Etatsgesetz des Reiches vor denen der Einzelstaaten festgesetzt werde. In der Dienstags-Sitzung genehmigte der Reichstag zunächst in erster und zweiter Lesung den Gesetzentwurf, betreffend^ die Aufnahme einer Anleihe von 120- Millionen Mark für die Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen, und verwies in dritter Lesung das Gesetz über die Bezeichnung des Raumgehaltes der Schankgesäße nochmals an die XX. Commission. Es folgte hierauf die zweite Be
rathung der Brausteuer, deren Resultat war, daß der betreffende Gesetzentwurf in allen seinen Theilen abgelehnt wurde; am Schluß der Sitzung wurde noch der Antrag der Abgg. v. Below und Genossen auf Verbot der Malzsurrogate an eine Commission von 14 Mitgliedern verwiesen. Am Mittwoch beschäftigte sich der Reichstag mit Anträgen und Petitionen. — Um es doch noch zu ermöglichen, die Reichstags-Session vor Pfingsten zu schließen, haben die Sitzungen desselben vom Mittwoch an bereits um 10 Uhr früh begonnen, auch sollen, wenn erforderlich, Abendsitzungen eingeschaltet werden.
Die Commission zur Berathung des Unfallversicherungsgesetzes hat die zweite Lesung des Gesetz-Entwurfes noch eher beendigt, als vielfach angenommen wurde. Auch aus der zweiten Lesung ist der Entwurf im Wesentlichen unverändert nach den Beschlüssen der ersten Lesung hervorgegangen, wobei der Ausschuß fast einstimmig an der Ablehnung des Reichs- oder Staatsbeitrages zu den Versicherungsanstalten festgehalten hat. Noch fehlt es an bestimmten Anhaltspunkten darüber, ob das Uu- fallversicherungsgesetz in der Commissionsfassung auch die Zustimmung des Plenums des Reichstages finden wird, dagegen hat, was die Stellung der Reichsregierung gegenüber dem veränderten Entwürfe anbetrifft, bekanntlich der Staatsminister V. Bötticher in der Commission bereits erklärt, daß die Reichsregierung den Ersatz der Reichsanstalt durch die Landesanstalten als mit dem Grundgedanken der Vorlage nicht unvereinbar halte, wenn sie auch in erster Linie der Reichsanstalt den Vorzug geben würde.
Die Verhandlungen über den deutsch-österreichischen Handelsvertrag haben in den letzten Tagen plötzlich eine Wendung genommen, welche den Abschluß desselben als sehr fraglich erscheinen läßt und von unterrichteter Seite wird gemeldet, daß anstatt des Handelsvertrages nur ein Meistbegünstigungsvertrag zwischen Deutschland und Oesterreich die Frucht der langwierigen Verhandlungen sein werde. Dagegen soll der deutschschweizerische Handelsvertrag so gut wie fertig sein, wodurch die handelspolitischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Eidgenossenschaft neu gekräftigt würden.
(Oesterreich.) In Wien starb am vergangenen Sonntag der Direktor des Wiener Hofburgtheaters, Franz v. Dingelstedt, im Alter von 67 Jahren. Dingelstedt war einer der bedeutendsten Leiter der deutschen Schaubühne und hat eine dramaturgische Thätigkeit von tiefreichender Wirkung entwickelt.
(Frankreich.) Das französische Protektorat über Tunis ist eine Thatsache, welche von der Mehrzahl der Mächte unbedingt anerkannt wird und die nur in England und namentlich in Italien einen wahren Sturm der Entrüstung gegen Frankreich hervorgerufen hat. Denn während der Leiter der auswärtigen Angelegenheiten Frankreichs, Barthe'lemy Saint-Hilaire, Telegramme aus Wien, Petersburg und Berlin erhalten hat, worin von diesen drei Cabineten die gute Aufnahme des Vertrages zwischen Frankreich und Tunis bezeugt wird, betrachtet man denselben in London und in Rom mit nichts weniger als günstigen Augen. Indessen dürste der überaus lebhafte Kampf, welcher sich zwischen den französischen Blättern einerseits und der englischen und italienischen Presse andererseits wegen der jüngsten Vorgänge an der nordafrikauischen Küste entsponnen hat, keine weiteren ernsthafteren Folgen haben. -- General Breart hatte vorübergehend Tunis mit 3 Escadrons besetzt, welche jedoch wieder zurückgezogen wurden, doch hat er den Befehl erhalten, sich zur eventuellen Wiederbesetzung der Stadt bereit zu halten. — In der französischen Deputirtenkammer begann am Donnerstag die Debatte über das vielbesprochene Listenscrutinium, die Aussichten für die Annahme dieses Lieblingsprojektes Gambetta's werden als günstig bezeichnet.
(England.) Irland ist die stets offene Wunde am englischen Staatskörper, deren Heilung den englischen Staatsmännern noch immer nicht gelingen will. Die Agrarverbrechen in Irland haben sich trotz des dortigen Ausnahmezustandes in einer Weise vermehrt, daß man das Schlimmste für die Zukunft der „grünen Insel" befürchten muß. Im April sind 295 agrarische Ausschreitungen zur Kenntniß der irischen Polizeibehörden gelangt, das ist 150 mehr als im Mäiz. Unter den specificirten Verbrechen befinden sich zwei Morde, ein Todtschlag, zwei Mordversuche, 48 Brandlegungen u. s. w. — in der That eine entsetz-