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N . 114.
Dienstag den 17. Mai
18b i.
Amtliches.
Von dem Herrn Minister für Landwirthschaft, Domainen und Forsten und dem Herrn Minister für Handel und Gewerbe ist unter dem 19. April d. I. mit Rücksicht darauf, daß der für den Beginn des WollmarktS zu Berlin anberaumte Anfangstermin (der 19. Juni), an welchem die meisten Geschäfte stattzufinden Pflegen, im laufenden Jahre auf einen Sonntag fällt, bestimmt worden, daß der gedachte Wollmarkt in diesem Jahre anstatt vom 19. bis 21. Juni vom 20. bis 22. Juui abgehalten wird.
Wir bringen dieses hiermit zur öffentlichen Kenntniß.
Cassel, am 29. April 1881.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern.
Kühne.
Zugelaufen: Am 13. d. Mts. ein Zucht-Ferkel; Empfangnahme bei Maximilian Müller zu Bruchköbel.
Gefunden: Zwei Mesfer. Ein Cigarren-Etui mit Cigarren; Empfangnahme beim Herrn Bürgermeister zu Mittelbuchen. Eine s. g. Jagdflasche.
Zugeflogen: Eine Lachtaube.
Verloren: Ein Milchkännchen. Ein Ohrring mit 2 Steinen.
Hanau am 17. Mai 1881.
Aus Königl. Landrathsamt.
Rundschau.
R. F. (Deutsches Reich.) Der Reichstag ist am Montag nach einwöchentlicher, durch die Commissionsarbeiten gebotenen Pause wieder zusammengetreten und wird in den noch stattfindenden Sitzungen seine definitive Entscheidung in mehreren der wichtigsten Fragen unserer inneren Politik zu treffen haben. Nächst der dritten Lesung des Verfassungsänderungsgesetzes wird sich der Reichstag uun doch noch mit dem Unfallversicherungsgesetz beschäftigen müssen, da die zur Berathung dieses Gesetzes niedergesetzte Commission die zweite Lesung des Entwurfes auf jeden Fall noch in dieser Woche zu Ende führen wird. Ferner wird sich der Reichstag über die Brau-, Börsen- und Stempelsteuer zu entscheiden haben, da die betreffenden Ausschüsse fast sämmtlich chre Berathungen beendigt haben. Was den Schluß der Session anbelangt, so hat der Präsident des Reichstages, Herr v. Goßler, berechnet, daß vor dem 15. Juni, obgleich nur drei Tage Pfingstferien gemacht werden sollen, an den Schluß der Session nicht zu denken sei. Dies ist allerdings um so wahrscheinlicher, als der Reichskanzler außer auf der Durch- berathung der bereits in erster resp, zweiter Berathung erledigten Gesetze auch auf der Diskussion einer Reihe noch zu erwartender Vorlagen besteht.
Die Unfallversicherungs-Commission wird die zweite Lesung des Unfallversicherungsgesetzes spätestens am Mittwoch beendigt hahen und wird wahrscheinlich am Donnerstag die Feststellung des durch den Abgeordneten Frhrn. v. Hertling zu erstattenden Berichtes erfolgen. Die bisherigen Beschlüsse differiren in der Hauptsache nur wenig von denen der ersten Lesung; eine besonders lebhafte Debatte rief in der Sonnabend- Sitzung der neue Antrag des Abgeordneten Stumm zu §. 56 a. hervor, nach welchem den Knappschaftskasfen besondere Berechtigungen zugestanden werden sollen; gegen den Antrag sprach außer den Abgg. Eysoldt, Kiefer, Buhl, auch der Regierungs-Commissar Geh. Rath Lohmann, doch wurde der Antrag Stumm mit 16 Stimmen angenommen (Centrum, Conser- vative, Reichspartei).
Der „Reichs-Anzeiger" vom 13. Mai theilt amtlich mit, daß der seitherige Direktor im Auswärtigen Amte, Wirkliche Geheime Rath v. Philipsborn, zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am dänischen Hofe, sowie der seitherige vortragende Rath, Wirkl. Geh. Legations-Rath Jordan, zum Direktor im Auswärtigen Amte ernannt worden ist.
Eine bemerkenswerthe Aeußerung des Fürsten Bismarck über die Friedens-Aussichten verdient registrirt zu werden. Dem Fürsten war aus Anlaß des zehnjährigen Gedenktages des Frankfurter Friedens von einer Gesellschaft in Barop (Westfalen) ein Glückwunsch-Telegramm zu
gegangen. Der Reichskanzler hat den Absendern ebenfalls auf telegraphischem Wege seinen Dank ausgesprochtN und hierbei betont, daß zu seiner Freude Aussicht auf weitere ungestörte Fortdauer des Friedens sei.
Die Nachrichten über den Stand der Verhandlungen, betreffend den Abschluß des deutsch-österreichischen Handelsvertrages, lauteten bisher sehr widersprechend. Eine im ungarischen Reichstage eingebrachte Interpellation äußert sich Angesichts der beabsichtigten Erhöhung des deutschen Mehlzolles sehr ungünstig über den Abschluß eines Handelsvertrages mit Deutschland, während aus Berlin gemeldet wird, daß jetzt die Chancen für das Zustandekommen des Vertrages außerordentlich günstig stünden, so daß jeden Tag dem Abschlüsse desselben entgegengesehen werde; jedenfalls wird die Entscheidung, wenn sie nicht schon gefallen ist, in den nächsten Tagen erfolgen.
(Oesterreich-Ungarn.) Die herzliche Theilnahme der Völker Oesterreichs an der Vermählung des Kronprinzen Rudolf hat Kaiser Frauz Josef zu einem Dankesschreiben an den Ministerpräsidenten Grafen Taaffe veranlaßt. In demselben gedenkt der Kaiser mit warmen Worten der aus allen Ländern der Monarchie und aus allen Kreisen der Bevölkerung mündlich, schriftlich und telegraphisch eingegangenen Glückwünsche und aller sonstigen, der kaiserlichen Familie anläßlich jenes Festes dargebrachten Huldigungen unb wünscht, daß sein Dank bis in die ärmste Hütte in den äußersten Grenzmarken des Reiches dringen möge.
(Frankreich.) Die letzte Scene in dem eigenthümlichen Schauspiele, welches die Franzosen vor den Singen Europas in Tunis aufgeführt haben, hat nun ausgespielt. Am Donnerstag unterzeichnete der Bey den ihm vom General Breart, dem Commandeur der französischen Truppen vor Tunis, überreichten Garantievertrag, als dessen Hauptbe- stimmung die Einsetzung eines französischen Ministerresidenten in Tunis bezeichnet wird, so daß also nunmehr der Bey zur Anerkennung des Protektorats Frankreichs über Tunesien gezwungen worden ist. Man darf gespannt sein, worin die von Frankreich geforderten „Garantien" bestehen werden, ob insbesondere wichtige Punkte des tunesischen Gebietes, wie Biserta, Kef und Bedja einstweilen ihre sranzösischen Besatzungen behalten sollen. Bezeichnend aber für die französische Regierung ist es, daß die Züchtigung der Krumirs, der eigentliche Anlaß der tunesischen Expedition, in dem Regierungsprogramme plötzlich zurücktritt, so daß also diejenigen Recht behalten, welche die Begründung des sranzösischen Protektorates als das wirkliche Ziel der Unternehmung gegen Tunis bezeichneten, für welche nur ein äußerer Anlaß gefunden werden mußte. — Zum Ministerresidenten in Tunis ist, wie zu erwarten stand, der bisherige französische General Consul Roustan ernannt worden.
(England.) Das englische Parlament ist jetzt vollständig durch die irische Landbill in Anspruch genommen, so daß der Premier Glad- stone beschlossen hat, die Einbringung der Bill, betreffend die Abänderung der Bestimmungen über den den Parlamentsmitgliedern vorgeschriebenen Eid, zu verschieben. Die irische Landvorlage hat unter den irischen Abgeordneten eine Spaltung hervorgerufen, da der größte Theil derselben wegen der Verhaftung des Agitators Dillon entschlossen ist, gegen die Bill zu stimmen, während der kleinere Theil gewillt ist, für dieselbe einzutreten. In den Kreisen der Liberalen gibt man sich der Hoffnung hin, daß die Bill doch noch angenommen werde.
(Italien.) Der Papst hat 38 neue Bischöfe ernannt; die Mehrzahl derselben kommt auf Frankreich und Italien.
(Rußland.) Auf das russische Volk hat das kaiserliche Manifest, in welchem Alexander III. ankündigt, er werde die Zügel der Regierung fester in die Hand nehmen, um die selbstherrscherliche Gewalt zu befestigen und zu bewahren, in höchstem Grade enttäuschend gewirkt. Jedermann hatte den verheißenen Reformen hoffend entgegengesehen und statt dessen wird dem Volke nun die Ankündigung zu Theil, daß der Czar in demselben autokratischen Sinne fortzuregieren gedenke als seine Vorfahren. Es ist darum in Petersburg allgemein die Meinung verbreitet, daß der Minister des Innern, Graf Loris-Melikoff, welcher bekanntlich entschieden für Reformen ist, nunmehr sein Entlassungsgesuch einreichen wird. — In Petersburg ist jüngst ein Marine-Lieutenan