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Vertragsschluß zu gelangen, der die Gewähr biete, daß alle Rechte der europäischen Nationen gewahrt werden, daß die Sicherheit der algerischen Grenze geschützt und die Wiederholung franzosenfeindlicher Bewegungen unmöglich gemacht würde.

— Petersburg, 10. Mai. (K. Z.) Nach amtlichen Mit­theilungen haben in Baku (Kaukasus) ernsthafte Unruhen stattgefunden, welche durch einen Zusammenstoß zwischen Russen und Muselmännern verursacht wurden; die Ruhe mußte durch Truppen wiederhergestellt werden. Die Ruhestörung dauerte drei Tage, trug aber keinen politischen Charakter; ein Muselmann wurde gelobtet, drei verwundet.

— Petersburg, 11. Mai. Ein Extrablatt des „Regierungs­boten" veröffentlicht ein kaiserliches Manifest vom Heutigen, worin der Kaiser der ruhmvollen Regierung seines verstorbenen Vaters gedenkt und aus die von diesem vollzogenen großen Reformen hinweist. Nachdem alsdann die niederträchtige Ermordung des Kaisers erwähnt ist, heißt es: „In unserer tiefen Trauer befiehlt uns die Stimme Gottes die Re­gierung muthig zu übernehmen; mit Vertrauen auf die göttlich« Vor­sehung im Glauben an die Kraft der Selbstbeherrschermacht, welche wir für das Wohl des Volkes konsolidiren und gegen alle Anfechtungen wah­ren, so lange wir berufen sind. Indem wir uns unserem erhabenen Dienste widmen, fordern wir alle unseren treuen Unterthanen auf, uns und dem Staate treu und aufrichtig zu dienen, um den in Rußland mit Schande bedeckten abscheulichen rebellischen Geist auszurotten, den Glau­ben und die Sittlichkeit zu kräftigen, die Kindererziehung auf gute Grund­lagen zu stellen, was dem Rechts- und Redlichkeitssinn zuwiderläuft, zu vertilgen und Ordnung und Gerechtigkeit allseitig zu begründen. (F. Z.)

L s § K l § s.

— Philippsruhe, 12. Mai. Seine Königliche Hoheit der Landgraf machten gestern auf der Rückreise von Köln am Großherzl. Hess. Hoflager zu Mainz einen Besuch. Dort war S. H. der Prinz Alexan­der Georg in Begleitung des Prem.-Lieut. v. d. Lippe ebenfalls einge­troffen.

I. K. H. die Großherzogin von Baden und die Prinzessin Victo­ria wurden von Frankfurt kommend gleichzeitig von S. K. H. dem Großherzoge von Hesfen und bessert Familie am Bahnhöfe empfangen. Von dort begaben sich sämmtliche Herrschaften in den Dom, dessen Inne­res in allen Einzelnheiten unter Führung des Herrn Dompräbendaten Schneider besichtigt wurde. Nach dem Diner im Schlosse wurde das römisch germanische Museum besucht und reiste 4 Uhr 44 Min. I K. H. die Großherzogin und Prinzessin Victoria in Begleitung S. K. H. des Landgrafen über Frankfurt nach Philippsruhe. Im Gefolge Ihrer Königlichen Hoheit befanden sich: Seine Excellenz der Oberhofmeister Frhr. v. Evelsheim, Ihre Excellenz die Obersthofmeisterin Frau von Holzing, sowie die Hofdamen Fräulein von Schönau und von Ungern- Sternberg. Nach 2stündigem Aufenthalte trat I. K. H. die Großher­zogin über Frankfurt die Rückreise nach Karlsruhe an.

Hanau, den 12. Mai

— Der Verwendung des Herrn Oberbürgermeister Rauch, daß die Züge 109 und 110 der Frankfurt-Hanauer Eisenbahn, welche jetzt we­nige Minuten nach 8 Uhr Abends Wilhelmsbad passiren, daselbst an­halten, ist nach einer eingegaugenen Benachrichtigung der Spezial Direk­tion der Hessischen Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft dahin Rechnung ge­tragen, daß im nächsten Sommerdienst der betreffende nach Hanau ge­hende Zug fahrplanmäßig und der nach Frankfurt gehende Zug faculta- tiv in Station Wilhelmsbad anhalten wird, was von dem Publikum als eine erwünschte Annehmlichkeit begrüßt werden wird.

— (Spessart-Touristen-Berein.) In der Vereinsver­sammlung vom 10. er. wurde die vierte diesjährige Tour, Sonntag den 15. Mai, in den Vogelsberg berathen und wie folgt sestgestellt:

Abfahrt Hanau Ostbahnhof 6 Uhr 18 Min. nach Gelnhausen, von hier zu Fuß über den kurzen Berg, die vier Fichten, Wittgenborn, Spielberg, Schächtelburg, Hettersroth (das. Frühstück), zum Hauptreser­voir der Frankfurter Quellwasserleitung im Vogelsberge bei Fischborn. Hierauf nach Birstein (das. Mittagessens Neuenschmidten, Schlierbach und Wächtersbach. Von hier erfolgt Rückfahrt nach Hanau. Zur Be­sichtigung der Quellenanlagen ist vom Wasseramt der Stadt Frankfurt die Erlaubniß freundlichst ertheilt worden. — Zu diesem Aussluge sind Freunde hierdurch höfl. eingeladen.

— Heute Morgen zeigte man uns ein Entenei von 118 gr Schwere vor; dasselbe stammt von einer Rouen Ente, welche Herr Hugo Zeuner in der letzten Geflügel-Ausstellung erkaufte.

— Eine uns mitgetheilte, im gestrigen Blatte veröffentlichte Lo­kalnachricht wird von kompetenter Seite in nachstehender Weise berich­tigt. D. Red. .

»Die Notiz in Nr. 109 Ihres geschätzten Blattes, die Unterstützungs­kasse der freiw. Feuerwehr betr., ist dahin zu berichtigen, daß nicht das Statut einer neuenUnterstützungskasse, sondern das revidirte Statut der schon seit wahren bestehenden Unterstützungskasse der General-Versamm- lung vorgelegt und von derselben genehmigt wurde. Bekanntlich ist das

Steigerkorps seit längerer Zeit gegen Unfall versichert; da indessen auch die übrigen Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr (Spritzen-, W«che- und Rettungsmannschaft) ungünstigen Falls Verletzungen ausgesetzt sind, so glaubte der Vorstand die Unterstützungspflicht auch auf diese (nicht- versicherten) Mitglieder ausdehnen zu müssen und fand zur Erreichung dieses Zieles auch das freundlichste Entgegenkommen unserer städtischen Behörden. Hoffen wir mit Ihrem Berichterstatter, daß sich unser Unter­stützungsfonds durch Vermächtnisse und sonstige Zuweisungen recht bald so gestalten möge, daß derselbe ohne Mithülfe unserer Stadtkasse allen Anforderungen genügend entsprechen kann."

Versteigerungs- und Verpachtungs- rc. Kalender für Freitag den 13. Mai.

Holzversteigerung im Gräfl. Jsenburg-Meerholz'schen Revier Eckarts­hausen; Zusammenkunft Vorm. 10 Uhr bei Gastwirth Frank zu Lan- genbergheim. Verkauft werden 62 Eichen-Stämme mit 108 fm und 12 Kiefern-Stämme, zu Pumpenröhren geeignet (s. Nr. 103 „Han. Anz."). — Nachmittags 2 Uhr sollen Altstädter Marktstraße 19 umzugshalber gegen Baarzahlung versteigert werden: Kanapee, runder Tisch, 2 Pen- dulen rc.

— Für heute. Abends 9 Uhr: Spritze Nr. 2 im „König von Schweden"; Nr. 3 bei Beck.

— Kassel, 11. Mai. Heute Nachmittag 2 Uhr 23 Minuten traf mittelst Extrazuges Se. Majestät der Kaiser auf Bahnhof Wilhelmshöhe ein, woselbst die Spitzen der Civil- und Militärbehörden, sowie die städtischen Körperschaften sich versammelt hatten, um Se. Majestät zu begrüßen. Se. Majestät richtete an jeden der ihm durch den Herrn Oberpräsidenten von Ende vorgestellten Herren einige freundliche Worte, schien sich auch im besten Wohlsein zu befinden und erkundigte sich noch im Abfahren aus dem Fenster heraus bei dem Herrn Oberpräsidenten nach den inzwischen mit dem Bahnhof Wilhelmshöhe vorgenommenen baulichen Veränderungen. (K. I.)

— Fulda, 11. Mai. In der Nacht vom 9. auf den 10. Mai hat es in der Rhön so stark geschneit, daß am Morgen des 10. am Fuße der Mitseburg ein fußhoher Schnee lag. — Nicht weniger als 72 Candidaten haben sich sür die Bürgermeisterstelle in Soden bei Sal- münster gemeldet; darunter sind Freiherren, Barone, Lieutenants, Ak­tuare rc. rc. Die Wahl wird voraussichtlich Sonnabend, den 14. Mai, vollzogen. Möge diese Wahl endlich einmal ein definitives und ein sür die Stadt Soden ersprießliches Resultat erzielen. (F. Z.)

— Ellenberg bei Guxhagen, 8. Mai. In dem eine Viertel­stunde von hier nach Süden gelegenen Walde fand vorigen Monat fol­gendes Ereigniß statt: Eine Fläche von etwa 40 Meter Breite und über 60 Meter Länge hat sich mit den darauf befindenden zum Theil 1 Fuß Durchmesser haltenden Kiefern über 2 Meter tief gesenkt. Ueber die Stelle führt ein Fußpfad. Erschrocken blieben die Leute stehen, als sie an diesem Orte ankamen und sahen, wie mit einem Male der Weg ab­gerissen tief vor ihnen lag. Auch ist der Boden an vielen Stellen mit großen Rissen durchkreuzt. (C. T.-P.)

Aus der Umgegend.

— Frankfurt a. M., 11. Mai. Ein Uhrmacher auf der Friedbergergasse gab einem neben ihm wohnenden Manne einen Brief, welcher an eine Frau, der er die Summe von 900 M. schuldete, adres- strt war und die Schlüssel zu seinem Geschäfte, mit der Weisung, die Gegenstände, sollte er sich nicht bis zum Montag früh mieber eingefun­den haben, an die erwähnte Frau auszuhändigen. Der gefällige Mann ging darauf ein und sah sich schließlich in die Lage versetzt, dem Wunsche des alsbald unter Zurücklassung von bedeutenden Schulden und einigen alten Regulatoren Verschwundenen nachzukommen. — Gestern feierte der Baquier und hiesige Großbrauer, Herr Joh. Gerhard Henrich im engeren Kreise der Familie sein 50jähriges Hochzeitsjubiläum. Einge­tretener Familientrauer wegen unterblieb jede größere Feierlichkeit, doch wurde vom gesammten Geschäftspersonal, das den Tag für sich festlich beging, jeder Einzelne vom Jubilar durch ein namhaftes Geldgeschenk ausgezeichnet. — Einer der hier bei der Festlichkeit anwesenden Krieger­vereine hat seine Fahne stehen lassen, wird sie aber hoffentlich nicht zu requiriren vergessen. (G.-A.)

— Darmstadt, 11. Mai. Die Herbstmanöver werden dem Vernehmen nach in der Provinz Oberhessen zwischen Büdingen und Friedberg abgehalten werden. ($• )

— Rüsselsheim, 10. Mai. Die Engerlinge, diese geschwo­renen Feinde der Land- und Forstwirthschaft, haben in diesem Frühjahr im hiesigen Gemeindewald eine circa 3jährige Tannenkultur von 7a Morgen verwüstet, ein Ereigniß, das doch immerhin zu den Seltenheiten gehören dürfte und welches geeignet ist, den Gemeindesäckel aus eine sehr empfindliche Weise zu schädigen. — Ein am verflossenen Sonntag ent­standener Waldbrand wurde von Bewohnern Haßlochs noch rechtzeitig gelöscht. (H> L.)