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matische Vertretung Englands beim Vatikan; man glaubt hier, daß er nicht weit vom Ziele fei. — Die Polnische Nation hat dem Papst durch den Cardinal Monaco eine Denkschrift übergeben lassen, worin sie sich kräftig gegen die Versuche verwahrt, die Curie an Rußland mit Auf- o.pserung des Polenthums anzunähern.

— London, 7. Mai. Nach Unterzeichnung der griechischen Grenzkonvention wird der englische Botschafter in Konstantinopel, Go­schen, durch Lord Dufferin ersetzt werden, und an Stelle des letzteren Thornton als Botschafter nach Petersburg gehen. — Dem Standard zufolge ist Salisbury zum Führer der Opposition im Oberhause aus­ersehen.

S pezialtclegramme des „Deutschen Montags-Blatt."

— Paris, 8 Mai, 9 Uhr Vorm. Bis gestern betrug die An­zahl der in Biserta ausgeschifften Truppen 7000, noch mehr werden heute dort erwartet. Aus Algier lauten die Nachrichten heute weniger beruhigend. „Die türkische Note über die Tunisfrage", sagt die „Repu- blique fran^aife“* das Organ Gambetta's, „ist nur komisch. Man hielt Frankreich für schwach, und jetzt ist man erstaunt zu sehen, wie rasch und schwer seine Hand beim Züchtigen ist." Wie gewöhnlich, findet der Kriegsminister Farre in der Republique feinen einzigen Anwalt auch in der Angelegenheit seiner gesetzlich nicht gerechtfertigten Erhaltung in der Aktivität. (Farre hat bekanntlich das Alter erreicht, in dem er gesetz­mäßig in die Reserve treten müßte. Eine Ausnahme davon wird nur gemacht bei Militärs, die sich in einem Feldzuge hervorragende Ver­dienste erworben haben. D. Red.) Am nächsten Sonnabend wird diese Angelegenheit in der Kammer zur Berathung gelangen. — Deutschlands Haltung bei der Münzkonferenz ist jetzt fest vorgezeichnet. Die Schwie­rigkeiten, mit welchen andere Staaten in Folge der Entwerthung des Silbers zu kämpfen haben, wird Deutschland thunlich entgegenkommen, jedoch unter entschiedenem Festhalten an der Goldwährung im eigenen Reiche.

— Petersburg, 8. Mai, 10 Uhr 50 Min. Vorm. Am Mitt­woch findet auf dem Marsfelde die Frühjahrsparade statt. Dieselbe wird Großfürst Wladimir befehligen. .Es werden daran Theil nehmen 44 Bataillone Infanterie, 38 Eskadrons und 116 Geschütze. — Der „Go- los" spricht seine Freude darüber aus, daß Rußland nunmehr wirklich am Vorabende liberaler Reformen stehe. — Der General Skobeleff ist vorgestern von Krastnvwodsk auf dem Dampfer Tfchikischtar nach Astra­chan abgereist und von dort mit kurzem Aufenthalt in Moskau hierher zurückgekehrt. — Die russische St. Petersburger Zeitung meldet, es stehe in kürzester Zeit eine Steuererhöhung für Zucker und Spiritus bevor, derart, daß auf jeden Grad Spiritus eine Kopeke Zuschlag käme, so daß der Betrag jetzt auf acht Kopeken per Grad steigern würde. Hierdurch würde die Staatseinnahme um jährlich 15 Millionen Rubel erhöht. Vorstehende Details, auf Spiritus bezüglich, sollen bereits festgesetzt sein; die Höhe des Zuschlages auf Zucker ist noch nicht festgesetzt, jedenfalls ist sie gleich bedeutend.

— Wien, 8. Mai, 10 Uhr 20 Min. Gestern Abend fand an­läßlich der Hochzeit des Kronprinzen ein Hofball statt, wie ich ihn gleich großartig selbst in der Kaiserburg in neuerer Zeit kaum gesehen. Außer beiden Redomensälen waren die Ceremoniensäle, die Rittersäle, sowie fast das ganze kaiserliche Appartement geöffnet. Es waren über 5000 Gäste anwesend. Die kolossalen Räume waren mit verschwenderischer Pracht wahrhaft berückend ausgestattet, mit exotischen Gewächsen und duftenden Blumen und mit den weltberühmten Gobelins des Kaiserhauses geschmückt. Die wunderbaren Toiletten der Damen in Brillanten und die glänzen­den mit Orden besäten Uniformen der Kavaliere gaben zusammen ein überwältigendes Bild. Gegen 9 Uhr erschienen in großem Ceremoniell die allerhöchsten Herrschaften, der Kaiser in Marschallsuniform, die Kö­nigin von Belgien am Arme führend; die Königin erschien in weißer, reich mit Brabanter Spitzen besetzter Allasrobe, auf dem Haupt das Diamantendiadem, um den Hals ein Kollier von Perlen und B illanten. Der König Leopold von Belgien führte die Kaiserin Elisabeth. Der König erschien in österreichischer Uniform mit allen Orden. Die Kaise­rin, von Anmuth und Mutterglück strahlend, trug eine reichgestickte tau­bengraue Atlasrobe, im Haare ein wunderbares Diadem, Der Kron­prinz in Generalgala führte die Prinzessin Stefanie, die in einfacher weißseidener Robe mit viereckigem Ausschnitt erschien, ohne anderen Schmuck, als die Medaille mit dem Bilde des Kronprinzen, der Prinz von Wales führte die Prinzessin Wilhelm von Preußen, die eine kost­bar gestickte weiße Atlasrobe mit wundervollen Brillanten im Haare trug. Prinz Wilhem führte die Prinzessin Gisela. Ihnen folgten zahl­reiche andere Fürstlichkeiten. Während der Tauzpausen hielt der Kaiser Cercle, wobei er den Fürsten Reuß sowie den pästlichen Nuntius Va- nutelli besonders auszeichnete. Nach Mitternacht wurde das großartige Fest beendigt.

Lokales.

_ L , Hanau, den 9. Mai.

Gestern Abend trafen Se. hochfürstliche Durchlaucht Landgraf

Ernst von Hessen-Philippsthal, hochdessen Bruder Carl, sowie Ihre Kgl. Hoheit die Landgräfin-Mutter Marie, in Begleitung der Hofdame Fräulein von Roman und des Hofcavaliers Corvetten-Capitain von Rosen stock mit Dienerschaften im Altstädter Schlosse dahier ein.

Wie schon bereits bemerkt bleibt der Schloßgarten nach wie vor dem Publikum geöffnet; daß Letzteres den hohen Herrschaften mit der gebührenden Achtung begegnen wird, glauben wir versichern zu können.

— Schon mehrmals verwiesen wir auf die Gefahr, deren Kinder, wenn sie sich am Mainkanal herumtreiben, ausgesetzt sind. Dieser Un­vorsichtigkeit wären vorgestern Mittag im Handumdrehen zwei Menschen­leben zum Opfer gefallen: Ein etwa lljühriges Mädchen, dem man ein ijähriges im Wägelchen fitzendes Kind zur Spazierfahrt anvertraute, be- gab sich in Begleitung eines ungefähr 4jährigen Knaben an den Main­kanal. Dort ging das Mädchen, welches sich am Morgen die Hand verbrannt, die Wunde im Wasser zu kühlen; inzwischen setzte der kleine Junge das Fuhrwerk in Bewegung und rollte es in den Kanal. Das Mädchen stürzte sich 2mal in's Wasser um das kleine Kind zu retten, mußte aber schließlich durch einen Arbeiter des Herrn Herold selbst herausgezogen werden, während das Kind mit einem Kahn erreicht und von dem Lenker desselben gerettet und sammt dem Wagen auf's Trockene geschafft wurde. Man bemerkte an Ersterem noch Lebenszeichen, ver­brachte es in's nächste Haus und hier erwiesen sich die angestellten Wei- terbelebungsversuche von bestem Erfolge.

Wir unterlassen nicht Eltern und Pflegeeltern wiederholt auf die Gefährlichkeit dieses Spielplatzes aufmerksam zu machen, um ihre Kinder oder Pflegebefohlenen nachdrücklichst davor zu warnen.

— Gestern wurden die Verhandlungen des mit der Friedensfeier verbundenen Ersten deutschen Kriegervereins-Congresses im geschichtlich bekannten und berühmten „Römer-Saale" zu Frank­furt a. M. mit Bildung des Bureau's rc. eröffnet. Die deutschen Krie- gervereine zählen zusammen etwa 300 000 Seelen, die sich auf ca 3000 Vereine vertheilen und die auch zum größten Theile hier ihre Vertre­tung finden. Man gibt sich der Hoffnung hin, da bereits die besten Aussichten hierfür vorhanden, daß die angestrebte Vereinigung sämmt­licher deutschen Kriegervereine erzielt werde.

Der gelegentlich dieses hochwichtigen Aktes veranstaltete Festzug be­wegte sich Punkt 11 Uhr von der „Schönen Aussicht" aus durch die festlich geschmückten Hauptstraßen Frankfurts nach dem Festplatze im ehe­maligen kurfürstlichen Garten, woselbst er kurz nach 12 Uhr eintraf. In demselben, welcher ungefähr 6000 Theilnehmer zählen mochte, waren außer den anwesenden Kriegervereincn auch verschiedene Frankfurter Ge­werkschaften und Vereine, sowie 4 Musikkapellen zu ersehen und etwa 100 Fahnen mochten in dem von zwei Herolden, denen die Krieger der Reichslande folgten, eröffneten stattlichen Zuge zu zählen sein. — Eine große Menschenmenge hatte sich in den Straßen, welche der Zug passirte, angesammelt.

Der heutigen Nummer unseres Blattes liegt der Sommer- Fahrplan der Hess. Ludwigseisenbahn bei.

— ■ Für heute. Verein der Fortschrittspartei: Abends 8Vü Uhr Monatsversammlung im Saale der „Centralhalle".-— Abends 9 Uhr: Spritze Nr. 4 in den „drei Rindern" (oberes Sälchen); Nr. 5 im „goldenen Herz"; Nr. 6 bei Schomann.

— Kassel. Der Herr Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau Freiherr von Ende hat vorgestern, einen vierzehntägigen Urlaub ange­treten und ist zunächst nach Berlin abgereist. (K. I.)

— Kassel, 7. Mai. Die Unachtsamkeit eines Wagenlenkers und das leidige Schnellfahren hat heute Mittag zwischen 12 und 1 Uhr ein Unglück herbeigeführt, dessen Folgen, wie man leider fürchten muß, die. schlimmsten fein werden. Es ist nämlich in der Ziegengasse das 3jäh- rige Kind des Schuhmachermeisters Hunold überfahren und so stark ver­letzt worden, daß am Aufkommen des bedauernswertheu Kleinen gezwei­felt wird.

— Kassel, 8. Mai. Herr Hofgärtner Ludolf hat vor einigen Tagen in der Aue, und zwar in der Nähe des Theaterberges, eine Quelle entdeckt, deren Wasser von einem intensiv säuerlichen Geschmack ist. Von Seiten der Regierung ist eine Quantität dieses Wassers zur Untersuchung an Professor Dietrich in Marburg gesandt worden, über deren Resultat^ wir später berichten werden. , (Ä- So

— Marburg, 7. Mai. Bis zum 7. Mai l. I. sind 237 -stu- dirende zur Immatrikulation angemeldet und zwar 30 Theologen, 51 Juristen, 56 Mediciner, 57 Studirende der Philosophie, Philologie und Geschichte, 32 Studirende der Mathematik und Naturwissenschaft, 11 Pharmaceuten. ^L/^

— Vom 15. Mai d. I. ab werden zwischen Frankfurt a. M. und Berlin über Kassel und Nordhausen Nacht-Courierzüge mit Anschlußzü­gen nach resp, von Halle a. S. und Leipzig neu eingesührt. Der eine Courierzug fährt, im Anschluß an die von Basel Nachmittags 2 45, von Straßburg 5.07 abgehenden und in Frankfurt a. M. 10.42 Abends ein­treffenden Schnellzüge daselbst vom Main-Weser-Bahnhofe um 11 Uhr Abends ab und trifft über Gießen, Kassel, Nordhausen in Berlin (Pots-